Kleingewerbe

Mit dem Kleingewerbe in die Selbstständigkeit starten

Kleingewerbe – was ist das und wem nützt es? Bei einer Existenzgründung wird häufig die Form des Kleingewerbes genutzt. Wichtig ist zu wissen, dass der Kleingewerbetreibende kein Kaufmann ist. Damit sind die Kleingewerbetreibenden von einigen zusätzlichen Regelungen zum Start und während der Selbstständigkeit befreit. Somit erleichtert das Kleingewerbe die häufig turbulente Anfangsphase mancher Start-Ups.
Als Gewerbe gilt zunächst einmal jede eigenverantwortliche sowie unternehmerische Tätigkeit. Hierzu gehören vor allem Industrie- und Handwerksbetriebe sowie die meisten Dienstleister. Ein Kleingewerbe ist vereinfacht gesagt ein gewerbliches Unternehmen, dessen Betreiber sich nicht an die Bestimmungen des Handelsgesetzbuches und an andere kaufmännische Spezialvorschriften zu halten braucht.

Kleingewerbe - häufig nützlich beim Start-Up

Wie wird ein Kleingewerbe angemeldet?

Wenn ein Kleingewerbe angemeldet werden soll, dann muss der Kleingewerbetreibende seine Tätigkeit bei dem für seinen Ort zuständigen Gewerbeamt anmelden. Er muss folglich eine kostenpflichtige Gewerbeanmeldung durchführen. Des Weiteren muss der Gewerbetreibende auch bestimmte Sachverhalte dem Gewerbeamt mitteilen, wie beispielsweise eine Ab- und Ummeldung.

  • Die Anmeldung eines Kleingewerbes ist formlos. Allerdings muss der Gewerbetreibende bestimmte Meldepflichten und Auflagen erfüllen, die abhängig sind von der Art des Gewerbes (Handwerk, Gastgewerbe).
  • Nach der Anmeldung beim Gewerbeamt erhält der Kleingewerbetreibende automatisch einen Vordruck zur steuerlichen Erfassung seines Kleingewerbes.
  • Sollten Mitarbeiter beschäftigt werden, dann muss beim Arbeitsamt eine Betriebsnummer nach erfolgter Gewerbeanmeldung beantragt werden.
  • Ist die Anmeldung des Kleingewerbes erfolgt, dann ist es notwendig sich bei der zuständigen IHK (Industrie- und Handelskammer) anzumelden.
  • Zudem muss sich der Gewerbetreibende bei der Berufsgenossenschaft anmelden.
  • Die Angestellten sind den jeweiligen Krankenkassen zu melden.

Erst wenn der Kleingewerbetreibende mit seinem Kleingewerbe den Status eines Kaufmanns erfüllt, muss er eine Eintragung ins Handelsregister vornehmen lassen. Allerdings kann sich der Kleingewerbetreibende auch freiwillig in das Handelsregister eintragen, wobei er dann auch alle Rechte und Pflichten eines Kaufmanns mit seinem Kleingewerbe beachten muss. Damit wäre er ein so genannter Kann-Kaufmann.

Steuern und Kleingewerbe

Wie jeder Unternehmer muss auch der Kleingewerbetreibende zusätzlich zu der Einkommenssteuer Gewerbesteuer bezahlen, wobei für ihn ein Freibetrag von 24.500 Euro jährlich gilt. Unterhalb dieses Betrages muss keine Gewerbesteuer bezahlt werden. Umsatzsteuer muss der Kleingewerbe-Unternehmer nur dann abführen, wenn er die Kleinunternehmerregelung nicht in Anspruch nimmt.

Tipp!

Das sevDesk Buchhaltungsprogramm unterstützt dich bei der Erfassung der Umsatzsteuer und erstellt die Voranmeldung automatisch basierend auf deinen Eingangs- und Ausgangsrechnungen. Zusätzlich sendest du mit nur einem Klick und mit Hilfe der integrierten ELSTER-Schnittstelle eine korrekte Umsatzsteuervoranmeldung direkt aus sevDesk an das Finanzamt.

Weitere Merkmale des Kleingewerbes

  • Der Inhaber des Einzelunternehmens, der Kleingewerbetreibende also, ist sozialversicherungsfrei.
  • Sollte das Kleingewerbe unter 17,500 Euro einnehmen, dann kann der Gewerbetreibende auf die Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) verzichten und muss lediglich eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen.

Rechnungslegung, Buchhaltung und Bilanzierung im Kleingewerbe

Auch der Kleingewerbetreibende ist dazu verpflichtet, eine Buchhaltung nach den allgemeinen Sorgfaltspflichten zu führen. Dadurch ist der Inhaber des Kleingewerbes unter anderem dazu angehalten, alle im Kleingewerbe anfallenden Geschäftsvorgänge aufzuzeichnen. Diese Aufzeichnungen müssen so erfolgen, dass daraus zu jeder Zeit Rückschlüsse auf die Art und den Umfang des Geschäfts sowie auch auf die allgemeine Ertrags- und Vermögenslage des Gewerbes zu ziehen sind. Vereinfachn kannst du das mit dem online Rechnungsprogramm von sevDesk.



Der Inhaber des Kleingewerbes muss für sein Unternehmen mit Beginn der Geschäftstätigkeit mit dem Beginn der Geschäftstätigkeit sowie am Ende des Geschäftsjahres einen Jahresabschluss erstellen, sofern der Umsatz 500.000 Euro oder der Gewinn 50.000 Euro überschreitet. Sollten die Werte unterhalb dieser Schwellenwerte liegen, ist eine einfache Überschussrechnung (Einnahmen minus Ausgaben) völlig ausreichend.

Wenn der Gewerbetreibende mit seinem Kleingewerbe über diesen Werten liegt, dann gelten bei der Erstellung des Jahresabschluss andere Vorschriften. Dann unterliegt der Unternehmer dem HGB (Handelsgesetzbuch) und er muss eine Bilanzierung vornehmen. Damit ist auch unmittelbar die Unterscheidung zwischen Kaufmann und Nichtkaufmann verbunden.

Weitere wichtige Details rund um das Kleingewerbe

1. Haftung/Startkapital bei der Gründung des Kleingewerbes

Der Kleingewerbetreibende haftet bei seiner Geschäftstätigkeit grundsätzlich als Einzelunternehmer mit seinem privaten Vermögen. Für den Start des Kleingewerbes ist kein Startkapital vorgeschrieben und jeder kann frei für sich entscheiden, wie viel Startkapital er in das Kleingewerbe einbringen möchte.

2. Kleingewerbe: Die Geschäftsführung

Der Kleingewerbetreibende trägt die alleinige Verantwortung für sein Unternehmen und damit für alle Geschäftsentscheidungen. Zudem vertritt er das Kleingewerbe nach außen. Als Einzelunternehmer trägt er die alleinige Verantwortung für alle Unternehmensentscheidungen. Im Gegenzug muss er das alleinige Geschäftsrisiko tragen.

3. Bezeichnung und Firmenname

Da der Gewerbetreibende ein Nichtkaufmann ist, tritt er im Geschäftsverkehr stets unter seinem Vor- und Zunamen auf. Zusätzlich kann der Unternehmer einen Sachzusatz oder eine Geschäftsbezeichnung anführen, doch diese darf nicht firmenähnlich erscheinen, wobei ein Hinweis auf die Tätigkeit oder die Branche zulässig sind, wie beispielsweise „Eisenhandel Rudi Hammer“. Ein Kaufmann hingegen darf seinem Kleingewerbe auch einen Fantasienamen geben und dieses darunter führen, doch dafür muss der Zusatz „e.Kfm“ oder e.Kffr“ (eingetragener Kaufmann bzw. Kauffrau) verwendet werden. Des Weiteren ist es auch möglich, eine bestehende Unternehmensbezeichnung im Zuge einer Unternehmensnachfolge fortzuführen, in diesem Fall muss lediglich ein Hinweis auf den aktuellen Betreiber erfolgen: Eisenhandel Rudi Hammer, Inh. Joachim Meier.

Achtung!

Die Kleingewerbetreibenden müssen jegliche Korrespondenz und alle Zahlungsbelege aufbewahren, die mit Geschäftsvorgängen verbunden sind. Hier gelten die üblichen Aufbewahrungspflichten, die auch in Firmen gelten, die keine Kleingewerbe sind. Selbstverständlich ist der Kleingewerbetreibende dazu verpflichtet eine ordnungsgemäße Rechnung auszustellen. Wie das geht, zeigen wir dir hier!

Die Vor- und Nachteile des Kleingewerbes auf einen Blick

  • Ein Kleingewerbe kann formlos und kostengünstig gegründet werden
  • Es ist kein Startkapital notwendig für die Gründung – jedoch haftet der Kleingewerbetreibende mit seinem Privatvermögen.
  • Der Kleingewerbetreibende ist bei der Firmierung seines Unternehmens bzw. der Namensgebung eingeschränkt.
  • Es ist eine einfach Einnahmen-Überschuss-Rechnung vollkommen ausreichend – einfache Buchführung.

Der Unternehmensfortbestand im Kleingewerbe

Sollte das Kleingewerbe aufhören zu existieren, dann kann der Kleingewerbetreibende die wesentlichen Betriebsmittel veräußern oder aber in sein Privatvermögen übertragen. Zudem ist es möglich, dass der Kleingewerbetreibende sein Gewerbe auf einen gesetzlichen Erben überträgt.


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Kleingewerbe und/oder Kleinunternehmer?

Die Begriffe Kleingewerbe sowie Kleinunternehmer werden oft synonym verwendet bzw. verwechselt. Hierbei bezeichnen sie jedoch zwei unterschiedliche Sachverhalte:

  • Aufgrund des eingeschränkten Geschäftsumfanges sind Kleingewerbetreibende keine Kaufleute im Sinne des HGB. Kleingewerbe sind nicht verpflichtet, sich ins Handelsregister eintragen lassen zu müssen, doppelte kaufmännische Buchführung zu führen sowie Bilanzen zu erstellen. Hierzu gelten die allgemeinen Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) sowie die Steuervorschriften.
  • Im Gegensatz zu Kleingewerbebetreibenden sind Kleinunternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes sowohl Gewerbetreibende als auch Selbstständige, Freiberufler sowie Land- und Forstwirte. Als Voraussetzung gilt hierbei, dass ihr Vorjahresumsatz nicht über 17.000€ gelegen hat und im laufenden Jahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000€ betragen wird.