Reverse-Charge

Das Reverse-Charge-Verfahren wird als die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Spezialregelung im Umsatzsteuerrecht. Nicht der Unternehmer, der die Leistung erbringt zahlt die Umsatzsteuer, sondern der Empfänger der Leistung muss die Umsatzsteuer entrichten. So muss seit dem 30.06.2013 eine entsprechende Rechnung mit der Angabe „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers gekennzeichnet werden“.

Das Reverse-Charge-Verfahren wird als die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft bezeichnet.

Grundlagen für Reverse-Charge

Das Umsatzsteuerrecht besagt, dass Unternehmen, die die Leistung erbringen, die Umsatzsteuer an das Finanzamt zahlen müssen. Der Empfänger der Leistung kann die Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen, wenn es sich bei ihm um einen Unternehmer handelt und er sich nicht für die Kleinunternehmerregelung entschieden hat. Die Voraussetzungen für den Abzug der Vorsteuer müssen vorliegen. Wird die Umsatzsteuerschuld umgekehrt, muss der Leistungsempfänger bei bestimmten Leistungen die Umsatzsteuer an das Finanzamt entrichten. Das Steuerverfahren wird auf diese Weise für die Finanzbehörden vereinfacht, auch für den Erbringer der Leistung entstehen Erleichterungen. Steuerbetrug im Rahmen der Umsatzsteuer wird mit dieser Regelung vermieden. Für den Empfänger der Leistung kann die Pflicht zur Umsatzsteuerabführung Vorteile bieten, denn er muss die Umsatzsteuer, die er an den Erbringer der Leistung zahlt, nicht bis zur Erstattung durch das Finanzamt vorfinanzieren.

Risiken durch Reverse-Charge

Bei der Entscheidung für das Reverse-Charge-Verfahren trägt der Erbringer der Leistung das Risiko, dass er für die Umkehrung der Steuerschuld haftet, wenn der Gläubiger die Umsatzsteuer nicht an das Finanzamt entrichtet. Auch für den Empfänger der Leistung besteht ein Risiko, wenn er die Umsatzsteuer an den Leistungserbringer entrichtet. Er darf im Falle von Reverse-Charge keinen Vorsteuer-Abzug vornehmen.

Funktionsweise von Reverse-Charge

Der Erbringer der Leistung darf beim Reverse-Charge-Verfahren seinem Kunden nur das Nettoentgelt berechnen. Für den Bezug der Leistung muss der Kunde seine Umsatzsteuer an das Finanzamt entrichten. Ist er vorsteuerabzugsberechtigt, kann er die Umsatzsteuer selbst wieder als Vorsteuer abziehen. Zwischen dem Reverse-Charge-Verfahren und der normalen Umsatzsteuer besteht kein Unterschied hinsichtlich der wirtschaftlichen Belastung. Reverse-Charge bringt für den Fiskus und für den Erbringer der Leistung Vereinfachungen, denn der Vorgang muss nicht beim Finanzamt deklariert werden. Das Reverse-Charge-Verfahren dient besonders zur Einsparung von Verwaltungsaufwand im grenzüberschreitenden Verkehr. Einem ausländischen Unternehmen wird mit Reverse-Charge viel Aufwand erspart, da es sich nicht an ein deutsches Finanzamt wenden muss. Für den Fiskus besteht nicht die Gefahr, dass er Steueransprüche im Ausland vollstrecken lassen muss.

Voraussetzung von Reverse-Charge

Das Reverse-Charge-Verfahren ist dann anzuwenden, wenn ein im Inland steuerbarer Umsatz von einem Unternehmem an ein anderes Unternehmem ausgeführt wird und der Umsatz beispielsweise unter einen der folgenden Tatbestände untergeordnet werden kann:

  • Ein im EU-Ausland ansässiges Unternehmen erbringt eine B2B-Grundfallleistung.
  • Es liegt eine Werklieferung oder sonstige Leistung eines im Ausland ansässigen Unternehmens vor.
  • Umsätze, die unter das Grunderwerbsteuergesetz fallen.
  • Lieferung von Gas über das Erdgasnetz oder von Elektrizität durch im Ausland ansässige Unternehmen.

Anwendungsbereiche des Reverse-Charge-Verfahrens

Das Reverse-Charge-Verfahren ist vor allem für grenzüberschreitende Fälle nach EG-Recht anwendbar:

  • grenzüberschreitende Katalogleistungen und grenzüberschreitende innergemeinschaftliche Beförderungsleistungen, Vermittlungsleistungen und Werkleistungen – unter bestimmten Umständen kann das Reverse-Charge-Verfahren in allen Mitgliedsstaaten vorgeschrieben sein
  • weitere grenzüberschreitende Geschäfte innerhalb der EG – Einführung von Reverse-Charge ist gestattet
  • weitere Fälle innerhalb der EG, wenn mit dem Reverse-Charge-Verfahren Steuerumgehungen oder Steuerhinterziehung verhindert werden können.

Auch innerhalb Deutschlands kann das Reverse-Charge-Verfahren angewendet werden. Es ist für Werklieferungen und sonstige Leistungen von im Ausland ansässigen Unternehmen möglich, wenn die Vorgänge in Deutschland gesteuert werden können. Bei Lieferungen sicherungsübereigneter Gegenstände durch den Sicherungsgeber an den Sicherungsgeber kann Reverse-Charge angewendet werden, wenn kein Insolvenzverfahren läuft. Bei der Lieferung von Grundstücken sowie bei Werklieferungen und sonstigen Leistungen, die Herstellung, Instandsetzung und Instandhaltung, Beseitigung oder Änderung von Bauwerken betreffen, kann das Reverse-Charge-Verfahren angewendet werden. Von dieser Möglichkeit sind Planungs- und Überwachungsleistungen ausgeschlossen. Bei Lieferungen von Gas und Elektrizität durch ein im Ausland ansässigen Unternehmen ist Reverse-Charge möglich. Das Reverse-Charge-Verfahren kann nur dann angewendet werden, wenn der Leistungsempfänger ein Unternehmer oder eine juristische Person des öffentlichen Rechts ist. Ist der Empfänger der Leistung kein Unternehmer und auch keine juristische Person im öffentlichen Recht, so muss der Leistungserbringer die Umsatzsteuer entrichten.

Reverse-Charge Verfahren: Rechnung schreiben

Der Unternehmer muss beim Reverse-Charge Verfahren neben den gesetzlichen Pflichtangaben und Bestandteilen von Rechnungen auch noch drei weitere Dinge beachten.

  1. Umsatzsteuer darf nicht gesondert ausgewiesen werden. Du kannst zum Beispiel einfach: „Umsatzsteuer 0,00 Euro“ angeben.
  2. Der Leistungsempfänger muss von dir darauf hingewiesen werden, dass die Umsatzsteuer von ihm geschuldet wird. Dabei sollte folgender Satz verwendet werden: „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“.
  3. Handelt es sich um grenzübergreifende Leistungen zwischen EU-Unternehmen, muss die Umsatzsteuer-ID des Leistenden und des Leistungsempfängers angegeben werden.

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Auswirkungen von Reverse-Charge

Die Verpflichtung zur Entrichtung der Umsatzsteuer wird im Reverse-Charge-Verfahren auf den Leistungsempfänger verlagert. Ein Karusselbetrug im Umsatzsteuerrecht kann damit verhindert werden. Als Unternehmer schuldet der Empfänger der Leistung für seine Einkäufe die Umsatzsteuer nach dem Reverse-Charge-Verfahren, doch gleichzeitig kann er die Vorsteuer im selben Umfang abziehen. Vorsteuerbeträge müssen nicht mehr in erheblichem Umfang durch das Finanzamt ausgezahlt werden, da sie verrechnet werden können.