Schnell, Schneller, Lean Startup: So gründen AirBnB, Dropbox & Co.

Die Gründung eines eigenen Unternehmens bringt immer einige Risiken mit sich. Es wird viel Geld, Zeit und Kraft in eine Idee investiert, die im besten Fall Erfolg für sich selbst und alle Beteiligten versprechen soll. Leider kann man sich innerhalb der Gründungsphase niemals in der Sicherheit wiegen, auch die Zielgruppe mit dem entwickelten Produkt überzeugen zu können. Was für Wünsche und Bedürfnisse diese eigentlich hat, bleibt zu Beginn meist unklar.

Die vom Silicon-Valley-Entrepreneur Eric Ries entwickelte Methode des Lean Startup soll diese Unsicherheiten und das generelle Risiko einer Unternehmensgründung durch verschiedene Vorgehensweisen herabsenken. Lean Startup soll helfen, die Erfolgsaussichten von Produkten und Geschäftsmodellen von Vornherein besser einzuschätzen, Wünsche und Bedürfnisse der eigenen Zielgruppe tatsächlich herauszufinden und schnelle Anpassungen des Produkts vorzunehmen, ohne das gesamte Vorhaben einer Unternehmensgründung umwerfen zu müssen.

Im Folgenden klären wir die wichtigsten Fakten zu dieser erfolgreichen Methode für Startups und verschaffen dir einen Überblick über die entscheidenden und hoffentlich erfolgversprechenden Instrumente.

Hier eine Übersicht zum Beitrag:

1. Herkunft des Lean Startup
2. Die 5 Prinzipien der Lean Startup-Methode
3. Bauen-Messen-Lernen
4. Beispiele und Erfolge durch Lean Startup
5. Fazit


1. Herkunft des Lean Startup

Im Jahre 2008 erwähnte der damals 30-jährige Eric Ries auf seinem Online-Blog „Startup Lessons Learned“ erstmalig die Idee der sogenannten Lean Startup Methode. „lean“ steht hier im weitesten Sinne für „schlank“. Das heißt, dass gleich zu Beginn eine schlanke Unternehmensstruktur geschaffen werden soll. Sie soll bei der Herausforderung helfen, herauszufinden, ob das gewählte Geschäftsmodell oder Produkt das Richtige ist, und somit das Risiko einer Startup-Gründung mindern.

Es gehe darum, mit möglichst wenig zur Verfügung stehendem Kapital – dafür mit umso mehr Effizienz – an die Unternehmensplanung heranzugehen. Das Ziel sei, so schnell wie möglich einen Prototypen oder eine Beta-Version an den Markt zu bringen, um so mithilfe des Kundenfeedbacks Änderungen und Wünsche am Produkt bzw. dem Geschäftsmodell vorzunehmen.

Vier Jahre später wurde das Konzept schließlich in dem Buch „The Lean Startup“ veröffentlicht. Aufgrund der großen Nachfrage und der wachsenden Lean Startup-Bewegung sammelt Ries seit 2015 für sein nächstes Buch „The Leader`s Guide“ erfolgreich Geld über die bekannte Crowdfunding-Plattform kickstarter.com.

Mittlerweile hat sich der Begriff des Lean Startup etabliert. In vielen Städten auf der ganzen Welt wurden bereits sogenannte „Lean Startup Circles“ gegründet – also Netzwerke von Unternehmensgründern – um sich innerhalb der Gründungsphase gegenseitig zu unterstützen. Hier können Erfahrungen ausgetauscht, Fragen gestellt und Informationen zur Anwendung der Methode gesammelt werden.


2. Die 5 Prinzipien der Lean Startup-Methode

Um dir die Grundprinzipien des Lean Startup näher zu bringen, findest du hier kurz zusammengefasst, was laut Eric Ries unverzichtbar in der Denkweise als Entrepreneur und Nutzer dieser effektiven Methode ist.

Die Prinzipien setzen sich folgendermaßen zusammen:

1. Entrepreneure gibt es überall

Der Begriff Entrepreneur trifft auf viele zu. Ein Entrepreneur ist im klassischen Sinne Gründer und Inhaber eines Unternehmens. Sein Handeln ist eigenständig, verantwortungsbewusst, er übernimmt große Verantwortung innerhalb des eigenen Unternehmens und trägt das damit verbundene Risiko mit sich. Laut Ries treffe der Begriff des Weiteren auf all diejenigen zu, die in einem „Startup“ arbeiten. Als „Startup“ werden all die Organisationsformen zusammengefasst, die das Ziel verfolgen, ein innovatives Produkt oder eine innovative Dienstleistung unter sehr unsicheren Bedingungen auf dem Markt zu etablieren. Zusammengefasst – Lean Startup funktioniert innerhalb verschiedenster Unternehmensgrößen und Branchen.

2. Entrepreneurship ist Management

Startups verlangen klare Strukturen, sowie gute Führungskompetenzen. All das heißt – Verringerung des Risikos und Förderung des Erfolgs. Gerade bei den vielen Unsicherheiten die eine Gründung mit sich bringt, sollte das Management des Unternehmens einen klaren Führungsstil aufzeigen.

3. Validierte Lernprozesse

Der eigentliche Daseins-Zweck eines Startups ist der, zu lernen, wie man ein funktionierendes, tragfähiges Geschäftsmodell oder Produkt entwickelt und aufbaut. Das Lernen aus Fehlern, das Durchführen von Kundenbefragungen sowie das Berücksichtigen der Zielgruppenwünsche soll das Produkt immerzu verbessern. Visionen sollen sich mit der Zeit so der Wirklichkeit anpassen.

4. Bauen-Messen-Lernen

Zu Beginn ist da die Idee, die so schnell wie möglich in ein Produkt umgewandelt werden soll. Nach der Erstellung des Produkts wird dieses dem Markt zugänglich gemacht, um so direkte Reaktionen und Feedback der Zielgruppe zu messen. Anschließend kann die Lehre aus den Ergebnissen gezogen werden. Dann beginnt die Schleife von Neuem. Das frühzeitige Erkennen, was am Produkt geändert werden muss und ob man vielleicht doch lieber in eine andere Idee investieren sollte, ist immens wichtig.

5. Innovationsbilanz

Um die eigenen Startup-Aktivitäten verbessern zu können ist es wichtig, sich auf Dinge wie die Messung des Erfolgs, das Errichten von Meilensteinen und das Zuweisen der entsprechenden Prioritäten an Aufgaben zu konzentrieren. Die passenden Konsequenzen müssen immer wieder gezogen, sowie Änderungen am Produkt vorgenommen werden. Soll und Haben sind hier die geeigneten Schlagwörter.


3. Bauen – Messen – Lernen

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Der wichtigste Bestandteil der Lean Startup-Methode besteht darin, die Bauen – Messen – Lernen Feedbackschleife zu verinnerlichen, um so der idealen Umsetzung der Idee des eigenen Geschäftsmodells bzw. des eigenen Produktes näher zu kommen. Dazu beitragen sollen das Feedback der Zielgruppe, die ständige Überprüfung des Standes, sowie die andauernde Verbesserung des Produkts, sobald überzeugende Änderungsvorschläge gewonnen wurden. Die sofortige Vornahme von Veränderungen nach diesen Erkenntnissen soll dabei helfen, Zeit, Geld und Ressourcen zu sparen, sowie die Möglichkeit offen lassen, den Kurs spontan zu korrigieren. Nur auf dem Weg einer immer wiederkehrenden Feedbackschleife ist es möglich, herauszufinden, welche Wünsche und Bedürfnisse die eigene Zielgruppe wirklich hat und auf welche Art von Produkt bzw. Geschäftsidee sie tatsächlich anspringt.

Bauen

Anstatt monatelang auf die erste Betaversion hinzuarbeiten und Unmengen an Zeit und Geld zu investieren, sollte im Anschluss an die Ideenfindung sobald wie möglich ein erstes Produkt, nämlich das „minimal funktionsfähige Produkt“ (MFP) mit den wichtigsten Merkmalen gebaut und auf den Markt gebracht werden. Dem Produkt dürfen und sollen hier noch einige Merkmale und Funktionen fehlen, die sich später eventuell noch als wichtig erweisen könnten. Ressourcen werden hier so noch nicht verschwendet, können allerdings perfekt für weitere, spätere Optimierungen eingesetzt werden.

Zusammengefasst sollten folgende Punkte bei der Erstellung eines MFP beachtet werden:

  • Das Potential des Produktes muss den Nutzern mithilfe des MFP`s vermittelt werden
  • Das MFP muss mit den wichtigsten Produktmerkmalen ausgestattet sein
  • Unnötige Funktionen, die nicht essentiell wichtig sind, werden weggelassen

Messen

Anhand erster Rückmeldungen auf das MFP können nun die Antworten auf verschiedenste, zu Beginn formulierte Fragen und Hypothesen gefunden werden. Gibt es eine Nachfrage nach meinem Produkt? Was für Veränderungen können vorgenommen werden, um den Wünschen meiner Zielgruppe näher zu kommen? Das richtige Einschätzen der bisherigen Kunden und des eigens entwickelten Produktes spielt hier eine tragende Rolle. Des Weiteren können und sollten verschiedenste Messmethoden und Testvarianten angewandt werden, um die Funktionalität des Produkts, sowie das Interesse und die Nachfrage nach diesem zu testen.

Folgende Tests können beispielsweise durchgeführt werden:

  • Split Test: Ermöglicht, zwei Varianten von zielgruppenspezifischen Ansprachen gegeneinander zu testen und so zu optimieren.
  • Usability-Test: Prüft die Gebrauchstauglichkeit einer Software mithilfe passender Probanden. Im Vordergrund steht hier die Optimierung von Interaktionsprozessen.
  • Konversionspfad-Analyse: Untersucht die Prozesse, wie ein Proband eine Homepage durchläuft, um ein bestimmtes Ziel (z.B. Bestellvorgang) zu erreichen.

Lernen

Nun besteht die größte Herausforderung darin, zu entscheiden, ob die Produktentwicklungsbemühungen, welche man vornehmen könnte, wirkliche Fortschritte mit sich bringen würden. Ein Produkt, das sowieso niemand möchte, wird auch durch noch so viele Veränderungen keinen Erfolg landen. Mithilfe einer Innovationsbilanz können Meilensteine im Lernprozess geschaffen werden, welche helfen sollen, Fortschritte objektiv und genau zu beurteilen.

Das wohl wichtigste Element der Feedbackschleife ist die Kurskorrektur. Soll die bisher angewandte Strategie beibehalten werden, oder sollte besser ein neuer Weg eingeschlagen werden? Wenn sich zu Beginn gestellte Hypothesen nach vermehrten Wiederholungsschleifen gehäuft als falsch erweisen, wird es wahrscheinlich an der Zeit sein, den Kurs zu ändern oder einen anderen Weg einzuschlagen. Angst vor dem Pivot („Drehpunkt“) sollte man auf alle Fälle nicht haben.

Insgesamt wird durch diese Wiederholungsschleife ermöglicht, schnell Änderungen vorzunehmen, richtig zu reagieren, sowie in neue, effizientere Richtungen einzuschlagen. Das Risiko, eine völlig falsche Idee zu verfolgen und über lange Zeiträume hinweg Geld an der falschen Stelle zu investieren, wird somit extrem minimiert.


4. Beispiele und Erfolge durch Lean Startup

Die Aussage, Lean Startup sei immerzu erfolgreich, lässt sich natürlich nicht pauschalisieren. Allerdings ist die Begeisterung für diese Methode nicht unbegründet. Die Zahl der vom Konzept überzeugten Entrepreneurs wächst von Tag zu Tag. Beleg dafür sind einige, mittlerweile sehr erfolgreiche Unternehmen, die die Methode des Lean Startup mit in die Unternehmensgründung einbezogen haben. Im Folgenden möchten wir dir ein paar dieser erfolgreichen Beispiele vorstellen.

Airbnb

Airbnb

Ein erfolgreiches Konzept – Wohnungen, Häuser, verschiedenste Unterkünfte mieten und vermieten. Ganz unkompliziert funktioniert das mithilfe von Airbnb. Schnell hat man ein Profil auf der Homepage erstellt und kann so die Zeiten, in welchen die eigene Wohnung nicht von einem selbst genutzt wird effektiv nutzen, um ein wenig Geld verdienen und einem Besucher eine günstige Übernachtungsmöglichkeit anzubieten. Von Anfang an setzte Airbnb auf eine schrittweise Annäherung an das geplante Geschäftmodell mittels minimal-funktionsfähiger Produkte. Mittlerweile finden Gäste auf Airbnb Domizile in über 192 Ländern und mehr als 33.000 Städten.

Dropbox

Dropbox

Dropbox – Mittlerweile ein Begriff für jedermann. Doch auch dieses Unternehmen hat klein angefangen und versuchte während der Gründungsphase mithilfe der verfügbaren Mittel so schnell wie möglich Feedback der Zielgruppe zu erlangen. Drew Housten – CEO und Gründer von Dropbox – begann nachdem er von dem Konzept erfuhr, Produktentwicklungs-Zyklen innerhalb des Unternehmens extrem zu verkürzen, um so frühzeitig und häufig testen zu können, was die Zielgruppe tatsächlich wollte. Schlussendlich erreichte das Unternehmen seine Ziele und zählt heute zu den erfolgreichsten Filehosting-Diensten weltweit.

Zappos

Zappo

Das große Vorbild des erfolgreichen deutschen Online-Schuhandels Zalando war Zappos. Zappos zählt als das weltweit größte Online-Schuhgeschäft mit einem jährlichen Bruttoumsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Als Beispiel für die erfolgreiche Anwendung von Lean Startup wird dieser Online-Schuhhändler auch in Eric Ries` Buch „The Lean Startup“ genannt. Angefangen hat hier alles mit einem einfachen Produkt. Nick Swinmurn, der Gründer, wollte als Pionier des Online-Schuhhandels starten und stellte sich zu Beginn die einfache Frage, ob denn bereits ein ausreichender Bedarf, Schuhe online zu kaufen, bestehe. Anstatt aufwändige Marktforschung zu betreiben, lernte das Unternehmen viel und schnell aus den Reaktionen auf das zu Beginn entwickelte Produkt. Verbesserungen und Änderungen konnten vorgenommen werden und Zappo erhielt so direktes Feedback von seiner Zielgruppe. Im Juli 2009 übernahm Amazon.com den Online-Schuhladen für rund 850 Millionen Dollar.


5. Fazit

Gerade für Startups, die sich noch ganz am Anfang ihrer Gründungsphase befinden, bietet die Methode Halt und bewahrt davor, sich in utopischen Ideen zu verrennen. Der permanente Evaluationsprozess und das Verändern des Produktes bzw. der Geschäftsidee aufgrund von Reaktionen und Feedback der Zielgruppe helfen enorm dabei, der erfolgreichen Umsetzung einer Idee näher zu kommen.

Ein weiterer Vorteil der Methode ist, dass man als Startup sehr effizient Informationen sammeln kann, was wichtig für die erfolgreiche Entwicklung eines Produktes ist. Im Gegensatz zur klassischen Startup-Gründung kann man so einem erhöhten Risiko, zu viel Geld an der falschen Stelle zu investieren, aus dem Weg gehen. Es wird erst dann investiert, wenn der tatsächliche Nutzen der Funktion bzw. der Erweiterung bestätigt wurde.

Wenn du also bereits mit dem Gedanken gespielt hast, ein Startup zu gründen, jedoch wegen der Risiken die solch eine Gründung mit sich bringt, zurückgeschreckt bist, wäre es sicherlich lohnenswert, sich noch eingehender mit der gesamten Lean Startup-Methode zu beschäftigen. Es gibt einige Startup-Beispiele, die mithilfe dieses Ansatzes die Gründung erfolgreich durchführen konnten, ohne ein enorm hohes Risiko einzugehen.

Peter Sutter

Head of Marketing und bei den neusten Marketingstrends up to date. Peter kennt die Kunden von sevDesk genau und weiß daher um die Bedürfnisse von kleinen Unternehmen. Auf unserem Blog teilt er sein Wissen mit dir!

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