Passives Einkommen

Für den Terminus „passives Einkommen“ gibt es in Deutschland keine exakte betriebswirtschaftliche Definition. Angelehnt an die Begriffsbestimmung in anderen Ländern wird passives Einkommen als regelmäßig eingehendes Geld ohne persönlichen Einsatz bezeichnet. Für den Erhalt und die Aufrechterhaltung dieses Einkommens musst du als Empfänger also keinerlei oder lediglich minimale Anstrengungen unternehmen.

Was ist passives Einkommen?

Überblick

Passives Einkommen im Steuerrecht

Die Steuerlehre bezeichnet Gelder, welche ohne Zeit- oder Arbeitsaufwand fließen, als passives Einkommen. In der Regel entsteht der Geldfluss durch eine langfristig angelegte Anfangsinvestition oder einen initialisierten Aufwand, der automatische Geldströme erzeugt. Die Höhe des Geldeingangs unterliegt Schwankungen und kann, je nach Projekt, daraus nach einiger Zeit zum Erliegen kommen. Für die Besteuerung ist es allerdings unerheblich, ob es sich um ein aktives oder ein passives Geld-Einkommen handelt. Lediglich für die Bewertung besitzt die juristische Form des Einkommens Relevanz.

Gemäß steuerlicher Definition ist das aktive Einkommen eine Rückvergütung von Geld für die Tätigkeit eines Menschen, der im Gegenzug eine bestimmte Menge an Zeit beziehungsweise persönlichen Einsatz aufbringt. Klassisch handelt es sich dabei um das Einkommen als Angestellter. Der Arbeitnehmer verkauft einen definierten Prozentsatz seiner (Lebens-)Zeit und erhält dafür eine Vergütung. Bei passivem Einkommen ist kein andauernder Zeitaufwand mehr nötig. Das Einkommen fließt automatisch. Das bedeutet nicht zwangsweise, dass weder Zeit noch Energie oder Arbeit dafür erforderlich sind. Beschrieben wird lediglich der Umstand, dass der unmittelbare Tausch von Zeit für Geld entfällt. Der gerne verwendete Ausspruch „das Geld im Schlaf verdienen“ übersieht, dass zuvor viel Aufwand betrieben und Arbeit, Energie sowie häufig finanzielle Mittel in Form von Geld eingesetzt wurden.

Es gibt im Steuerrecht keine Beschränkung bezüglich der Höhe oder der Dauer bei passivem Einkommen. Die Bandbreite reicht von Minimalbeträgen bis hin zu extrem hohe Summen. Da es sich im Vorfeld jedoch um einen arbeits-, zeit- und energieintensiven Aufwand handelt, wird passives Einkommen grundsätzlich auf lange Sicht angelegt. Steuerlich gesehen ist es ein Gewinn, für den du Einkommenssteuer zahlen musst. Bist du eine Kapitalgesellschaft fällt die Kapitalertragssteuer zahlen müssen.

Bist du Freiberufler solltest du dir bewusst sein, dass du mit einem passiven Einkommen deinen Status gefährden könntest.

Betriebswirtschaftliche Betrachtung

Gemäß Internal Revenue Service (IRS) lässt sich Einkommen in die drei Hauptkategorien aktives Einkommen, passives Einkommen und Portfolioeinkommen einteilen. Die Behörde definiert passives Einkommen als nur aus zwei Quellen stammendes Einkommen. Vermietungstätigkeiten sowie eine Handels- oder Geschäftstätigkeit, an welcher du als Nutznießer nicht wesentlich beteiligt bist. Die amerikanische Definition ähnelt der steuerlichen deutschen Begrifflichkeit und wird häufig als betriebswirtschaftliche Begriffsbestimmung übernommen.

Laut IRS unterscheidet sich passives Einkommen von normalem Einkommen und Vermögen. Passives Einkommen ist dabei als Einkommensstrom definiert, der sich mit wenig Aufwand verdienen lässt. Um progressives passives Einkommen handelt es sich, wenn zur Steigerung des Einkommensstroms minimaler Einsatz erforderlich wird. Lineares aktives Einkommen bezieht sich auf ein konstantes Einkommen, dessen Aufrechterhaltung ständige Aktivität erfordert. Sobald sich eine Person entscheidet, die Arbeit einzustellen, erlischt das Einkommen. Ein Portfolioergebnis stammt aus Anlagen und umfasst Kapitalgewinne, Zinsen, Dividenden und Lizenzgebühren.

Arten des passiven Einkommens

  1. Jede Art von Cashflow-Immobilieneinkommen: darunter Gewinne aus dem Besitz von Kapital, Mietkosten aus Ressourcen wie Mieterträge. Zudem eingehende Cashflows aus Immobilien oder anderen Immobilien sowie Zinsen aus dem Besitz von finanziellen Vermögenswerten.
  2. Handels- oder Geschäftstätigkeiten, an denen der Nutznießer während des Jahres nicht wesentlich beteiligt ist.
  3. Lizenzgebühren, also Zahlungen, die ein Unternehmen (der Lizenznehmer) an ein anderes Unternehmen oder eine andere Person (den Lizenzgeber) als Gegenleistung für das Recht zur Nutzung des geistigen Eigentums (Buch, Musik, Video) des Lizenzgebers leistet.
  4. Einige Formen von Kommanditgesellschaften können ebenfalls als passiv betrachtet werden, solange die Kommanditisten keine Rolle im Unternehmen spielen und ihre Kapitalanlage gegen einen Teil des Geschäftsgewinns eintauschen.
  5. Verleihaktivitäten

Aktiv-passiv-Grenze – Wann ist es passives und wann aktives Einkommen?

In Deutschland gibt es keine eindeutige betriebswirtschaftliche Definition von passivem Einkommen. Daher stellt sich immer wieder die Frage, wann der Wechsel von aktivem zu passivem Einkommen erfolgt. Eine Grauzone entsteht bei der Erklärung, dass passives Einkommen grundsätzlich jedes Einkommen darstellt, inklusive Krankengeld, Urlaubsgeld, Rente oder der Bezug von Sozialleistungen. Typische Grauzonen gibt es beispielsweise bei Immobilienbesitz, Kapitalerträge aus Unternehmen, Blogs oder Softwareentwicklungen:

  • Handelt es sich um passives Einkommen, wenn der Vermieter nicht nur von den Mieteinnahmen lebt, sondern das Objekt selbst verwaltet und für die Mieter Ansprechpartner ist?
  • Sind die Kapitaleinkünfte des erfolgreichen Unternehmers passives Einkommen, wenn seine Anwesenheit im Unternehmen unverzichtbar ist?
  • Sind Einkünfte als Blogger auch dann noch passiv, wenn der Besitzer die Seiten selbst pflegt?
  • Gehört eine Softwareentwicklung, die programmiert wurde und sich beliebig oft verkaufen lässt, zu den passiven Einnahmen und was ist mit Updates und/oder Wartung?

Die oben genannten Einkommensquellen sind im Grunde gut skalierbar. Steigen Arbeitszeit und Einkommen linear zueinander an, ist das Einkommen nicht mehr passiv, sondern aktiv. Daraus ergibt sich die Frage, wie viel Arbeitszeit erlaubt ist, damit das Einkommen passiv bleibt. Eigentlich müsste der Arbeitsaufwand bei einem passiven Einkommen gleich null sein. Das lässt sich in der Realität jedoch nur in einigen ganz wenigen Fällen durchsetzen. So müssen

  • Immobilieneigentümer zumindest wichtige Entscheidungen selbst treffen,
  • Unternehmer sich an der Definition der Unternehmensziele beteiligen,
  • Blogger Kommentare beantworten und/oder Artikel publizieren und
  • Softwareentwickler ihre Software weiterentwickeln, Updates schreiben und Bugfixes mittels neuer Features elementieren.

Auch Buchautoren oder Dividendenaktionäre können „die Hände nicht einfach in den Schoss legen“. Der Autor muss je nach Genre das Buch aktualisieren oder überarbeiten. Dividendenaktienbesitzer zwingt der Markt Aktien zu kaufen oder zu verkaufen, um die angestrebte Rendite zu erreichen, beziehungsweise zu halten. Es ist bei passivem Einkommen grundsätzlich ein Mindestmaß an Aktivitäten nötig.

Möglichkeiten & Ideen für passives Einkommen

Mieteinnahmen

Mieteinnahmen passives Einkommen

Das wohl bekannteste passive Einkommen sind Mieteinnahmen. Verfügst du über ausreichend Eigenkapital, kannst du dir im Laufe der Jahre einen großen Immobilienstock aufbauen. Legst du dein Grundkapital geschickt an, finanzieren sich die Objekte gegenseitig. So ermöglichen dir die Mieteinnahmen im Laufe der Jahre ein bequemes Leben. Bist du Mieter und ist deine Wohnung groß genug, kannst du ein Zimmer untervermieten. Oder die ganze Wohnung für eine begrenzte Zeit anbieten, wenn du einen längeren Auslandsaufenthalt planst. Eine Mietwohnung gibt dir durchaus das Mittel in die Hand, mithilfe einer Untervermietung Geld zu verdienen. Vergiss nicht, vorab mit deinem Vermieter zu sprechen.

Amazon FBA & passives Einkommen im Internet

Amazon FBA als passives Einkommen

Für Internet-Unternehmen ist Amazon FBA sehr interessant. Du musst lediglich für die Ware sorgen und diese ins Lager von Amazon schicken. Gegen eine Gebühr übernimmt der E-Commerce Riese das Marketing und den Rest. Angefangen bei der Vermarktung bis hin zur Verkaufsabwicklung und Zahlung (Dropshipping). Kreative Köpfe und Künstler finden sich bei dem inzwischen sehr beliebten T-Shirt-Business wieder. Dahinter steht die Idee, ein cooles Design auf ein T-Shirt, eine Tasse, einen Pullover oder Ähnliches zu drucken und anzubieten. Also bedruckbare Produkte vermarkten. Es gibt inzwischen eine Reihe von Plattformen, die beim Aufbau dieser Unternehmensform unterstützen. Der Künstler liefert die Vorlage, die Plattform übernimmt den Rest. Ob sich ein Einstieg lohnt, muss allerdings gründlich geprüft werden, da dieser Idee eine Vielzahl von Leuten folgt.

Um eine andere Form des E-Commerce handelt es sich beim Affiliate-Shop. Bei diesem Online-Shop sind die präsentierten Produkte mit einem anderen Online-Shop verlinkt. Das heißt, der Websiteinhaber ist nicht der Verkäufer der Produkte auf seiner Website. Printprodukte wie Plakate, Kalender oder Postkarten zum Selbstausdruck kannst du gut digital anbieten und liegst damit im Trend. Affiliate-Marketing bietet eine rentable Möglichkeit für passives Einkommen. Außerdem kannst du durch Affiliate-Marketing ortsunabhängig Geld verdienen. Während deinen Reisen könntest du deine Wohnung vermieten.

Printmedien, Hörbücher oder eBooks

eBooks als passives Einkommen

Für Schreibtalente gibt es die Möglichkeit, ihre Bücher als Printmedium und als Hörbuch auf den normalen Markt zu bringen. Oder aber als eBook beziehungsweise Audiodatei im Internet anbieten. Gute Bücher, egal, in welcher Form, sichern ein kontinuierliches passives Einkommen. Wenn du die Zeit investierst, eigene Themen zu entwickeln und diese kostenpflichtig auf diversen Portalen zu präsentieren, kann daraus eine durchaus lukrative Einkommensquelle entstehen.

Zu einem großen Trend in der Reisebranche hat sich der Individualtourismus entwickelt. Wer über etwas Schreibtalent und gute Insidertipps für eine Stadt oder eine Region verfügt, hat hier die Chance, diese in einen alternativen Reiseführer zu packen, ihn online zu stellen und damit finanziell zu punkten.

Bei exklusivem Content bieten sich Mitgliederbereiche als Einkommensquelle an. Auf der Hauptseite stehen die ersten Informationen, weiterführende oder vollständige Texte gibt es lediglich in einem kostenpflichtigen Mitgliederbereich.

Achtung!

Egal, wie du deine Bücher verkaufst, du musst immer eine Rechnung schreiben. Enthält diese Rechnung nicht alle Pflichtangaben, erfüllt sie die gesetzlichen Anforderungen nicht.

GEMA

GEMA als passives Einkommen

Musiker habe die Möglichkeit, entweder über die GEMA oder auf speziellen Plattformen zum Herunterladen, mit eigener Musik Geld zu verdienen.

Stockfotos ist die ideale Plattform für leidenschaftliche Fotografen. Stellst du deine Bilder auf einer Stockfotoplattform zur Verfügung, erhältst du für jeden Verkauf einer Gewinnbeteiligung. Bist du kreativ und in der Lage, Stockgrafiken zu erstellen, kannst du diese über Stockgrafikportale verkaufen.

eLearning-Produkte

passives Einkommen mit eLearning

Eine weitere gute Möglichkeit online passives Einkommen zu generieren ist das E-Learning. Online-Kurse, Webinare, Tutorielles, Workbooks, die Palette der eLearning-Produkte ist groß und gefragt wie noch nie zuvor. Ein Kurs, den du einmal erstellt hast, lässt sich zum Beispiel als Video immer wieder verkaufen. Workbooks, also Arbeitshefte, sind als Printmedium und in digitaler Form eine ideale Ergänzung zu Online-Kursen und Webinaren. Oder sie stellen sogar eigenständige Lerneinheiten für ein spezielles Thema dar.

Kennst du dich in einem ganz speziellen, nicht ganz so allgemeinen Themenbereich besonders gut aus, lohnt sich der Aufbau einer Nischenseite mit Werbung, bezahlten Kooperationen und/oder Affiliatelinks. Bannerwerbung ist für Blogger und Betreiber von Youtube-Channel ein weiterer Schritt bei der Generierung von passivem Einkommen. Für den Aufbau deiner eigenen Seite empfehlen wir dir ein CMS wie WordPress und das für dich passende WordPress Theme.

Aktienhandel

Aktienhandel als passives Einkommen

Der Bereich Aktienhandel gehört zu den besonders komplexen Themen und bedarf einer gründlichen Einarbeitung. Wer sich in der Sparte gut auskennt, kann mit Aktienhandel viel Geld verdienen. Vorausgesetzt, er verfügt über das entsprechende Grundkapital. Unterschätze dabei niemals das Risiko. Viele Menschen verloren durch fehlerhaften Kapitaleinsatz ihr gesamtes Hab und Gut.

Etwas sicherer ist aufgrund der Streuung das Crowdinvesting. Dabei erhältst du für deine Investitionen Zinsen, bist jedoch nicht allein, sondern in einer Gruppe – ähnlich wie beim Crowdfounding. Diverse Plattformen ermöglichen inzwischen privaten Geldverleih. Dort geben Privatpersonen an andere Privatpersonen Geld gegen Zinsen. Installierst du auf deiner Website einen Spendenbutton, sammelst du für hochwertigen Content Geld auf freiwilliger Basis.

Gegenstände vermieten

Carsharing passives Einkommen
Carsharing am Beispiel von Car2Go. Quelle: Future Labs

Die Vermietung von Gegenständen zählt ebenfalls zu den probaten Mitteln, passives Einkommen zu generieren. Vermieten kannst du so ziemlich alles, was du nicht im Gebrauch hast. Zum Beispiel überflüssiges Kameraequipment, Partyausrüstung, technische Gadgets und Ähnliches. Carsharingseiten ermöglichen es, dein Auto mit anderen zu teilen. Das bringt nicht nur Geld, sondern hilft auch der Umwelt.

App

App als passives Einkommen

Ein Eldorado ist das Internet für EDV-Spezialisten. Gute Softwares werden ständig gebraucht und lassen sich beliebig oft wieder verkaufen. Eine App mit einem echten Mehrwert für die Nutzer kann sich schnell zu einer Goldgrube entwickeln.

Schubladendenken, Einkommen und Geld verdienen ohne großen Aufwand

Wem ausreichend Kapital zur Verfügung steht, dem fällt es sicherlich leicht, passives Einkommen zu erzeugen. Er hat die Möglichkeit, eine Immobilie, Aktien oder Unternehmensbeteiligungen zu erwerben. Zwingend nötig ist der Einsatz von Geldmitteln jedoch nicht. Mit ausreichend Kreativität, Ehrgeiz und zeitlichem Einsatz gibt es zahlreiche Möglichkeiten, passives Einkommen ohne hohen Kapitalaufwand zu generieren. Schubladendenken und exakte Abgrenzungen sind unnötige Hemmschuhe, wichtiger ist der Wille, die eigenen Ideen umzusetzen. Es existieren viele Mischformen aus aktivem und passivem Einkommen, einige aktive Einkommen lassen sich durch Automatisierungen in passives Einkommen umwandeln. Ist dein Ziel passives Einkommen, solltest du dir rechtzeitig überlegen, wie du den aktiven Teil deiner Tätigkeit am besten in einen passiven Part umwandelst.