Kostenträgerrechnung

Im betrieblichen Rechnungswesen tauchen immer wieder verschiedene Begriffe auf, mit denen sich Unternehmer auseinandersetzen müssen. Einer davon ist die sogenannte Kostenträgerrechnung. Was du darunter verstehen kannst und vor allem, was du als Unternehmer dabei beachten solltest, erfährst du hier.

Das erwartet dich heute:

 

 

Was ist ein Kostenträger?

Die Absatzleistungen oder innerbetrieblichen Leistungen, denen die Kosten aus der Kostenträgerrechnung oder der Kostenstellenrechnung zugerechnet werden, werden Kostenträger genannt.

Unterteilung der Kostentraeger
Zusammensetzung eines Kostenträgers

Was ist eine Kostenträgerrechnung?

Die Kostenträgerrechnung ist dazu da, um den Unternehmer darüber zu informieren, wofür die zuvor ermittelten Kosten entstanden sind. Die Kostenträgerrechnung ist nach der Kostenartenrechnung und der Kostenstellenrechnung der letzte Schritt einer Kostenrechnung.

Was sagt die Kostenträgerrechnung aus?

Die Kosten werden den einzelnen Kostenträgern zugeordnet. Sie dient also der Bewertung der Kosten für die Herstellung, der Bewertung der Selbstkosten, der Ermittlung von Preisuntergrenzen und Angebotspreisen, der Ermittlung interner Verrechnungspreise, der Kalkulation von Aufträgen und zu guter letzt der Bewertung vorhandener Vorräte. Zu diesen vorhandenen Vorräten gehören unfertige Erzeugnisse oder Leistungen nach §266 Abs. 2 HGB.

Aufteilung der Kostenträgerrechnung

Mithilfe einer Kostenträgerzeitrechnung wird die Höhe der Gesamtkosten einer Periode in deinem Unternehmen ermittelt. Dagegen hilft die Kostenträgerrechnung dabei, die Stückkosten für einzelne Kosten zu ermitteln.

Aufbau Kostentraegerrechnung
Aufbau und Zusammensetzung der Kostenträgerrechnung

Die Kostenträgerstückrechnung ist ebenfalls eine Kalkulation. Sie dient dazu da, die Herstellkosten und die Selbstkosten zu ermitteln. Die Ermittlung erfolgt in der Regel in Form von Stückkosten. Mit diesen Informationen kannst du eine Angebotskalkulation durchführen.

Die Kostenträgerzeitrechnung wird auch als Betriebsergebnisrechnung und Erfolgsrechnung bezeichnet. Du ermittelst dabei das Betriebsergebnis für einen vorgegebenen Abrechnungszeitraum. Dieser Zeitraum kann ein Monat, ein Quartal oder auch ein Jahr sein.

Hinweis

Mit Hilfe der Erfolgsrechnung kannst du die Wirtschaftlichkeit deiner Produktion kontrollieren.

In der Kostenträgerzeitrechnung ziehst du die Kosten von den erbrachten Leistungen ab. Mit dieser Analyse kannst du den Beitrag deiner Produkte oder auch deiner Dienstleistungen zum Unternehmenserfolg ermitteln. Um eine Kostenträgerzeitrechnung durchzuführen, kannst du entweder das Umsatzkostenverfahren oder das Gesamtkostenverfahren nutzen.

Das Umsatzkostenverfahren orientiert sich an den Kostenträgern. Hier stellst du die Umsätze den ihnen zurechenbaren Kosten gegenüber. Das Gesamtkostenverfahren ist Kostenart-orientiert. Du stellst die Kosten einer Abrechnungsperioden den Leistungen gegenüber.

Kostenträgerstückrechnung

Die Kostenträgerstückrechnung ist dazu da, um die Kosten pro Kostenträger zu ermitteln. Du kalkulierst mit ihr den Selbstkostenpreis. Dabei wird nicht immer nur bei der Einführung eines neuen Produkts kalkuliert, sondern ebenfalls im laufenden Betrieb und auch zur abschließenden Bewertung. Im einfachsten Fall kann diese Kalkulation durch eine einfache Division der gesamten Kosten und der dafür erbrachten Leistung erfolgen.

Vorkalkulation

Die Vorkalkulation weist Daten für die vorgesehene Leistungserstellung aus. Dabei dient die Vorkalkulation als Grundlage für die Preisbildung der Betriebsleistungen. Aber nicht nur als Grundlage für die Preisbildung ist sie geeignet, sondern auch als Kostenvorgabe für die Kostenstelle.

Zwischenkalkulation

Die Zwischenkalkulation kann bei Kostenträgern mit größerer Produktionsdauer über mehrere Abrechnungsperioden für bilanzielle oder Planungszwecke erforderlich werden. Du kannst sie als eine Art Nachkalkulation für Halbfabrikate interpretieren.

Nachkalkulation

Die Nachkalkulation ist für die Leistungskontrolle da. Sie vergleicht im einzelnen die Zahlenwerte der Vorkalkulation mit den entsprechenden Ist-Verbrauchswerten. Außerdem kannst du die Höhe der bei der Leistungserstellung tatsächlich angefallenen Selbstkosten mit dem Angebotspreis vergleichen. Sie soll also eine Kritik des Einsatzes der Leistungsfaktoren und eine Kontrolle der Wirtschaftlichkeit deines Unternehmens ermöglichen.

Rolle der Marktsituation

Die Martksituation spielt bei der Kalkulation eine entscheidende Rolle. Zum einen gibt es die progressive Kalkulation, die dazu da ist, um ausgehend von den Kosten den Verkaufspreis zu errechnen. Die retrograde Kalkulation beurteilt die Kostendeckung aufgrund des Marktpreises. Nimmst du diese beiden Arten zusammen, spricht man vom sogenannten Targetcosting. Beim Targetcosting entwickelst du schrittweise einen marktfähigen Preis für dein Produkt.

Kalkulationsverfahren

Zuerst musst du darauf achten, dass du für die Verrechnung der bestimmten Kosten unterschiedliche Prinzipien in Betracht ziehen kannst. Zu diesen unterschiedlichen Prinzipien gehören:

  • Verursachungsprinzip
  • Durchschnittskosten
  • Trägerfähigkeitsprinzip

Um nun die Kosten für die Kostenträger aufzuteilen und die Stückkosten berechnen zu können, gibt es verschiedene Kalkulationsverfahren.

Es gibt die Divisionskalkulation, dabei findet keine Trennung in Einzel- und Gemeinkosten statt. Es gilt einerseits das Durschnittsprinzip und andererseits das Kostenträgerfähigkeitsprinzip. Im Endeffekt bedeutet dies, dass den Kosten, die mehr erwirtschaften, auch mehr Kosten zugerechnet werden sollen.

Danach gibt es die Äquivalenzziffernkalkulation. Diese kannst du verwenden, wenn es sich um artgleiche Güter oder Erzeugnisse handelt. Außerdem muss zwischen den Produktarten ein festes Kostenverhältnis existieren.

Das dritte und letzte Verfahren ist die Zuschlagskalkulation. Einzel- und Gemeinkosten werden getrennt. Du ordnest die Einzelkosten direkt den Kostenträgern zu und die Gesamtkosten auf Basis wertmäßiger oder mengenmäßiger Schlüsselgrößen. Die Kostenstellenrechnung spielt hier also eine wichtige Rolle.

Divisionskalkulation

Um eine Divisionskalkulation durchzuführen, dividierst du alle Kosten, die in einer Periode angefallen sind, durch die Zahl der hergestellten Leistungseinheiten. Entweder nimmst du die Zahlen des ganzen Unternehmens oder die Zahlen eines bestimmten Bereiches. Allerdings macht die Kalkulation nur bei einem Ein-Produkt-Unternehmen Sinn.

Zuschlagskalkulation

Diese Kalkulation kommt bei Einzel- und Serienfertigungen zum Einsatz. Die Grundlage dieser Kalkulation ist die Trennung von Einzel- und Gemeinkosten bezogen auf die Kostenträger. Berechnet werden die Gemeinkosten mittels Zuschlagsätzen auf die Kostenträger. Dabei werden die Prozentsätze in der Nachkalkulation aus den Ist-Kosten bestimmt.

Die Zuschlagskalkulation kann die gesamten Gemeinkosten des Unternehmens mit einem einheitlichen Prozentsatz auf die Produkte verrechnen. Die Grundstruktur, die die Zuschlagskalkulation aufweist, besteht aus den Hauptkostenstellen Material, Fertigung, Vertrieb und Verwaltung.

Kostenträgerzeitrechnung

Während du also mit der Kostenträgerstückrechnung die Kosten je Leistungseinheit ermitteln kannst, stellst du bei einer Kostenträgerzeitrechnung die angefallenen Kosten während einer bestimmte Abrechnungsperiode, gegliedert nach Kostenträgergruppen oder Kostenarten, fest.

Die Kostenträgerzeitrechnung gewährleistet eine laufende Kontrolle des Unternehmensprozesses und sie liefert Informationen für kurzfristige Dispositionen. Wenn im Unternehmen die Kostenträgerzeitrechnung in einzelne Kostenträgergruppen unterteilt wird, dann können dieselben Verfahren, wie in einer Kostenträgerstückrechnung, zum Einsatz kommen. Wenn die Erlösseite mit einbezogen wird, wird damit ein sehr bedeutender Schritt von der reinen Kostenrechnung hin zur Kosten- und Leistungsrechnung realisiert.

Abgrenzung zwischen verschiedenen Teilbereichen der Kostenträgerrechnung

Innerhalb der Kostenträgerrechnung gibt es weitere Bereiche voneinander abgegrenzte Bereiche. Jeder dieser Bereiche hat seine eigene Aufgabe.

Deckungsbeitrag

Der Deckungsbeitrag ist die Differenz zwischen Erlösen und variablen Kosten. Der Beitrag gibt also an, wie viel ein Produkt zur Deckung der Fixkosten beiträgt. Er kann auf ein einzelnes Produkt oder auf die gesamte Absatzmenge bezogen werden.

Vollkostenrechnung

Die Vollkostenrechnung bezeichnet alle Systeme der Kostenrechnung, bei denen sämtliche Kosten auf den jeweiligen Kostenträger verrechnet werden. Sie soll die effektiv oder planmäßig entstandenen Koste eines Kostenträgers feststellen.

Plankostenrechnung

Die Plankostenrechnung bestimmt die zukünftigen Kosten für das Unternehmen, die Unternehmensbereiche, Prozesse und Produkte. Daneben erlauben sie einen Soll-Ist-Vergleich für Kostenstellen und Kosten für erbrachte Leistungen. Sie steuern also die Ergebnisse, Gemeinkostenbereiche und Projekte.

Gesamtkostenverfahren

Das Gesamtkostenverfahren stellt eine Produktionserfolgsrechnung dar. Es werden also zur Abgrenzung der Erträge und Aufwendungen die produzierten Mengenheiten herangezogen. Die Erträge und die Aufwendungen werden dann jeweils bezogen auf die in der abgelaufenen Periode produzierten Mengeneinheiten ausgewiesen.

Sollte es Erhöhungen des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen oder selbst erstellte Sachanlagen geben, dann erfasst du sie als Erträge. Bei Bestandsminderungen werden diese Minderungen von den Umsatzerlösen abgezogen. Betriebsbezogene Aufwendungen werden nach verschiedenen Aufwandsarten untergliedert.

Umsatzkostenverfahren

Dieses Verfahren ist eine Umsatzerfolgsrechnung. Zur Abgrenzung der Erträge und Aufwendungen ziehst du die abgesetzten Mengeneinheiten heran. Erst beim Absatz der Erzeugnisse weist du Erträge und Aufwendungen aus und nicht schon bei der Produktion dieser.

Sollte der Bestand an fertigen und unfertigen Erzeugnissen, sowie selbst erstellte Sachanlagen erhöht werden, werden diese nicht als Erträge und die dafür angefallenen Aufwendungen nicht als Aufwendung erfasst. Bei einer Verminderung dieser Positionen werden sie als Aufwendungen für abgesetzte Erzeugnisse ausgewiesen. Die Aufwendungen werden nicht nach den Aufwandsarten, sondern nach Funktionsbereichen unterteilt. Das Verfahren orientiert sich also sehr stark an der Kostenstellenstruktur. Im Endeffekt wird also eine Kosten- und Leistungsrechnung vorausgesetzt.

Auswahl des passenden Kalkulationsverfahrens

Normalerweise unterscheidet man innerhalb des Kalkulationsverfahrens nach der Divisionskalkulation (einstufig und mehrstufig), nach der Äquivalenzziffernrechnung und nach der Zuschlagskalkulation.

Welches Verfahren du im konkreten Fall anwenden solltest, hängt immer vom Fertigungsprogramm ab. In einer Einproduktunternehmung, die nur eine Produktionsstufe aufweist, wird die einstufige Divisionskalkulation genutzt. Dagegen wird in einem Mehrstufenunternehmen die mehrstufige Divisionskalkulation verwendet. Die Äquivalenzziffernkalkulation wird bei Einzelfertigungen verwendet und die Zuschlagskalkulation bei Serienfertigungen.

Kostenträgerrechnung Beispiel

Damit du dir einen Überblick darüber verschaffen kannst, wie solch eine Rechnung aussieht, findest du hier ein Beispiel einer einfachen Divisionskalkulation:

Gesamtkosten 1.000€
Produzierte Menge 100
Selbstkosten 1.000€/ 100 Stück = 10€ pro Stück

Eine einfache Divisionskalkulation ist an drei Bedingungen geknüpft, zum einen an die Homogenität, den Absatz und an die Mengenkontinuität.

Die Homogenität liegt dann vor, wenn innerhalb eines Unternehmens, dauerhaft nur ein Produkt hergestellt wird.

Die Absatzbedingung sieht vor, dass die produzierte Menge mit der abgesetzten Menge übereinstimmt. Es dürfen keine Lagerbestände aufgebaut werden.

Die Mengenkontinuitätsbedingung setzt voraus, dass auch im Bereich der unfertigen Erzeugnisse und der benötigten Rohmaterialien keine Lagerbestände aufgebaut werden. Alles fließt also direkt in die Produktion und folglich in den Absatz.

Ist die vorgegebene Absatzbedingung nicht erfüllt, müssen Verwaltungs-, Vertriebs- und Herstellkosten getrennt voneinander betrachtet werden. Es wird also zweistufig kalkuliert:

Produktionskosten 820€
Produzierte Menge 100 Stück
Abgesetzte Menge 90 Stück
Verwaltungs- und Vertriebskosten 180€

Selbstkosten 820€/100 Stück + 180€/90 Stück = 10,20€/ Stück

Fazit

Eine Kostenträgerrechnung kann nützlich sein, um die Kosten verschiedener Kostenträger zu bestimmen. Es empfiehlt sich immer bewusst zu machen, welche Rechnung du durchführen möchtest und folglich auch musst. Merke dir beispielsweise, dass die einstufige Divisionskalkulation nur genutzt werden kann, wenn das Unternehmen dauerhaft nur ein Produkt herstellt. Aber auch Kalkulationen, wie die Vorkalkulation, die Zwischenkalkulation und die Nachkalkulation spielen in den Kostenträgerrechnungen eine immense Rolle und sollten unbedingt durchgeführt werden. So kannst du die Kosten optimieren und eventuell auch senken, indem du feststellst, wie viel Geld in welchen Kostenträger fließt.

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