Bilanzanalyse

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Definition: Was ist eine Bilanzanalyse

Im Rahmen der Bilanzanalyse werden aus dem Jahresabschluss eines Unternehmens aussagekräftige Kennzahlen über dessen aktuelle und prognostizierte Situation ermittelt. Die Kennziffern bilden die Basis für unternehmerische Entscheidungen in strategischer und operativer Hinsicht.

Die Bilanzanalyse ist somit

  • ein Prozess der Informationsgewinnung und -analyse
  • mit dem Ziel, Erkenntnisse über die aktuelle und zukünftige Lage des Unternehmens
  • im Hinblick auf die Erträge, das Vermögen und die Finanzen zu gewinnen.

Zweck & Ziele der Bilanzanalyse

Stell dir vor: Du setzt dich in dein Traumauto und fährst los. Doch etwas ist seltsam. Auf einmal fängt der Motor an zu stottern. Der Tank ist leer. Und nun kommt auch noch die Polizei auf dich zu! Erst jetzt fällt dir auf, dass die Instrumententafel fehlt. Du hattest zwar die Möglichkeit, das Auto zu steuern, aber du konntest nicht erkennen, ob du es auf die richtige Art und Weise tust.

Du würdest dich niemals in ein solches Auto setzen, richtig? Doch was ist mit deinem Unternehmen? Arbeitest du einfach darauf los und hoffst, dass alles gut ausgeht? Mit Hilfe der Bilanzanalyse kannst du die aktuelle Situation deines Unternehmens beurteilen und eine Prognose für die zukünftige Entwicklung abgeben. Du kannst unerwünschten Entwicklungen rechtzeitig entgegensteuern. Die Bilanzanalyse ist ein mächtiges Informations- und Steuerungsinstrument, mit dem du dein Unternehmen in der richtigen Spur hältst.

Arten der Bilanzanalyse

Die verschiedenen Arten der Bilanzanalyse

Die Bilanzanalyse soll dich mit den richtigen Informationen versorgen. Daher solltest du zunächst überlegen, welche Frage dich im Hinblick auf dein Unternehmen am meisten beschäftigt: Möchtest du wissen, ob dein Unternehmen effektiv arbeitet und ausreichend Erträge erwirtschaftet? Wie steht es um die finanzielle Situation? Kannst du dir die anstehenden Ausgaben leisten? Oder möchtest du die richtigen Entscheidungen treffen, damit dein Unternehmen langfristig eine gute Position auf dem Markt besetzt? Je nach Zielsetzung bieten sich unterschiedliche Methoden der Bilanzanalyse an.

Erfolgswirtschaftliche Bilanzanalyse

Die erfolgswirtschaftliche Bilanzanalyse betrachtet die Ertragskraft des Unternehmens. Unabhängig von steuer- und handelsrechtlichen Einflüssen werden der Gewinn oder der Finanzüberschuss im Zeitverlauf oder in Relation zu anderen unternehmerischen Größen betrachtet.

Finanzwirtschaftliche Bilanzanalyse

Die finanzwirtschaftliche Bilanzanalyse betrachtet in Abgrenzung zur erfolgswirtschaftlichen nicht den Unternehmenserfolg, sondern die finanzielle Situation des Unternehmens: Wie hoch ist der Fremdfinanzierungs-Anteil am Gesamtvermögen? Können anstehende Zahlungen problemlos geleistet werden oder droht dem Unternehmen die Insolvenz?

Horizontale Bilanzanalyse

Bilanzkennziffern stellen in der Regel Verhältniswerte zwischen verschiedenen Bilanzpositionen dar. Die horizontale Bilanzanalyse stellt Aktiva und Passiva, also Vermögen und Schulden, in ein Verhältnis. Dies ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn Liquiditätsengpässe vermieden werden sollen. In diesem Fall werden die kurzfristig liquidierbaren Vermögenswerte (Aktiva) den kurzfristig zu zahlenden Verbindlichkeiten (Passiva) gegenübergestellt.

Vertikale Bilanzanalyse

Werden hingegen die Aktiva untereinander ins Verhältnis gesetzt, so spricht mach von einer vertikalen Bilanzanalyse. Dasselbe gilt für die Positionen auf der Passivseite der Bilanz. Die Eigenkapitalquote – der Anteil des aus eigenen Mitteln aufgebrachten Firmenkapitals am Gesamtkapital – ist eine Kennziffer, die im Rahmen der vertikalen Bilanzanalyse ermittelt wird.

Interne Bilanzanalyse

Die interne Bilanzanalyse hat das Ziel, die Unternehmenssituation klar abzubilden und unternehmerische Entscheidungen auf eine fundierte Basis zu stellen. Die interne Bilanzanalyse erfolgt durch Personen, die Zugriff auf unternehmensinternes Informationsmaterial besitzen. Die Grundlage bilden in der Regel die Steuerbilanz und alle anderen Bestandteile des Jahresabschlusses, wie zum Beispiel die Gewinn- und Verlustrechnung oder der Lagebericht.

Externe Bilanzanalyse

Demgegenüber können nicht dem Unternehmen zugehörige Personen wie Kunden oder Lieferanten lediglich eine externe Bilanzanalyse vornehmen. Sie sind auf öffentlich zugängliches Material wie den Geschäftsbericht oder den publizierten Rechnungsabschluss angewiesen.

Qualitative Bilanzanalyse

Die Qualitative Bilanzanalyse betrachtet anstelle quantitativer Kennziffern die verbale Berichterstattung des Unternehmens. Es werden unter anderem der Lagebericht oder der Anhang zum Jahresabschluss hierfür verwendet.

Strategische Bilanzanalyse

Im Rahmen der strategischen Bilanzanalyse werden die Erfolgsfaktoren für das künftige Unternehmenswachstum untersucht. Dazu gehören die Ressourcen des Unternehmens, insbesondere Humankapital und Wissen, die Ertragsstärke sowie der Marktwert und die strategische Positionierung.

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Bilanzanalyse in 4 Schritten

Du analysierst deinen Jahresabschluss vorzugsweise in einem vierstufigen Prozess.

1. Bilanzlesung

Zunächst verschaffst du dir einen Überblick über alle vorliegenden Daten – beginnend bei der Steuer- und Handelsbilanz über die Gewinn- und Verlustrechnung bis zum Geschäftsbericht und Lagebericht. So bekommst du bereits einen ersten, groben Eindruck von der Situation, in der sich dein Unternehmen befindet.

2. Zeitvergleich

Dann vergleichst du die Zahlen des aktuellen Jahresabschusses mit denen der Vorjahre. Um einen Trend erkennen zu können, solltest du nicht nur auf die letzte Bilanz zurückgreifen, sondern dir die Daten der vergangenen fünf Jahre ansehen. Kannst du ein mittelfristiges Umsatzwachstum erkennen? Wie haben sich die Gewinne entwickelt?

3. Umstellung & Umgliederungen

Vor allem für die Betrachtung der Finanzsituation ist es sinnvoll, lang-, mittel- und kurzfristig gebundenes Kapital zu unterscheiden, und eine entsprechende Gliederung auch bei den Vermögenswerten vorzunehmen. Dafür bringst du nun die Daten deiner Bilanz in eine Ordnung, die dir den bestmöglichen Überblick ermöglicht.

4. Bildung von Kennzahlen

Nun kannst du aussagekräftige Kennzahlen errechnen, die dir auf den ersten Blick zeigen, an welcher Stelle du steuernd eingreifen musst.

Kleine Formelsammlung: die Kennzahlen der Bilanzanalyse

Anlagendeckungsgrad

Eigenkapital x 100 / Anlagevermögen = Anlagedeckungsgrad in Prozent

Wem gehören die Maschinen, die du für dein Unternehmen gekauft hast? Dir oder der Bank, von der du dir Fremdkapital geliehen hast? Eine Aussage darüber gibt der Anlagendeckungsgrad. Dein Unternehmen ist solide finanziert, wenn dein Anlagendeckungsgrad bei 70 Prozent oder darüber liegt.

Eigenkapitalquote

Eigenkapital x 100 / Gesamtkapital = Eigenkapitalquote in Prozent

Die Frage, wie unabhängig du von deinem Kreditgeber bist, kannst du anhand der Eigenkapitalquote erkennen. Der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital des Unternehmens sollte so hoch wie möglich sein. Je niedriger der Eigenkapitalanteil, desto größer ist die Gefahr einer Überschuldung. Generell sollte der Eigenkapitalanteil 50 Prozent vom Gesamtkapital nicht unterschreiten.

Eigenkapitalrentabilität

Gewinn x 100 / Eigenkapital = Eigenkapitalrentabilität

Rechtfertigt der Gewinn, den du mit deinem Unternehmen erwirtschaftest, auch wirklich die Arbeit? Oder verdienst du mehr, wenn du dein Geld einfach in lukrative Finanzprodukte investierst? Diese Frage beantwortet dir die Eigenkapitalrentabilität. Wenn dieses Verhältnis den Zinssatz, den du aus einer alternativen Geldanlage erzielen würdest, übersteigt, bist du auf dem richtigen Weg.

Umsatzrentabilität

Gewinn x 100 / Umsatz = Umsatzrentabilität

Bleibt von deinen Umsätzen so viel Gewinn übrig, dass sich deine unternehmerische Tätigkeit auch lohnt? Diese Frage beantwortet die Umsatzrentabilität. Liegt sie unter 5 Prozent, solltest du schnellstens Kosteneinsparungen in Angriff nehmen.

Cashflow

Jahresüberschuss bzw. Jahresdefizit
+ Abschreibungen
– Zuschreibungen
+ Erhöhungen von langfristigen Rückstellungen
– Verminderungen von langfristigen Rückstellungen
___________________________________________
= Cash-Flow

Der Cashflow bildet den Finanzüberschuss beziehungsweise das Finanzdefizit aus der vergangenen Periode ab. Er stellt einen Indikator für die Wirtschaftskraft deines Unternehmens dar. Kannst du Investitionen aus eigener Kraft tätigen? Oder droht eine Insolvenz?

Liquidität

Liquide (flüssige) Geldmittel x 100 / kurzfristige Verbindlichkeiten = Liquidität 1. Grades

(Liquide Mittel + kurzfristige Forderungen) x 100 / kurzfristige Verbindlichkeiten = Liquidität 2. Grades

Was bringt dir dein Unternehmensgewinn, wenn du die anstehende Reparatur deiner Produktionsanlage nicht bezahlen kannst? Damit dir das nicht passiert, schaue regelmäßig auf deine Liquidität ersten Grades. Wenn du hier zwischen 10 und 30 Prozent liegst, musst du dir keine Sorgen machen. Die Liquidität zweigen Grades stellt deine Zahlungsfähigkeit dar. Sie sollte 100 Prozent nicht unterschreiten.

Kennzahlenorientierte Bilanzanalyse: Kennzahlen bewerten & Interpretation

Du kennst nun verschiedene Kennzahlen. Jetzt musst du diese hinsichtlich ihrer Aussage bewerten und deine Unternehmenslage danach beurteilen. Im Zweifel kannst du aus diesen Kennzahlen noch weitere ableiten. Daraus kannst du genauere Schlüsse ziehen, an welchen Stellen du etwas in deinem Unternehmen verändern musst. Sinnvoll ist es auch, deine Bilanzkennziffern mit allgemeinen Richtwerten abzugleichen. Wie ein Frühwarnsystem informieren dich diese Zahlen darüber, ob dein Unternehmen in Zukunft in Schwierigkeiten geraten könnte.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die goldene Bilanzregel und die goldene Finanzierungsregel:

  • Die goldene Bilanzregel besagt, dass langfristige Vermögenswerte langfristig zu finanzieren sind.
  • Die goldene Finanzierungsregel besagt, dass langfristige Vermögenswerte zu den langfristigen Verbindlichkeiten in einem Verhältnis stehen sollten, das weniger als 100 Prozent ausmacht. Kurz gesagt: Die langfristig gebundenen Vermögenswerte sollten das langfristig aufgenommene Kapital unterschreiten. Demgegenüber sollten jedoch die kurzfristig zu liquidierenden Mittel wie Bankguthaben, Kassenguthaben und Kundenforderungen stets die kurzfristigen Verbindlichkeiten übersteigen, damit das Unternehmen nie in die Gefahr einer Insolvenz gerät.

Bilanzanalysen mit Excel erstellen

Bilanzanalyse-Tool zur Kennzahlenberechnung in Excel

Für die Bilanzanalyse benötigst du keine besondere Software. Ein Tabellenkalkulationsprogramm wie Excel reicht vollkommen aus. Hierzu überträgst du die Daten aus deinem Jahresabschluss in die vorgesehenen Felder des Excel-Sheets. Die Formeln zur Berechnung der einzelnen Kennzahlen sind im Tabellenkalkulationsblatt hinterlegt. So wirft dir Excel schnell die notwendigen Informationen aus.

Dein Vorteil: Du kannst die Kennziffern speichern und im nächsten Jahr einen detaillierten Vergleich im Zeitablauf vornehmen.

Excel Vorlagen

Auf dem Markt gibt es bereits zahlreiche Excel-Vorlagen, die du an deinen eigenen Informationsbedarf anpassen kannst. Du kannst dir jedoch ein Excel-Arbeitsblatt auch selbst erstellen. Alternativ zu Microsoft Excel kannst du zum Beispiel auch auf das Tabellenkalkulationsprogramm von Open Office zurückgreifen.

Nadine Müller

Organisationstalent mit ausgeprägtem Designempfinden. Mit diesen beiden Schlagworten lässt sich Nadine’s Wesen im beruflichen Kontext wohl am treffensten beschreiben. Für sevDesk kreiert sie als Content Marketing Managerin Inhalte, die für dich als Nutzer wirklichen Mehrwert schaffen. Den Beweis findest du auf diesem Blog.

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