Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist eine Form der Gewinnermittlung und steht nicht allen Selbstständigen zu. Hierbei werden Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt. Am Ende ergibt sich der Gewinn, den der Selbstständige im betreffenden Geschäftsjahr gemacht hat. Dieser Gewinn ist die Basis für die zu zahlenden Steuern. Landwirtschaftliche Betriebe sowie Gewerbetreibende sind an gewisse Grenzen gebunden, bis zu denen sie eine EÜR anfertigen können. Freiberufler sind grundsätzlich von der Pflicht zur doppelten Buchführung befreit und können eine EÜR erstellen.

Das erwartet dich heute:

Wer darf eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung abgeben?

Grundsätzlich gilt, dass alle Unternehmer ihren Gewinn über die Gewinn-und-Verlust-Rechnung (Bilanz) nachweisen müssen. Sie sind zur doppelten Buchführung verpflichtet. Es gibt jedoch bestimmte Unternehmer, die lediglich eine EÜR abgeben müssen. Dies ist in § 4 Abs. 3 des Einkommenssteuergesetzes (EStG) geregelt.

Folgende Selbstständige sind zur Abgabe der EÜR berechtigt:

  • Freiberufler
  • Gewerbetreibende, die nicht als Kaufleute gelten und einen Umsatz von unter 600.000 Euro pro Jahr oder einen Gewinn von weniger als 60.000 Euro im Jahr vorweisen können
  • Kleinunternehmer mit einem Umsatz von bis zu 22.000 Euro im Jahr (nach Kleinunternehmerstatus).
  • Land- und forstwirtschaftliche Betriebe (meist als Einzelunternehmen oder GbR geführt)

Umsatzgrenzen und Gewinngrenzen für die EÜR

Gruppe der UnternehmenUmsatzgrenzeGewinngrenze
FreiberuflerXX
Landwirtschaftliche und Forstwirtschaftliche BetriebeX60.000 Euro pro Jahr
Gewerbe (Einzelunternehmen, GbR)600.000 Euro pro Jahr60.000 Euro pro Jahr

Einen wichtigen Aspekt müssen Gewerbetreibende berücksichtigen. Wenn eine der beiden Grenzen überschritten (Umsatz pro Jahr und/oder Gewinn pro Jahr) wird, so besteht die Verpflichtung zur doppelten Buchführung. Die genannten Zielgruppen, die eine EÜR anfertigen dürfen, können zur Gewinnermittlung natürlich auch den Weg der Bilanzierung wählen. Dies ist freigestellt und kein Muss!

Bis wann muss die EÜR abgegeben werden?

Die EÜR stellt einen Teil deiner Einkommensteuererklärung dar. Das bedeutet, dass du sie bis zum Stichtag 31. Juli übermitteln musst und zwar an das für dich zuständige Finanzamt. Wenn du diesen Termin nicht einhältst, musst du mit Versäumniszuschlägen rechnen.

Weißt du aber bereits im Vorfeld, das du diesen Termin absolut nicht einhalten kannst, bietet sich dir die Möglichkeit, eine Fristverlängerung zu beantragen. Der Aufschub kann theoretisch bis zum 31. Dezember erfolgen– das ist aber Ermessenssache des Sachbearbeiters. Eine Garantie, ob das zuständige Finanzamt dir diese Fristverlängerung gewährt, hast du daher auf keinen Fall. Ein Unternehmen, welches seine Buchführung von einem Steuerberater machen lässt, genießt hier ein Sonderrecht. In diesem Fall reicht es, wenn der Steuerberater die Steuererklärung bis spätestens 28. Februar einreicht.

Tipp!

Du bist Kleinunternehmer und musst deine Steuererklärung machen? Eine Anleitung, Infos und Tipps findest du in unserem Beitrag zum Thema Steuererklärung als Kleinunternehmer!

Aufbau und Erstellung der Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Folgende Inhalte sind wichtig für den Aufbau und die Erstellung deiner EÜR:

EinnahmenIn einem EÜR Formular kannst du deine betrieblichen Einnahmen erfassen, wobei du diese nach der Umsatzsteuer getrennt betrachten musst. Es gibt somit Betriebseinnahmen mit 7 und 19 Prozent (aktuell wegen Corona eine Mehrwertsteuersenkung auf 16, 7 oder 5 Prozent bis zum 31.12.2020) sowie die steuerfreien Umsätze.
AusgabenAuch die Ausgaben deines Unternehmens musst du im Formular erfassen. Unterschieden wird zwischen Wareneinkäufen, Kosten für das Personal (plus Nebenkosten) und den sonstigen Aufwendungen (Miete, Porto, Versicherungen usw.).
Außerordentliche Einnahmen und AusgabenEinen separaten Punkt erhalten die außerordentlichen Einnahmen und Ausgaben. Diese gehören nicht zum regulären Ablauf deines Unternehmens, sondern fallen nur einmalig oder in anderer Größenordnung an. Der Verkauf eines Betriebsgebäudes gehört zum Beispiel hier rein.
Zusätzliche Angaben für EinzelunternehmerEinzelunternehmen müssen oft noch ergänzende Angaben im Formular zur EÜR tätigen, denn meist finden hier Privatentnahmen und –einlagen statt.

Die nachfolgende Gliederung musst du bei der Erstellung einer EÜR beachten:

  • die Gewinnermittlung, welche den umfangreichsten Teil der EÜR darstellt
  • ergänzende Angaben, welche in der EÜR alle Reserven und stillen Rücklagen behandeln
  • bei Einzelunternehmen zusätzliche Angaben. Zu diesen gehören beispielsweise Privateinlagen und Privatentnahmen.

Journal und Kassenbuch als Grundlage

In einem Journal musst du alle Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben einzeln auflisten. Überdies musst du sie gemäß der Anlage EÜR immer der jeweils passenden Kategorie zuordnen. Du kannst dir durch diese Vorgehensweise das Ausfüllen der Anlage EÜR viel einfacher machen. Dokumentieren musst du im Journal sowohl die Bruttobeträge als auch die Nettobeträge. Vom Grundsatz her spricht nichts dagegen, wenn du dein Journal in einer Excel-Tabellen führst. Mit einer entsprechenden EÜR Software ist es aber einfacher, weil automatisch alle Einnahmen und Ausgaben gleich in die EÜR übertragen werden.

Im Gegensatz dazu steht das Kassenbuch. In diesem Kassenbuch musst du den gesamten Barbestand von deinem Unternehmen erfassen. Es gibt auch eine Kassenbuch-Pflicht, die gilt allerdings nur für bilanzierende Unternehmen. Darfst du hingegen eine EÜR machen, bist du von dieser Pflicht befreit. Auch beim Kassenbuch kannst du auf kostenlose Kassenbuch Vorlagen zurückgreifen oder mithilfe von Tools wie sevDesk dein Kassenbuch online führen.

Wareneingangs- und Warenausgangsbuch

In diesen beiden Büchern findest du alle Waren und Rohstoffe, welche du eingekauft oder verkauft hast. Aufgezeichnet müssen folgende Daten werden:

  • Liefer- oder Rechnungsdatum
  • Empfänger samt Anschrift
  • Ware
  • Preis
  • Hinweis auf Beleg

Tipp:

Wenn bereits aus deiner Buchführung hervorgeht, welche Waren rausgegangen sind, kann mit Zustimmung des Finanzamtes gemäß § 148 Abgabenordnung (AO) von der Aufzeichnung des Warenausgangs abgesehen werden.

Die Grundprinzipien der EÜR

Beginnen wir mit einem Beispiel. Ein Freiberufler hat im Geschäftsjahr 2017 37.500 Euro eingenommen. Diesen Betriebseinnahmen stehen 11.500 Euro Ausgaben gegenüber, wobei 7.125 Euro für die Umsatzsteuer mit 19 Prozent entfallen. Die übrigen 4.375 Euro wurden für diverse Anschaffungen, Fahrtkosten usw. gezahlt. Daraus ergibt sich ein steuerpflichtiger Gewinn von 26.000 Euro. Der Gewinn errechnet sich also immer aus Einnahmen minus Ausgaben. Natürlich ist auch die Errechnung des Verlusts auf diese Art möglich.

Die Anfertigung einer Einnahmenüberschussrechnung muss allerdings gewissen Grundprinzipien folgen.

Gewinnermittlung in der EÜR

Die EÜR dient dir als Freiberufler oder Kleinunternehmer dazu, deinen Gewinn zu ermitteln nach dem Zufluss- und Abflussprinzip und bei der Steuererklärung deinem zuständigen Finanzamt zu übermitteln.

So funktioniert das Zufluss- und Abflussprinzip

Du erfasst deine Umsätze je nach Zeitpunkt ihres Zu- und Abflusses. Wenn ein Freiberufler eine Rechnung mit Datum vom 21.12.2017 schreibt, diese aber erst im Januar bezahlt bekommt, muss er die Einnahme erst im Januar erfassen. Lediglich wiederkehrende Einnahmen und Ausgaben werden in dem Jahr erfasst, in dem sie auch tatsächlich entstanden sind. Das ist beispielsweise bei Mieten der Fall.

Das Zu- und Abflussprinzip gilt das auch für Ausgaben. Du kannst keine Betriebsausgabe geltend machen, die erst nach dem maßgeblichen Zeitraum erfolgte. Sie muss in die nächste EÜR mit einfließen.

Beispiele für Zufluss- und Abflussprinzip:

Beispiel 1:

Du als Unternehmer bestellst im April 2020 Ware. Im gleichen Monat wird die Ware von dir auch bezahlt. Folglich hast du es hier mit einer Betriebsausgabe für das Jahr 2020 zu tun.

Beispiel 2:

Von dir werden im November 2020 Waren bestellt. Bezahlen wirst du diese Ware allerdings erst im Januar 2021. Folglich handelt es sich in diesem Fall um eine Betriebsausgabe für das Jahr 2021.

Welche Positionen fallen als Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben an?

Die Gewinnermittlung erfolgt im Rahmen der EÜR durch den Abzug der Betriebsausgaben von den Betriebseinnahmen. Dazu musst du wissen, welche Einnahmen und Ausgaben du ansetzen kannst.

Betriebseinnahmen

Unter die Betriebseinnahmen fallen sowohl Honorare als auch Sachentnahmen. Du musst alle Betriebseinnahmen berücksichtigen, die zum normalen oder zum ermäßigten Umsatzsteuersatz anfallen und auch die, die gänzlich ohne Umsatzsteuer sind. Dazu kommt die private Kfz-Nutzung sowie die private Nutzung des Telefons, denn beide stellen ein Plus für dein Unternehmen dar. Zu den Einnahmen zählen des Weiteren die vereinnahmte Umsatzsteuer sowie aufgelöste Rücklagen.

Betriebseinnahmen im Formular EÜR
Betriebseinnahmen in der EÜR, Quelle: Bundesfinanzministerium

Betriebsausgaben

Unter die Betriebsausgaben fallen Personalkosten und –nebenkosten, Abschreibungen und Investitionen. Auch Dienstleistungen, die du selbst beziehst, sowie Wareneinkäufe musst du mit ihrem Nettowert zu den Betriebsausgaben rechnen. Kosten für das Kfz, Aufwendungen für geringwertige Wirtschaftsgüter und die abziehbare Vorsteuer sind ebenfalls betrieblich veranlasste Ausgaben. Mieten, gezahlte Umsatzsteuer und eingeschränkt abziehbare Ausgaben musst du ebenfalls hinzurechnen.

EÜR Betriebsausgaben
Betriebsausgaben in der EÜR, Quelle: Bundesfinanzministerium

Behandlung der Umsatzsteuer und Vorsteuer in der EÜR

Nach § 12 UStG werden Umsatzsteuer und Vorsteuer auf verkaufte Dienstleistungen oder Produkte erhoben.

  • Umsatzsteuer: Als Unternehmer weist du die Umsatzsteuer beim Verkauf von deinen Dienstleistungen oder deinen Waren auf deiner Ausgangsrechnung aus.
  • Vorsteuer: Vorsteuer wird für dich immer fällig, wenn du Leistungen oder Produkte einkaufst. Ausgewiesen wird die Vorsteuer immer auf der Eingangsrechnung.

In der EÜR musst du die Umsatzsteuer und die Vorsteuer allerdings anders behandeln, als dies bei der Bilanzierung der Fall ist. Sowohl die Vorsteuer als auch die Umsatzsteuer haben einen Einfluss auf den Gewinn von deinem Unternehmen. Zahlt ein Kunde Umsatzsteuer auf deine Waren, so wird die Umsatzsteuer zunächst als Betriebseinnahme verbucht.

Welcher Prozentsatz der Umsatzsteuer hier zugrunde liegt, ist nicht entscheidend. Für dich ist nur wichtig, dass du diese Prozentsätze von 19 Prozent, 7 Prozent oder einem anderen Prozentsatz auch richtig ausweist. Welche Umsatzsteuer du eingenommen hast, erfährt das Finanzamt durch deine Umsatzsteuervoranmeldung. Die Vorsteuer hingegen wird in der EÜR als Betriebsausgabe erfasst.

Tipp!

Mit einer Buchhaltungs- und UStVA Software wie sevDesk kannst du ganz einfach und schnell deine Umsatzsteuer und Vorsteuer erfassen. Deine Umsatzsteuervoranmeldung wird automatisch generiert und du leitest sie per integrierter Schnittstelle direkt an das Finanzamt weiter!

Die EÜR erstellen

Um deine Einnahmen-Überschuss-Rechnung zu erstellen stehen dir viele Tools und Hilfen zur Verfügung. Am einfachsten ist es für dich eine Buchhaltungs- und EÜR Software zu nutzen. Sie wird automatisch generiert und du kannst deine gesamte Buchhaltung mit der Software abdecken. Nebenbei kannst du außerdem Rechnungen und Angebote schreiben und noch viele weitere Funktionen für effizientere Büroarbeit genießen!

EÜR in Excel erstellen

Für deine Einnahmen-Überschuss-Rechnung brauchst du nicht zwingend eine Software. Unter bestimmten Umständen kannst du auch selbst deine EÜR in Excel erstellen. Allerdings musst du Tabellen aus Excel vor allem in Bezug auf GoBD mit Vorsicht genießen. Willst du es dennoch versuchen, dann musst du dich auf eine sehr zeitraubende und fehleranfällige Arbeit einstellen.

EÜR Vorlage zum kostenlosen Download

Wenn du es möglichst einfach haben möchtest und die EÜR in Windeseile erstellen willst, kannst du unsere EÜR Vorlage für Excel benutzen. Diese gibt es online für Kleinunternehmer und Freiberufler zum kostenlosen Download.

EÜR Einnahmen-Überschuss-Rechnung Vorlage Muster für Excel
Kostenlose EÜR Vorlage zum Download für Excel

Du kannst die Vorlage auf deinen Rechner laden. In der Vorlage für deine EÜR findest du mehrere Spalten. Zur Vereinfachung befinden sich darin Demo-Daten. Anhand dieser kannst du sehr leicht erkennen, wo du deine eigenen Daten eintragen musst.

EÜR mit ELSTER erstellen

Die Anlage EÜR musst du nach den Vorgaben von § 60 Abs. 4 EStDV elektronisch an dein zuständiges Finanzamt übermitteln. In Papierform ist die Abgabe beim Finanzamt nur noch möglich, wenn ein Härtefall vorliegt. Bei der ELSTER-Vorlage der EÜR hast du es mit einem mehrseitigen Formular zu tun, welches aus drei Seiten besteht. Folgende Seiten musst du ausfüllen, nachdem du die ELSTER Software heruntergeladen hast.

  • Seite 1: Auf der ersten Seite findest du Felder für Allgemeine Angaben, Angaben zum Betrieb, Entnahme oder Veräußerung von Grundstücken / grundstücksgleichen Rechten, Gewinnermittlung,
  • Seite 2: Die zweite Seite dient der Gewinnermittlung
  • Seite 3: Auf der dritten Seite findest du Felder für Gewinnermittlung, für zusätzliche Angaben für Einzelunternehmen, ergänzende Angaben und Mitwirkung

Aufzeichnungspflichten und Aufbewahrungspflichten der EÜR

Weitere Grundregeln befassen sich mit den Aufzeichnungspflichtigen. Du stellst deine Einnahmen und Ausgaben einfach gegenüber, wobei Belege die Basis für die Berechnung des Gewinns sind. Diese Belege musst du nach den allgemeinen Aufbewahrungspflichten zehn Jahre lang aufbewahren. Das gilt beispielsweise für Ein- und Ausgangsrechnungen, aber auch für Kontobelege und Quittungen. Daher musst du beim Erstellen einer EÜR die zugehörigen Belege lange genug aufbewahren!

Eine wirkliche Aufzeichnungspflicht besteht nicht. Allerdings gibt es die Vorgabe, dass bei einer Betriebsprüfung die tatsächlichen Umsätze nachvollziehbar sein müssen. Du musst spezielle Aufzeichnungen machen, wenn du Einnahmen und Ausgaben mit verschiedenen Steuersätzen berücksichtigen musst.

Sonderfälle

Es gibt allerdings einige Sonderfälle, in denen du zusätzliche Aufzeichnungen machen musst. Die Sonderfälle hier im Überblick:

SonderfallBeschreibung
Getrennte Aufzeichnung von Ausgaben und EinnahmenAlle Einnahmen und alle Ausgaben müssen von dir nach ihrem jeweiligen Prozentsatz von 19 Prozent, 7 Prozent oder 0 Prozent in getrennter Form aufgezeichnet werden.
Anlageverzeichnis nicht abnutzbare WirtschaftsgüterDie nicht abnutzbaren Wirtschaftsgüter wie z.B. Grundstücke, welche aus dem Anlagevermögen stammen, musst du in ein Anlageverzeichnis aufnehmen.
Übersicht Abschreibung abnutzbare WirtschaftsgüterHast du abnutzbare Wirtschaftsgüter zur Abschreibung, musst du dafür eine Übersicht anfertigen. Diese Übersicht muss das Datum der Anschaffung, den Kaufpreis und die Dauer der Abschreibung enthalten. Abnutzbare Wirtschaftsgüter sind beispielsweise PC, Tablet, Betriebs-PKW etc.
Aufzeichnung von Ausgaben, die beschränkt absetzbar sindNicht absetzbare oder beschränkt absetzbare Betriebsausgaben musst du getrennt erfassen. Dies sind beispielsweise ein häusliches Arbeitszimmer oder Bewirtungen.
Geringfügige Wirtschaftsgüter über 250 Euro erfassenIn einem getrennten Verzeichnis musst du alle geringwertige Wirtschaftsgüter erfassen, welche über einem Wert von 250 Euro netto liegen.

Besonderheiten bei der EÜR

Aus dem Zufluss- und Abflussprinzip ergeben sich die Besonderheiten der EÜR. Dieses Prinzip stellt den wesentlichen Unterschied zur Buchhaltung mit der doppelten Buchführung dar. Überdies gibt es noch weitere Besonderheiten.

Kredite in der EÜR

Auf den Gewinn haben Kredite keinerlei Auswirkungen. Das betrifft weder die Auszahlung noch die Tilgung. Es gibt keinen Unterschied zwischen Darlehen von Banken oder Privatkrediten.

  • Keine Betriebseinnahmen stellen zugeflossene Beträge aus Darlehensverträgen dar. Für die Tilgung geleistete Zahlungen stellen hingegen keine Betriebsausgaben dar.
  • Nur die gezahlten Zinsen werden zu den Betriebsausgaben gerechnet. Allerdings ist auch hier das Jahr des Abflusses zu beachten.

Anlagenbuchhaltung

Du bist zwar von der doppelten Buchhaltung befreit, wenn du Freiberufler, kleinerer Gewerbetreibender oder Betreiber von einem landwirtschaftlichen Betrieb bist. Um eine einfache Form der Anlagenbuchhaltung kommst du aber nicht herum. Das bedeutet, dass du ein Anlagenverzeichnis führen musst, welches als Anlage AVEÜR bezeichnet wird. Über alle angeschafften Wirtschaftsgüter werden hier wichtige Informationen festgehalten.

Auswirkung auf die Gewinnermittlung bei Sachanlagen

Es ist durchaus möglich, dass du bei der Gründung von deinem Unternehmen einige Wirtschaftsgüter in deinen Betrieb mit einbringst. Beispielsweise kann dies ein Computer oder ein Drucker sein. Werden diese Dinge von dir zu mehr als 50 Prozent im Unternehmen genutzt, kannst du sie komplett in dein Unternehmen einlegen. Dadurch werden sie wie andere Wirtschaftsgüter behandelt und können abgeschrieben werden.

Tipp:

Eingelegt wird ein solches Wirtschaftsgut immer mit dem Wert, welcher zum Zeitpunkt der Einlage ins Unternehmen galt. Das bedeutet, dass beispielsweise ein neues Fax nicht mehr den Wert hat, den es zum Zeitpunkt des Kaufes hatte. Selbst dann nicht, wenn es immer noch unbenutzt ist.

Auswirkung von Bareinlagen

Handelt es sich um Geldeinlagen, so musst du diese von den Sacheinlagen getrennt betrachten. Im Falle von monetären privaten Einlagen haben diese keinerlei Auswirkung auf die Ermittlung vom Gewinn. Du musst sie ganz gleich behandeln wir ein privates Darlehen oder einen Kredit.

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung in der Steuererklärung

Wer als Kleinunternehmer unter der Umsatzgrenze von 22.000 Euro pro Jahr bleibt, braucht kein separates Formular EÜR zur Steuererklärung abgeben. Für diese Zielgruppe ist eine einfache Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben ausreichend. Das heißt, dass eine formlose Ermittlung des Gewinns genügt.

Für alle anderen gilt, dass sie das entsprechende Formular zur Einkommenssteuererklärung ausfüllen müssen. Es ist nicht mit der Anlage G für Gewerbetreibende oder der Anlage S für Freiberufler getan, auch wenn dort die Gewinne des jeweiligen Steuerjahres bereits eingetragen werden müssen!

Zu einer vollständigen Steuererklärung gehören folgende Formulare:

Mantelbogen

Den Mantelbogen musst du immer ausfüllen und sämtliche wichtigen Daten zu deiner Person angeben. Hier sind Name und Anschrift ebenso einzutragen wie der Familienstand oder die Steuernummer. Außerdem musst du dort angegeben, ob eine Zusammenveranlagung mit dem Ehepartner gewünscht ist.

Anlage EÜR

Die Gewinnermittlung ist der Teil der Steuererklärung, der für das Finanzamt am meisten von Interesse ist. Auf der ersten Seite der Anlage EÜR trägst du die Betriebseinnahmen, die im Wirtschaftsjahr an dein Unternehmen geflossen sind, ein.

Ebenfalls auf Seite eins und fortführend auf Seite zwei geht es um die Betriebsausgaben. Hier kannst du alle Ausgaben eingetragen, die betrieblich veranlasst sind und die sich mindernd auf den Gewinn auswirken.

Auf Seite drei ermittelst du den Gewinn. Hier musst du auch die Beträge eintragen, die nicht direkt als Betriebseinnahme oder –ausgabe gelten, die aber einen direkten Einfluss auf deinen Gewinn haben. Außerdem kommen auf Seite drei die ergänzenden Angaben hinzu. Wenn du im betreffenden Steuerjahr Rücklagen und stille Reserven berücksichtigen musst, kannst du diese hier eintragen. Auch Entnahmen und Einlagen musst du hier erwähnen, denn diese wirken sich auf den Gewinn deines Unternehmens aus.

Anlage EÜR Formular Steuererklärung
Anlage EÜR, Quelle: Bundesfinanzministerium

Anlage AVEÜR

Bei der Anlage AVEÜR handelt es sich um ein Anlageverzeichnis, welches als Ausweis für das Umlaufvermögen dient.

Anlage-AVEUER
Anlage AVEÜR, Quelle: Bundesfinanzministerium

Anlage ER, SE und AVSE

Die Anlage ER hat die Bedeutung einer Ergänzungsrechnung. Die Anlage SE dient einer Sonderberechnung und die Anlage AVSE dient als Anlageverzeichnis für die Anlage SE.

Anlage G oder Anlage S

Gewerbetreibende müssen die Anlage G ausfüllen.

Anlage-G
Anlage G für Gewerbetreibende, Quelle: Bundesfinanzministerium

Alle anderen Selbstständigen, zu denen auch Freiberufler gehören, füllen die Anlage S aus. Dort werden die Einkünfte aufgezählt, die aus selbstständiger Arbeit stammen.

Anlage-S
Anlage S für Selbstständige, Quelle: Bundesfinanzministerium

Tipp!

Mit einem Rechnungsprogramm kannst du deine Einnahmen und Ausnahmen digital erfassen. Anhand derer erstellt das Programm deine Einnahmen-Überschuss-Rechnung online und automatisch. Außerdem kannst du sie dann per Schnittstelle direkt ans Finanzamt übermitteln.

Die EÜR in der Umsatzsteuerjahreserklärung

Die Umsatzsteuerjahreserklärung gibt dem Finanzamt noch einmal detailliert Aufschluss darüber, welche Umsätze im betreffenden Steuerjahr angefallen sind und wie du diese besteuert hast. Dabei stimmt die Jahreserklärung bestenfalls mit den Umsatzsteuervorauszahlungen bzw. den zugehörigen Meldungen überein.

Meist ergibt sich daraus allerdings eine Differenz, sodass du Nachzahlungen leisten musst oder sodass es zu Rückzahlungen kommt. Die Umsatzsteuerjahreserklärung gehört zu den Anlagen G bzw. S sowie zur EÜR als fester Bestandteil. Viele Unternehmer fertigen ihre Steuererklärung erst zum letztmöglichen Termin an, die Umsatzsteuerjahreserklärung jedoch zum Stichtag 10. Januar, wenn die erste Umsatzsteuervoranmeldung bereits wieder fällig ist.

Die EÜR in der Gewerbesteuererklärung

Gewerbetreibende müssen die Gewerbesteuererklärung abgeben, und zwar zusätzlich zur Anlage G. Dieses Formular ist vergleichbar mit dem Vordruck zur Umsatzsteuerjahreserklärung und gibt Auskunft über die im relevanten Steuerjahr gezahlte Gewerbesteuer.

Die genannten Dokumente musst du bei jeder Steuererklärung ausfüllen, wobei die eigentliche EÜR nur ein kleiner Teil davon ist. Wichtig: Wer noch weitere Angaben zu machen hat, muss gegebenenfalls weitere Formulare ausfüllen, wie zum Beispiel die Anlage Kind oder die Anlage KAP für Einkünfte aus Kapitalvermögen.

Unterschiede Bilanzierung und EÜR

Deinen Gewinn ermittelst du bei der Bilanzierung mit Hilfe der Gewinn- und Verlustrechnung, auch GuV genannt. In nachfolgender Tabelle kannst du die Unterschiede zwischen der Bilanzierung und der EÜR sehr gut erkennen.

Merkmale für UnterschiedEÜRBilanzierung
Art der BuchführungEinfache BuchführungDoppelte Buchführung bei der jeder Geschäftsvorfall auf zwei Konten gebucht wird
Art der GewinnermittlungGewinn ergibt sich aus der Differenz von Einnahmen und AusgabenDie Gewinnermittlung findet durch einen Vergleich des Vermögens statt. Steigt das Betriebsvermögen innerhalb von einem Geschäftsjahr gibt es einen Gewinn, bei sinkendem Vermögen innerhalb von einem Geschäftsjahr handelt es sich um einen Verlust.
InventurNicht erforderlichDie Inventur ist notwendig, da darüber für den Vermögensvergleich das Betriebsvermögen ermittelt wird.
UmsatzsteuerUmsatzsteuer ist ein Bestandteil von Einnahmen und Ausgaben. Aus diesem Grund für die Ermittlung vom Gewinn wichtig.Nicht wichtig für die Gewinnermittlung. Bei der Umsatzsteuer handelt es sich bei der Bilanzierung lediglich um einen sogenannten durchlaufenden Posten.

Vorteile und Nachteile von GuV und EÜR

Aufgrund ihrer einfachen Handhabe und der Zeitersparnis ist die EÜR bei vielen Unternehmern sehr beliebt. Im Vergleich zur Bilanzierung hat sie aber auch einige Nachteile. Hier für dich in einem kurzen Überblick alle Vor- und Nachteile.

EÜRGuV
Vorteile
  • du brauchst keine Fachkenntnisse
  • es ist keine Inventur notwendig
  • es gibt keine Bestandskonten
  • ein Kassenbuch ist nicht erforderlich
  • die EÜR ist von Kostenfaktor her günstiger
  • du hast eine höhere Liquidität (bedingt durch das Zu- und Ablaufprinzip)
  • geringer Zeitaufwand
  • Vermögenslage des Unternehmens wird sehr ausführlich dargestellt
  • leichtere Entscheidungen auf Grundlage der Daten möglich
  • Banken bevorzugen bei der Vergabe von Krediten diese Aufstellung
  • Liquiditätsplanung und Finanzplanung ist hier einfacher möglich
Nachteile
  • durch die fehlende Inventur ist keine Ermittlung vom tatsächlichen Wareneinsatz möglich
  • Verbindlichkeiten und Forderungen werden nicht abgebildet. Deshalb keine Vermögenswerte sichtbar.
  • es wird viel Know-how benötigt
  • der Zeitaufwand ist deutlich höher
  • es entstehen höhere Kosten

Fazit

Die EÜR ist eine einfache Form zur Gewinnermittlung. Es bedarf lediglich der Gegenüberstellung von Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben. Eine EÜR dürfen nur Unternehmen erstellen, die nicht bilanzierungspflichtig sind. Dies sind beispielsweise Freiberufler, kleine Gewerbetreibende oder land- und forstwirtschaftliche Betriebe, welche nicht bestimmte Grenzen in Bezug auf Umsatz und Gewinn überschreiten. Um die Einnahmen und Ausgaben zu erfassen, gilt das sogenannte Zufluss- und Abflussprinzip. Um die Gewinnermittlung an das Finanzamt zu übermitteln, muss das Formular Anlage EÜR ausgefüllt werden. Die Übermittlung muss elektronisch über ELSTER erfolgen.

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