Nebengewerbe

Bei einer Gewerbeanmeldung wird generell zwischen Hauptgewerbe und Nebengewerbe unterschieden. Die einzigen, die von dieser Unterscheidung ausgeschlossen sind, sind Freiberufler.  Diese unterliegen nicht der Gewerbeordnung und müssen somit keine Anmeldung beim Gewerbeamt vornehmen. Die Grenze zwischen Haupt- und Nebengewerbe wird durch das Gesetz und den Sozialversicherungsträger der GKV (Gesetzlichen Krankenkassen) gezogen. Für das Nebengewerbe werden auch oftmals Synonyme wie Nebentätigkeit, Kleingewerbe oder Kleinunternehmen angewendet.

Was ist ein Nebengewerbe?

Ein Nebengewerbe ist ein angemeldetes Gewerbe, das allerdings nicht in Vollzeit bzw. hauptberuflich ausgeübt wird. Besonders der Sozialversicherungsträger (die GKV) zieht, wie der Gesetzgeber, die Grenze bei 20 Arbeitsstunden pro Woche zwischen dem Gewerbe und der hauptberuflichen Tätigkeit. Dabei ist zu erwähnen, dass die Bezeichnung „Nebengewerbe“  keineswegs eine Auskunft über die Rechtsform des Unternehmens gibt. Prinzipiell kann jedes Gewerbe von einem Kleinunternehmer als Nebengewerbe ausgeübt werden, unabhängig von der Gesellschaftsform. Dabei gibt es auch keine Unterschiede bei der Anmeldung beim Gewerbeamt; die Anmeldung des Nebengewerbe ist identisch zu der eines Hauptgewerbes.

Nebengewerbe neben dem Job

Allerdings müssen die Arbeitgeber über das künftige oder bereits bestehende Gewerbe oder Kleingewerbe informiert werden. In der Regel haben Arbeitgeber nichts gegen die Anmeldung eines Nebengewerbes, wenn die Arbeitsleistung des Mitarbeiters nicht unter der zusätzlichen Arbeit leidet. Natürlich müssen auch Konkurrenzsituation mit dem Nebengewerbe zum Arbeitgeber vermieden werden, denn beides führt dann in der Regel zu Streitigkeiten, welche nicht selten vor Gericht ausgetragen werden müssen.

Nebengewerbe und Krankenversicherung

Der Existenzgründer ist durch die Öffnung eines Nebengewerbes (auch als Kleinunternehmer) nicht verpflichtet, eine zusätzliche Krankenversicherung abzuschließen. Die Gründer müssen in der Regel weiterhin über die kostenlose Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkasse mit ihren Nebengewerbe versichert werden. Bezieht er Arbeitslosengeld oder gar Hartz 4, kann er weiter über die zuständige Bundesagentur für Arbeit versichert bleiben. Ob der Kleinunternehmer weiterhin in der gesetzlichen Krankenversicherung, der Familienversicherung oder über die öffentlichen Träger versichert bleiben kann, entscheidet aber die jeweilige Versicherung. Diese legt für die Entscheidung meist den Umfang der nebengewerblichen Tätigkeit zugrunde.

Muss das Nebengewerbe beim Gewerbeamt angemeldet werden?

Generell muss auch das Nebengewerbe beim zuständigen Gewerbeamt angemeldet werden. Dieser Sachverhalt ergibt sich aus dem Paragrafen 14 der Gewerbeordnung (GewO) die besagt, dass eine gewerbliche Tätigkeit angemeldet werden muss, sobald sie aufgenommen wird. Die Gewerbeanmeldung sollte nicht absichtlich verzögert werden und unbedingt zeitnah erfolgen, um Ärger zu vermeiden. Das örtliche Gewerbeamt erteilt zu Fristen ebenfalls Auskünfte, denn es hat in der Regel ein wenig Spielraum. Weitere Informationen zur Gewerbeanmeldung in Baden-Württemberg findest du auf der Service Seite des Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration.

Was ist eine gewerbliche Tätigkeit?

Bei dieser Frage wird es schwieriger, denn hier gibt es keine eindeutige Definition. Die Frage, die sich stellt: Ist auch der eBay-Verkäufer, der nur wenige Transaktionen monatlich abwickelt, bereits ein gewerblicher Händler? Muss der Schreiner, der hin und wieder bei Bekannten und Freunden kleine Arbeiten gegen Bezahlung anfertigt, ein Gewerbe anmelden? Hier handelt es sich um eine breite Grauzone. In folgenden Fällen liegt jedoch eine gewerbliche Tätigkeit vor:

  • Wenn es sich um eine selbstständige Tätigkeit handelt – also nicht im Angestelltenverhältnis
  • Die Tätigkeit erlaubt ist
  • Eine Absicht zur Gewinnerzielung besteht
  • Die Tätigkeit auf Dauer angelegt ist

Somit sind sowohl der eBay-Verkäufer als auch der Schreiner gewerblich tätig, denn a) ihre Tätigkeit ist nicht verboten, b) sie arbeiten selbstständig, c) sie arbeiten dauerhaft und d) sie verdienen damit Geld.

Wie groß der Umfang der Tätigkeit ist, ist nicht relevant. Selbst dann, wenn jeden Monat nur wenige Stunden in die selbstständige Tätigkeit investiert werden, handelt es sich um eine gewerbliche Tätigkeit. Man gilt als Gewerbetreibender, sofern ein Gewinn damit erzielt werden soll.

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Steuer: Nebengewerbe, Finanzamt und Steuererklärung

Ist die Gewerbeanmeldung erledigt, dann sollte sich der Nebengewerbetreibende mit dem Finanzamt in Verbindung setzen – denn dieses will früher oder später einen Teil von dem Kuchen – sprich: Steuern – abhaben. Die Steuererklärung für Kleinunternehmer verändert sich natürlich ebenfalls.

1. Der steuerliche Erfassungsbogen

Nach erfolgter Gewerbeanmeldung durch den Kleinunternehmer, wird das Finanzamt automatisch darüber informiert, dass ein Gewerbe angemeldet wurde. In der Regel schickt es dem Gründer umgehend einen sogenannten „steuerlichen Erfassungsbogen“ zu. In diesem werden die Eckdaten des Unternehmens in Gründung erfasst und es werden die voraussichtlichen Einnahmen für das laufende und das nächste Jahr geschätzt.

2. Belege sammeln und ordnen während des Jahres

Alle relevanten Unterlagen und Belege für die Steuer sowie für das Gewerbe müssen stets zusammengehalten und geordnet werden. Dafür sollte sich der Gewerbetreibende Ordner anlegen, in denen er die Ein- und Ausgangsrechnungen ordentlich ablegt. Dies ist natürlich auch in digitaler Form gestattet. So kann eine verspätete oder fehlerhafte Steuererklärung vermieden werden, weil man sich erst durch das Chaos wühlen muss oder gar für die Steuern wichtige Belege nicht mehr findet. Man sollte sich im Vorfeld exakt darüber informieren, was als Betriebsausgaben abgesetzt werden kann. So kann man als Kleinunternehmer aussortieren und nur die für die Steuererklärung relevanten Belege aufbewahren. Übrigens hat das Finanzamt eine Auskunftspflicht gegenüber dem Steuerpflichtigen in allen Fragen rund um die Steuer. Diese gilt selbstverständlich auch für Kleinunternehmer und Gründer. Hat man also Fragen zur eigenen Steuererklärung kann man sich an den Steuerberater oder das zuständige Finanzamt wenden.

3. Die Ermittlung der Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Der Gewinn des Nebengewerbes – und damit die abzuführende Steuer – kann ganz einfach durch eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermittelt werden. Dabei handelt es sich um eine stark vereinfachte Form der Gewinnermittlung, bei der die Einnahmen und die Ausgaben gemäß des Prinzips der Istversteuerung gegenübergestellt werden. Eine vollständige Bilanzierung ist im Rahmen eines Nebengewerbes für die Steuererklärung meist nicht erforderlich. Das Ergebnis der GuV-Rechnung kann dann anschließend in die Einkommenssteuererklärung übernommen werden, die das die Einkünfte der verschiedenen Einkunftsarten enthält und an „die Steuer“ meldet.

4. Die Einkommenssteuererklärung

Es kommt darauf an, ob der Gewerbetreibende gewerblich oder freiberuflich tätig ist, welche der folgenden Anlage für die Einkommenssteuererklärung relevant sind:

In einer der beiden Anlagen wird der Gewinn oder der Verlust, der durch die Einkommens-Überschuss-Rechnung ermittelt wurde, eingetragen. Diese Anlage wird dem Mantelbogen hinzugefügt, der den Rahmen der Steuererklärung bildet. Mittels eines online Steuerrechners kann selbst ausgerechnet werden, wie hoch die individuelle Steuerbelastung ausfällt. Natürlich können auch Nebengewerbe oder Kleingewerbe ihre Steuererklärung auch online abgeben und das ELSTER-Verfahren nutzen.

Das Nebengewerbe und die Arbeitslosigkeit

Nebengewerbe in der Arbeistlosigkeit

Auch in Zeiten von Arbeitslosigkeit darf ein Nebengewerbe angemeldet werden. Dabei kann es jedoch zu Problemen bei der Beantragung des Gründungszuschusses kommen. Daher sollte sich jeder zuerst mit einem Gründercoach besprechen, damit die Förderung durch den Gründungszuschuss nicht gefährdet wird.

Wird in der Arbeitslosigkeit ein Nebengewerbe angemeldet, dann müssen zudem auch noch einige Vorschriften zum Arbeitsumfang und zum Nebenverdienst beachtet werden. So darf die wöchentliche Arbeitszeit 15 Stunden nicht überschreiten. Denn: Wer mehr arbeitet, zählt nicht mehr als arbeitslos und erhält keine Leistungen mehr. Der Zuverdienst als Kleinunternehmer darf 165 Euro im Monat nicht überschreiten. Alle Einkünfte, die über dieser Grenze liegen, müssen vom Arbeitslosengeld abgezogen werden.