Steuerrückstellungen

Neben Einnahmen prägen auch Ausgaben deinen unternehmerischen Berufsalltag. Während sich Rechnungen zeitnah begleichen lassen, gibt es auch zahlreiche Aufwendungen, deren exakte Ausgabenhöhe erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt ist. Zur Vorbereitung auf deren finanzielle Last ist die Bildung von Rückstellungen zu empfehlen. Worum es sich bei Steuerrückstellungen handelt, welche Arten es gibt, und was es bei deren bilanziellen Erfassung zu beachten gilt, erfährst du hier:

Das erwartet dich heute:

Was sind Steuerrückstellungen?

Nicht immer lässt sich die Höhe bevorstehender Aufwendungen genau kalkulieren. Für ungewisse Verbindlichkeiten und drohende Verluste aus schwebenden Geschäften bist du laut Gesetz dazu berechtigt, einen angemessenen Betrag in Form von Rückstellungen einzuplanen. Die Bildung einer klassischen Rückstellung ist zum Beispiel in folgenden Situationen sinnvoll:

  • Instandhaltungsmaßnahmen im neuen Geschäftsjahr innerhalb von drei Monaten
  • Abraumbeseitigung
  • Gewährleistungen ohne rechtliche Verpflichtung

Bei den sogenannten Steuerrückstellungen handelt es sich um eine besondere Form von gewöhnlichen Rückstellungen. Genauer gesagt sind dies Rückstellungen für Steuern, die innerhalb eines Geschäftsjahres aus wirtschaftlichen Gründen entstanden sind. Deren jeweilige Höhe ist jedoch noch unbekannt. Die Bildung von Steuerrückstellungen ist für Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer sowie Umsatzsteuer möglich. Diese gehören allesamt den Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten an.

Wo liegt der Unterschied zwischen Rückstellungen und Rücklagen?

Häufig werden die ähnlich klingenden Begrifflichkeiten „Rückstellung“ und „Rücklage“ synonym verwendet. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch deutlich, dass sich diese anhand einiger Merkmale klar voneinander unterscheiden:

Rückstellung Rücklage
wirken periodenübergreifendBestandteil des betrieblichen Eigenkapitals
Aufwand wird sofort verbucht, da die darauf basierenden Geschäftsvorfälle ansonsten nicht mehr korrekt wärenteilweise durch Gesetze und Satzungen einheitlich geregelt
künftige Gewinne werden gemindert, künftige Schulden dagegen erhöhtBildung erfolgt zum Ausgleich möglicher zukünftiger Verluste
Bildung erfolgt für zukünftige Verbindlichkeiten

Wie teilst du Steuerrückstellungen auf?

Betrachtest du die Thematik der Steuerrückstellungen etwas genauer, so wird dir schnell auffallen, dass sich diese in Schuldrückstellungen und Aufwandsrückstellungen einteilen lassen:

Schuldrückstellung

Dieser Gruppe gehören alle Verpflichtungen gegenüber Dritten an. Meist sind dies hohe zu erwartende Beträge in Verbindung mit einer Gerichtsverhandlung. In diesem Fall bist du dazu berechtigt, sogenannte Prozesskostenrückstellungen zu bilden.

Aufwandsrückstellung

Bei dieser Rückstellungsform handelt es sich um Verpflichtungen gegenüber dir selbst. Dies sind finanzielle Aufwendungen, die nicht gegenüber Dritten fällig werden. Hierzu gehören unter anderem Rückstellungen für Instandhaltungsmaßnahmen sowie zahlreiche betriebliche Ausgaben, die mit großer Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft anfallen werden.

Arten von Rückstellungen

Neben Steuerrückstellungen lassen sich klassische Rückstellungen außerdem in sonstige Rückstellungen und Pensionsrückstellungen einteilen.

Sonstige Rückstellungen

Zu den sonstigen Rückstellungen gehören zum Beispiel diese Aufwendungen:

  • Aufwands- und Schuldrückstellungen
  • Drohverlustrückstellungen
  • Kulanzrückstellungen und Garantieverpflichtungen
  • Jahresabschluss- und Prüfungsrückstellungen

Pensionsrückstellungen

Als Arbeitgeber bist du zur Bildung von Pensionsrückstellungen gesetzlich verpflichtet, wenn du gegenüber deinem Arbeitgeber eine bindende und direkte Versorgungszusage ausgesprochen hast. Diese Pensionszusage muss gemäß §249 Abs. 1 HGB spätestens zum Bilanzstichtag schriftlich vorliegen.

Welche Buchungssätze gibt es für Steuerrückstellungen?

Da bei der Buchung einer Rückstellung immer Passivkonten betroffen sind, sind diese Vorgänge grundsätzlich auf der Habenseite der Bilanz einzuordnen.

In diesem Zusammenhang findet meist das Konto „Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten“ Verwendung. Da es insbesondere beim Steuer Rückstellung buchen auf den Einzelfall ankommt, lässt sich kein allgemeingültiger Buchungssatz für Steuer Rückstellungen festlegen.

Für die Bereiche Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer findest du hier mögliche Rückstellungen Beispiele, um diese Aufwendungen in der Praxis zu verbuchen:

Körperschaftssteuer

Die exakte Höhe der Körperschaftssteuer ist bei der Erstellung des Jahresabschlusses normalerweise noch nicht bekannt. Somit liegt es an dir, diese anhand kaufmännischer Gesichtspunkte realistisch einzuschätzen.

Gewerbesteuer

Bei der Gewerbesteuer verhält es sich ähnlich wie bei der oben aufgeführten Körperschaftssteuer. Auch hier ist der genaue Betrag zum Jahresende meist noch unbekannt. Da die jährlichen abzuführenden Beträge in der Regel nicht identisch sind, gilt es auch hier, die Ausgabenhöhe realistisch einzuschätzen.

Zusammengefasst können die jeweiligen Buchungen wie folgt aussehen:

Allgemeiner Ansatz um Rückstellungen zu buchenKörperschaftssteuerGewerbesteuer
Aufwand an RückstellungenKörperschaftssteueraufwand an Körperschaftssteuer RückstellungGewerbesteuer an Gewerbesteuerrückstellungen

Was musst du beim Auflösen von Steuerrückstellungen beachten?

Sobald der Grund für die Bildung deiner Rückstellung entfällt, bist du dazu angehalten, diese aufzulösen. Die Höhe der Rückstellung richtet sich nach dem Betrag des tatsächlich entstandenen Aufwands. Daraus ergeben sich insgesamt diese drei Situationen zur Auflösung von Rückstellungen:

  1. Rückstellung und Auszahlung sind gleich hoch: In diesem Fall ist der einbehaltene Geldbetrag identisch mit der dazugehörigen Ausgabe. Somit lässt sich die Rückstellung in vollem Umfang erfolgsneutral auflösen.
  2. Die Rückstellung fällt höher aus als die Auszahlung: Diese Situation erweist sich für dich als besonders günstig, da nach Begleichung der Ausgabe noch ein Rest des angesparten Geldbetrags übrigbleibt. Beim Steuerrückstellungen auflösen ist somit ein sonstiger betrieblicher Ertrag zu verbuchen.
  3. Die Rückstellung fällt geringer aus als die Auszahlung: Bei dieser Situation handelt es sich um den für dich ungünstigsten Fall. Bei der Auflösung deiner Rückstellung reicht der zurückgelegte Geldbetrag nicht für die Begleichung der Forderung aus. Damit du deiner Zahlungspflicht nachkommen kannst, ist es notwendig, weitere finanzielle Reserven zu aktivieren. Daraus ergibt sich die Buchung eines sonstigen betrieblichen Aufwands.

Tipp:

Für eine klare Übersicht aller Rückstellungsposten empfiehlt sich die Aufstellung eines Rückstellungsspiegels. Laut Gesetz bist du zwar nicht zur Führung eines solchen Rückstellungsspiegels verpflichtet, jedoch wird darin die Entwicklung einzelner Posten aufgezeigt, was wiederum zur gesetzlichen Nachweispflicht gehört. Der Aufbau bleibt dir überlassen. Die Anschaffung einer Buchhaltungssoftware inklusive Rückstellungsspiegel ist jedoch ebenfalls denkbar.

Kurz zusammengefasst: Häufig gestellte Fragen zum Thema Steuerrückstellungen

Für was kann man Rückstellungen bilden?

Wie bereits in der obigen Definition zu Rückstellungen erwähnt, ist die Bildung von Rückstellungen für Aufwendungen zulässig, deren Höhe noch nicht genau bekannt ist. Dies hat den Zweck, drohende Verbindlichkeiten im folgenden Geschäftsjahr bereits im Vorfeld möglichst weiträumig abzudecken. Da die Buchung sofort als Aufwand erfolgt, mindert die Rückstellung deinen Gewinn bereits zum Jahreswechsel. Dies wirkt sich wiederum auf deine Steuerlast aus. Im Detail sind die Bedingungen für die Bildung von steuerlichen Rückstellungen im Handelsgesetzbuch (HGB) geregelt.

In folgenden Fällen ist die Bildung einer Rückstellung beispielsweise sinnvoll:

  • Absicherung vor drohenden Verbindlichkeiten wie z.B. Prozesskosten
  • sofortige Minderung von Gewinn und Steuerlast deines Unternehmens
  • Bildung einer Rückstellung ist gesetzlich vorgeschrieben

Was sind Rückstellungen in der Bilanz?

Wie bereits erwähnt, sind Rückstellungen charakterlich unter Verbindlichkeiten einzuordnen. In der Bilanz solltest du demnach darauf achten, deine Rückstellungen klar und deutlich von deinen gewöhnlichen Verbindlichkeiten zu unterscheiden, da diese den ungewöhnlichen Verbindlichkeiten angehören.

Sind Rückstellungen Schulden?

Wie auch bei den gewöhnlichen Verbindlichkeiten deines Unternehmens handelt es sich bei Rückstellungen ebenfalls um Schulden, da diese einen Teil deines Fremdkapitals darstellen. Denn Rückstellungen mindern den Gewinn deines Unternehmens.

Wo gehören Rückstellungen in der Bilanz?

Laut §246 HGB bist du im Hinblick auf die Passivierungspflicht dazu angehalten, die Verbindlichkeiten deines Unternehmens auf der Passivseite der Bilanz auszuweisen. Da es sich bei Steuerrückstellungen um Verbindlichkeiten handelt, unterliegen auch diese der Passivierungspflicht und sind demzufolge auf der Habenseite der Bilanz einzuordnen.

Fazit

Wenn dir das Gesetz nicht ohnehin schon die Bildung von Rückstellungen vorschreibt, kann sich dies in einigen Situationen für dein Unternehmen lohnen. Durch die sofortige Verbuchung als Aufwand schmälert die Rückstellung direkt deinen bilanziellen Gewinn noch bevor der Aufwand tatsächlich erfolgt. Die Erstellung eines Rückstellungsspiegels kann sich für dich zudem als hilfreich erweisen, um stets alle Rückstellungsposten im Blick zu behalten.

Weitere Artikel

Mehr anzeigen