8, Dezember, 2016 | Tipps für Selbstständige | Von Felix Zipf
scheitern

Warum Unternehmen scheitern und wie du diese Fehler vermeiden kannst

Fehler heißen dem Wortlaut nach Fehler, weil etwas fehlt – nicht zwangsläufig, weil etwas falsch ist. Selbstständige begehen Fehler. Das liegt in der Natur der Sache.  Wichtig sind dabei aber zwei Dinge: Fehler, die man sich bei anderen abschauen kann, muss man nicht selber tun. Und einen Fehler einmal zu machen, ist ok. Ihn aber zu wiederholen, ist dumm.

Im heutigen Blogbeitrag geht es um Fehler, die vor und während der Selbstständigkeit viel zu oft begangen werden und im schlimmsten Fall zum Scheitern führen. Nicht jeden dieser Fehler kann man bei seiner eigenen Unternehmung verhindern. Und auch nicht jeder Fehler bedeutet zwangsläufig das Ende.

Es kann aber keinesfalls schaden ein Gefühl dafür zu entwickeln, wo dir als Selbstständiger etwas fehlt und im Anschluss an diesen Schwächen zu arbeiten.

Das erwartet dich heute:

Woran Unternehmen wirklich scheitern?

„Manche Fehler können wir bei anderen Menschen abschauen, manche müssen wir jedoch unbedingt selbst machen.“

-Veronika Ventura

Im Netz kursieren etliche Artikel zum Thema Fehler der Selbstständigkeit und viele Blogbeiträge verkünden großspurig „Die X größten Fehler von Selbstständigen“. Aber ist es wirklich so einfach? Gibt es wirklich DIE großen Fehler, die für jeden Entrepreneur gleichermaßen gelten?

Beim genaueren Hinsehen fällt schnell auf, dass es bei den verschiedenen Beiträgen tatsächlich Übereinstimmungen gibt. Oft liegen die vermeintlichen Fehlerquellen beim Produkt, bei den Kunden, bei den Marketingmaßnahmen oder beim eigenen Team.

In einigen Punkten unterscheiden sich aber die Meinungen der Autoren. Und genau darin liegt der Punkt: Das Empfinden von Fehlern ist subjektiv. Jeder nimmt sie anders war und jeder beurteilt sie auf seine Weise. Was für den einen falsch ist, hält der andere für richtig.

178 gescheiterte Jungunternehmen – eine Analyse

Um sich zum Einstieg dennoch einen Überblick zu verschaffen, habe ich nach etwas Greifbarem gesucht – etwas mit einem allgemeingültigen Charakter. Dabei bin ich auf den Daten-Dienstleister CB Insights gestoßen.

Dieser hat vor mehr als zwei Jahren in einem Blogbeitrag angefangen gescheiterte Startups genauer unter die Lupe zu nehmen. 178 „Startup Failure Post-Mortems“ kann der Artikel mittlerweile vorweisen und besitzt Aussagekraft, wenn es um das Scheitern von Jungunternehmen und um potenzielle Fehlerquellen von Unternehmern geht.

Die Analyse der Startups ergab, dass in fast allen Fällen mehrere Gründe das Versagen des Unternehmens bewirkten. Es gibt also nicht DEN Fehler. Dennoch ließen sich gewisse Merkmale immer wieder feststellen. Entstanden ist daraus ein Ranking mit den 20 häufigsten Ursachen für das Scheitern von Startups:

20 Gründe, warum Unternehmer scheitern Infografik

Nachfrage, Finanzierung und das eigene Team als große Stolperfallen

Das keine Nachfrage für das Produkt am Markt besteht, ist einer der größten Fehler. Mit 42 % erwähnte beinahe jeder Zweite dieses Defizit in der obigen Analyse. „Wir haben niemandes Problem gelöst.“, ist sich der gescheiterte Jungunternehmer Michael Bohanes über das Hauptproblem seiner damaligen Unternehmung bewusst.

Auch Dave Sloan, der seinen Traum vom eigenen IT-Unternehmen im Jahr 2013 begrub, ist sich sicher: „Startups scheitern, wenn sie ein Problem lösen, das es am Markt nicht gibt.“

Nahezu ein Drittel der Unternehmer hatte langfristige Finanzierungsprobleme. Stellvertretend dafür ist die Aussage von Amit Goel. Der Entrepreneur musste seine Vision mit ‚Patterbuzz‘ durchzustarten, im Jahr 2015 aufgeben: „Alles war gut. Aber wir hatten immer dieses eine Problem. Wir hatten nie genug Rücklagen auf der Bank. Das wurde zum Grund für unser Scheitern. Uns ist das Geld ausgegangen.“

Auch Probleme im eigenen Team haben es mit 23 % auf Platz drei geschafft. Wenngleich es dabei nicht darum geht, dass innerhalb einer Unternehmung alle die gleiche Auffassung vertreten müssen.

„Es ist wertvoll, verschiedene Meinungen im Team zu haben, aber in jungen Startups überwiegen die Vorteile eines Teams – nämlich, sich schnell bewegen zu können – wenn alle ähnlich denken.“, meint Hsu Ken Ooi, Gründer von Decide.com. Das Unternehmen, welches die Preisentwicklung von Verbrauchsgegenständen antizipieren konnte, wurde 2013 vom Online-Riesen eBay übernommen.

Bereits gemachte Fehler muss man nicht selber begehen…

„Der kluge Mann macht nicht alle Fehler selber. Er gibt auch anderen eine Chance.“

-Winston Churchill

Die Ergebnisse der Analyse der Startups (größtenteils aus den USA) lassen sich problemlos auf die deutsche Unternehmenslandschaft übertragen. Gerade (angehende) Selbstständige sollten sich hierbei fragen, ob der ein oder andere Grund fürs Scheitern auch die eigene Unternehmung gefährden könnte.

Wenn ja, gilt es an diesen Baustellen zu arbeiten. Hilfreich kann es sein, sich die Worte vom Anfang erneut ins Gedächtnis zu rufen. Wenn du Fehler begangen hast, musst du nicht zwangsläufig etwas falsch gemacht haben. Es kann auch einfach sein, dass etwas fehlt. Und wenn etwas fehlt, ist es höchste Zeit nachzubessern.

(Miss-)Erfolgsgeschichte

Niemand begeht gerne Fehler. Schon gar nicht, wenn er von allen Seiten Erfolgsgeschichten unter die Nase gerieben bekommt. Gerade (angehende) Entrepreneure im Netz werden täglich mit einer Flut an Erfolgsstories gefüttert. Eigentlich logisch, denn man spricht lieber über seine Erfolge denn über Misserfolge. Schnell entsteht da der Eindruck, dass Andere keine Fehler machen.

Aber das ist nicht so.

„Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.“

-Dietrich Bonhoeffer

Ich nehme das Thema „Fehler der Selbstständigkeit“ zum Anlass um eine Misserfolgsgeschichte zu erzählen. Denn sind wir mal ehrlich: aus Fehlern lernt man mindestens genauso viel wie aus Erfolgen.

Der Österreicher Damian Izdebski gründete im Jahr 1999 im Alter von 23 Jahren zusammen mit seiner Frau Aleksandra die Firma DiTech. Zunächst als PC-Dienstleister tätig, wuchs das Unternehmen schnell und stieg in den Einzelhandel mit Computer, Computerzubehör und Computerbauteilen ein. Ein Jahr nach Unternehmensgründung entschloss sich Izdebski das Geschäftsfeld auch auf den Online-Handel auszuweiten.

Mit DiTech leistete er in den darauffolgenden Jahren wahre Pionierarbeit im Bereich des elektronischen (Versand-)Handels und konnte mit seinem Online-Shop nicht nur Lagerbestände der Produkte in Echtzeit anzeigen, sondern etablierte noch heute gängige Formate wie Online-Reservierungen und Expresszustellungen.

Vom Höhepunkt bis zur Insolvenz – in zwei Jahren…

Binnen weniger Jahre entwickelte sich das Unternehmen zum führenden Online-Händler in Österreich. Kontinuierliches Wachstum von 15 bis 30 Prozent konnte die Firma über die Jahre verzeichnen.

Ein Filalnetz mit insgesamt 22 Standorten, ein Logistikzentrum mit über 8000 Quadratmetern Fläche waren die Folge. Zur Spitzenzeit erzielte DiTech 2012, 13 Jahre nach der Unternehmensgründung, bei 300 beschäftigten Mitarbeitern einen Nettoumsatz von 120 Millionen Euro.

Danach ging alles rasend schnell. Eine Kürzung der Kreditlimits zwang das Unternehmen, welches sich zu großen Teilen aus Fremdkapital finanzierte (fast 90 %) den Lagerbestand deutlich zu senken. Trotz großer Nachfrage schaffte man es nicht mehr die Kunden mit entsprechenden Produkten zu beliefern.

Ein miserables Weihnachtsgeschäft 2013 ließ die Umsätze einbrechen. Man schaffte es damals nicht die Lagerbestände rechtzeitig zu füllen. Im März 2014, wenige Monate nach dem eigentlich Unternehmenshöhepunkt, meldete DiTech Insolvenz an. Das Unternehmen war gescheitert.

Meine besten Fehler

Izdebski verarbeitet das Zusammenbrechen seiner beruflichen Existenz auf seine Weise. Er schreibt ein Buch mit dem Titel „Meine besten Fehler“. Darin gibt er seine ganz persönlichen Erfahrungen wieder.

Eine ehrliche Einschätzung, die (angehende) Selbständige warnt und ein für alle Mal mit einem Vorurteil bricht: Fehler sind menschlich und sie passieren – vor allem Unternehmern.

Meine besten Fehler - von Damian Izdebski Infografik

Wenn gleich der Fall von Damian Izdebski und DiTech sicherlich keine allgemeingültigen Schlüsse zulässt, so zeigt er doch interessante Problembereiche auf. Problembereiche, für die sich auch (angehende) Entrepreneure sensibilisieren können.

Fehler als Entrepreneur und wie du es besser machst

Anstelle von endlosem Gerede möchte ich abschließend in einer Infografik weitere Fehler der Selbstständigkeit aufzeigen. Ebenso wie die „besten Fehler“ von Izdebski keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, besitzt auch die nachfolgende Grafik keine Allgemeingültigkeit. Sie liefert aber Denkanstöße.

7 Fehler von Selbstständigen Infografik

Jeder Selbständige wird über den ein oder anderen Fehler sicher schon mal gestolpert sein. Schaden kann es da sicherlich nicht weiter an sich zu Arbeiten und sein Dasein als Entrepreneur zu verbessern.

Wie man aus Fehlern lernen kann…

„I have learned fifty thousand ways it cannot be done and therefore I am fifty thousand times nearer the final successful experiment.“

-Thomas Alva Edison

Fehler passieren – Selbstständigen ebenso häufig wie jedem anderen Menschen. Entrepreneure müssen lernen mit diesen Fehlern umzugehen und gleichzeitig Akzeptieren, dass Misserfolge von Zeit zu Zeit zum Unternehmertum dazugehören.

Wer begangene Fehler als Lernprozess versteht, wird sich und sein Unternehmen ständig weiterentwickeln können. Für dieses Vorhaben drücke ich dir die Daumen.

Felix Zipf

Felix Zipf

Nach einem Sportpublizistik-Studium in Tübingen verschlug es Felix wieder zurück in seine Heimat. An der Hochschule in Offenburg studiert der sportaffine Handballer aktuell Wirtschaftsingenieurwesen und konnte durch diverse Praktika interessante Erfahrungen im Bereich Online-Marketing sammeln. Neben sportlichen Aktivitäten tobt sich Felix in den sozialen Medien aus und versucht sich als Hobbyfotograf. Als Teil des sevDesk Teams beackert er verschiedene Themenfelder rund um die Selbstständigkeit und ist ständig auf der Suche nach Interviewpartnern in diesem Bereich.
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