Rechnungsstellung ins EU-Ausland & Drittländer

Wenn du als Unternehmer oder Selbstständiger auch Kunden im Ausland bedienen oder beliefern möchtest, gibt es einige Dinge, die du bei der Rechnungsstellung beachten musst, damit die Rechnungen vom Finanzamt anerkannt werden. Dieser Blogartikel zeigt dir übersichtlich alle Regelungen und Gesetze, die du bei der Erstellung von Rechnungen ins Ausland innerhalb und außerhalb der EU zusätzlich beachten musst.

Das erwartet Dich:

  1. Grundregelung Umsatzbesteuerung
  2. Rechnungsstellung in das europäische Ausland
  3. Lieferungen in das europäische Ausland
  4. Rechnungsstellung in ein Drittland
  5. Lieferungen in ein Drittland
  6. Leistungen an Privatpersonen
  7. Besondere Leistungen
  8. Sonderregeln bei Kleinunternehmern

Das Ganze gibt’s hier auch zum Anhören:

1. Grundregelung Umsatzbesteuerung

Seit 1.1.2010 gibt es folgende Regelung: Grundsätzlich sind Umsätze immer dort zu versteuern, wo der Leistungsempfänger seinen Sitz hat. Erbringst du mit deinem Unternehmen Leistungen in Deutschland, beziehungsweise an ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland, musst du diese auch hier versteuern. Im Umkehrschluss gilt, dass bei Leistungen an Unternehmen deren Sitz im Ausland liegt, für dich ein so genannter nicht steuerbarer Umsatz vorliegt.

Beispiel:
Ein deutscher Unternehmensberater berät eine österreichische Firma. Diese Leistung ist somit nicht in Deutschland steuerbar und unterliegt nicht der deutschen Umsatzsteuerung. Wie genau wird also die Umsatzsteuer vertreten? Die Leistungen müssen dort versteuert werden, wo der Sitz des Auftraggebers liegt, auch wenn die Beratung von Deutschland aus stattfindet. In diesem Fall also Österreich, denn dort sitzt die Firma. Die Rechnung muss ohne deutsche Umsatzsteuer ausgestellt werden, dafür aber mit der österreichischen Steuer abgerechnet werden. Um dies zu vereinfachen, gibt es spezielle Behandlungen im ausländischen Recht, die im Laufe des Artikels näher erklärt werden.

2. Rechnungsstellung in das europäische Ausland

Neben den grundlegenden Angaben auf Rechnungen, wie z.B der Nummer der Rechnung sowie der Angabe des Lieferzeitpunktes, sind folgende Dinge bei der Erstellung von Rechnungen innerhalb der EU zu beachten: Die Umsatzsteuer darf nicht ausgewiesen werden, deine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) und die des Kunden müssen angegeben werden. Du bist dazu aufgefordert, die Daten des Kunden auf ihre Richtigkeit und Gültigkeit zu prüfen (am schnellsten auf der Homepage des Bundeszentralamtes für Steuern), denn sind die Daten falsch, musst du im schlimmsten Fall die Umsatzsteuer übernehmen.



Bei Dienstleistungen ins Ausland, sogenannten „Sonstige Leistungen“, tritt eine Umkehr der Steuerschuldnerschaft auf. Es nennt sich “ Reverse-Charge-Verfahren“ und dabei berechnet der Leistungsempfänger auf der Grundlage des anzuwendenden Steuersatzes seines Landes die Steuer selbst, deklariert den Betrag bei seinem Finanzamt und zieht ihn als Vorsteuer ab. Zusammengefasst bedeutet dies, dass die Umsatzsteuer in dem Land erhoben wird, in dem der Auftraggeber seinen Sitz hat. Darüberhinaus muss bei Rechnungen ins Ausland ein Hinweis auf den Übergang der Steuerschuldnerschaft verweisen.

3. Lieferungen in das europäische Ausland

Lieferungen in das europäische Ausland sind grundsätzlich steuerfrei. Aber Achtung: diese Regelung gilt nur, wenn die von dir gelieferte Ware tatsächlich von Deutschland in ein anderes EU-Land transportiert wird. Zusätzlich muss deine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, sowie die Nummer des Lieferungsempfängers auf der Rechnung ausgewiesen werden. Bei einer Lieferung ins Ausland muss auf der Rechnung der Hinweis stehen, dass es sich um eine „innergemeinschaftliche Lieferung“ handelt. Nur dann wird die Umsatzsteuerfreiheit von der Finanzverwaltung gewährleistet.

4. Rechnungsstellung in ein Drittland

Bei einer Rechnungsstellung in ein Drittland (nicht-europäisches Ausland) gibt es keine einheitliche Rechtsgrundlage. Die Steuersysteme der Drittländer unterscheiden sich wesentlich. Viele Länder verwenden allerdings eine ähnliche Regelung wie das Reverse-Charge-Verfahren. Ob das jeweilige Land so eine Regelung besitzt muss zuerst überprüft werden. Es kann nur ein Blick in das jeweilige Recht des Landes helfen. Die deutschen Auslandshandelskammern können dabei hilfreich sein. Allerdings gilt auch hier: Die Rechnung ohne deutsche Umsatzsteuer ausweisen, das heißt, dass du keine Umsatzsteuer abführen musst.

Achtung!

Rechnungen ins EU-Ausland und Drittland fallen unter die Anforderungen der GoBD. Das heißt, du musst sie unveränderbar aufbewahren. 10 Jahre lang oder länger. Werden die GoBD nicht eingehalten, drohen hohe Nachforderungen durch das Finanzamt. Erfahre hier mehr zum Thema GoBD.

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5. Lieferungen in ein Drittland

Auch Lieferungen in ein Land außerhalb der EU sind steuerfrei, sofern du nachweisen kannst, dass die Ware tatsächlich Deutschland verlassen hat. Dies geschieht durch die Vorlage von zollamtlichen Papieren. In diesem Fall musst du die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer auf der Rechnung nicht angeben. Doch auch hier gilt es zunächst zu prüfen, ob die Lieferung oder sonstige Leistungen nach dem ausländischen Recht umsatzsteuerpflichtig ist und du eine Umsatzsteuer abführen musst.

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6. Leistungen an Privatpersonen

Etwas unterschiedlich verhält es sich, wenn du eine Leistung für eine Privatperson im Ausland durchführst. In diesem Fall musst du auf deinem Umsatz die normale deutsche Umsatzsteuer aufschlagen. Dies ist unabhängig davon, ob die Privatperson im EU-Ausland oder außerhalb der EU wohnt.


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7. Besondere Leistungen

Einige sonstige Leistungen sind mit besonderen Regelungen behaftet und müssen einzelfallbezogen geprüft werden. Wende dich  in diesem Fall unbedingt an einen fachkundigen Steuerberater, um gesetzeskonform zu handeln. Diese Leistungen sind:

  • Grundstücksleistungen
  • Kongresse und Seminare
  • Veranstaltungsseminare von Künstlern und Sportlern
  • Montageleistungen
  • Restaurationsleistungen
  • Restaurant- und Verpflegungsleistungen
  • Vermietung von Beförderungsmitteln
  • Personenbeförderung

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8. Sonderregeln bei Kleinunternehmern

Wenn du vorgeschriebene Umsatzgrenzen in Deutschland als Kleinunternehmer nicht überschreitest, bist du von der Umsatzsteuer befreit und kannst somit Regelungen, wie beispielsweise das Reverse-Charge-Verfahren nicht nutzen. Prüfe und berücksichtige die Lieferschwellen des EU-Staates. Falls der Empfänger unter die dort geltende Kleinunternehmerregelung fällt, ist die Lieferung (außer der Versandhandel) steuerpflichtig.

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Fabian Silberer

Mit 22 Jahren eine GmbH zu gründen, erfordert Mut. Fabian hatte vor einigen Jahren zusammen mit seinem damaligen Studienkollegen Marco diesen Mut und ist heute CEO von sevDesk. Er weiß demnach, wovon er spricht, wenn es um Unternehmertum und den steinigen Weg in die Selbstständigkeit geht.

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