AfA-Tabelle

Als Unternehmer wirst du mit vielen Dingen konfrontiert – besonders steuerlich – die du als Privatperson sicherlich nicht in dem Maße beachtet hast. Ganz wichtig sind deine Anschaffungen für die Firma. Sie wirken sich steuermindernd aus und du kannst sie am Jahresende abschreiben. Um das richtig zu tun, musst du dich mit der „Absetzung für Abnutzung“ oder AFA-Tabelle auseinandersetzen.

Das erwartet dich heute:

Was bedeutet AfA eigentlich genau?

Bei der Erklärung musst du zunächst zwei Begriffe auseinanderhalten: Du kannst etwas von der Steuer „absetzen“ oder etwas „abschreiben“.

Absetzen würde bedeuten, dass du den ganzen Betrag ansetzen kannst (wie beispielsweise Werbungskosten oder Fahrtkosten) und dieser sich steuermindernd auswirkt.

Tipp!

Als Freiberufler, Selbstständiger und Unternehmer bist du zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet. Es gibt jedoch einige Dinge, die du legal von der Steuer absetzen kannst.

Die Abschreibung hingegen bedeutet, dass du etwas gekauft hast, nämlich ein sogenanntes Wirtschaftsgut, das du längere Zeit nutzen kannst. Dabei nutzt es sich natürlich ab und verliert an Wert. Beliebtes Beispiel dafür ist ein Laptop.

Bei der Absetzung für Abnutzung verteilst du also die Anschaffungskosten des Laptops auf eine bestimmte Nutzungsdauer und kannst dadurch jedes Jahr einen bestimmten Betrag für diesen Laptop abschreiben. In Fachbegriffen erklärt, bedeutet das, dass du die Anschaffungs- und Herstellungskosten von Anlagegütern bzw. eines Wirtschaftsgutes des abnutzbaren Anlagevermögens während der gesamten betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer jährlich abschreiben kannst.

Und natürlich gibt es dafür mehrere Möglichkeiten, bestimmte Wertgrenzen und ein paar Besonderheiten, die wir dir im folgenden Artikel erklären werden.

AfA-Tabelle Definition
AfA-Tabelle Definition

Gesetzliche Vorschriften

Wichtiges Hilfsmittel für die Abschreibung ist die sogenannte AfA-Tabelle des Bundesministeriums für Finanzen (BMF), auf die wir unten noch genauer eingehen werden. Weitere Details, die berücksichtigt werden müssen, wie beispielsweise die Wertgrenzen, ergeben sich aus § 7 EStG (Einkommensteuergesetz) und §§ 253, 255 HGB (Handelsgesetzbuch).
Das HGB regelt die Berechnung der Anschaffungs- und Herstellungskosten, Wertgrenzen und Nutzungsdauer. Im EStG sind die Nutzungsdauer und Prozentsätze für bewegliche Wirtschaftsgüter, sowie Anlagevermögen und Gebäude beschrieben. Das Steuerrecht erklärt auch die verschiedenen Abschreibungsmethoden.

Verschiedene Abschreibungsmethoden

Du hast die Möglichkeit, neben der AfA noch außerplanmäßige Abschreibungen auf das Anlage- und Umlaufvermögen vorzunehmen. Du kannst nach § 6 EStG eine Sammelabschreibung machen oder auch erhöhte Abschreibungen vornehmen. Dies hängt unter anderem davon ab, ob es sich bei dem abzuschreibenden Gegenstand um ein geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG) handelt (siehe 1.4).
Diese können direkt oder indirekt vorgenommen werden, pagatorisch (fiktiv) für das Rechnungswesen berechnet oder kalkulatorisch sowie planmäßig (Abnutzung) oder außerplanmäßig (Verlust) festgesetzt werden.

Wichtig für dich sind allerdings, neben der oben erwähnten, hauptsächlich zwei der in § 7 EStG genannten Abschreibungsarten. Die lineare und die degressive Abschreibung sowie ein Sonderfall.

Lineare Abschreibung

Die lineare Abschreibung ist im HBG festgelegt und besagt, dass die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten während der Nutzungsdauer in gleichbleibenden jährlichen Beträgen abzuschreiben sind. Der Betrag wird berechnet, indem man die Anschaffungs-/Herstellungskosten durch die Nutzungsdauer teilt.

Beispiel: Das Firmenfahrzeug kostet 36.000 Euro und kann auf 6 Jahre abgeschrieben werden. 36.000/6 = 6.000 Euro pro Jahr. Dieser Betrag kommt dann jährlich in deine GuV-Rechnung.

Degressive Abschreibung

Die degressive Abschreibung ist ebenfalls im HGB festgelegt und durfte bis Ende 2007 maximal 30% pro Jahr betragen. Gerechnet wurde in diesem Fall mit dem Restbuchwert des jeweiligen Wirtschaftsgutes. Weil man bei dieser Berechnungsart nie auf null kommt, wird im letzten Nutzungsjahr das Gut mit dem Restwert abgeschrieben. Seit 01.01.2008 wurde diese Berechnung jedoch eingestellt und erst später wieder (zeitlich begrenzt bis 2011) eingeführt. Sie ist also derzeit nicht möglich.

Beispiel: Das oben erwähnte Firmenfahrzeug hätte man also beispielsweise mit 20% abschreiben können. Dann wären im ersten Jahr 20% von 36.000 Euro, also 7.200 Euro abzuschreiben gewesen. Der Restwert hätte dann bei 28.800 Euro gelegen. Im zweiten Jahr hätte man die 20% dann von den 28.800 Euro berechnet (= 5.760 Euro) und so weiter.

Sonder AfA am Beispiel PKW

Bei dem PKW hätte es allerdings noch eine andere Möglichkeit gegeben, die der folgende Sonderfall beschreibt. Die leistungsabhängige Abschreibung ist ein Sonderfall für Wirtschaftsgüter, bei denen die Abnutzung schwer feststellbar ist, bei denen jedoch eine jährliche Nutzung oder Leistung messbar ist, wie beispielsweise bei Maschinen oder Firmenfahrzeugen. Das funktioniert aber nur, wenn man auch die Gesamtleistung errechnen kann. Der Abschreibungsbetrag wird dann über die anteilige Leistung der Maschine bzw. des Guts im Vergleich zur Gesamtleistung berechnet und von den Anschaffungskosten abgeschrieben.

Geringwertiges bzw. selbstständig nutzbares Wirtschaftsgut

Um ein geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG) handelt es sich, wenn es beweglich ist, sich abnutzt (dem Verschleiß unterworfen ist) und auch selbstständig nutzbar. Ein Laptop ist selbstständig nutzbar. Kauft ein Fotograf jedoch ein Objektiv für seine Kamera, so kann er mit diesem Objektiv alleine (ohne Kamera) nichts anfangen. Genauso sieht es auch mit einer Tintenpatrone für einen Drucker aus, die für sich alleine (ohne Drucker) nicht nutzbar ist.

Für ein geringwertiges Wirtschaftsgut hast du nach § 6 EStG verschiedene wertabhängige Möglichkeiten. Du kannst es nach der AfA-Tabelle abschreiben, per Sammelabschreibung oder sogar als sofortige Betriebsausgabe. Die jeweils notwendigen Wertgrenzen folgen weiter unten.

Die AfA-Tabelle

Die Abschreibungstabelle oder auch AfA-Tabelle ist eigentlich keine einzelne Tabelle, sondern es gibt mehrere amtliche AfA-Tabellen für allgemein verwendbare Anlagegüter („AfA-Tabelle AV“) von verschiedenen Wirtschaftszweigen.
Alle Tabellen stehen auf der Seite des Bundesfinanzministeriums (BMF) stets in der aktuellen Fassung zum Download zur Verfügung. Die Abschreibungstabelle AV zeigt für jedes Anlagegut (oder Wirtschaftsgut des Anlagevermögens), das nach dem 31.12.2000 angeschafft oder hergestellt wurde, die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer, mit der es abgeschrieben werden muss.

AfA-Tabelle Beispiel
AfA-Tabelle des Bundesfinanzministeriums, Quelle: www.bundesfinanzministerium.de

Es gibt auch Gegenstände, die in den Tabellen nicht erwähnt werden. In diesen Fällen musst du die Nutzungsdauer schätzen. Aber davor musst du keine Angst haben, denn in diesem Fall wird dich dein Steuerberater entsprechend beraten.

Wie funktioniert die Abschreibung?

Nachdem die ersten Begriffe klar sind, können wir uns den Ablauf der Berechnung näher anschauen.

Wert des Gegenstandes feststellen

Der Wert des Gegenstandes lässt sich natürlich aus der Rechnung ablesen. Aber das Gesetz (§ 2531 (1) und § 255 (1) und (2) HBG) erlaubt es, zusätzliche Kosten (Anschaffung und Herstellung) dazuzurechnen – nämlich alle, die notwendig sind, um das Gerät auch in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen.

§ 253 (1) HBG: Vermögensgegenstände sind höchstens mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um die Abschreibungen nach den Absätzen 3 bis 5, anzusetzen.

Jetzt kannst du in der AfA-Tabelle den Satz ermitteln

Wichtig ist, dass du mit der Berechnung der Nutzungsdauer ab dem Datum der Instandsetzung zu zählen beginnst.
Aus den vielen amtlichen AfA-Tabellen musst du nun entweder die allgemeingültige AfA-Tabelle AV heraussuchen, oder diejenige, die speziell für deine Wirtschaftsbranche gültig ist. Die Tabellen gibt es für ziemlich jedes Gewerbe: Baugewerbe, Bekleidung, Druckereien, Friseurgewerbe, Gartenbau, Gastgewerbe…

Die Abschreibungstabelle

Du musst aber berücksichtigen, dass diese Tabellen nur als Hilfsmittel gelten sollen. Die genannten Nutzungsdauern basieren auf Erfahrungswerten, sind aber nicht rechtsverbindlich! Allerdings werden sie von der Rechtsprechung anerkannt. Sie gilt für alle Anlagegüter, die nach dem 31.12.200 angeschafft oder hergestellt worden sind.

Aufbau und Handhabung der Tabellen

Die aktuelle Tabelle besteht aus 15 Seiten. Sie ist nach verschiedenen Überbegriffen wie Unbewegliches Anlagevermögen, Grundstückseinrichtungen, Betriebsanlagen, Fahrzeugen, Maschinen etc. unterteilt.
In jeder Rubrik gibt es dazu weitere Unterbegriffe. Beispielsweise findest du unter den Maschinen einzelne Begriffe wie Bohrmaschine, Fräsmaschine, Drehbänke. Rechts davon steht die Nutzungsdauer, die du bei der Berechnung verwenden musst.

Beispiele für Freelancer und Selbstständige

Wenn du als Freelancer oder selbstständig tätig bist, gibt es einige Dinge, die du auf jeden Fall benötigen wirst, denn diese sind branchenunabhängig. Du wirst eventuell Büroräume oder Hallen haben, wahlweise eventuell Vermietungstabellen benötigen, Möbel, eine Küche, Software, einen PC oder Laptop sowie weitere Hardware.

Deine Hallen und Gebäude findest du direkt unter Punkt 1 und kannst auswählen, woraus sie bestehen. Hallen in Leichtbauweise haben beispielsweise eine Nutzungsdauer von 14 Jahren. Danach findest du die Grundstückseinrichtungen, Fahrbahnen, Parkplätze und Grünanlagen, aber auch Löschwasserteiche. Straßen und Brücken werden übrigens mit 33 Jahren angesetzt, Grünanlagen mit 15 Jahren.
Deine Rechner findest du auf Seite 5 unter Punkt 6: Betriebs- und Geschäftsausstattung. Großrechner werden mit 7 Jahren angesetzt, ein PC und Laptop, Drucker, Scanner, Monitore und Faxgeräte jedoch nur mit 3 Jahren.

Büromöbel werden unter 6.15 erwähnt und sind 13 Jahre lang nutzbar. Hier findest du sogar Reißwölfe (8 Jahre), Klimaanlagen (mobile Klimageräte, 11 Jahre) und Tresore (23 Jahre).
Wenn du unsicher bist, wo du welche Gegenstände findest, gibt es ab Seite 6 eine alphabetische Auflistung aller enthaltenen Objekte. Beispielsweise auch ein Handy (Mobiltelefon, Autotelefon, jeweils 5 Jahre).

Abschreibung berechnen

Mit deinen Anschaffungskosten und der Nutzungsdauer aus der Abschreibungstabelle kannst du jetzt deine Abschreibungen berechnen. Du dividierst einfach den Kaufpreis durch die Nutzungsdauer. Achtung: Im ersten Jahr der Anschaffung musst du den Betrag monatsgenau berechnen.

Falls du den neuen PC also erst im November angeschafft hast, kannst du ihn natürlich nur im November und Dezember abschreiben und nicht schon vorher. Dabei kannst du für jeden angefangenen Monat mit 1/12 des Betrages kalkulieren.

Ein Beispiel:

Du hast dir im April einen neuen PC für 1.116 Euro angeschafft, der laut AfA-Tabelle 3 Jahre nutzbar ist. Diesen kannst du aktuell nur linear abschreiben. Im Jahr des Kaufs kannst du allerdings keine 12 Monate ansetzen, sondern nur 9 (April bis Dezember).
Berechnung: 1.116 Euro dividiert durch 36 Monate (3 Jahre) = 31 Euro/Monat.
Für das Anschaffungsjahr setzt du als Bemessungsgrundlage also nur 9 x 31 Euro = 279 Euro an.
Im zweiten und dritten Jahr jeweils 12 x 31 Euro = 372 Euro.
Die verbleibenden 3 Monate bzw. 93 Euro kannst du im vierten Jahr mit dem Restwert abschreiben.

Sonderfall geringwertiges Wirtschaftsgut

Bei den geringwertigen Wirtschaftsgütern kannst du nicht nur nach der AfA-Tabelle abschreiben, sondern hast nach § 6 EStG weitere Möglichkeiten. Diese sind abhängig vom Anschaffungswert.

  • Geringwertige Wirtschaftsgüter, die weniger als 250 Euro gekostet haben, kannst du sofort als Betriebsausgabe verbuchen.
  • Geringwertige Wirtschaftsgüter, die zwischen 250 und 800 Euro gekostet haben, kannst du hingegen sofort abschreiben.

Wahlweise kannst du Gegenstände, die zwischen 250 (250,01) und 1.000 Euro gekostet haben, auch in eine Sammelabschreibung (Pool-Abschreibung) aufnehmen und über 5 Jahre hinweg mit 1/5 abschreiben – unabhängig von der Nutzungsdauer. Alles, was mehr als 1.000 Euro gekostet hat, musst du jedoch nach der Abschreibungstabelle abschreiben.

Welche Abschreibungsvariante du wählst, hängt davon ab, was du für besser erachtest. Für Start-ups ist es jedoch häufig besser, eine reguläre Abschreibung zu wählen, weil du damit die Belastungen auf mehrere Jahre verteilen kannst.

Achtung Wertgrenzenänderung

Die Wertgrenzen sind übrigens zum 01.01.2018 angehoben worden. Sie lagen zuvor bei 150 bzw. 410 Euro. Du musst daher aufpassen, wann du deine Geräte angeschafft hast, denn für Steuererklärungen von 2017 – sofern noch nicht abgegeben – musst du mit 410 Euro arbeiten!

Besondere Wirtschaftsgüter und deren Abschreibung

Immobilien

Für Immobilien gelten gesonderte Verfahren nach § 7 EStG („Absetzung für Abnutzung oder Substanzverringerung“), genauer nach § 7 Abs. 4 und 5 EStG. Hierbei kommt es unter anderem auf das Datum der Fertigstellung, der Stellung des Bauantrags oder der Abschluss des Grundstückkaufvertrages an. Betriebsgebäude, deren Bauantrag nach dem 31.03.1985 gestellt wurde, können mit 3% abgeschrieben werden.

Ansonsten je nach Fertigstellung:

  • nach dem 31. Dezember 1924 fertiggestellt mit jährlich 2 Prozent
  • vor dem 1. Januar 1925 fertiggestellt mit jährlich 2,5 Prozent

Weitere Prozentsätze sind auch für Wohngebäude und Gebäude in EU-Staaten aufgeführt. Es wäre jedoch zu umfangreich, alle Vorschriften im Einzelnen hier aufzulisten. Hier sind abweichend von den oben genannten Prozentsätzen – je nach Datum des Bauantrags – bis zu 10% möglich.

PKW

Ein PKW kann 6 Jahre lang linear abgeschrieben werden, hier greift jedoch auch die leistungsabhängige Abschreibung.

Fazit

Wenn du erst einmal weißt, wo du anfangen musst, ist die Abschreibung nicht schwierig. Du musst den Wert der Güter berücksichtigen und die Nutzungszeiträume aus den Tabellen heraussuchen. Dann einfach entscheiden, ob du optional sofort abschreiben kannst oder lieber regulär und das wars auch schon. Im Zweifelsfall kann dich auch dein Steuerberater detailliert beraten.

Nadine Höpf

Content Marketerin und gleichzeitig als Country Managerin für Frankreich zuständig. Nadine kann nicht nur in deutsch gehaltvolle Inhalte erstellen, sondern mühelos auch in französisch. Eine deutsche Kostprobe von ihrem Können bekommst du auf diesem Blog.

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