MOSS-Verfahren oder Mini-One-Stop-Shop

Auch im vergangenen Jahren hat sich der Steuergesetzgeber wieder etwas Neues einfallen lassen, um Steuerbürger, die Finanzverwaltung und die Steuerberaterbranche zu beschäftigen. Durch das EU-Mehrwertsteuerpaket gab es bereits zum 01.01.2010 Änderungen beim Ort von sonstigen Leistungen. Hierbei wurde zum 01.01.2015 nun die nächste Umgestaltung in der Mehrwertsteuersystemrichtlinie vorgenommen – so ist für auf elektronischem Weg erbrachte Dienstleistungen, Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehleistungen nach EU-Vorgabe eine Änderung bei der umsatzsteuerlichen Ortsbestimmung vorgesehen.

Welche Auswirkungen das speziell für dich als Unternehmer hat, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

  1. Gesetzliche Grundlage
  2. Betroffene Unternehmen
  3. Checkliste für Unternehmer

1. Gesetzliche Grundlage

Grundlage für die Änderung beim Ort der umsatzsteuerlichen Erfassung elektronischer Leistungen dient die Umsetzung der Mehrwertsteuersystemrichtlinie. Unternehmen, welche in den Bereichen Telekommunikation, Dienstleistung und Fernsehen im EU-Ausland tätig sind, sollen ihren EU-Privatkunden ab 2015 keine deutsche Umsatzsteuer mehr berechnen. Anstelle dessen soll die Umsatzsteuer des jeweiligen EU-Landes berechnet werden.

Abhilfe soll das sogenannte MOSS-Verfahren schaffen. Der Mini One Stop Shop (MOSS) bezeichnet dabei ein neues Besteuerungsverfahren, welches dem Unternehmen ermöglicht, Umsätze in dem EU-Staat zu erklären, in dem es ansässig ist. Dies bietet den Vorteil, dass sich Unternehmer nur im eigenen Heimatstaat registrieren müssen. Hierzu werden vierteljährliche Erklärungen der Umsätze über ein Internetportal der zuständigen nationalen Behörde übermittelt.

Beispiel:
Ein Unternehmer, der sein Unternehmen in Österreich betreibt, erbringt elektronisch erbrachte sonstige Leistungen an Nichtunternehmer in Deutschland und Italien. Der Unternehmer hat eine Betriebsstätte in der Slowakei. Möchte der Unternehmer den MOSS in Anspruch nehmen, ist Österreich Mitgliedstaat der Identifizierung (EU-Schema).
Ein Unternehmer, der sein Unternehmen von der Schweiz aus betreibt, unterhält eine Betriebstätte in Österreich. Möchte der Schweizer Unternehmer den MOSS in Anspruch nehmen, ist Österreich Mitgliedstaat der Identifizierung. Hätte der Schweizer Unternehmer neben der österreichischen Betriebsstätte auch eine Betriebstätte in Deutschland, dürfte der Schweizer Unternehmer als Mitgliedstaat der Identifizierung zwischen Deutschland und Österreich wählen. An die Wahl ist der Unternehmer für das laufende sowie die zwei darauffolgenden Kalenderjahre gebunden (jeweils EU-Schema).

moss verfahren

2. Betroffene Unternehmen

Grundsätzlich ist es wichtig zu beachten, dass das MOSS-Verfahren eine UID-Nummer sowie einen rechtzeitigen Antrag voraussetzt. Darüber hinaus betrifft das MOSS-Verfahren insbesondere Unternehmen, welche elektronische Dienstleistungen, Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehleistungen an Privatpersonen in anderen EU-Ländern anbieten. Während Unternehmen der letzteren Branche eher überschaubar sind, häuft sich die Zahl von Unternehmen, die elektronische Dienstleistungen anbieten. Unter elektronische Dienstleistungen fallen unter anderem:

  • Leistungen im Internet, die mehr als den bloßen Internetzugang ermöglichen, z.B. Portale, Foren etc.
  • Bereitstellung von Webseiten, Webhosting, Fernwartung von Hard- und Software
  • Online-Shops und -Versteigerungen
  • Vertrieb von Apps, Software, Online-Spielen (inkl. Betreuung und Updates)
  • Erstellung und Übermittlung von Texten, Fotos, Filmen, Musik und anderen Informationen
  • Restaurant- und Verpflegungsleistungen
  • Datenbanken, Suchmaschinen etc.
  • Webinare

3. Checkliste für Unternehmer

Das MOSS-Verfahren bietet einige positive Änderungen für Unternehmer. Nichtsdestotrotz bildet die Integration in den eigenen betrieblichen Ablauf teils große Schwierigkeiten. Mittels unserer Checkliste hast du alle zentralen Punkte aufbereitet, um dir die Kontrolle der wesentlichen Abläufe zu erleichtern:

    • Im ersten Schritt gilt es festzustellen, inwieweit dein Unternehmen Leistungen erbringt, welche in den Anwendungsbereich der neuen Ortsregelung fallen. Hierzu müssen diese identifiziert sowie von anderen Leistungen abgegrenzt werden. Zudem wird entschieden, an wen diese Leistungen erbracht werden (Unternehmer oder Privatperson).
    • Im zweiten Schritt sollte geklärt werden, ob du am MOSS-Verfahren teilnimmst. Dies ist vorwiegend bei größeren Leistungsbeziehungen mit mehreren EU-Ländern sinnvoll. Hierbei entfällt die Teilnahme am MOSS-Verfahren jedoch, wenn die Leistung von einer Betriebsstätte oder einer festen Einrichtung im anderen EU-Staat erbracht wird.
    • Hinzukommend solltest du die Auswirkungen der geänderten Steuersätze beachten und dich rechtzeitig über die Besteuerung in anderen EU-Staaten (insbesondere die Steuersätze) informieren.
    • Falls du nicht am MOSS-Verfahren teilnimmst, musst du dich zeitnah in allen Mitgliedsstaaten registrieren, in denen du elektronische Dienstleistungen an Privatunternehmen erbringst. Hierbei solltest du einen deutlichen Mehraufwand gegenüber dem MOSS-Verfahren einplanen.
Peter Sutter

Head of Marketing und bei den neusten Marketingstrends up to date. Peter kennt die Kunden von sevDesk genau und weiß daher um die Bedürfnisse von kleinen Unternehmen. Auf unserem Blog teilt er sein Wissen mit dir!

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