Offshoring

Die Verlagerung betrieblicher Aktivitäten ins Ausland

Bei Offshoring handelt es sich um eines der Begriffe, die durch die immer weiter um sich greifende Globalisierung in Model kommen. Der Begriff Offshoring stammt aus dem englischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Auslandsverlagerung“. Zwar ist der Begriff seit einiger Zeit in aller Munde, doch viele wissen nicht, was mit dieser Art der Auslagerung gemeint ist.

Offshoring für den Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit

Wenn es bei einem Unternehmen um Offshoring geht, dann verlagert es gewissen Aufgaben ins Ausland, damit die Wettbewerbsfähigkeit international erhalten bleibt. Die Unternehmen lagern ganz gewisse Dienstleistungen mit dem primaeren Ziel ins Ausland aus, um Kosten zu reduzieren. Das ist aus einem Grund möglich: Das Offshoring wird vorrangig in Ländern betrieben, in denen die Lohnkosten weit unter denen des Heimatlandes liegen, doch die Qualität der Arbeit, durch hoch qualifizierte Arbeitskräfte gleichzustellen ist. Zudem bietet Offshoring auch den Vorteil, dass die eigenen Arbeitskräfte entlastet werden, und dadurch ist es möglich ebenfalls Kosten zu sparen und zugleich die Qualität der Leistungen zu erhöhen.
Eine wichtige Grundvoraussetzung für den Offshoring-Prozess ist, dass der Unternehmer dafür einen vertrauenswürdigen Partner im Ausland findet, der eben die entsprechenden Inhalte günstiger abwickelt, als das eigene Inhouse-Team.
Beispielsweise werden die IT-Dienstleistungen nach Indien ausgelagert, denn dort sind die Arbeitskräfte ebenso versiert, aber eben wesentlich günstiger in den Lohnkosten. Damit kann das Unternehmen Kosten sparen und hat die Möglichkeit, seine Mitarbeiter mit anderen Arbeitsinhalten zu betrauen. Doch auch Produktionsprozesse werden ausgelagert, wie beispielsweise die Herstellung von Bekleidung oder Baumaterialien, sofern diese im Nachbarland günstiger produziert werden können.

Offshoring ist niemals ein Selbstläufer

Die Buchhaltung sitzt in Prag, die Software-Entwicklung in Bangalore und/oder der Call-Center in Istanbul – das Offshoring bzw. die Verlagerung von Dienstleistungen in Niedriglohnländer ist beliebt. Das ist auch kein Wunder, denn die Beratungen versprechen Kostensenkungen von bis zu 50 % – doch dabei muss sich jeder darüber klar sein, dass ein erfolgreiches Offshoring kein Selbstläufer ist.
Genau das zeigen die Rückverlagerungen ins Inland. Die Ergebnisse einer US-Studie zeigt, dass 78% der Unternehmen, die bereits Offshoring-Erfahrung gesammelt haben, sich mindestens bei einem oder sogar mehreren Projekten zum Abbruch entschließen mussten.
Somit stellt sich die Frage, ob Offshoring tatsächlich eine Lösung ist für die Kostenprobleme auf dem internationalen Markt. Zudem muss abgeklärt werden, welche Probleme aufkommen können, bei der Verlagerung von Dienstleistungserstellungen ins Ausland und warum oftmals die Rechnung beim Offshoring nicht aufgeht.

Warum werden die Dienstleistungserstellungen in Niedriglohnländer verlagert?

„Kostensenkung“ ist der wichtigste Grund, denn in einem Unternehmen können beispielsweise Einsparungen von 30 % erzielt werden durch das Offshoring. Doch oftmals kann der Vorteil der niedrigen Kosten nur realisiert werden, wenn das entsprechend qualifizierte Personal vorhanden ist. Somit suchen die Unternehmen aus den verschiedensten Branchen im Ausland qualifizierte Fachkräfte und damit rückt das Motiv „Zugang zu Experten / Know-how“ an zweiter Stelle.

Welche Tätigkeiten werden ausgelagert?

Hier ist ein klarer Trend zu den wissensintensiveren Dienstleistungen wie beispielsweise der Entwicklung von Software zu erkennen. Die Dienstleistungen, die mit einem direkten Kundenkontakt verbunden sind, wie beispielsweise Callcenter werden seltener dem Offshoring unterzogen. Nur selten kommt es dazu, dass komplette Geschäftsfunktionen oder Projekte ausgelagert werden, sondern vielmehr werden nur Teilleistungen in die Niedriglohnländer dem offshoring unterzogen. So wird beispielsweise im Rechnungswesen für die Buchung der Dateneingabe beispielsweise ein Offshore-Center beauftragt, wohingegen die Verantwortung für die Richtigkeit der Daten sowie das Business Know-how dem „heimischen“ Unternehmen unterliegt.
Das Geschäftsmodell beim Offshoring

Das Offshoring wird oftmals als dauerhaft strategisches Investment angesehen und somit wird oftmals eine eigene Tochtergesellschaft gegründet (35%) oder ein Joint Ventures (20%). Nur rund 45% der Unternehmen entscheiden sich für das Geschäftsmodell „Offshore-Outsourcing“!

Was ist der Unterschied zwischen Offshoring und Outsourcing?

Bei dem Offshoring wird nur eine geografische Verlagerung von bestimmten unternehmerischen Funktionen vorgenommen im Gegensatz zum Outsourcing, denn hier wird eine organisatorische Verlagerung beschrieben. Wichtig ist zu wissen, dass zwischen dem Offshoring und dem Outsourcing kein zwingender sachlicher Zusammenhang besteht. Denn das Offshoring, also die Verlagerung von unternehmerischen Funktionen ins Ausland, kann innerhalb des Unternehmens stattfinden – das sogenannte interne oder captive Offshoring – oder die Funktionen können in ein unabhängiges Auslands-Unternehmen ausgelagert werden – das sogenannte Offshore Outsourcing. Neben diesen beiden Offshoring-Formen existieren eine Vielzahl von Zwischenformen, wie eben das Joint Venture, bei dem mit einheimischen Partnern im Ausland gearbeitet wird.

Der Nachteil des Offshoring

Bei dem Offshoring kann es zum Abbau von Arbeitsplätzen im eigenen Land kommen, einem zunehmenden Konkurrenzdruck in der Belegschaft und durch Partnerunternehmen. Dazu kommen dann auch noch eine erhöhte Komplexität bei Funktionen und Prozessen, ein gesteigerter Kommunikationsaufwand sowie Datenschutzrisiken, Rechtsunsicherheit und Wirtschaftsspionage. All diese Punkte führen zur Kritik an dem Offshoring.
Was die Risiken direkt, abgesehen von den Kritikpunkten angeht im Bezug auf das Offshoring, so können diese sowohl operativer als auch strategischer Natur sein. So kann es einerseits zu Problemen bei der Verständigung kommen. Zudem wird die Kommunikation nur sehr selten, wenn überhaupt, persönlich stattfinden und Meetings müssen ggf. aufgrund der kulturellen oder der Zeitverschiebung angepasst werden. Zudem kann es passieren, dass das Unternehmen durch das Offshoring nicht mehr spontan und flexibel auf etwaige Veränderungen auf den Markt reagieren kann.