Gewerkschaft

Ähnlich wie Betriebsräte sind Gewerkschaften darauf ausgelegt, sich für das Wohlergehen von Arbeitnehmern einzusetzen. Dennoch sind Betriebsrat und Gewerkschaft längst nicht identisch. Alles Wissenswerte rund um Gewerkschaften erfährst du hier:

Das erwartet dich heute:

Was ist eine Gewerkschaft?

Unter einer Gewerkschaft ist eine auf Dauer angelegte Vereinigung von abhängig beschäftigten Arbeitnehmern zu verstehen. Diese ist darauf ausgelegt, die wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Interessen von Angestellten zu vertreten. Weitere Informationen findest du in diesem Video:

VIDEO: https://www.youtube.com/watch?v=lCwqW-ZGqkI

Gesetzliche Grundlagen von Gewerkschaften

Die rechtmäßige Freiheit zur Bildung von Vereinigungen ist im Grundgesetz Artikel 9 Abs. 3 verankert. Die genannten Vereinigungen verfolgen das Ziel, sich den Interessen der Arbeitswelt anzunehmen. Das Gesetz verwendet in diesem Zusammenhang den Begriff der Koalitionsfreiheit.

Tipp!

Weitere Grundlagen für die Bildung solcher Organisationen sind im Tarifvertragsgesetz zu finden. Gemäß § 2 Tarifvertragsgesetz sind ausschließlich Arbeitgeber und Gewerkschaften zur Erfüllung von tarifrechtlichen Anforderungen berechtigt. Somit sind die Verhandlungen und Abschlüsse von Tarifverträgen ausnahmslos zwischen diesen beiden Parteien möglich.

Geschichtliche Entwicklung dieser Arbeitnehmervertretung

Die heutigen Gewerkschaften gehen auf eine Tradition von rund 150 Jahren zurück. Eine Zusammenfassung über die Entstehung von Gewerkschaften und ihrer Geschichte findest du hier:

Jahr Ereignis
1848 - 1849 Während der Revolution entstanden erste Gewerkschaften auf nationaler Ebene
1880 Gewerkschaften haben sich dauerhaft etabliert, nachdem politische Restriktionen für sozialdemokratisch orientierte Verbände gelockert wurden
1918 Organisatorische Weiterentwicklung während der Weimarer Republik und Festigung bis zum Beginn der Weltwirtschaftskrise
1933 Auflösung unabhängiger Gewerkschaften durch Nationalsozialismus
1945 Gründung von Einheitsgewerkschaften in allen Besatzungszonen, Aufbau des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB) in sowjetischer Besatzungszone mit einer zentralistischen Organisation
1949 Entstehung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) aus Einheitsgewerkschaft in Westzonen
2001 Gründung der Gewerkschaft Verdi

Was sind die Merkmale einer Gewerkschaft?

Die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft ist stets freiwillig. Damit Gewerkschaften jedoch auch vor dem Gesetz als solche anerkannt werden, sind nachfolgende Kriterien zu erfüllen:

Allgemeine Anforderungen

Wie bereits erwähnt, muss die angestrebte Interessensvereinigung in jedem Fall auf freiwilliger Basis erfolgen. Dabei ist zu gewährleisten, dass die Gewerkschaft für eine gewisse Dauer angelegt ist. Zudem ist sicherzustellen, dass die Wahrung und Förderung von Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen dem satzungsmäßigen Zweck entspricht. Eine weitere Eigenschaft von Gewerkschaften besteht darin, dass diese Dritten gegenüber finanziell, personell sowie organisatorisch unabhängig sind. Zu den genannten Dritten gehören unter anderem:

  • Staat
  • Parteien
  • Kirchen

Zudem sind Gewerkschaften stets gegnerfrei. Das bedeutet, dass es dir als Arbeitgeber unmöglich ist, eine Mitgliedschaft aufzunehmen. Des Weiteren sind Gewerkschaften demokratisch organisiert und erlangen ihre Legitimation durch Wahlen sowie der Mitbestimmung ihrer Mitglieder.

Tarifrechtliche Anforderungen

Damit es zur offiziellen Anerkennung von Gewerkschaften kommt, ist es besonders wichtig, dass diese tariffähig sind. Die Tariffähigkeit besteht, sobald folgende drei Kriterien erfüllt sind:

1. Soziale Wichtigkeit:

Damit es einer Gewerkschaft möglich ist, die geplanten Interessen umzusetzen, muss sich diese mit einem hohen Maß an Durchsetzungsvermögen auszeichnen. Denn nur dann nimmt der Handlungspartner deren Absichten auch ernst. Je mehr Gewerkschaftsmitglieder vertreten sind, desto größer ist der Einfluss der jeweiligen Organisation. Darüber hinaus gehört die Bereitschaft zur Teilnahme an Arbeitskampfmaßnahmen zum Profil einer etablierten Gewerkschaft.

2. Tarifwilligkeit

Zu den wichtigsten Voraussetzungen einer erfolgreichen Gewerkschaftsarbeit gehört der Wille sowie die Fähigkeit, über alle Arbeitsbedingungen von Beschäftigten zu verhandeln, und den angestrebten Abschluss zu erzielen. Wichtig ist dabei, dass alle Bereiche eines Beschäftigungsverhältnisses umfassend abgedeckt werden.

3. Durchsetzungswille

Unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Gewerkschaftsarbeit bildet der Wille zur Führung von Tarifverhandlungen. Hierzu gehört notfalls auch die Durchsetzung beabsichtigter Forderungen mit Hilfe von Streiks.

Welche Aufgaben hat eine Gewerkschaft?

Gewerkschaften sind in erster Linie darauf ausgelegt, bessere Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmerschaft Ihrer Branche zu erzielen. Hierzu gehört unter anderem die Verbesserung des Mitspracherechts von Arbeitnehmern des jeweiligen Unternehmens. ZU den typischen Aufgaben einer Gewerkschaft zählen:

  • Abschluss von überbetrieblichen Tarifverträgen mit Arbeitgeberverbänden
  • Regulierung von Arbeitsbedingungen (z.B. Entlohnung, Arbeitszeit, Urlaub)
  • Beratung von Arbeitnehmern rund um Fragen des Arbeitsrechts
  • Prüfen von Arbeitsverträgen hinsichtlich deren Rechtsmäßigkeit
  • kostenloser Rechtsschutz für Gewerkschaftsmitglieder

Welche Maßnahmen kannst du als Arbeitgeber gegen Gewerkschaftsstreiks ergreifen?

Rufen Gewerkschaften zum Streik auf, kann dies für dein Unternehmen einen erheblichen Mitarbeiterausfall bedeuten. Dies führt schnell zu hohen, wirtschaftlichen Verlusten. Dennoch musst du als Unternehmer eine solche Maßnahme nicht tatenlos über dich ergehen lassen.

Achtung!

Handelt es sich um einen unrechtmäßigen Streik, kannst du Unterlassungs- und Schadenersatzansprüche gegenüber Gewerkschaften, Funktionären und Arbeitnehmer geltend machen. Diese sind als Klage oder einstweiliger Verfügung durchsetzbar.

Ein rechtmäßiger Streik führt hingegen dazu, dass die Rechten und Pflichten eines bestehenden Arbeitsverhältnisses auf beiden Seiten pausieren. Davon ausgenommen sind lediglich die Rechten und Pflichten, die sich aus Erhaltungs- oder Notstandsarbeiten ableiten. Dazu gehören zum Beispiel Tätigkeiten, die zur Versorgung der Bevölkerung erforderlich sind. Ebenfalls ist zu gewährleisten, dass die Funktionsfähigkeit deiner Betriebsmittel nicht zum Erliegen kommt. Streiks dürfen deinem Unternehmen zu keiner Zeit einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden zuführen oder deine Existenz gefährden. Gezielt kannst du einem Streik mit diesen Maßnahmen entgegenwirken:

Aussperrung  (=Ausschluss von Arbeitnehmern ohne Lohnfortzahlung) Weiterbeschäftigung (=Streikarbeit) Öffentlichkeitsarbeit Stilllegung einzelner Bereiche
in der Praxis selten anzutreffen, da große Rechtsunsicherheiten bestehen Arbeitnehmer sollen durch bessere Bezahlung (Streikbruchprämien) zur Arbeit animiert werden Schriftliche Information über die Folgen des Streiks an deine Arbeitnehmer Entweder Stilllegung des bestreikten Bereichs oder einzelnen Bereichen, die keinen Arbeitskampfmaßnahmen unterliegen
durch einen oder mehrere Arbeitgeber möglich Beschäftigungsmöglichkeiten bleiben ungenutzt
Aussperrung einzelner Gruppen ist unzulässig

Welche bekannten Gewerkschaften gibt es in Deutschland?

In Deutschland besteht eine große Vielfalt an Vereinigungen, die sich darauf spezialisiert haben, die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmerschaft zu verbessern. Dabei ist deren Fokus jeweils auf eine bestimmte Branche ausgerichtet. Handelt es sich um eine sogenannte Dachorganisation wie zum Beispiel beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), gehören dieser mehrere Einzelgewerkschaften an. Dem DGB gehören insgesamt folgende acht Gewerkschaften an:

  • Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi)
  • IG Metall
  • Gewerkschaft der Polizei
  • Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft
  • Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
  • Gewerkschaft Nahrung - Genuss – Gaststätten
  • IG Bauer – Agrar – Umwelt
  • IG Bergbau, Chemie, Energie

Weitere Gewerkschaften in Deutschland, die nicht dem DGB angehören, sind zum Beispiel der Deutsche Beamten Bund (DBB), der christliche Gewerkschaftsbund (CGB), Marburger Bund und die Vereinigung Cockpit.

Wann ist die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft sinnvoll?

Ob die Mitgliedschaft einer Gewerkschaft persönliche Vorteile mit sich bringt, orientiert sich zum Teil stark an der persönlichen Situation deiner Arbeitnehmer. Die Bestimmungen des Tarifvertrags der jeweiligen Gewerkschaft greifen in jedem Fall. Weiterhin besteht für Gewerkschaftsmitglieder ein kostenloser Rechtsschutz bei Unstimmigkeiten mit dem Arbeitgeber oder weiteren betriebsinternen Problemen. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, Erfahrungswerte von Gewerkschaftsmitgliedern einzuholen. Letztendlich trägt die Branche der angestrebten Gewerkschaft dazu bei, deren tatsächlichen Kosten und Nutzen abzuwägen.

Was ist beim Austritt einer Gewerkschaft zu beachten?

Die Kündigung einer Gewerkschaft ist ohne Angabe von Gründen möglich. Worauf bei der Beendigung einer Mitgliedschaft konkret zu achten ist, ist in der jeweiligen Satzung der Gewerkschaft geregelt. Überwiegend wird die Schriftform vorausgesetzt. Allerdings ist die Kündigung einer Gewerkschaft in der Regel an die Einhaltung von Fristen gebunden. Oftmals lässt sich die Mitgliedschaft lediglich quartalsweise beenden. Dies sollte bereits beim Kündigungswunsch berücksichtigt werden.

Welchen Einfluss nimmt diese Form der Arbeitnehmervertretung auf dein Unternehmen?

Normalerweise sind Gewerkschaften bei Arbeitgebern nicht besonders beliebt. Dies liegt daran, dass diese zum Wohle der Arbeitnehmer vor keinerlei Arbeitskampfmaßnahmen zurückschrecken. Besonders verheerend  für dein Unternehmen sind beispielsweise Streiks. Das Gegenstück zur Gewerkschaft bildet der Arbeitgeberverband. Auch hier ist die Mitgliedschaft freiwillig.

Tipp!

Wenn du dich für eine Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband entscheidest, erhältst auch du Unterstützung in der Umsetzung deiner Interessen. Die Bestimmungen einer Gewerkschaft betrifft dein Unternehmen jedoch nur, wenn mindestens einer deiner Arbeitgeber dieser angehört.

Fazit

Der Umgang mit Gewerkschaften ist für Unternehmer nicht immer leicht. Dennoch übernehmen diese eine wichtige Rolle für ein gesundes Klima zwischen Arbeitnehmern und Geschäftsführer. Je wohler sich deine Mitarbeiter im Betrieb fühlen, desto weniger wirst du den Einfluss durch eine Gewerkschaft spüren. Ein gesundes Miteinander bildet die beste Grundlage für eine erfolgreiche unternehmerische Zukunft, unabhängig von Gewerkschaften.

Kurz zusammengefasst: häufig gestellte Fragen zum Thema Gewerkschaft

Was ist der DGB?

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit Sitz in Berlin ist eine Dachorganisation bestehend aus insgesamt acht einzelnen Einzelgewerkschaften. Der DGB zählt mit einer Mitgliederanzahl von rund 6 Millionen weltweit zu einer der größten Gewerkschaftsverbänden. Die Interessen von Arbeitnehmern werden sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene vertreten. Letztere umfasst beispielsweise die EU und die UNO. Dem DGB selbst ist es nicht möglich, Tarifverträge abzuschließen. Dieser koordiniert vielmehr die Politik sowie die Organisation der Einzelgewerkschaften.

Wie ist der DGB organisiert?

Informationen zur Gliederung des DGBs zeigt dir diese Grafik: BILD: https://www.beamten-informationen.de/media/img/wiwe_2010_8.jpg Insgesamt gliedert sich der Deutsche Gewerkschaftsbund deutschlandweit in neun Bezirke, den Bundesländern. Aus diesen gehen einzelne Regionen hervor. Davon ausgehend entstehen einzelne Kreis- und Stadtbezirke.

Wann ist eine Gewerkschaft in deinem Unternehmen vertreten?

Aus betriebsverfassungsrechtlicher Sicht ist eine Gewerkschaft in deinem Betrieb vertreten, sobald  mindestens ein Arbeitnehmer die Mitgliedschaft aufnimmt. Die Tarifzuständigkeit einer Gewerkchaft speziell für dein Unternehmen ist unerheblich.

Wie wird eine Gewerkschaft finanziert?

Gewerkschaften finanzieren sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge wie Einnahmen ihres Vermögens. Geld vom Staat oder Subventionen gibt es nicht. Somit sind Gewerkschaften dazu angehalten, den gesamten Apparat, alle Verwaltungsangestellten sowie alle hauptamtlichen Funktionsträgerinnen aus eigener Kraft zu finanzieren. Je geringer die Anzahl der Mitglieder, desto schwieriger wird die Finanzierung.

Wie hoch fällt der Mitgliedsbeitrag aus?

Die tatsächliche Höhe des zu zahlenden Gewerkschaftsbeitrags ist der jeweiligen Satzung zu entnehmen. Als Richtwert gilt rund 1 % des monatlichen Bruttoeinkommens. Für bestimmte Personengruppen wie zum Beispiel Auszubildenden oder Personen in Elternzeit greift ein verminderter Beitragssatz.

Bist du zur Entlohnung deiner Arbeiter während eines Gewerkschaftsstreiks verpflichtet?

Während eines Streiks bist du von der Entgeltfortzahlung befreit. Somit erhalten deine Arbeiter in diesem Zeitraum keine Bezahlung. Lediglich Gewerkschaftsmitglieder werden durch die zuständige Gewerkschaft entlohnt. Umgangssprachlich wird dabei von Streikgeld gesprochen. Das Streikgeld ist von der Einkommensteuer befreit. Die Ansprüche aus Kranken- und Rentenversicherung bleiben während der gesamten Streikdauer uneingeschränkt bestehen.

Sind Mitarbeiter während eines Gewerkschaftsstreiks kündbar?

Nein, während der gesamten Streikdauer ist keine Kündigung von Beschäftigten rechtswirksam.

Weitere Artikel