Einkommensteuer

Alljährlich steht die Einkommensteuererklärung an, die einige Steuerpflichtige selbst erledigen, andere geben den Auftrag zur Anfertigung der Erklärung ebenso wie Gewerbetreibende und Selbstständige in die Hände eines Steuerberaters. Was aber ist die Einkommensteuer und was gibt es zur Einkommensteuererklärung zu wissen?

kurze Definition der Einkommensteuer

Definition: Was ist die Einkommensteuererklärung?

Der Staat erhebt auf das Einkommen natürlicher Personen Einkommensteuer. Diese umfasst insgesamt sieben Einkunftsarten, wozu unter anderem Gehälter und die Einnahmen aus freiberuflicher und selbstständiger Tätigkeit gehören. Die Steuer fließt anteilig dem Bund, den Ländern und den Kommunen zu und wird daher auch als Gemeinschaftssteuer bezeichnet. Sie gilt als wichtigste Steuer und macht allein rund ein Drittel aller Steuereinnahmen des Staates aus. Damit ist die Einkommensteuer sogar noch wichtiger als die Umsatzsteuer.
Grundlage für sämtliche Regelungen zur Einkommensteuer ist das Einkommensteuergesetz. Die Berechnungen sind über den Einkommensteuertarif geregelt.
Grundsätzlich gilt eine unbeschränkte Einkommensteuerpflicht für alle Personen, die ihren ständigen Wohnsitz in Deutschland haben. Erwerbstätige, die nicht ständig in der Bundesrepublik leben, sind beschränkt einkommensteuerpflichtig.

Einkommensteuer oder Lohnsteuer? Das ist der Unterschied

Die Lohnsteuer wird für alle abhängig Beschäftigten erhoben, damit zahlen Arbeitnehmer grundsätzlich Lohnsteuer. Sobald noch weitere Einkünfte hinzukommen oder Einkünfte aus einer selbstständigen Tätigkeit vorliegen, sprechen Fachkreise von der Einkommensteuer. Zugrunde liegen die unterschiedlichen Bezeichnungen „Lohn“ (Arbeitsentgelt für Angestellte) und „Einkommen“ (andere Entgelte, evtl. plus Lohn).

Fristen für die Einkommensteuer

Lohnsteuer wird automatisch durch den Arbeitgeber an das Finanzamt abgeführt. Wer eine Steuererklärung abgeben möchte oder dazu verpflichtet ist, musste dies bis zum 31. Mai des jeweiligen Steuerjahres machen, wobei diese Frist letztmalig für das Steuerjahr 2017 gilt. Ab 2018 gelten andere Regelungen:

  • Frist für die Abgabe der Steuererklärung ist am 31. Juli 2019
  • Frist bei Hilfe durch Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein ist am 28. (bzw. 29.) Februar des übernächsten Jahres

Bei freiwilliger Abgabe der Steuererklärung gilt die Vierjahresfrist. Hält man sich nicht an die Fristen, muss man mit einem Verspätungszuschlag rechnen, der als pauschale Summe oder anteilig von der Nachzahlungssumme berechnet wird.

Prinzipien der Einkommensteuer

Das Einkommensteuergesetz handelt nach den folgenden Prinzipien bzw. liegen der Berechnung der Einkommensteuer diese Prinzipien zugrunde:

  • Welteinkommensprinzip
    Alle natürlichen Personen, die über ein Einkommen verfügen und in Deutschland steuerpflichtig sind, müssen ihr gesamtes Einkommen versteuern (inklusive der Einnahmen, die in anderen Ländern entstanden sind).
  • Nettoprinzip
    Besteuert werden nur die Nettoeinnahmen (Einkommen minus Werbungskosten und Betriebsausgaben).
  • Besteuerung nach Leistungsfähigkeit
    Bürger mit dem gleichen Einkommen werden gleich besteuert, unterschiedliche Einkommen unterliegen einer verschiedenen Besteuerung. Es handelt sich um eine Ist-Besteuerung.
  • Periodizitätsprinzip
    Das Einkommen wird nach Perioden besteuert, ohne dass Rücksicht auf frühere oder spätere Perioden genommen wird.
  • Prinzip der gestaffelten Steuersätze
    Das Einkommen wird progressiv versteuert, das heißt, es gibt eine Staffelung der Steuer in Abhängigkeit von der Einkommenshöhe.

Einkommensteuergesetz: Was muss versteuert werden?

Der Gesetzgeber kennt verschiedene Einkunftsarten, insgesamt sind es sieben. Sämtliche Einnahmen müssen versteuert werden, teilweise auch Gewinne. Wichtig ist dabei, ob die Gewinne nur durch Glück zu erreichen waren (Glück entscheidet über Sieg oder Niederlage, Beispiel Lotto) oder ob es sich um eine Entlohnung handelt. Diese liegt beispielsweise bei der Vergabe von Preisgeldern oder bei Gewinnen aus der Teilnahme an Fernsehshows vor.
Damit unterliegen alle Einkünfte, die natürliche Personen erhalten, der Einkommensteuer, also auch Zinsen oder Mieteinnahmen. Allerdings hat jeder Steuerpflichtige einen Grundfreibetrag von 9.000 Euro (Alleinstehende, Verheiratete haben den doppelten Freibetrag), erst bei Überschreiten dieser Grenze wird Einkommensteuer fällig.

Steuerpflichtige Einkommensarten

Versteuert wird das gesamte Einkommen aus den folgenden Tätigkeiten:

  • Land- und Forstwirtschaft
  • Gewerbebetrieb
  • Selbstständigkeit in einer Personengesellschaft
  • Nichtselbstständigkeit

Dazu kommen die folgenden Einkünfte aus:

  • Kapitalvermögen
  • Vermietung und Verpachtung
  • Sonstige Einkünfte

Wie oben bereits erwähnt, kommen eventuell Einnahmen aus Gewinnspielen hinzu. Lotto und Co. sind nicht automatisch steuerfrei!

Einkommensteuer für Unternehmer: Abzugsfähige Betriebsausgaben

Die Einkommensteuer wird auch auf das von Unternehmern zu versteuernde Einkommen berechnet. Betriebsausgaben werden dadurch definiert, dass sie betrieblich notwendig sind. Das heißt, dass das Unternehmen ohne diese Ausgaben nicht in dem Maße wie nötig tätig werden könnte. Auch Schadensersatzansprüche können zu den Betriebsausgaben zählen, darüber hinaus sind betrieblich veranlasste Ausgaben Kosten für Einbußen, die ein Steuerpflichtiger aus seiner Tätigkeit erleidet (z. B. der Freiberufler, der unter einer Berufskrankheit leidet und Ausgaben für die Wiederherstellung seiner Gesundheit hatte). Betriebsausgaben werden in „sofort abzugsfähig“ und „nicht oder nicht voll abzugsfähig“ unterteilt. Zu den abzugsfähigen Betriebskosten zählen die folgenden:

  • Ausgaben für das Personal
  • Kosten für Abschreibungen
  • Mietkosten
  • Fahrtkosten
  • Einkäufe von Waren und Dienstleistungen
  • Abziehbare Vorsteuer
  • Abgeführte Umsatzsteuer
  • Kosten für den Fuhrpark

Betriebsausgaben mindern den Gewinn und senken das steuerpflichtige Einkommen des Unternehmers.

Höhe der Einkommensteuer berechnen

Um die Einkommensteuer zu berechnen werden sämtliche Einkünfte des Steuerpflichtigen aus einem Jahr herangezogen. Aus einer Addition dieser Einkünfte ergibt sich die Bemessungsgrundlage, auf der die Berechnung basiert. Folgende Schritte sind zur  Berechnung notwendig:

  1. Addition aller Einkunftsarten
  2. Abzug aller Betriebsausgaben, Werbekosten und außergewöhnlichen Belastungen sowie Freibeträge (u. a. Vorsorgeaufwendungen)
  3. Abzug der Freibeträge für Kinder und Härteausgleich
  4. Das Ergebnis stellt das zu versteuernde Einkommen dar
  5. Festlegung der Einkommensteuer nach Grundtabelle oder Splittingtabelle
  6. Abzug der bereits gezahlten Lohnsteuer oder der Vorauszahlungen

Im Ergebnis dieser Berechnung ergibt sich eine Nachzahlung bzw. eine Erstattung der Steuerbeträge.
Der Solidaritäts-Zuschlag (Soli) ist unabhängig von der Höhe des Einkommens zu zahlen und beträgt 5,5 Prozent des Einkommens, das versteuert werden muss. Der Soli-Zuschlag wird bei den Steuerklassen I, II, IV, V und VI erhoben, wenn die dort erhobene Lohnsteuer über 972 Euro im Jahr liegt bzw. wenn die Lohnsteuer in Klasse III monatlich mehr als 162 Euro beträgt.
Mitglieder der katholischen oder der evangelischen Kirche zahlen noch einmal Kirchensteuer, diese liegt zwischen fünf und neun Prozent des steuerpflichtigen Einkommens. Die genaue Höhe legen die Bundesländer fest.

Einkommensteuersätze

Die erzielten Einkünfte sind die Basis für die zu zahlende Einkommenssteuer. Diese wird ab einem Jahreseinkommen von 9.000 Euro fällig und ist in verschiedene Progressionszonen gestaffelt. Dabei erhöht sich bei steigendem Einkommen der entsprechend anzuwendende Steuersatz und somit die Steuerlast.

Einkommensteuer 2018
Die detaillierte Einkommensteuer Grundtabelle 2018 findest du hier. Sie enthält die Auflistung der Steuersätze beim entsprechenden Einkommen und bezieht den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer in die Berechnung mit ein.

Freibeträge 2018

Möchte man die Einkommensteuer berechnen, kann man folgende Freibeträge geltend machen:

Freibeträge für 2018

Grundfreibetrag9.000 € bzw. 18.000 € (Alleinstehende und Verheiratete)
Rentenfreibetrag24% der Rentenzahlungen
Kinderfreibetrag7.428 €
Entlastungsbetrag für Alleinerziehende924 €
Freibetrag für Ausbildung1.908 € plus 240 € für jedes weitere Kind
Altersentlastungsbetrag912 € (19,2% vom Bruttoeinkommen)
Freibetrag für Übungsleiter2.400 €
Freibetrag für Ehrenamtt720 €
Freibeträge für Erben, Schenkungen etc.
  • Ehepartner: 500.000 €
  • Kinder: 400.000 €
  • Enkel: 200.000 €
  • Großeltern und Eltern: 100.000 €
  • Weitere Verwandte, sonstige Personen: 20.000 €
Gewerbesteuer24.500 €

Eine ausführliche Erklärung zu den Steuerfreibeträgen findest du hier.

Einkommensteuerrechner

Möglich ist es, einen Überblick über die eigene Steuerbelastung zu erhalten, in dem der hier vom bmf (Bundesministerium der Finanznen) angebotene Einkommensteuerrechner genutzt wird. Er berechnet die Höhe der Einkommensteuer auf Grundlage des zu versteuernden Einkommens (zvE). Dennoch kann es sein, dass das Finanzamt zu einem anderen Ergebnis kommt, was sich aber in der Regel nur marginal von dem des Einkommensteuerrechners unterscheidet.

Einkommensteuererklärung

Der Einkommensteuerpflichtige muss oder kann eine Einkommensteuererklärung abgeben, wofür bestimmte Fristen einzuhalten sind. Nicht jeder unterliegt der Verpflichtung zur Abgabe der Steuererklärung, außerdem ist es ein Trugschluss, dass sich eine Verpflichtung automatisch daraus ergibt, dass in einem Jahr die freiwillige Steuererklärung abgegeben wurde. Es bleibt allerdings zu prüfen, ob es nicht sinnvoll ist, die Steuererklärung anzufertigen, vor allem dann, wenn hohe Ausgaben in dem Jahr bestanden. Für Privatpersonen eignen sich insbesondere Online-Tools wie steuererklaerung.de, die einen Schritt für Schritt unterstützen.

Die Einkommensteuererklärung soll auf elektronischem Wege erfolgen, in Papierform ist sie seitens des Finanzamtes nur noch zulässig, wenn unwiderlegbare Gründe vorliegen. Jeder Steuerpflichtige kann die seitens des Finanzamts angebotene Software nutzen, die als ELSTER bekannt ist und die den Steuerpflichtigen durch die Berechnung führt. Weitaus hilfreicher ist es jedoch, eine Buchhaltungssoftware zu verwenden, die die Daten anschließend an ELSTER übermittelt. Freiberufler und Selbstständige nutzen diese Software für die gesamte Buchhaltung, aus der dann zum fälligen Termin die Steuererklärung erstellt wird. Auch für die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater ist die Software nützlich, werden hier doch alle relevanten Daten aus der Buchhaltung übertragen, auf deren Basis der Berater die Steuererklärung anfertigt.

Nach Prüfung und Berechnung der Steuererklärung ergeht der Einkommensteuerbescheid, der eine Erstattung oder Rückzahlung vorsieht. Gegen diesen Bescheid kann innerhalb eines Monats Einspruch erhoben werden, wobei der Einspruch nicht Schuld befreiend wirkt! Das heißt, dass eine eventuelle Nachzahlung trotz des Einspruchs geleistet werden muss, weil sich andernfalls eine Mahngebühr ergibt. Diese berechnet sich prozentual an der Nachzahlungssumme.