Factoring

Factoring ist eine interessante kreditähnliche Finanzierungmöglichkeit für Unternehmen. Aber wie funktioniert das genau und welche Arten gibt es? Ob das auch eine Möglichkeit für dich ist, erklären wir dir hier anhand der Vor- und Nachteile sowie der Alternativen.

Das erwartet dich heute:

Factoring Definition

Factoring funktioniert ähnlich wie ein Kredit. Dabei verkauft ein Unternehmen seine Forderungen gegenüber Kunden einfach an einen Dritten, meist ein Kreditinstitut.

Es gibt verschiedene Arten des Factorings, von denen das „echte“ und „unechte“ die Hauptarten darstellen. Sie unterscheiden sich hauptsächlich durch den Übergang des Risikos, das beim echten Factoring an den sogenannten „Factor“ übergeht, beim unechten Factoring allerdings beim Lieferanten bleibt.
Durch das Factoring kannst du im Bedarfsfall also schnell deine Liquidität erhöhen und deine Finanzen verbessern. Besonders häufig kommt das Factoring im Mahnbereich vor, wo die Forderung gegen über den Schuldnern beispielsweise an ein Inkassounternehmen verkauft wird.

Die drei Hauptbereiche des Factoring

  • Das Delkredere, also die Garantieübernahme für die Zahlungsfähigkeit des Schuldners, welche letztendlich das Risiko zum „Factor“ verlagert.
  • Die Vorfinanzierung von Forderungen durch den „Factor“, da diese sofort an das verkaufende Unternehmen bezahlt wird. Dabei fließen aber nur maximal 90%, die restliche Forderung wird erst später bezahlt, wenn der Schuldner vollständig bezahlt hat (abzüglich Factoringgebühr und Factoringzins).
  • Das Factoring-Unternehmen kann auch das Debitorenmanagement für Unternehmen ausführen. Es erledigt die Debitorenbuchhaltung und prüft laufend die Bonität der Kunden. Dazu kommen das gesamte Mahnwesen und der Inkassobereich.

Factor – wer ist das?

Der Factor ist das Unternehmen, das offene Forderungen von Firmen oder Privatpersonen aufkauft. Dieses Factoring-Unternehmen oder Factoring-Institut wird also als Factor bezeichnet. Der Factor kauft die Forderung auf, wobei er sich aber nachweisen lässt, dass diese Forderung auch rechtmäßig besteht, und macht sie dann seinerseits beim Schuldner geltend. Weil das Hand in Hand mit anderen Leistungen von Inkassounternehmen geht, ist der Factor häufig ein Unternehmen, das gleichzeitig Factoring und Inkassoleistungen anbietet.

Laut Gesetz unterliegen die Factor-Anbieter („Finanzdienstleistungsinstitute“) strengen Vorschriften. Für sie gilt beispielsweise das Kreditwesengesetz (KWG) oder das Geldwäschegesetz (GWG) und sie dürfen nur mit Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzaufsicht ihr Geschäft ausüben. Außerdem werden sie bei ihrer Tätigkeit von dieser Behörde sowie der Deutschen Bundesbank überwacht.

Factoring Beispiel – so funktioniert es

Factoring ist vom Ablauf her recht einfach.

  1. Am Anfang stehst du als Unternehmen, das Produkte oder Leistungen an einen Kunden gegen Geld verkaufst. Solange der Kunde dich nicht bezahlt hat, hast du eine offene Forderung gegen ihn.
  2. Es ist wichtig, dass du die Existenz dieser Forderung und ihre Rechtmäßigkeit dem Factor gegenüber belegen kannst. Das nennt man auch „Verität“. Denn nur wenn die Forderung rechtlich einwandfrei besteht, wird der Factor sie dir abkaufen.
  3. Außer der Verität ist auch die Bonität des Schuldners wichtig für den Factor. Denn wenn er dir die Forderung abkauft, will er sicher sein, dass er im Anschluss auch sein Geld bekommt.
  4. Wenn der Factor über Verität und Bonität Bescheid weiß und beides überprüft hat, kauft er dir deine Forderungen ab.
  5. Das geht relativ schnell. Du hast meist schon nach zwei Tagen rund 90% der Forderungssumme auf deinem Konto. Du hast deine Liquidität gesteigert und der Factor übernimmt das Debitorenmanagement und bewegt den Schuldner zur Bezahlung der Forderung.
  6. Sobald der Schuldner das Geld an den Factor überwiesen hat, erhältst du von dort die restliche Forderungssumme.

Der Factor handelt allerdings nicht aus reiner Gutmütigkeit, er möchte natürlich für seine Dienste bezahlt werden. Zu den Kosten für diese Dienstleistung kommen wir weiter unten.

Arten von Factoring

Es gibt verschiedene Arten von Factoring, von denen einige hier beispielhaft vorgestellt werden sollen:

Reverse Factoring

Beim Reverse Factoring handelt es sich um eine Art Eigenfinanzierung. Du lässt dir nämlich dabei von einem Reverse-Factoring-Anbieter deine Wareneinkäufe vorfinanzieren. Das ist eine gute Möglichkeit, wenn du gerade etwas knapp bei Kasse bist oder in der Hochsaison einfach mehr Material und schneller beschafft werden muss als vorgesehen, und du schnell reagieren musst, um die Aufträge zu erfüllen. Das ist aber ziemlich aufwendig und du musst mit den betroffenen Lieferanten außerdem einen Reverse Factoring Vertrag abschließen.

Echtes & unechtes Factoring

Der Unterschied zwischen den beiden Formen besteht in der Risikoübernahme und im Ausfallschutz. Beim Echten Factoring übernimmt der Factor nach dem Kauf der Forderungen das Risiko, dass der Schuldner möglicherweise seine Schulden nicht bezahlt. Beim Unechten Factoring bleibt das Risiko bei dir hängen.

Export Factoring

Das Export Factoring spielt eine Rolle bei internationalen Geschäften. Wenn du weltweit expandieren kannst, ist das hervorragend für dein Unternehmen, aber du hast es dann auch mit Schuldnern zu tun, die im Ausland sitzen. Dabei kommt es ebenfalls zu gewissen Risiken, vor allem dem Währungsrisiko. Und eine Beitreibung und Vollstreckung im Ausland ist in den seltensten Fällen von Erfolg gekrönt. Spezialisten im Export Factoring nehmen dir diese Probleme ab und kaufen die Forderungen auf und treiben sie über ihre Auslandsniederlassungen bei.

Import Factoring

Beim Import Factoring ist es so, dass ein Factor mit Sitz im Inland gegenüber einem anderen, ausländischen Factor im Ausland für die Zahlungsfähigkeit des inländischen Schuldners haftet. Diese vertragliche Haftungsübernahme ist ähnlich wie beim Export Factoring.

Ausschnittsfactoring

Beim Ausschnittsfactoring trittst du nicht alle Schulden an den Factor ab, sondern nur einen Teil davon. Du kannst also beispielsweise einige Kunden explizit davon ausnehmen. Üblicherweise sind das diejenigen, bei denen sich das Factoring nicht lohnen würde, also Kunden mit sehr geringen Rechnungsbeträgen. Oder solche, die ihre Rechnungen immer sehr schnell bezahlen.

Inhouse Factoring

Normalerweise bietet ein Factoring-Unternehmen einen kompletten Service an, der verschiedene Bereiche (Debitorenmanagement, Mahn– und Inkassowesen) übernimmt (Full Service Factoring). Beim Inhouse Factoring übernimmt der Factor jedoch nur den Ausfallschutz, alles andere bleibt bei dir. Der Factor hat dann zwar die Rechte an den Forderungen übernommen (und dich bezahlt), aber er hat auch das Risiko. Während du derjenige bist, der weiterhin dafür sorgt, dass das Geld hereinkommt. Dabei ist es notwendig, dass du eng mit dem Factor zusammenarbeitest. Das Inhouse Factoring wird oft als stilles Factoring angeboten. Dazu kommen wir im nächsten Absatz.

Stilles Factoring & offenes Factoring

Hier liegt der Unterschied darin, ob der Schuldner, also dein Kunde darüber informiert wird, dass du die Forderung an den Factor abgetreten hast, oder nicht. Beim Offenen Factoring teilst du ihm dies mit und bittest gleichzeitig um Überweisung der offenen Summe an den Factor. Beim stillen Factoring erfährt der Kunde davon nichts. Aber du musst auf der Rechnung die Bankverbindung des Factors angeben, damit das Geld bei der Zahlung direkt dort landet und nicht auf deinen Konten.

Kosten des Factorings

Das Factoring ist eine Art der Finanzierung, die dir nicht nur Vorteile bringt, sondern auch Kosten verursacht. Daher solltest du immer erst vergleichen, ob du mit einem Bankkredit eventuell günstiger fährst als mit einer Finanzierung über Factoring. Grundsätzlich musst du mit folgenden Kosten rechnen: Der Factoringgebühr, dem Factoringzins und einer Prüfgebühr.

  • Factoringgebühr
    Die Factoringgebühr wird für den Aufwand des Factors fällig und hängt von deinem Jahresumsatz ab.
  • Factoringzins
    Der Factoringzins ist ein Jahreszins, der davon abhängt, welcher Anteil deines Jahresumsatzes vom Factor ausgezahlt werden soll.
  • Prüfgebühr
    Die Prüfgebühr ist je nach Factor unterschiedlich. Sie hängt von der Art des gewählten Factorings ab und von der Menge der Debitoren und dem Risiko des Forderungsausfalls.

Vor- & Nachteile des Factorings

Vorteile anhand von Beispielen

Du hast beim Factoring mindestens vier wichtige Vorteile:

  • Allen voran die schnelle höhere Liquidität durch die rasche Auszahlung des Factors. Dadurch hast du die Chance, bei deinen Lieferanten schneller zu bezahlen und Rabatte oder Skonti auszunutzen.
  • Aber auch deine Risikoabsicherung ist hier viel besser, da du das Risiko, dass dein Kunde insolvent wird, auf den Factor abwälzen kannst. In einem solchen Fall hilft auch eine Versicherung, aber es dauert lange, bis die Versicherung an dich bezahlt und auch die Bank kann dir nicht sofort helfen, ohnehin würde dir das Geld, das du als Kredit aufnimmst, ja fehlen, da vom Kunden bei einer Insolvenz nichts mehr zu erwarten ist.
  • Durch die höhere Liquidität und die bezahlten Forderungen, die durch die Zahlung des Factors entstehen, sieht deine Bilanz besser aus und erhöht deine Kreditwürdigkeit.
  • Abgesehen von den verbesserten Zahlen und der höheren Liquidität hast du aber auch eine Arbeitsentlastung, da sich das Factoring-Unternehmen um die Beitreibung handelt und das Debitorenmanagement für dich abwickelt. Das spart dir Zeit und Geld.

Nachteile anhand von Beispielen

Du musst hauptsächlich mit zwei Nachteilen rechnen:

  • Zum einen mit den hohen Kosten für das Factoring-Unternehmen, das rund 0,6 – 2,5% von der Forderung verlangt und zudem eine Pauschale für die Bonitätsprüfung und noch Zinsen.
  • Zum anderen kann es sein, dass Factoring für dich gar nicht in Betracht kommt. Es ist nämlich nicht für alle Branchen geeignet. Nur der Großhandel und die verarbeitende Industrie können sich damit erfolgreich absichern.

Tipp!

Das Factoring kommt für deine Branche oder Unternehmensgröße nicht in Frage oder ist dir zu teuer? Du kannst die Verwaltung deiner offenen Forderungen auch selbst in die Hand nehmen! Alles was du dazu wissen musst, findest du in unserem Beitrag zum Thema Debitorenbuchhaltung.

Einfluss auf Unternehmenskennzahlen

Steigerung der Eigenkapitalquote

Den größten Einfluss hat das Factoring auf deine Eigenkapitalquote, denn diese Erhöhung resultiert direkt aus dem durch Factoring entstandenen Liquiditätszuwachs.

Weitere Kennzahlen

Durch den größeren Finanzierungsspielraum kannst du auch Investitionen tätigen oder deine Verbindlichkeiten an Lieferanten unter Ausnützung von Rabatten und Skonti schneller begleichen. Dadurch verschieben sich viele Bilanzpositionen ins Positive. Gerade dein Rating, das für einen Kredit eine wichtige Rolle spielt, wird von den Banken viel besser bewertet.

Andere Formen der Außenfinanzierung

Es gib neben dem Factoring noch weitere Möglichkeiten der Außenfinanzierung. Beispielsweise Zession und Forfaitierung.

Unterschied Factoring & Zession

Bei einer Zession verkaufst du deine Forderungen nicht, sondern trittst sie lediglich als Sicherheiten an die Bank ab, wenn du einen Kredit aufnehmen willst. Im Gegenzug für die Forderungen räumt dir die Bank dann eine entsprechende Kreditlinie ein. Aber auf deine Bilanz wirkt sich dieses Vorgehen nicht weiter aus.

Unterschied Factoring & Forfaitierung

Die Forfaitierung ist enger mit dem Factoring verknüpft als die Zession. Denn auch hier werden die Forderungen weiterverkauft. Trotzdem gibt es drei wichtige Unterschiede:

  • Zunächst geht es dabei um viel größere Summen als beim für den Mittelstand typischen Factoring.
  • Dazu kommt, dass die Forfaitierung üblicherweise für große Einzelforderungen eingesetzt wird, wohingegen das Factoring aus vielen kleinen Forderungen oder ausgewählte Forderungen (Ausschnitts-Factoring) bezieht.
  • Abschließend geht es beim Factoring für die Forderungen für bereits erbrachte Leistungen oder versendete Waren und bei der Forfaitierung handelt es sich um zukünftige, erst noch zu erbringende Leistungen.

Weitere Möglichkeiten

Abgesehen von der Zession und der Forfaitierung kannst du noch auf weitere Finanzierungsformen zurückgreifen. Im Bereich der Außenfinanzierung kommen dafür die Eigen- oder Beteiligungsfinanzierung sowie die Fremdfinanzierung in Betracht.
Dafür kannst du dich an deine Hausbank, aber auch an Lieferanten oder Gesellschafter wenden, oder aber über Aktien und Anleihen an das benötigte Geld kommen. Als bekannte Sonderformen kommen auch Leasing oder das sogenannte Mezzanine-Kapital, also eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital infrage.

Während die Eigenfinanzierung mithilfe von Eigenkapitalbeschaffung stark von der Rechtsform deines Unternehmens abhängt, kannst du bei der Fremdfinanzierung einfache und bekannte Wege gehen. Hier kommen vor allem Bankkredite, Darlehen, Schuldverschreibungen oder Lieferantenkredite infrage.

Zusammenfassung

Factoring ist zwar nicht für jeden gleichermaßen geeignet, aber eine gute Möglichkeit, auf schnelle Weise einen Liquiditätsengpass zu beheben. Abgesehen von den Kosten ergeben sich viele Vorteile für dich. Daher solltest du es auch nicht als eine Verzweiflungstat ansehen, wenn dir das Geld ausgeht, sondern du kannst es gezielt nutzen, um rasch deine Verbindlichkeiten zu begleichen oder eine Investition zu tätigen und dabei auch noch die Bilanz aufhübschen und deine Kreditwürdigkeit erhöhen.
Aus diesem Grund ist das Full Servie Factoring eine beliebte Form für Unternehmen, ihr Forderungsmanagement abzuwickeln. Immerhin haben diese Factoring-Firmen durch die notwendige behördliche Zulassung und die strenge Kontrolle einen guten Ruf und enormes Expertenwissen vorzuweisen, welches dir zugutekommt.
Hauptsächlich die Absicherung gegen einen Forderungsausfall ist ein großer Pluspunkt. Daher setzen über 30.000 deutsche Unternehmen aus den verschiedensten Branchen bereits auf diese Möglichkeit und nutzen sie regelmäßig.