Bilanzierungspflicht

Die Bilanzierungspflicht ist die Pflicht eines Unternehmens, eine Bilanz erstellen zu müssen. Nicht jedes Unternehmen ist zum erstellen einer Bilanz verpflichtet: es hängt von der Rechtsform vom Unternehmen, vom Umsatz und der Tätigkeit des Unternehmens ab, ob es zur Erstellung einer Bilanz verpflichtet ist.

Bilanzierungspflicht: Die Bilanz informiert Anleger

Bilanzierungspflicht, was ist das?

Die Bilanzierungspflicht ist im Handelsgesetzbuch (§ 266 HGB), in Steuergesetzen und im Bilanzmodernisierungsgesetz festgelegt. Für die Bilanz gelten abhängig von der Rechtsform und der Firmengröße verschiedene Anforderungen. Die Bilanzierungspflicht ist die Pflicht eines Unternehmens, einen Jahresabschluss erstellen zu müssen, der aus Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und eventuell aus einem Anhang mit Erläuterungen besteht. Der Jahresabschluss hat zudem sämtliche Vermögensgegenstände, Schulden, Rechnungsabgrenzungsposten sowie Aufwendungen und Erträge vom Unternehmen zu enthalten, soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist.

Die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Bilanz sind im Handelsgesetzbuch festgelegt. Im Steuerrecht und in der Praxis gelten besondere Vorschriften zur Gewinnermittlung, so muss zusätzlich teilweise eine Steuerbilanz aufgestellt werden. Aktuelle Bestrebungen auf EU-Ebene sehen Vereinfachungen für kleinere GmbHs sowie GmbH & Co. KG vor.

Wer hat eine Bilanzierungspflicht?

Die Bilanzierungspflicht ist abhängig von der Rechtsform und der Größe vom Unternehmen. Das Gesetz unterscheidet die Rechtsformen

  • Einzelkaufleute und Freiberufler
  • Personengesellschaften mit unbeschränkter Haftung, zu denen die Offene Handelsgesellschaft (OHG), die Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) und die Partnergesellschaft (PartG) gehören
  • Haftungsbeschränkte Rechtsformen wie die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), die Haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (UG) sowie die GmbH & Co. KG.

Freiberufler wie Ärzte, Steuerberater, Rechtsanwälte, Journalisten oder Unternehmensberater unterliegen generell nicht der Bilanzierungspflicht. Sie müssen keine Bilanz erstellen, sondern lediglich im Rahmen der Steuererklärung eine Einnahme-Überschussrechnung beim Finanzamt vorlegen.

Als Einzelunternehmer gelten voll haftende Kaufleute und Kleingewerbetreibende. Sie sind bilanzierungspflichtig, wenn der jährliche Umsatz mehr als 500.000 Euro oder der Jahresgewinn mehr als 50.000 Euro beträgt. Die Bilanzierungspflicht richtet sich hauptsächlich nach den geltenden Steuergesetzen. Verlangt das Finanzamt nicht die Vorlage einer Bilanz, reicht die Erstellung einer Einnahme-Überschussrechnung aus.

Personenhandelsgesellschaften, zu denen die OHG und die Kommanditgesellschaft (KG) gehören, sind bilanzierungspflichtig. Sie sind jedoch nicht zur Veröffentlichung der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustermittlung im Bundesanzeiger verpflichtet.

Beschränkt haftende Gesellschaftsformen wie die GmbH, die GmbH & Co. KG und die Limited sind zur Erstellung einer Bilanz verpflichtet, denn der Gesetzgeber will die Gläubiger besser vor diesen haftungsbeschränkten Gesellschaften schützen. Für diese Unternehmen gelten strenge Regelungen für die Bilanzierung. Die Bilanz muss im Bundesanzeiger veröffentlicht werden, für die Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung sind Erläuterungen erforderlich. Abhängig von der Größe des Unternehmens muss die Bilanz von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft testiert werden.

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Bilanzierungspflicht: Aufbau einer Bilanz

Wie ist eine Bilanz aufgebaut? Bei einer Bilanz handelt es sich um eine Abschlussrechnung, die auf dem Inventar eines Unternehmens basiert. Dieses Inventar wird im Rahmen einer Inventur (Zählen, Wiegen, Messen) aufgenommen. Die Bilanz bildet die Höhe des (Anlage-)Vermögens und der Schulden (Gesamtverbindlichkeiten) im Unternehmen zu einem Stichtag ab. Dieser Stichtag ist das Ende eines Geschäftsjahres. Je nachdem, wann die Geschäftstätigkeit aufgenommen wurde, kann ein Geschäftsjahr auch mitten im Kalenderjahr enden. Die Werte, die zum Bilanzstichtag festgelegt wurden, ändern sich während der laufenden Geschäftstätigkeit selbstverständlich.

Ändert sich eine Position in der Bilanz, so führt das zur Änderung von mindestens einer weiteren Position. Das ist das Prinzip der doppelten Buchführung: Keine Buchung ohne Gegenbuchung. Die Bilanz stellt das Verhältnis von Vermögen und Schulden eines Unternehmens zum Beginn und zum Ende eines Geschäftsjahres dar. Sie ist eine zweiseitig geführte Rechnung, auf der linken Seite befinden sich die Aktiva als Vermögensformen und Vermögensaufbau eines Unternehmens, auf der rechten Seite befinden sich die Passiva als Vermögensquellen und Kapitalaufbau eines Unternehmens.

Die Aktiva stellen Mittelverwendung und Investitionen eines Unternehmens dar, dabei wird in Anlagevermögen und Umlaufvermögen unterschieden. Die Passiva geben Auskunft über Mittelherkunft und Finanzierung des Unternehmens, sie gliedern sich in Eigenkapital und Fremdkapital. Beide Seiten der Bilanz müssen ausgeglichen sein, Aktiva und Passiva müssen die gleiche Summe aufweisen. Daher kommt auch der Name „Bilanz“ – die Werte müssen ausbalanciert sein.

Neben Anlage- und Umlaufvermögen gehört die aktive Rechnungsabgrenzung zu den Aktiva. Die Passiva umfassen neben Eigen- und Fremdkapital die passive Rechnungsabgrenzung. Während die Aktiva das reine Vermögen eines Unternehmens darstellen, gehören zu den Passiva neben dem Eigenkapital auch Schulden als Fremdkapital. Zu den Rechnungsabgrenzungsposten, wie sie bei den Aktiva und den Passiva aufgeführt werden, gehören Vorauszahlungen im alten Jahr für Aufwendungen und Erlöse im neuen Jahr. Wie umfangreich eine Bilanz aufgebaut sein muss, hängt von der Größe einer Kapitalgesellschaft ab.

Die IHK hat zum Thema Buchführungs- und Bilanzierungspflichten für Gewerbetreibende ein Merkblatt welches ebenfalls einige wichtige Punkte erläutert.

Die Bilanzanalyse für Firmen mit Bilanzierungspflicht

Natürlich dient das Aufstellen einer Bilanz vorwiegend dem Erfüllen gesetzlicher Normen. Doch auch einen praktischen Wert hat die Bilanzierung: Anspruchsgruppen können sich mit einer Bilanzanalyse einen Eindruck vom Unternehmenserfolg und der Entwicklung einer Kapitalgesellschaft verschaffen. Es gibt verschiedene Herangehensweisen, eine Bilanzanalyse für bilanzierungspflichtige Firmen durchzuführen. Je nach Fragestellung können:

  1. Bilanzlesen
  2. Zeitvergleich
  3. Kennzahlen
  4. Umstrukturierungen

wichtig sein. Das reine Bilanzlesen gibt einen Eindruck von der Kapitaldeckung und den Verbindlichkeiten eines Unternehmens. Im Zeitvergleich erkennen Außenstehende sofort, wie sich das Vermögen der Firma entwickelt. Ermittelt man Kennzahlen, dann kann man bestimmte Kenngrößen in Relation setzen und so noch detailliertere Einblicke bekommen. Interne Umstrukturierungen kann man ebenfalls an der Bilanz ablesen. So ist beispielsweise einfach ersichtlich, wenn eine Firma sich von Gebäuden trennt. So kann man beispielsweise den Konsolidierungskurs einer Kaufhauskette  über die Bilanz deutlich machen: Das Anlagevermögen in Form von Grund und Boden sinkt.

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