Opportunitätskosten

Sowohl aus betriebswirtschaftlicher als auch aus volkswirtschaftlicher Hinsicht besitzt der Begriff Opportunitätskosten eine wichtige Bedeutung, denn hierbei handelt es sich um die sogenannten Verzichtskosten. Oftmals werden die Opportunitätskosten auch als Schattenpreis oder Verzichtskosten bezeichnet.

In den Wirtschaftswissenschaften beschreiben die Opportunitätskosten den entgangenen Nutzen bzw. den entgangenen Ertrag von einer Handlungsalternative, auf den verzichtet wurde, zugunsten der durchgeführten Alternative. Umgangssprachlich wird auch von den Kosten entgangener Gewinne gesprochen.

An dieser Stelle muss betont werden, dass die Opportunitätskosten somit keine Kosten im Sinne der Kosten-und Leistungsrechnung sind, sondern sie ausschließlich der Quantifizierung der entgangenen Alternative dienen.

Ein Beispiel für die Opportunitätskosten

Es wird ein Unternehmen gegründet in dem der Gründer zum einen 100.000 Euro Eigenkapital investiert – diese waren bisher auf dem Aktienmarkt angelegt – und zum anderen seine Arbeitskraft – er war bisher angestellt und hatte diese für ein Bruttogehalt von 50.000 Euro „verkauft“.

Somit entgehen dem Gründer zum einen die Erträge wie beispielsweise die Dividenden aus der Aktienanlage und zum anderen sein Gehalt, das er in Höhe von 50.000 Euro erhalten hat.

Genau diese entgangenen Gewinne stellen die Opportunitätskosten dar. Diese sollten stets berücksichtigt werden, wenn es um die Entscheidung einer Unternehmensgründung geht. Zudem gehen die Opportunitätskosten ggf. auch als kalkulatorische Kosten in die Kostenrechnung ein.

Ein weiteres Beispiel für Opportunitätskosten

Mit diesem Beispiel soll erklärt werden, welche Bedeutung die Opportunitätskosten haben und wie diese berechnet werden.

  • Berechnung der Opportunitätskosten für den Einsatz von Eigenkapital

Ein Existenzgründer setzt ein Eigenkapital von 100.000 Euro in das von ihm gegründete Start-up ein. In der Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens wird dieses Eigenkapital nicht als Aufwand (Zinsaufwand) verbucht, da dafür selbstverständlich keine Zinsen gezahlt werden – dafür steht dem Eigentümer der Gewinn zu.

Indirekt fallen gleichwohl Kosten an, denn der Existenzgründer hätte diese 100.000 Euro auch anderweitig anlegen können, beispielsweise in Festgeld oder in Aktien und hätte dafür eine Vergütung erhalten. Eben diese entgangene Verzinsung seines Kapitals muss der Eigentümer mit den Produkten seines Start-ups „mitverdienen“.

Genau diese Vergütung, die dem Eigentümer entgeht, wird als Opportunitätskosten bezeichnet. Diese könnten mit Hilfe von einem kalkulatorischen Zinssatz in der Kostenrechnung berücksichtigt werden.

In welchen Bereichen werden die Opportunitätskosten angewendet?

In der Betriebswirtschaft werden die Opportunitätskosten in den unterschiedlichsten Bereichen und auch auf verschiedenen Arten und Weisen berücksichtigt wie beispielsweise:

  • In der Kostenrechnung. Hier werden sie unter Einbezug der kalkulatorischen Zinsen, kalkulatorischer Miete oder von einem kalkulatorischen Unternehmerlohn verwendet.
  • In der dynamischen Investitionsrechnung. Hier durch den Ansatz von einem Kalkulationszinssatz, der beispielsweise für die Abzinsung bei der Kapitalwertmethode zum Einsatz kommt.

Zwei Arten von Opportunitätskosten

Die Opportunitätskosten werden unterschieden zwischen Input- und outputbezogenen Opportunitätskosten.

  • Die outputbezogenen Opportunitätskosten.

Hierbei handelt es sich ausschließlich um die Opportunitätskosten, die sich auf den Output des Produktionsprozesses beziehen. Das heißt, dass darunter die Kosten bzw. die entgangenen Deckungsbeiträge einer Alternativoption verstanden werden, die sich nicht auf den Input, sondern vielmehr auf den Output des Produktionsprozesses beziehen.

In diesem Fall muss zwischen den Alternativkosten und den Optimalkosten unterschieden werden. Zu Ersteren zählen die Opportunitätskosten, die abweichend sind von der nächstbesten Alternative und Letztere alle Optimalkosten, die von einer optimalen Anwendung der ausgewählten Alternativoption abweichen. Die Alternativkosten können dann zum Einsatz kommen, wenn unterschiedliche Produktionsprogramme des Unternehmens miteinander verglichen werden sollen. Anders bei den Optimalkosten, hier steht die Bewertung der Alternative ausschließlich dann in den Vordergrund, wenn es um den Vergleich des optimalen Produktionsprogramms geht.

Das Konzept der Opportunitätskosten kommt häufig ausschließlich dann zum Einsatz wenn es um die Bewertung der Alternativoptionen geht und vor allem, dann wenn bereits eine Entscheidung getroffen wurde. Das bedeutet unterm Strich, dass hier lediglich eine Ex-Post-Analyse möglich ist.

  • Die inputbezogenen Opportunitätskosten.

Diese werden als Kosten bezeichnet, deren Deckungsbeitrag auf den Inputfaktor beschränkt ist. Hierzu zählen bsp. die Faktoren: Arbeitsstunden, Materialkosten oder Stück. Das bedeutet, dass in diesem Zusammenhang von den sogenannten relativen Deckungsbeitrag gesprochen wird. Wer die Opportunitätskosten beurteilen möchte, der muss nicht notwendigerweise, die Deckungsbeiträge heranziehen, sondern er kann vielmehr auch eine Beurteilung erreichen, dass die entgangene Kundenakquise, die entgangenen Umsätze oder die entgangenen Marktanteile relativ betrachtet werden.

Allerdings kommen in der Praxis die Bewertungen in Bezugnahme auf die entgangene Stückdeckungsbeträge häufiger vor, denn deren Vergleich ist einfacher und schneller durchzuführen.

Nochmals kurz zusammengefasst

ü  Opportunitätskosten, die auch als Verzichts- oder Alternativkosten bezeichnet werden, entstehen dadurch, dass eine andere Opportunität (Möglichkeit) nicht genutzt wird.

ü  Die Opportunitätskosten sind in der Volkswirtschaft ebenso wie in der Betriebswirtschaft vorhanden.

ü  Die Transformationskurve ist ein Praxisbeispiel aus der Volkswirtschaft sowie auch der komparative Kostenvorteil. Bei der Transformationskurve handelt es sich um eine Grafik, die ein nützliches Gütermengenverhältnis bei einem vorhandenen Einsatz von Ressourcen aufzeigt. Steigt die Transformationskurve, dann bezeichnet man diese als Grenzrate der Transformation und dabei handelt es sich dann um die Opportunitätskosten.