Gewerbesteuerhebesatz

Die Gewerbesteuer betrifft grundsätzlich alle Gewerbebetriebe in Deutschland. Doch es gibt regionale Unterschiede, Freibeträge und steuerliche Folgeauswirkungen durch die Gewerbesteuer. All diese Aspekte werden wir dir in diesem Beitrag im Detail näher bringen. Besonders gehen wir auf den Gewerbesteuerhebesatz ein, der direkt von den jeweiligen Gemeinden festgelegt wird und somit maßgeblich die Höhe der Gewerbesteuer, aber auch die Standortentscheidung von Unternehmen, beeinflusst.

Das erwartet dich heute:

Gewerbesteuerhebesatz – Definition

Die Gewerbesteuer wird direkt von der Gemeinde, in der sich der Gewerbebetrieb befindet, eingehoben. Durch diese Entscheidungsfreiheit, die durch den individuellen Hebesatz, der über 200 Prozent liegen muss, gegeben ist, entstehen regionale Unterschiede. Für Unternehmen bedeutet das, dass der Gewerbesteuerhebesatz nicht überall gleich ist und sich je nach Standort geringe Vor- oder Nachteile ergeben können. Die Steuer muss von den Unternehmern direkt abgeführt werden und kann schnell und einfach berechnet werden.

Gewerbesteuerhebesatz
Definition Gewerbesteuerhebesatz

Wer bestimmt den Gewerbesteuerhebesatz?

Da es sich beim Gewerbesteuerhebesatz um eine der wichtigsten Einnahmequellen für die Kommunen handelt, kann diese den Gewerbesteuerhebesatz selbst festlegen. Gleichzeitig entsteht auf diese Weise ein gewisser Steuerwettbewerb, wobei eine Untergrenze festgelegt wurde, sodass es keine Kommunen gibt, die etwa gar keinen Hebesatz zur Anwendung bringen können. Dazu kommt, dass es einen Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro pro Jahr gibt, für den keinerlei Gewerbesteuer eingehoben wird, wodurch die regional unterschiedlichen Hebesätze für kleinere Unternehmen an Bedeutung verlieren.

Gewerbesteuerhebesatz in der Berechnung der Gewerbesteuer

Werfen wir zuerst einen Blick darauf, wer alles Gewerbesteuer zahlen muss. Generell sind alle Unternehmen erfasst, wobei der angesprochene Freibetrag dazu führt, dass kleine Unternehmen keine Gewerbesteuer entrichten müssen. Außerdem sind Freiberufler nicht betroffen, da diese kein Gewerbe anmelden müssen. Für alle anderen stellt sich die Frage, wie wird nun die Gewerbesteuer berechnet?

Tipp!

Mit unserer Checkliste für die Gewerbeanmeldung kannst du Schritt für Schritt dein eigenes Gewerbe anmelden.

Gewerbesteuer berechnen – Schritt für Schritt

Die Ausgangsbasis für die Berechnung der Gewerbesteuer bildet der Gewinn des Unternehmens, wobei der erwähnte Freibetrag zu beachten ist. Der Gewinn wird mit 3,5 Prozent multipliziert. Dabei handelt es sich um die Gewerbesteuermesszahl, die einheitlich festgelegt ist. Das Ergebnis dieser Berechnung wird nun mit dem Gewerbesteuerhebesatz multipliziert. Dieser Satz muss bei allen Gemeinden bei mindestens 200 Prozent liegen. Die Untergrenze wäre also, den Gewinn zuerst mit 3,5 Prozent zu multiplizieren und anschließend mit 200 Prozent als Mindest-Hebesatz. In anderen Gemeinden, die nicht den Mindestsatz zur Anwendung bringen, kann diese Zahl auch im Bereich von 300, 400 oder sogar 500 Prozent liegen.

Bedeutung des Steuermessbetrages

  • Der Steuermessbetrag ist die Berechnungsgrundlage und generell auf 3,5% festgelegt. Hier gibt es keinen Spielraum für die Kommunen, denn dies ist ein einheitlich definierter Satz.
  • Der zu erwartende Betrag muss von den Betrieben quartalsweise im Voraus bezahlt werden. Die finale Abrechnung erfolgt am Jahresende mit der Gewerbesteuerklärung.
  • Der Hebesatz wirkt sich somit erst im nächsten Schritt der Berechnung aus und ist gewissermaßen der Multiplikator des Steuermessbetrages. Am besten lässt sich dies durch ein praktisches Beispiel skizzieren.

Praxisbeispiel – Gewerbesteuer berechnen

Wenn dein Unternehmen 100.000 Euro Gewinn erwirtschaftet hat (unter Berücksichtigung des Freibetrages) und die Gemeinde einen Hebesatz von 300% ansetzt, so ergibt sich folgende Berechnung:

100.000 Euro x 3,5% = 3.500 Euro x 300% Hebesatz = 10.500 Euro Gewerbesteuer

Der Gesamtbetrag ist in weiterer Folge direkt an die Kommune abzuführen.

In diesem Beispiel zeigt sich auch bereits schön, dass der individuelle Hebesatz der Kommunen durchaus große Auswirkungen auf die Höhe der Gewerbesteuer haben. Wäre der Hebesatz in der Gemeinde unseres Beispiels bei dem Minimum von 200 Prozent, so läge die zu bezahlende Gewerbesteuer bei 7.000 Euro – ein durchaus beträchtlicher Unterschied.

Wichtig ist hier auch der Zeitpunkt der Fälligkeit der Zahlungen, denn die Gewerbesteuer ist immer schon quartalsweise vorab zu entrichten. Erst am Jahresende erfolgt dann die exakte Abrechnung. Zu diesem Zeitpunkt werden dann die bisher geleisteten Vorauszahlungen und der tatsächlich in diesem Jahr fällige Betrag gegenübergestellt. Daraus ergibt sich dann entweder eine Gutschrift oder eine entsprechende Nachzahlung für das Unternehmen.

Gewerbesteuerrechner

Wer sich nicht selbst die Mühe der Berechnung der Gewerbesteuer machen möchte, kann auch einfach einen kostenlosen online Gewerbesteuer-Rechner nutzen, um die Gewerbesteuer zu ermitteln. Durch die einfache Berechnungsmethode ist das meist nicht nötig, trotzdem sind die Online-Tools unkompliziert und hilfreich.

Gewerbesteuerrechner
Der Gewerbesteuerrechner von sevDesk

Wer vor einer bedeutenden Standortentscheidung steht, sollte auf jeden Fall die Gewerbesteuern der unterschiedlichen Gemeinden direkt vergleichen und entsprechende Kalkulationen anstellen. Schließlich muss für die quartalsweise Vorauszahlung der Beträge auch entsprechende Liquidität rechtzeitig vorhanden sein.

Warum gibt es den Gewerbesteuerhebesatz?

Durch den Gewerbesteuerhebesatz entsteht, trotz der eingeführten Untergrenze, ein gewisser Standortwettbewerb. Gleichzeitig tragen die Abgaben an die Kommune dazu bei, dass jene Gemeinden, die für Wirtschaftstreibende besonders attraktiv sind, auch durch diese Abgaben entsprechend honoriert werden. Andererseits können Gemeinden, die sich die Ansiedlung zusätzlicher Betriebe wünschen, durch einen geringen Hebesatz ihre Attraktivität erhöhen. Insgesamt führt der Hebesatz also dazu, dass die Kommunen selbst beeinflussen können, wie sie sich gegenüber Unternehmen positionieren wollen. Der Hebesatz bringt einerseits Freiheiten für die Gemeinde und Einnahmen mit sich, andererseits setzt er die Kommunen einem gewissen Wettbewerb aus.

Als Unternehmen solltest du deinen Betrieb allerdings nicht einfach dort ansiedeln, wo der Hebesatz möglichst gering ist. Standorte mit höheren Hebesätzen können sehr attraktiv sein, denn nicht ohne Grund können sie es sich leisten, einen höheren Hebesatz zu verlangen. Gründe dafür können beispielsweise außergewöhnlich gute Infrastruktur oder die bessere Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal (durch Universitäts-Standorte etc.) sein.

Gewerbesteuersatz in Deutschland

Der Gewerbesteuersatz in Deutschland wurde vor einigen Jahren durch den Mindest-Hebesatz von 200% teilreguliert. Dieser Wert ist somit der niedrigste Gewerbesteuerhebesatz in ganz Deutschland, auch wenn die Zahl im ersten Moment hoch klingen mag. Einzelne Kommunen verrechnen wesentlich höhere Hebesätze von bis zu 900%, wobei das absolute Einzelfälle sind, etwa Kleinstgemeinden mit sehr wenigen Betrieben, die gewissermaßen freiwillig und bewusst mehr zur Gemeinde betragen möchten.

Gewerbesteuerhebesaetze
Gewerbesteuerhebesätze in Deutschland

Durchschnittlicher Gewerbesteuerhebesatz

Betrachtet man die einzelnen Regionen so zeigt sich, dass der Hebesatz im Schnitt fast überall zwischen 300 und 400 Prozent angesiedelt ist. In Frankfurt liegt der Hebesatz beispielsweise bei deutlich über 400 Prozent und somit auch klar über dem Durchschnitt. Die einfache Erklärung dafür ist, dass Frankfurt als Standort für verschiedene Industrien sehr attraktiv ist. Die hervorragende Infrastruktur und die weiteren Vorteile der Stadt lassen sich die hier ansässigen Unternehmen also gerne mehr Kosten. Es zeigt sich daher, dass auch hinsichtlich der Gewerbesteuer ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aus Sicht der Unternehmen gegeben sein muss.

Gewerbesteuerhebesatz als Standortfaktor für Unternehmen

In den bisherigen Absätzen hast du bereits erkannt, dass der anpassbare Hebesatz Vor- und Nachteile mit sich bringt. Für die Kommunen, wie auch für die Unternehmen selbst. Als Standortfaktor ist der Hebesatz ein großer Einflussfaktor. Wenn sich ein Unternehmen nach einem neuen Unternehmenssitz umsieht, muss der dortige Hebefaktor auf jeden Fall einbezogen werden, schließlich könnte sich die Gewerbesteuer im Vergleich zur derzeit bezahlten Gewerbesteuer womöglich sogar verdoppeln.

Andererseits ist dem immer entgegenzuhalten, dass nur jene Kommunen, die überzeugende Argumente haben, einen höheren Hebesatz wählen werden. Neben der Infrastruktur spielen da auch weitere Faktoren mit, etwa ob die Stadt generell auch zu Wohnzwecken beliebt ist und ob es gute Universitäten gibt. So kann sichergestellt werden, dass zukünftiger Personalbedarf gedeckt werden kann und wichtige Mitarbeiter nicht wegen des Umzuges des Unternehmens in eine weniger attraktive Stadt kündigen. Für Unternehmen bedeutet das, dass die Pros und Contras des Standortes abzuwiegen sind und der lokale Hebesatz sicher ein relevanter Einflussfaktor ist, der finanziell genau geplant werden muss.

Zusammenfassung: Gewerbesteuerhebesatz

Grundsätzlich müssen alle Unternehmen Gewerbesteuer zahlen, wobei der Freibetrag zu beachten ist und die Tatsache, dass Freiberufler ohne Gewerbeanmeldung selbstverständlich auch keine Gewerbesteuer zahlen müssen. Durch den individuellen Hebesatz können Gemeinden lokal sehr unterschiedliche Gewerbesteuern verlangen. Das führt zu einem Wettbewerb unter den Gemeinden, wobei im Zuge einer Standortentscheidung wesentlich mehr Faktoren berücksichtigt werden müssen als nur die Höhe der Gewerbesteuer vor Ort. Der Hebesatz liegt in ganz Deutschland immer bei mindestens 200 Prozent und der Steuermessbetrag ist mit 3,5 Prozent definiert. Ausgangsbasis für die Berechnung der Steuerlasst ist stets der erzielte Gewinn aus dem Gewerbebetrieb. Unternehmen müssen die Gewerbesteuer quartalsweise im Voraus entrichten, am Jahresende erfolgt dann eine exakte Abrechnung. Daraus ergibt sich, dass dieser Steueraufwand, der direkt den jeweiligen Gemeinden zufließt, genau kalkuliert und vorab in die Finanzplanung einberechnet werden muss.