AfA-Tabelle

Als Unternehmer wirst du mit vielen Dingen konfrontiert – besonders steuerlich – die du als Privatperson sicherlich nicht in dem Maße beachtet hast. Ganz wichtig sind deine Anschaffungen für die Firma. Sie wirken sich steuermindernd aus und du kannst sie am Jahresende abschreiben. Um das richtig zu tun, musst du dich mit der „Absetzung für Abnutzung“, kurz AfA, und der AfA-Tabelle auseinandersetzen.

Das erwartet dich heute:

 

 

 

Was ist eine AfA-Tabelle?

Bei der Erklärung musst du zunächst zwei Begriffe auseinanderhalten: Du kannst etwas von der Steuer „absetzen“ oder etwas „abschreiben“.

Absetzen würde bedeuten, dass du den ganzen Betrag ansetzen kannst (wie beispielsweise Werbungskosten oder Fahrtkosten) und dieser sich steuermindernd auswirkt.

Tipp!

Als Freiberufler, Selbstständiger und Unternehmer bist du zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet. Es gibt jedoch einige Dinge, die du legal von der Steuer absetzen kannst. Wir haben dir einige Steuerspartipps für Selbstständige aufgelistet und erklärt.

Die Abschreibung hingegen bedeutet, dass du etwas gekauft hast, nämlich ein sogenanntes Wirtschaftsgut, das du längere Zeit nutzen kannst. Dabei nutzt es sich natürlich ab und verliert an Wert. Beliebtes Beispiel dafür ist ein Laptop.

Bei der Absetzung für Abnutzung verteilst du also die Anschaffungskosten des Laptops auf eine bestimmte Nutzungsdauer und kannst dadurch jedes Jahr einen bestimmten Betrag für diesen Laptop abschreiben. In Fachbegriffen erklärt, bedeutet das, dass du die Anschaffungs- und Herstellungskosten von Anlagegütern bzw. eines Wirtschaftsgutes des abnutzbaren Anlagevermögens während der gesamten betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer jährlich abschreiben kannst.

Und natürlich gibt es dafür mehrere Möglichkeiten, bestimmte Wertgrenzen und ein paar Besonderheiten, die wir dir im folgenden Artikel erklären werden.

AfA-Tabelle Definition
AfA-Tabelle Definition

Gesetzliche Vorschriften

Wichtiges Hilfsmittel für die Abschreibung ist die sogenannte AfA-Tabelle des Bundesministeriums für Finanzen (BMF). Die Rechtsgrundlage bilden § 6 EStG (Einkommensteuergesetz) und die §§ 253, 255 HGB (Handelsgesetzbuch). Weitere Details, die berücksichtigt werden müssen, ergeben sich aus § 7 EStG.

Das HGB regelt die Berechnung der Anschaffungs- und Herstellungskosten, Wertgrenzen und Nutzungsdauern für die handelsrechtliche Rechnungslegung. Für die Ermittlung des steuerlichen Gewinns gibt es ergänzende Vorschriften. Im EStG sind die Nutzungsdauer und Prozentsätze für bewegliche Wirtschaftsgüter, sowie Anlagevermögen und Gebäude festgelegt. Es regelt außerdem, welche Abschreibungsmethoden steuerlich zulässig sind.

Welchen ökonomischen Zweck erfüllen Abschreibungen?

Handelsrechtliche Jahresabschlüsse haben unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage einer Gesellschaft zu vermitteln (§ 264 Abs. 2 HGB). Dazu ist es erforderlich, Erlöse und Aufwendungen buchhalterisch den Perioden zuzuordnen, in denen sie wirtschaftlich betrachtet entstehen.

Beispiel: Die X-GmbH erwirbt im Jahr 01 ein Betriebsgebäude im Wert von 60 Mio Euro, das planmäßig 30 Jahre genutzt wird. Der Gewinn des Unternehmen beträgt vor AfA 10 Mio Euro.

In der Kameralistik, welche lange Zeit den öffentlichen Sektor prägte und auf Bundesebene immer noch praktiziert wird, würden die 60 Millionen im Jahr 01 in voller Höhe als Ausgaben erfasst. Die Bundesrepublik Deutschland stellt aber auch keinen Jahresabschluss auf, sondern vollzieht nur den Haushaltsplan!

Würde die X-GmbH genauso vorgehen, hätte sie im Jahr 01 einen Fehlbetrag von 50 Mio Euro zu verkraften und wäre wahrscheinlich bilanziell überschuldet – und das selbst dann, wenn der Wert des Gebäudes bis zum Bilanzstichtag auf 61 Mio Euro klettert.

Ein solches Ergebnis ist betriebswirtschaftlich unsinnig und auch nicht geeignet, den Anforderung des oben zitierten Paragraphen zu genügen, da es die tatsächlichen Verhältnisse völlig verzerrt.

Lösung: Abschreibung der Anschaffungskosten

Das kann durch Abschreibungen, die die Anschaffungskosten des Gebäudes über die Nutzungsdauer verteilen, verhindert werden. Das Jahresergebnis der X-GmbH wird dann im Jahr 01 nur mit 2 Mio Euro belastet und ein Überschuss von 8 Mio realisiert. Auf diese Weise können zwar auch stille Reserven entstehen, das Ergebnis stellt die tatsächliche Vermögens- und Ertragslage aber doch sehr viel realistischer dar, als die kameralistische Methode.

Im Handelsrecht gewährleisten die Abschreibungen also die Aussagekraft der Rechnungslegungsabschlüsse. Im Steuerrecht sichern und verstätigen sie zudem das Steueraufkommen. Im obigen Beispiel erwirtschaftet die X-GmbH aufgrund der Abschreibungen einen zu versteuernden Gewinn. Würde sie die Anschaffungskosten dagegen, sofort in voller Höhe als Betriebsausgaben geltend machen, wäre das Ergebnis ein Verlust, der verbleibende Verlustvortrag würde zudem auch in den Folgejahren dafür sorgen, das kein zu versteuernder Gewinn entsteht. Nach Verbrauch des Verlustvortrags würde dieser Effekt zwar wegfallen, aber bis dahin könnte das Gebäude abgebrannt und die X-GmbH insolvent sein. Der Staat würde dann leer ausgehen.
Abschreibungen machen also nicht nur die Buchhaltung kompliziert, sondern erfüllen durchaus einen ökonomisch rationalen Zweck.

Was sind die Ursachen für Abschreibungen?

Absetzungen für Abnutzungen werden im wesentlichen aus folgenden Gründe notwendig:

  • Zeitkomponente: Alterung
  • Verbrauchskomponente: Abnutzung und Verschleiß
  • Umweltkomponente: witterungsbedingte Schäden und Substanzverluste
  • Volkswirtschaftliche Komponente: Nachfrageänderungen oder technischer Fortschritt
  • Rechtliche Komponente: Gesetzesänderungen oder Ablauf von Schutz- oder Nutzungsrechten

Wozu kannst du die AfA-Tabelle nutzen?

Wie oben schon erläutert, werden die Anschaffungs- und Herstellungskosten des abnutzbaren Anlagevermögens über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer verteilt. Dazu muss jeder Unternehmer die Nutzungsdauer unter Berücksichtigung der besonderen betrieblichen Verhältnisse schätzen. Bei einem Computer oder einem Pkw ist das noch recht einfach, aber wie sieht das bei einer Borstenzupfmaschine, einem Dusch-Katheder oder einer Milchkuh aus? Gar nicht so einfach!

Hier setzen die steuerlichen AfA-Tabellen an, die auf Erfahrungswissen beruhen und als Orientierungshilfe dienen. Darüber hinaus verschaffen sie dem Steuerpflichtigen auch Rechtssicherheit, da sie, obwohl rechtlich nicht bindend, von der Finanzverwaltung und den Finanzgerichten anerkannt werden.

Unternehmer, die bei der Ermittlung der steuerlichen Abschreibungen auf die offiziellen Tabellen zurückgreifen, können der nächsten Betriebsprüfung, zumindest soweit es diesen Posten betrifft, entspannt entgegensehen.

Wo findest du die AfA-Tabelle?

Die amtlichen AfA-Tabellen in der jeweils gültigen Fassung werden auf der Webseite des Bundesministeriums für Finanzen veröffentlicht.

Die Grundlage bildet die Abschreibungstabelle für allgemein verwendbare Anlagegüter (AfA-Tabelle AV), in der die betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauern nach § 7 Abs. 1 S. 2 EStG für nicht branchenspezifisch Anlagegüter (z.B. Fahrzeuge, Büroausstattung, Computer) ausgewiesen werden.

AfA-Tabellen für verschiedene Wirtschaftszweige

Neben der AfA-Tabelle AV existieren noch etwa 100 spezielle Abschreibungstabellen, zum Beispiel für die Abfallwirtschaft, das Fernmeldewesen oder die Pinselindustrie, in der die branchenspezifischen Wirtschaftsgüter aufgelistet werden. Hier findest du also auch den oben aufgeführten Dusch-Katheder und viele tausend andere skurril anmutende Investitionsgüter.

Wie funktioniert die Abschreibung?

Nachdem die ersten Begriffe klar sind, können wir uns den Ablauf der Berechnung näher anschauen.

AfA Bemessungsgrundlage

Den Ausgangswert, im Fachjargon Bemessungsgrundlage genannt, bilden sowohl im Handels-, als auch im Steuerrecht (§ 253 Abs. 1 HGB, § 6 EStG) die sogenannten Anschaffungs- und Herstellungskosten, kurz AHK.

Anschaffungskosten sind nach § 255 Abs. 1 HGB die Aufwendungen, die geleistet werden, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben und ihn in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen, soweit es sich um Einzelkosten handelt. Zu den Anschaffungskosten gehören auch die Nebenkosten sowie die nachträglichen Anschaffungskosten.

Darunter fallen beispielsweise:

  • Kaufpreis
  • Transportkosten
  • Verpackungskosten
  • Beratungskosten und Gebühren (Anwalt, Notar, Grundbuch)
  • Zölle
  • Rüst- und Umrüstungskosten

Anschaffungspreisminderungen (z.B. Boni, Skonti), die dem Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet werden können, müssen abgezogen werden.

Zu den Herstellungskosten zählen nach § 255 Abs. 2 HGB die Aufwendungen, die durch den Verbrauch von Gütern und die Inanspruchnahme von Diensten für die Herstellung eines Vermögensgegenstands, seine Erweiterung oder für eine über seinen ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung entstehen.

Dazu gehören insbesondere

    • Materialkosten
    • Fertigungskosten
    • Sonderkosten der Fertigung sowie
    • angemessene Materialgemeinkosten
    • angemessene Fertigungsgemeinkosten
    • fertigungsbedingte Abschreibungen
    • angemessene Verwaltungsgemeinkosten (einschließlich Aufwendungen für soziale Einrichtungen des Betriebs, freiwillige soziale Leistungen und die betriebliche Altersversorgung), soweit diese auf den Zeitraum der Herstellung entfallen

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Forschungs- und Vertriebskosten dürfen nicht einbezogen werden.

Wert des Gegenstandes feststellen

Der Wert des Gegenstandes lässt sich natürlich aus der Rechnung ablesen. Aber das Gesetz (§ 2531 (1) und § 255 (1) und (2) HBG) erlaubt es, zusätzliche Kosten (Anschaffung und Herstellung) dazuzurechnen – nämlich alle, die notwendig sind, um das Gerät auch in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen.

§ 253 (1) HBG: Vermögensgegenstände sind höchstens mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um die Abschreibungen nach den Absätzen 3 bis 5, anzusetzen.

Jetzt kannst du in der AfA-Tabelle den Satz ermitteln

Nach Bestimmung der AHK musst du im nächsten Schritt das Wirtschaftsgut in einer der amtlichen AfA-Tabellen finden. Wie oben schon erläutert, sind alle nicht-branchenspezifischen Vermögensgegenstände in der Tabelle AV gelistet. Wenn du hier nicht fündig wirst, rufts du die Tabellen für deinen Wirtschaftszweig auf.

In der AfA-Tabelle ist die Nutzungsdauer und in bestimmten Tabellen auch der prozentuale Abschreibungssatz bei linearer Abschreibung angegeben.

Beispiel: In der Tabelle AV findest du in Kategorie 4 „Fahrzeuge“ eine Nutzungsdauer für PKW (4.2.1) von 6 Jahren, das ergibt einen Abschreibungssatz von 16,67%.

Im Jahr der Anschaffung darf nur die anteilige AfA berücksichtigt werden, wobei der Monat des Zugangs maßgeblich ist. Wird ein Pkw zum Beispiel im Mai 01 geliefert, dann darfst du für das Jahr 01 nur 8/12 des vollen Betrags oder 11,11 Prozent der Bemessungsgrundlage als Abschreibung absetzen.

Verschiedene Abschreibungsmethoden

Du hast die Möglichkeit, neben der AfA noch außerplanmäßige Abschreibungen auf das Anlage- und Umlaufvermögen vorzunehmen. Du kannst nach § 6 EStG eine Sammelabschreibung machen oder auch erhöhte Abschreibungen vornehmen. Dies hängt unter anderem davon ab, ob es sich bei dem abzuschreibenden Gegenstand um ein geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG) handelt.

Diese können direkt oder indirekt vorgenommen werden, pagatorisch (fiktiv) für das Rechnungswesen berechnet oder kalkulatorisch sowie planmäßig (Abnutzung) oder außerplanmäßig (Verlust) festgesetzt werden.

Wichtig für dich sind allerdings, neben der oben erwähnten, hauptsächlich zwei der in § 7 EStG genannten Abschreibungsarten. Die lineare und die degressive Abschreibung.

Lineare Abschreibung

Die lineare Abschreibung ist im HBG festgelegt und besagt, dass die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten während der Nutzungsdauer in gleichbleibenden jährlichen Beträgen abzuschreiben sind. Der Betrag wird berechnet, indem man die Anschaffungs-/Herstellungskosten durch die Nutzungsdauer teilt.

Beispiel: Das Firmenfahrzeug kostet 36.000 Euro und kann auf 6 Jahre abgeschrieben werden. 36.000/6 = 6.000 Euro pro Jahr. Dieser Betrag kommt dann jährlich in deine GuV-Rechnung.

Degressive Abschreibung

Die degressive Abschreibung stand bis Ende 2007 sowohl steuer- als auch handelsrechtlich gleichberechtig neben der linearen AfA. Mittlerweile ist diese Abschreibungsmethode jedoch nur mehr in sehr seltenen Ausnahmefällen erlaubt. Der maximal zulässige Abschreibungsbetrag pro Jahr betrug 30 %.

Bei der degressiven AfA bilden nicht die AHK die Bemessungsgrundlage für die Jahres-AfA, sondern der Restbuchwert des Vorjahres. Weil man bei dieser Berechnungsart aber nie auf null kommt, wird das Gut im letzten Nutzungsjahr mit dem Restwert abgeschrieben.

Beispiel: Das oben erwähnte Firmenfahrzeug hätte man also beispielsweise mit 20% abschreiben können. Dann wären im ersten Jahr 20% von 36.000 Euro, also 7.200 Euro abzuschreiben gewesen. Der Restwert hätte dann bei 28.800 Euro gelegen. Im zweiten Jahr hätte man die 20% dann von den 28.800 Euro berechnet (= 5.760 Euro) und so weiter.

Kalkulatorische Abschreibungen

Die kalkulatorischen Abschreibungen zählen zu den kalkulatorischen Kosten, die den tatsächlichen Werteverzehr im Unternehmen, unabhängig von handelsrechtlichen und steuerrechtlichen Optimierungsbestrebungen, abbilden.

Die kalkulatorischen Kosten spielen insbesondere im internen Rechnungswesen eine Rolle und werden oftmals der Preiskalkulation oder der Ermittlung des kalkulatorischen Gewinns, der sich vom Ergebnis des Jahresabschlusses stark unterscheiden kann, zugrunde gelegt.

Handels- und steuerrechtlich werden planmäßige Abschreibungen auch dann durchgeführt, wenn ein Vermögensgegenstand trotz Abnutzung nicht an Wert verliert. Das ist insbesondere bei Immobilien oft der Fall. Darüber hinaus gibt es auch Objekte, wie zum Beispiel Oldtimer, deren Wert im Zeitablauf generell steigt.

Kalkulatorische Abschreibungen tragen diesem Umstand Rechnung, die AfA auf Verwaltungsgebäude fließt deshalb in die Preiskalkulation oft mit 0 ein, obwohl im Jahresabschluss und in der Steuererklärung, völlig legal, ein sechs- oder gar siebenstelliger Betrag deklariert wird.

Große Bedeutung haben kalkulatorische Abschreibungen auch noch in den staatlich regulierten Netzindustrien (z.B. Strom- und Gasnetze). Im Energiesektor machen die kalkulatorischen Kosten (kalkulatorische Abschreibungen und kalkulatorische Zinsen) etwa 50 Prozent der gesamten Netzkosten aus. Für diese Branchen gibt es deshalb spezielle Abschreibungstabellen, die ausschließlich regulatorischen Zwecken dienen, wie das beispielsweise bei der Anlage 1 zur StromNeV der Fall ist.

Sonder AfA am Beispiel PKW

Neben einer linearen Abschreibung, die sich an der Nutzungsdauer orientiert, ist bei beweglichem Anlagevermögen auch eine leistungsbezogene Abschreibung (Abschreibung nach Leistungseinheiten) erlaubt, sofern dies wirtschaftlich begründet ist (§ 7 Abs. 1 S. 6 EStG). Diese Methode kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn bei Wirtschaftsgütern die Nutzung im Zeitablauf stark schwankt. Der Abschreibungsbetrag wird dann als Relation zwischen anteiliger Leistung und Gesamtleistung berechnet.

Die Jahres-AfA des obigen Fahrzeugs könnte also auch entsprechend der zurückgelegten Kilometer bestimmt werden.

Beispiel: Beträgt die festgelegte Gesamtleistung des Fahrzeugs 150.000 Kilometer, die im Jahr 01 zurückgelegte Strecke 30.000 Kilometer, die Fahrleistung im Jahr 02 aber nur 5.000 Kilometer, so würde sich für das erste Jahr ein Abschreibungssatz von 20 % (7.200 Euro) und für das zweite Jahr von 3,33 % (1.198,80 Euro) ergeben.

Sonderregeln für Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)

Für geringwertige bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens die einer selbständigen Nutzung fähig sind, gibt es gemäß in § 6 Abs. 2 und Abs. 2a EStG Sonderregelungen.

Die nachfolgende Tabelle verschafft dir einen Überblick:

Wertgrenzen (in Euro)erlaubte AbsetzungBesonderheiten
bis 250sofortige Erfassung als Betriebsausgaben in voller Höhekeine Erfassung im steuerlichen Anlagenverzeichnis notwendig
über 250 bis 800sofortige Erfassung als Betriebsausgaben in voller Höhebei rudimentärer Buchführung besonderes, laufend zu führendes Verzeichnis erforderlich (§ 6 Abs. 2 S. 4, 5 EStG)
250 bis 1.000Bildung eines Sammel-postens, gleichmäßige AfA über 5 JahreErfassung des Sammel-postens im steuerlichen Anlagenverzeichnis

Geringwertige Wirtschaftsgüter mit AHK bis zu einer Höhe von 800 Euro (ohne Umsatzsteuer, außer bei Kleinunternehmern) darfst du sofort als Betriebsausgaben erfassen. Erlaubt ist natürlich auch eine lineare AfA über die planmäßige Nutzungsdauer. Das ist aber allenfalls sinnvoll, wenn Steuererhöhungen anstehen.

Alternativ hast gemäß § 6 Abs. 2a EStG für Wirtschaftsgüter, deren Wert sich zwischen 250 und 1.000 Euro bewegt, auch die Möglichkeit einen Sammelposten zu bilden und diesen linear über 5 Jahre abzuschreiben.

Die Abschreibungstabelle

Bei der amtlichen Abschreibungstabelle handelt es sich eigentlich um ein Tabellensystem. Wie oben schon erläutert, gibt es neben der Tabelle für allgemein verwendbare Anlagegüter („AfA-Tabelle AV“) noch zahlreiche branchespezifische AfA-Listen.

Aufbau und Handhabung der Tabellen

Die Tabellen sind nach verschiedenen Überbegriffen wie unbewegliches Anlagevermögen, Grundstückseinrichtungen, Betriebsanlagen, Fahrzeugen, Maschinen etc. unterteilt.

In jeder Rubrik gibt es dazu weitere Unterbegriffe. Beispielsweise findest du unter den Maschinen einzelne Begriffe wie Bohrmaschine, Fräsmaschine, Drehbänke. Rechts davon steht die Nutzungsdauer, in manchen Listen zusätzlich noch der Prozentsatz bei linearer AfA. Diese Werte musst du bei der Berechnung verwenden.

Ausnahmen und Gültigkeit der AfA-Listen

Die Abschreibungsdauer bemisst sich bei beweglichen Wirtschaftsgütern gemäß § 7 Abs. 1 EStG grundsätzlich nach der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer. Die amtlichen Abschreibungstabellen sind deshalb nicht verbindlich, sondern dienen lediglich als Orientierungshilfe. Weicht die übliche Nutzungsdauer in deinem Unternehmen von den Werten in den amtlichen Tabellen stark ab, musst du die Abschreibungen auf Basis der tatsächlichen Werte berechnen.

Gegen längere Nutzungsdauern hat das Finanzamt dabei meist nichts einzuwenden. Deutlich kürzere Abschreibungszeiten musst du aber überzeugend begründen und gut dokumentieren.

Nutzt du Anlagegüter, die in den amtlichen Tabellen nicht vorkommen, darfst du die Nutzungsdauer erst einmal schätzen. Dabei musst du dich an den Erfahrungswerten deiner Branche orientieren, sofern solche Informationen allgemein zugänglich sind. Andernfalls genügt es, wenn du zunächst plausible Nutzungsdauern annimmst und diese Daten anpasst, sobald Erfahrungswerte für deinen Betrieb vorliegen.

Beispiele für Freelancer und Selbstständige

Wenn du als Freelancer oder selbstständig tätig bist, gibt es einige Dinge, die du auf jeden Fall benötigen wirst, denn diese sind branchenunabhängig. Du wirst eventuell Büroräume oder Hallen haben, wahlweise eventuell Vermietungstabellen benötigen, Möbel, eine Küche, Software, einen PC oder Laptop sowie weitere Hardware.

Deine Hallen und Gebäude findest du direkt unter Punkt 1 und kannst auswählen, woraus sie bestehen. Hallen in Leichtbauweise haben beispielsweise eine Nutzungsdauer von 14 Jahren. Danach findest du die Grundstückseinrichtungen, Fahrbahnen, Parkplätze und Grünanlagen, aber auch Löschwasserteiche. Straßen und Brücken werden übrigens mit 33 Jahren angesetzt, Grünanlagen mit 15 Jahren.
Deine Rechner findest du auf Seite 5 unter Punkt 6: Betriebs- und Geschäftsausstattung. Großrechner werden mit 7 Jahren angesetzt, ein PC und Laptop, Drucker, Scanner, Monitore und Faxgeräte jedoch nur mit 3 Jahren.

Büromöbel werden unter 6.15 erwähnt und sind 13 Jahre lang nutzbar. Hier findest du sogar Reißwölfe (8 Jahre), Klimaanlagen (mobile Klimageräte, 11 Jahre) und Tresore (23 Jahre).
Wenn du unsicher bist, wo du welche Gegenstände findest, gibt es ab Seite 6 eine alphabetische Auflistung aller enthaltenen Objekte. Beispielsweise auch ein Handy (Mobiltelefon, Autotelefon, jeweils 5 Jahre).

Afa-Tabelle_selbstaendige_vs_freeelancer

Afa-Tabelle für Selbständige & Freelancer

Abschreibung berechnen

Sobald du die Anschaffungs- und Herstellungskosten ermittelt und die Nutzungsdauer bestimmt hast, kannst du die Abschreibungen für ein Wirtschaftsgut berechnen. Du dividierst einfach die AHK durch die Nutzungsdauer. Achtung: Im ersten Jahr der Anschaffung musst du den Betrag monatsgenau berechnen.

Falls du den neuen PC also erst im November angeschafft hast, kannst du ihn für das laufende Jahr natürlich nur im November und Dezember abschreiben und nicht schon vorher. Dabei kannst du für jeden angefangenen Monat mit 1/12 des Betrages kalkulieren.

Ein Beispiel:

Du hast dir im April einen neuen PC für 1.116 Euro angeschafft, der laut AfA-Tabelle 3 Jahre nutzbar ist. Diesen kannst du aktuell nur linear abschreiben. Im Jahr des Kaufs kannst du allerdings keine 12 Monate ansetzen, sondern nur 9 (April bis Dezember).

Berechnung: 1.116 Euro dividiert durch 36 Monate (3 Jahre) = 31 Euro/Monat.

Für das Anschaffungsjahr setzt du als Bemessungsgrundlage also nur 9 x 31 Euro = 279 Euro an.

Im zweiten und dritten Jahr jeweils 12 x 31 Euro = 372 Euro.

Die verbleibenden 3 Monate bzw. 93 Euro kannst du im vierten Jahr mit dem Restwert abschreiben.

Sonderfall geringwertiges Wirtschaftsgut

Bei den geringwertigen Wirtschaftsgütern kannst du nicht nur nach der AfA-Tabelle abschreiben, sondern hast nach § 6 EStG weitere Möglichkeiten. Diese sind abhängig vom Anschaffungswert.

  • Geringwertige Wirtschaftsgüter, die weniger als 250 Euro gekostet haben, kannst du sofort als Betriebsausgabe verbuchen.
  • Geringwertige Wirtschaftsgüter, die zwischen 250 und 800 Euro gekostet haben, kannst du hingegen sofort abschreiben.

Wahlweise kannst du Gegenstände, die zwischen 250 (250,01) und 1.000 Euro gekostet haben, auch in eine Sammelabschreibung (Pool-Abschreibung) aufnehmen und über 5 Jahre hinweg mit 1/5 abschreiben – unabhängig von der Nutzungsdauer. Alles, was mehr als 1.000 Euro gekostet hat, musst du jedoch nach der Abschreibungstabelle abschreiben.

Welche Abschreibungsvariante du wählst, hängt davon ab, was du für besser erachtest. Für Start-ups ist es jedoch häufig besser, eine reguläre Abschreibung zu wählen, weil du damit die Belastungen auf mehrere Jahre verteilen kannst.

Anhebung der Schwelle bei geringwertigen Wirtschaftsgütern

Die Wertgrenzen sind übrigens zum 01.01.2018 angehoben worden. Sie lagen zuvor bei 150 bzw. 410 Euro.

Besondere Wirtschaftsgüter und deren Abschreibung

Immobilien

Für Immobilien gelten gesonderte Verfahren nach § 7 EStG („Absetzung für Abnutzung oder Substanzverringerung“), genauer nach § 7 Abs. 4 und 5 EStG. Hierbei kommt es unter anderem auf das Datum der Fertigstellung, der Stellung des Bauantrags oder der Abschluss des Grundstückkaufvertrages an. Betriebsgebäude, deren Bauantrag nach dem 31.03.1985 gestellt wurde, können mit 3% abgeschrieben werden.

Ansonsten je nach Fertigstellung:

  • nach dem 31. Dezember 1924 fertiggestellt mit jährlich 2 Prozent
  • vor dem 1. Januar 1925 fertiggestellt mit jährlich 2,5 Prozent

Weitere Prozentsätze sind auch für Wohngebäude und Gebäude in EU-Staaten aufgeführt. Es wäre jedoch zu umfangreich, alle Vorschriften im Einzelnen hier aufzulisten. Hier sind abweichend von den oben genannten Prozentsätzen – je nach Datum des Bauantrags – bis zu 10% möglich.

PKW

Ein PKW kann 6 Jahre lang linear abgeschrieben werden, hier greift jedoch auch die leistungsabhängige Abschreibung.

Besonderheiten für Selbstständige und Kleinunternehmer

Die steuerlichen Abschreibungsregeln und die AfA-Tabellen gelten für alle Unternehmer unabhängig von der Rechtsform oder dem Geschäftsvolumen. Es gibt allerdings eine Besonderheit für Kleinunternehmer im Sinne von § 19 UStG.

Bei Kleinunternehmern, die nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, zählt die selbst gezahlte Mehrwertsteuer zu den Anschaffungs- und Herstellungskosten.

Beispiel: Die Kleinunternehmerin Lisa Müller erwirbt einen Schreibtisch für ihr Büro im Wert von 2.000 Euro zuzüglich 380 Euro Mehrwertsteuer. Bemessungsgrundlage für die Abschreibung, die sich gemäß AfA-Tabelle AV (Kategorie 6.15) über 13 Jahre erstreckt, ist somit der Gesamtkaufpreis von 2.380 Euro. Das ergibt eine Jahres-AfA von 183,08 Euro.

Fazit

Wenn du erst einmal weißt, wo du anfangen musst, ist die Abschreibung nicht schwierig. Du musst die Anschaffungs- und Herstellungskosten der Güter ermitteln und die Nutzungszeiträume aus den Tabellen heraussuchen. Dann einfach entscheiden, ob du optional sofort abschreiben kannst oder lieber regulär und das wars auch schon. Im Zweifelsfall kann dich auch dein Steuerberater detailliert beraten.

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