Selbstständig als Grafikdesigner - Interview

Welche Hürden gilt es als selbstständiger Grafikdesigner zu meistern und wie verläuft der Schritt in die Selbstständigkeit? In einem Interview mit Max Rosengart von Rosengart Designs haben wir gefragt, wie Max seinen Alltag als Selbstständiger erlebt, welche Schwierigkeiten es gibt und was das Schöne an der Selbstständigkeit ist. Bestimmt kannst du von seiner Erfahrung als hauptberuflicher Grafikdesigner profitieren und einige Learnings für dein Unternehmen mitnehmen. Viel Spaß mit dem Interview! 

Grafikdesign bei sevDesk

Das erwartet dich heute:

    Intro

    Was liebst du am meisten an deinem Job und was am wenigsten?

    Am meisten liebe ich die Freiheit, das selbstbestimmte Arbeiten und die Flexibilität. Durch die Selbstständigkeit bin ich auch privat wesentlich organisierter und analytischer geworden und ganz besonders Zeitbewusst. Zeitverschwendung und „Warten“ ärgern mich schon immer, deswegen mag ich auch die Zeit nach der Abgabe von Entwürfen am wenigsten, weil man nie genau weiß, wie weit oben das Projekt beim Kunden auf der Prio-Liste steht und wann der Kunde zeit hat Feedback zu geben, das kann den Arbeitsfluss manchmal ganz schön stören, weil man – gehen wir mal runtergebrochen von einem 8-Stunden-Tag aus – manchmal nur 3-4 Stunden effektiv arbeiten kann.

    Wie lange bist du schon selbstständig tätig und wieso hast du dich dafür entschieden?

    Hauptberuflich selbstständig bin ich jetzt seit ziemlich genau einem Jahr. Nebenberuflich-selbstständige Projekte, die ich neben meinem Studium gestartet habe, habe ich seit Mitte/Ende 2018. Auch das Designen lief erst Nebenberuflich und hat sich dann zum Hauptberuf „herauskristalisiert“.

    Freiberufler oder Gewerbetreibende

    Für welche Form der Selbstständigkeit hast du dich entschieden und aus welchem Grund?

    Ich bin Gewerbetreibender. In erster Linie deshalb, weil ich gerade im Blick auf die Zukunft nicht ausschließlich „künstlerisch“ tätig sein möchte und weil ich mich mit meinem Angebot generell zwar als kreativer, aber vor allem eher als Dienstleister als als Künstler sehe.

    Kundenakquise

    Welche Plattformen empfiehlst du für die Kundenakquise?

    Der Großteil meiner Kunden kommt von Freelancer-Plattformen, vor allem Fiverr. Die Plattform hat mir den Schritt in die Selbstständigkeit auch überhaupt erst ermöglicht. Auf lange Sicht versuche ich mich aber von solchen Plattformen unabhängig zu machen und meine Akquise aber vor allem über Soziale Medien zu verschieben, besonders Solche mit hohem Visuellen Anteil (Instagram(Portfolio), YouTube (Tutorials),…) dort dann z.B. meine Website bewerben und ggf. mit einem Kontaktformular arbeiten. Aktuell benutze ich hauptsächlich Instagram. Gerade für Direktakquise im B2B Bereich würde ich zudem verstärkt auf LinkedIn setzen.

    Wie gestaltest du dein Angebot und wie hebst du dich von der Konkurrenz ab?

    Auf fiverr war es tatsächlich so, dass ich einer der Ersten war, die „deutsch/german“ in die Gig-Beschreibung geschrieben hat und so vor allem lokale Kunden angesprochen hat. Meine Deutschkenntnis war also auf fiverr eine Art USP. Ansonsten generiere ich Vorteile daraus, dass ich sehr analytisch an neue Projekte herangehe. Hinzu kommt gerade bei Privatkunden die keine große Erfahrung im Designbereich bzw. im Ablauf eines Projektes haben, dass ich diese sehr zeitig „abhole“ und sogar mit ihnen zusammen „Briefings“ erstelle, sodass die Idee/das Konzept gemeinsam wächst und sie nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

    Preiskalkulation

    Wie gelingt dir die Preiskalkulation für deine Projekte?

    Das lief bis jetzt durch meinen Werdegang vom „Zubrot“ bis zur hauptberuflichen Selbstständigkeit hauptsächlich über Angebot und Nachfrage, sodass sich dann irgendwann gewisse Preise für gewisse „Pakete“ oder einen gewissen Umfang der Betreuung herauskristalisiert haben.

    Hast du in der Vergangenheit etwas gemacht, von dem du heute absiehst? Was waren deine learnings?

    Gerade in den Zeiten, in denen sich der Schritt in den Hauptberuf abzeichnete, meine Preise aber noch nicht hoch genug waren habe ich mit allen Mitteln versucht einen Auftrag zu bekommen und mich manchmal auch unter Wert verkauft. Heute kann ich den Wert meiner Zeit gut einschätzen und antworte auf z.T. unverschämte Anfragen gar nicht mehr.

    Welche weiteren Empfehlungen kannst du hier geben und was ist deine Schmerzgrenze?

    Natürlich kann man nicht direkt als Neueinsteiger sehr hohe Preise fordern. Gerade in der Designbranche ist der Markt auch durch Freelancer Plattformen verhältnismäßig stark überflutet mit „Billiganbietern“ meist aus dem Nahen oder auch ferneren Osten, sich aber mit guter Arbeit auf ein solches Preisniveau „herabzulassen“ würde ich nicht empfehlen. Auch Anfragen (oft über Social Media) ob man denn nicht z.B. ein Logo gratis erstellen könnte, oder bezahlt wird, wenn demjenigen das Logo im Nachhinein gefällt (ohne Rechnung/Vertrag) würde ich abweisen und den Leuten erklären, wie viel Arbeit in dem Ganzen steckt.

    Kunden und Kommunikation

    Was ist das Schwierigste in der Kommunikation für dich?

    Das sind wohl vor allem Telefonate oder Video-Calls, zum Glück kommen diese meistens nur mit Stammkunden vor, sodass ich weiß, wie mein Gegenüber tickt und wir schon eine Beziehung zu einander haben, das macht es für mich leichter. Mit neuen Kunden aber direkt in persönliche Gespräche zu gehen, ohne dass ich weiß was mich erwartet fällt mir aber immer wieder schwer. Zum Glück fangen aber wie gesagt 90 Prozent meiner neuen Geschäftsbeziehungen schriftlich an. Da ich im Schriftverkehr wesentlich sicherer bin wird es für mich so auch leichter – neben meinem Portfolio – den Kunden von mir zu überzeugen.

    Wie vermeidest du endlose Feedbackschleifen?

    Zum einen natürlich irgendwo mit guter Arbeit und hohem Aufwand und Ehrgeiz, den ich dem Kunden auch zu zeigen versuche. Außerdem auch mit guter Kommunikation, mit der zeit bin ich immer besser darin geworden eine Idee von den Vorstellungen des Kunden zu bekommen, auch wenn er sich selbst noch gar nicht sicher ist, was er möchte. Ich sage meinem Kunden auch, wenn ich noch nichts so richtig sehe, oder seine Beschreibungen z.B. einmal widersprüchlich sind, sodass wir gemeinsam einen Weg finden müssen. Ein guter Draht zum Kunden und ein hohes Maß an Kommunikation lassen mich lange Schleifen größtenteils vermeiden.

    Wie bindest du deine Kunden? Bindest du sie überhaupt an dich?

    Viele Privatkunden brauchen oft nur einmalig etwas, aber ich denke bei den meisten von Ihnen kann ich durch die gute Kommunikation und einem fast freundschaftlichen Umgang punkten und sie behalten mich im Hinterkopf. Selbiges funktioniert natürlich auch bei Geschäftskunden, wobei ich denen auch immer Wege für zukünftige Designarbeiten aufzeige, die ich Ihnen anbieten kann um mit Ihnen bspw. eine starke Corporate Identity zu entwickeln.

    Hast du sonstige Tipps zum Umgang mit Kunden für andere Grafikdesigner:innen?

    Ich bin sehr großer Fan vom respektvollem „Du“, wie es ja häufig z. B. auch unter Informatikern verbreitet ist, ob 16 oder 60 ich bin der Meinung man kann auch jedem Menschen respektvoll gegenüber sein, wenn man ihn duzt. Ich denke das ist auch ein Faktor für die sehr persönliche Beziehung mit meinen Kunden wenn wir uns gegenseitig duzen und auch immer wieder von „wir“ und „uns“ gesprochen wird statt von „Sie“, macht mich das ein Stückweit eben auch immer zum Teil des Projekts.

    Zeit- und Projektmanagement

    Welche waren deine größten Painpoints?

    Vor allem das vorhin beschriebene Warten oder das Gefühl „in der Luft zu hängen“ nachdem man Entwürfe zur Abnahme geschickt hat, diese Zeit sinnvoll zu füllen ist fast unmöglich, da man ja so schnell wie möglich auch wieder auf Abruf für den Kunden da sein möchte, was schwer möglich ist wenn man sich einem anderen Projekt oder gänzlich anderen Dingen zuwendet.

    Welche Tools und Methoden nutzt du?

    Bisher nutze ich noch einen ganz klassischen Wochenplan auf dem spätestens am Abend zuvor alles mit Prioritäten für den nächsten Tag ordne und vorbereite und den vergangenen Tag z.B. nach seiner Produktivität bewerte. Ich will diesen Wochenplan aber zeitnah digitalisieren (mit Notion) und außerdem anfangen ausführlich Erfolgsjournal zu schreiben.

    Was machst du, um deine Kreativität zu fördern?

    Zum Glück wohne ich sehr ländlich, da ist es einfach draußen auch einmal abzuschalten, entspannt einen Kaffee trinken und sich neu inspirieren zu lassen, wenn man das Gefühl hat, das einem sonst gleich der Kopf platzt oder man eine Blockade hat, weil man viel „handwerklich“ gemacht hat statt kreativ zum Beispiel. Für Inspiration nutze ich die üblichen Verdächtigen, ich scrolle durch Instagram, Pinterest und Co., schaue mir Mood-Boards oder Logos und Techniken anderer Designer oder erfolgreicher Firmen an und hole mir Inspiration aus „Mustern“, z.B. aus Abstraktionen bestimmter Dinge.

    Wie gelingt dir als Selbstständiger eine gesunde Work-Life-Balance?

    Ganz wichtig ist mir von Anfang an mein Wochenende. Freitagabend bis Sonntagabend gehören mir, meinen Freunden und meiner Familie (und dem Fußball). Außerdem ist Sport für mich ganz wichtig, auch wenn ich es wie viele im letzten Jahr schwierig oder nicht möglich war (und das hat man sofort gemerkt) geben mir Dinge wie das Fußballtraining zusätzlich Struktur und „zwingen“ mich Weg vom Schreibtisch – ich kann vermutlich nirgendwo sonst so einfach und schnell alles vergessen. Außerdem lege ich Wert auf eine wirklich ausgiebige Mittagspause von manchmal bis zu 2 Stunden, um den kopf frei zu bekommen, dem Mittagstief mit leerem Kopf aus dem Weg zu gehen und neuen Schwung für den Nachmittag mitzunehmen. Ich stehe jeden Tag spätestens um 6 auf und es gibt Tage (wenn z.B. die Deadline drückt) an denen ich bis in die Nacht am Schreibtisch sitze, die Pause hilft da sehr. Auch plane ich mit meiner Freundin jede Woche das essen und in der Regel kochen und essen wir dann auch gemeinsam Abendbrot.

    Blogs und Magazine

    Hast du Favoriten?

    Kann ich so gar nicht unbedingt beantworten, klare Favoriten gibt es dahingehend kaum, ich bin Fan davon mich in alle möglichen Richtungen weiterzubilden und zu informieren und über den Tellerrand zu schauen. In meiner Branche verfolge ich sehr gern englischsprachige Designer, meistens auf YouTube.

    Welche Weiterbildungsmöglichkeiten nutzt du?

    Hauptsächlich Video-Content, ob jetzt YouTube oder Online Kurse und wie gesagt viele verschiedene Plattformen um ein möglichst breit gefächertes Allgemeinwissen zu haben. Ab und zu wenn mich ein Thema besonders interessiert kommen auch Bücher zum Einsatz.

    Wie gehst du mit schwankendem Einkommen um?

    Ich habe meine verbindlichen Ausgaben sehr genau im Blick und geplant, ich habe immer mindestens 2 „Monatsausgaben“ auf dem Konto und lebe generell sehr sparsam und gehe umsichtig mit meinem Geld um. Meine Freundin gibt uns beiden zusätzliche Sicherheit da sie immer ein geregeltes Einkommen hat.

    Wie entscheidest du, ob du Projekte annimmst oder nicht?

    Natürlich spielt der finanzielle Aspekt dabei eine Rolle, allerdings kommt es auch darauf an wie die Chemie zwischen mir und dem potenziellen Kunden ist. Ich habe ja ausführlich darüber gesprochen, wie wichtig mir die Kommunikation ist, wenn sich z.B. abzeichnet, dass der Kunde an seinem eigenen Projekt gar nicht sonderlich interessiert ist, ich fast mehr für das Projekt brenne und mich mehr engagiere als der Kunde ist das immer ein schlechtes Zeichen und kann dazu führen, dass ich dem Kunden absagen muss.

    Wie sieht deiner Meinung nach die Zukunft der Branche aus?

    Es strömen durch Plattformen wie Fiverr immer mehr Leute in den Markt, teilweise für lächerliche Preise. Auch das Verständnis vieler „Kunden“ ist oft nicht da. Ich bin aber davon überzeugt, dass man, wenn man gute Arbeit abliefert sich auch auf diesem Markt noch durchsetzen kann. Visuelle Werbung und Markenauftritte auf z.B. Social Media wird in den nächsten Jahren noch wichtiger werden, es sollten also vor allem für die guten, genügend Kunden vorhanden sein. Es werden sich aber auch neue Wege eröffnen von denen wir jetzt noch gar nicht so viel ahnen.

    Schlusswort

    An dieser Stelle möchten wir ein großes Dankeschön an Max Rosengart von Rosengart Designs aussprechen, der sich die Zeit nahm, so ausführlich auf unsere Fragen einzugehen. 

    Nadine Höpf
    Nadine Höpf

    Nadine ist spezialisiert auf die Erstellung und Bereitstellung von hilfreichen Inhalten auf Blogs und Lexika im Business- und Finanzbereich. Durch intensive Recherchen und das Konsultieren von Experten stellt sie Fachwissen übersichtlich aufbereitet zur Verfügung.

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