Gewerbesteuer berechnen – Freibeträge & Beispiele auf einen Blick

Die Gewerbesteuer ist eine Gemeindesteuer, welche jeder Gewerbetreibende an die Gemeinde zahlt, in der sich sein Geschäftssitz befindet. Da für die Berechnung des Steuersatzes nicht nur die Gewinne, sondern noch weitere Faktoren entscheidend sind, kann es mitunter schwer fallen, die tatsächliche Steuerlast zu ermitteln. Der folgende Artikel soll zunächst Aufschluss über die Eigenheiten der Gewerbesteuer von der Berechnung bis zur Abführung geben und in diesem Rahmen wichtige Fragen klären.

Das erwartet dich heute:

Wer muss Gewerbesteuer bezahlen?

Grundsätzlich muss jeder Gewerbetreibende die Gewerbesteuer auf seinen Gewerbeertrag bezahlen. Ein Gewerbetreibender bist du, sobald du im Rahmen der Unternehmensgründung einen Gewerbeschein erworben hast. Infolgedessen besteht auch die Gewerbesteuerpflicht. Jedoch gibt es hier auch Ausnahmen. So sind zum Beispiel Freiberufler, zu denen etwa Ärzte, Journalisten und Steuerberater gehören, nicht verpflichtet, ein Gewerbe anzumelden und dementsprechend von der Gewerbesteuer befreit. Das gleiche gilt auch für forst- und landwirtschaftliche Betriebe.

Wann wird die Gewerbesteuer fällig?

Wann wird die Gewerbesteuer fällig?
Für die Fälligkeit der Gewerbesteuer gelten gewisse Voraussetzungen, die durch den Gewerbebetrieb erfüllt sein müssen. So wird die Gewerbesteuer erst fällig, wenn der jährliche Gewinn des Gewerbebetriebs einen Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro übersteigt. Allerdings profitierst du von diesem Freibetrag nur, wenn du ein Einzelunternehmen oder eine Personengesellschaft führst, wie etwa eine GbR oder KG. Bei einer Kapitalgesellschaft hingegen gilt die Regelung mit dem Freibetrag nicht. Der Freibetrag auf die Gewerbesteuer wird gewährt, da Einzelunternehmen sowie Personengesellschaften zum Beispiel den Unternehmerlohn nicht als Betriebsausgabe abführen können. Im Gegenzug erhalten sie den Freibetrag, der ebenfalls zu einer steuerlichen Entlastung führt.

Ab wann muss ich Gewerbesteuer zahlen?

Sobald der Jahresgewinn deines Gewerbebetriebs den Freibetrag übersteigt, bist du verpflichtet, Gewerbesteuer zu bezahlen. Die Höhe der Gewerbesteuer wird beim Jahresabschluss durch das zuständige Finanzamt festgelegt. Ist dein Betrieb gewerbesteuerpflichtig, so musst du in den darauffolgenden Wirtschaftsjahren jedoch eine Gewerbesteuervorauszahlung leisten, wie es etwa auch bei der Umsatzsteuer der Fall ist. Die Gewerbesteuervorauszahlung wird quartalsweise zum 15. des Monats fällig.

Wie berechnet sich die Gewerbesteuer genau?

Erzielt ein Unternehmen einen Jahresgewinn von mindestens 24.500 Euro besteht die Gewerbesteuerpflicht für das Unternehmen. Das heißt, das Unternehmen muss die Gewerbesteuer an die zuständige Gemeinde entrichten. Hierfür musst du als Unternehmer die Gewerbesteuer berechnen. Die Berechnung ist mithilfe einer Formel möglich, in die du jedoch viele individuelle Parameter einfügen musst, um zum exakten Ergebnis zu kommen.

Tipp:

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Bemessungsgrundlage der Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer wird auf Basis des Gewerbeertrags deines Gewerbebetriebes bemessen. Der Gewerbeertrag setzt sich aus dem Gewinn zusammen, der nach dem Einkommens- beziehungsweise Körperschaftssteuerrecht ermittelt wird. In der Regel wird als Bemessungsgrundlage der Gewinn oder Verlust des Betriebes herangezogen. Jedoch kann dieser Betrag durch Hinzurechnungen und Kürzungen noch variieren. Durch die Hinzurechnungen beziehungsweise Kürzungen soll der reale Gewerbeertrag eines Gewerbebetriebs abgebildet werden. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass ein Betrieb mit Eigenkapital sowie eigenen Maschinen arbeitet und hierfür fremde Räume anmietet. Mithilfe der Hinzurechnungen und Kürzungen kann so die Ertragskraft eines Betriebes realistisch abgebildet werden.

Zinsen der Gewerbesteuer berechnen

Kommt es zu einer Verzinsung der Gewerbesteuer, so ist dafür eine gesonderte Berechnung notwendig. Nach § 238 HGB betragen die fälligen Zinsen für jeden Monat 0,5 Prozent. Zu zahlen sind sie von jenem Tag an, an dem der Zinslauf beginnt. Allerdings bezieht sich die Berechnung nur auf volle Monate. Weiterhin ist es dir auch bei dieser Steuerart möglich, den zu verzinsenden Betrag abzurunden. Dies ist auf den nächsten durch 50 Euro teilbaren Betrag möglich.

Gewerbesteuerberechnung nach komplexen Regeln

Für die Berechnung der Gewerbesteuer ist es zunächst notwendig, den Gewinn aus dem Gewerbebetrieb heranzuziehen. Diesen kannst du beispielsweise anhand der Angaben aus der Einkommensteuer ermitteln. Im nächsten Schritt betrachtest du Hinzurechnungen und Kürzungen. Im Rahmen einer Hinzurechnung rechnest du dem Jahresgewinn des Betriebs wieder einige Beiträge hinzu, welche im Vorfeld abgesetzt wurden. Dazu zählen zum Beispiel Rentenzahlungen, Mieten, Pachtzinsen oder die Ausschüttung von Gewinnen an stille Teilhaber. Außerdem rechnest du desweiteren für Konzessionen und Lizenzen anfallende Kosten, allerdings nur zu einem Viertel der Gesamtsumme, hinzu.

Ebenso wichtig sind für Unternehmen die möglichen Kürzungen, die eine Doppelbesteuerung verhindern kann. Vom Jahresgewinn kannst du ausländische Gewinne, Auszahlungen an Kapitalgesellschaften und ein möglicher Verlust im Vorjahr abziehen. Das Ziel der Hinzurechnungen und Kürzungen ist eine möglichst gleichmäßig zu erwartende Steuer für alle Gemeinden in Deutschland.

Festsetzung und Zerlegung der Gewerbesteuer

Auf Basis des Gewerbeertrags deines Betriebes wird der Gewerbesteuermessbetrag ermittelt, der für die Berechnung der Gewerbesteuer herangezogen wird. Bekannt gegeben wird dieser vom zuständigen Finanzamt durch den Gewerbesteuermessbescheid. Der Gewerbesteuermessbetrag ergibt sich bei Personen- und Einzelunternehmen durch den Abzug des Freibetrages vom Gewerbeertrag und der anschließenden Multiplikation mit der Steuermesszahl.

Diese beträgt seit der Unternehmenssteuerreform im Jahr 2008 einheitlich 3,5 Prozent für alle gewerbesteuerpflichtigen Unternehmen. Bei Kapitalgesellschaften hingegen wird der Gewerbeertrag ohne Abzug des Freibetrages mit der Steuermesszahl multipliziert. Die endgültige Höhe der Gewerbesteuer ergibt sich aus der Multiplikation des Gewerbesteuermessbetrags mit dem Hebesatz, der je nach Gemeinde unterschiedlich festgelegt wird.

Gewerbesteuerhebesatz

Für jede Berechnung der Steuerbelastung ist der Gewerbesteuerhebesatz von Bedeutung, welchen die Gemeinden selbst festlegt. Laut Gesetzgeber muss dieser mindestens 200 Prozent betragen. Für die praktische Berechnung bedeutet der günstigste denkbare Gewerbesteuerhebesatz von 200 Prozent eine Multiplikation mit 2,0. Ein Hebesatz von 450 Prozent bringt eine Multiplikation mit 4,5 mit sich. Hohe Gewerbesteuern, die auf den Hebesatz zurückzuführen sind, kommen vor allem in Ballungsräumen vor, während ländliche Gebiete ihren Standortnachteil durch eine niedrige Besteuerung ausgleichen möchten.

Die Gewerbesteuer in den einzelnen Bundesländern
Im Gegensatz zur Steuermesszahl ist der Hebesatz nicht einheitlich geregelt und daher vom jeweiligen Standort deines Gewerbetriebes abhängig. Durch die Festlegung des Hebesatzes können die Gemeinden in gewisser Weise Einfluss auf die Ansiedlung von Gewerbebetrieben nehmen. So kann ein hoher Hebesatz durchaus dazu führen, dass Existenzgründer bei der Standortwahl ihres Betriebes abgeschreckt werden, während eine Gemeinde mit niedrigem Hebesatz attraktiver wirkt.

Falls ein Gewerbetrieb mehrere Betriebsstätten vorzuweisen hat, dann wird der Steuermessbetrag auf die einzelnen Gemeinden verteilt.Die Gewerbesteuer stellt für die Gemeinden eine wichtige Einnahmequelle dar. 43,8 Milliarden Euro wurden bundesweit im Jahr 2014 allein durch die Gewerbesteuer eingenommen. Der Hebesatz variiert je nach Bundesland. Allerdings ist dieser nur ein Durchschnittswert, der sich aus den Sätzen der verschiedenen Gemeinden ergibt. Nachfolgend eine Übersicht der Gewerbesteuerhebesätze in Deutschland:
Bundesland Durchschnittlicher Gewerbesteuerhebesatz in Prozent Minimaler Gewerbesteuerhebesatz in Prozent Maximaler Gewerbesteuerhebesatz in Prozent

BundeslandDurchschnittlicher Gewerbesteuerhebesatz in ProzentMinimaler Gewerbesteuerhebesatz in ProzentMaximaler Gewerbesteuerhebesatz in Prozent
Baden-Württemberg350,7265450
Bayern338,4230490
Berlin410410410
Bremen460460460
Hamburg470470470
Hessen379,5285480
Mecklenburg-Voprommern339200465
Niedersachsen371,9300500
Nordrhein-Westfalen448,2260550
Rheinland-Pfalz372,7320900
Saarland419,3360490
Sachsen394,2300490
Sachsen-Anhalt348,9237507
Schleswig-Holstein343,3250450
Thüringen378,4240470

Der Gewerbesteuer-Freibetrag

Bei der Berechnung der Gewerbesteuer profitierst du, wenn du dich für die Gründung eines Einzelunternehmens oder einer Personengesellschaft entscheidest. In diesem Fall kannst du einen Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro in Anspruch nehmen, der nicht auf den Gewerbeertrag deines Betriebes angerechnet werden kann. Auch für Betriebe, die nur einen geringen Gewerbeertrag erwirtschaften, stellt der Freibetrag eine steuerliche Erleichterung dar.

Sollte dein Jahresgewinn unter der Grenze von 24.500 Euro liegen, dann entfällt die Gewerbesteuer gänzlich, da in einem solchen Fall kein Gewerbeertrag vorhanden ist, der versteuert werden muss. Vor allem bei der Existenzgründung ist dies von Vorteil, wenn sich der Betrieb noch im Aufbau befindet. Zwar werden Einzelunternehmen und Personalgesellschaften in Bezug auf die Gewerbesteuer gegenüber Freiberuflern benachteiligt. Dafür hast du hier jedoch die Möglichkeit, die Steuerbelastung auf deine Einkommensteuer anrechnen zulassen, wodurch diese wiederum sinkt.

Die Formel zur Berechnung der Gewerbesteuer

Letztlich kommt bei der Berechnung der Steuerlast die unten stehende Formel zum Einsatz. Wichtig für die Berechnung ist neben dem örtlichen Hebesatz der Gemeinde auch der Gewerbesteuermessbetrag.

Gewerbesteuermessbetrag x der örtliche Gewerbesteuerhebesatz = Zu zahlende Gewerbesteuer

Gewerbeertrag x 0,035 (3,5 Prozent) = Gewerbesteuermessbetrag

Um den für die Berechnungsformel relevanten Gewerbesteuermessbetrag zu kalkulieren, ist allein der gekürzte Gewerbeertrag erforderlich. Aus der Rechnung Gewerbeertrag x 0,035 (3,5 Prozent) ergibt sich der relevante Messbetrag, mit dessen Hilfe du die zu zahlende Gewerbesteuer genau berechnen kannst.

Anhand eines Beispiels lässt sich die vollständige Erfassung der anfallenden Kosten leichter überblicken:

Nachdem ein Unternehmen den Steuerfreibetrag von 24.500 Euro vom Jahresgewinn abzieht und alle Kürzungen und Hinzurechnungen vornimmt, ergibt sich ein Gewerbeertrag von 100.000 Euro für das zurückliegende Geschäftsjahr. Der örtliche Hebesatz der Gemeinde beträgt 320 Prozent. Der Gewerbesteuermessbetrag lässt sich leicht auf der Basis des Gewerbeertrags berechnen: 100.000 x 0,035 = 3.500.

Nun können alle relevanten Parameter in die zweite Formel eingesetzt werden:

3.500 x 3,2 = 11.200 Euro

Für das zurückliegende Geschäftsjahr müsste das Unternehmen nach dieser Rechnung mit einer Steuerlast von 11.200 Euro rechnen, die es bereits auf der Grundlage der individuellen Faktoren ermittelt hat.

Berechnung der Gewerbesteuer

Berechnung der Gewerbesteuer

Wie wird die Gewerbesteuer abgeführt

Bereits bei der Anmeldung des Gewerbes wird beim Finanzamt das zu erwartende Einkommen in das dafür vorgesehene Formular eingetragen. Dieses landet in den Akten des Amts und wird zum Ausgangspunkt für den Steuerbescheid der Gewerbesteuer. Dieser findet sich dann automatisch im Briefkasten wieder, sobald die erste Entrichtung fällig ist. Der Bescheid listet detailliert auf, wie genau das Unternehmen die Höhe der Gewerbesteuer berechnet hat und welches Datum für den Zahlungseingang festgesetzt wurde. Die entsprechende Summe sollte dann spätestens zum Stichtag an das Finanzamt überwiesen werden, welches seine Bankverbindung zu diesem Zweck ins Schreiben integriert.

Die Gewerbesteuer in der Steuererklärung

Auf den ersten Blick scheint es, als würden Freiberufler in allen Belangen bessergestellt als Gewerbetreibende. Freiberufler, wie etwa Ärzte, Architekten und Journalisten, sind zwar von der Gewerbesteuer gänzlich befreit. Allerdings kannst du die Steuerbelastung, die durch die Gewerbesteuer entsteht, in deiner Einkommensteuererklärung geltend machen. Auf diese Weise profitierst du von einer weiteren steuerlichen Entlastung und bist im Endeffekt nicht schlechter gestellt als ein Freiberufler.

Gewerbesteuer Hinzurechnungen

Bereits seit dem Jahr 2008 werden Hinzurechnungen bei der Ermittlung der Gewerbesteuer eingeplant. In der Zwischenzeit kam es immer wieder zu Differenzen zwischen den Gewerbetreibenden und dem Finanzamt. Generell werden Schuldzinsen, Mieten, Pachten und Lizenzen hinzugerechnet gewinnmindernd verbucht. Aus dem Steuerbescheid geht hervor, in welchen Anteilen die einzelnen Posten angerechnet wurden. Nach § 8 Nr. 1 GewStG sind die Hinzurechnungen nur dann relevant, wenn ein Freibetrag von 100.000 Euro vom Unternehmen überschritten wird.

Gewerbesteuerrückstellung berechnen

Bei ordnungsgemäßer Buchführung ist die Gewerbesteuerrückstellung für Unternehmen ein zulässiges Mittel zur Reduktion der Steuerlast. Wurde der Gewerbeertrag ermittelt, so kann die Rückstellung in der Handelsbilanz ausgewiesen werden. Für die Berechnung ist es zunächst notwendig, den Gewerbesteuermessbetrag zu berechnen. Dieser ergibt sich aus der Multiplikation des Gewerbeertrags mit den 3,5 Prozent. Bei einem Gewerbeertrag von 80.000 Euro und einem Hebesatz von 400 Prozent ergibt die Berechnung eine handelsrechtliche Rückstellung von 11.200 Euro, welche in die Steuerbilanz zu übernehmen ist.

Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer

Jede Körperschaft in Deutschland ist weiterhin dazu verpflichtet, Körperschaftssteuer zu zahlen. Für eine GmbH wird das nach dem Körperschaftsteuergesetz vorliegende zu versteuernde Einkommen ermittelt. Bei diesem Schritt wird auch die Gewerbesteuer erneut hinzugerechnet. Die Körperschaftsteuer selbst beträgt einheitlich 15 Prozent plus Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent).Während die Körperschaftssteuer ausschließlich für Kapitalgesellschaften oder Genossenschaften anfällt, betrifft die Gewerbesteuer alle Gewerbetreibenden, mit der Ausnahme freier Berufe und der Landwirtschaft. Während die Körperschaftssteuer einstufig festgesetzt ist, erfolgt die Festsetzung der Gewerbesteuer gemeinsam vom Finanzamt und der Kommune.

Berechnung der Gewerbesteuer für Einzelunternehmen und Personengesellschaften

Die Berechnung für Einzelunternehmen und Personengesellschaften läuft nach dem gleichen Muster ab. Der Gewinn aus dem Gewerbe wird um den Hinzurechnungsbeitrag erweitert und um den Kürzungsbeitrag gekürzt. Entscheidend ist nun der weitere Freibetrag, den die Unternehmen vom zu versteuernden Betrag abziehen können. Dieser liegt bei 24.500 Euro und hat dadurch einen erheblichen Einfluss auf die Steuerlast. Nach der Verrechnung mit dem Feiertag wird der Maßgebende Gewerbeertrag mit der Messzahl von 3,50 Prozent multipliziert, das Ergebnis muss nur noch mit dem Hebesatz verrechnet werden.

Beispiel der Berechnung

Der Gewerbeertrag für ein Einzelunternehmen beziehungsweise eine Personengesellschaft berechnet sich wie folgt:
Gewerbeertrag 100.500 €
– Freibetrag 24.500 €
———————————————-
Gewerbeertrag 76.000 €
Der Gewerbesteuermessbetrag wird auf Basis dieser Formel ermittelt:
76.000 € * 3,5 % = 2.660 €
Bei einem Hebesatz von zum Beispiel 400 Prozent wird die Grundsteuer folgendermaßen berechnet:
2.660 € * 400 % = 10.640 €

Berechnung der Gewerbesteuer für Kapitalgesellschaften

Ein entscheidender Unterschied der Gewerbesteuer Berechnung für Kapitalgesellschaften liegt bereits bei der Ermittlung des Gewinns vor. Zunächst wird dieser Betrag mit dem Hinzurechnungsbeitrag und dem Kürzungsbeitrag verrechnet, wie bei einer Kapitalgesellschaft. Nun steht der Kapitalgesellschaft jedoch kein Freibetrag zur Verfügung, den sie geltend machen kann. Dadurch fällt die Steuerlast insgesamt höher aus, was sich jedoch aufgrund der höheren Umsätze und Gewinne, die eine Kapitalgesellschaft typischerweise auszeichnen, wieder relativiert.

Beispiel der Berechnung
Der Gewerbeertrag in Höhe von zum Beispiel 100.000 Euro wird für die Berechnung der Gewerbesteuer ohne Abzug des Freibetrags übernommen. Daraus ergibt sich folgende Berechnung für die Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrags:
100.000 € * 3,5 % = 3.500 €
Bei einem Hebesatz von 400 Prozent ergibt sich der folgende Betrag zur Festlegung der Grundsteuer:
3.500 € * 400 % = 14.000 €

Gewerbesteuer berechnen – Beispiel

Ein kleiner Handwerksbetrieb blickt nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr auf einen Gewinn von 70.000 Euro. Die Ermittlung der Hinzurechnungen ergibt eine Summe von 8.000 Euro. Gleichzeitig ist der Betrieb dazu in der Lage, einen ansehnlichen Kürzungsbetrag aufzubauen, da noch im Vorjahr kleine Verluste eingefahren werden mussten. Der Kürzungsbetrag beläuft sich insgesamt auf 5.000 Euro.

Der lokale Hebesatz ist mit 320 Prozent vergleichsweise günstig. In einem ersten Schritt wird der Gewerbeertrag aus dem Gewinn (70.000 EUR), dem Hinzurechnungsbetrag (8.000 EUR) und dem Kürzungsbetrag (5.000 Euro) berechnet, von dem noch der Freibetrag (24.500 EUR) abzuziehen ist. Diese Summe von 48.500 Euro wird direkt mit 0,035 (3,5 Prozent) multipliziert. Daraus ergibt sich der Steuermessbetrag von 1.697,50 Euro.

Doch diese Summe entspricht noch nicht der zu zahlenden Gewerbesteuer, da noch keine Verrechnung mit dem örtlichen Hebesatz stattfand. In diesem Beispiel liegt dieser bei 320 Prozent, was eine Multiplikation mit 3,2 zur Folge hat. Die zu zahlende Gewerbesteuer für den Betrieb beträgt damit in diesem Jahr 5.432,00 Euro.

Wird die Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer angerechnet?

Nach § 35 EStG haben Unternehmen in Deutschland die Möglichkeit, eine pauschale Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer geltend zu machen. Dieser Paragraf soll die Benachteiligung von gewerblichen Einzelunternehmen gegenüber Freiberuflern, oder Land- und Forstwirten ausgleichen, die nicht der Gewerbesteuer unterliegen. Die vollständige Anrechnung auf die Einkommensteuer ist für Einzelunternehmer, Mitunternehmer und persönlich haftende Gesellschafter einer KGaA vorgesehen.

Für Kapitalgesellschaften besteht diese Form des steuerlichen Ausgleichs dagegen nicht. Der im obigen Beispiel genannte Handwerksbetrieb wäre dazu fähig, die Gewerbesteuer nach § 35 EStG in Gänze auf die Einkommensteuer anzurechnen. Daraus würde sich eine Einkommensteuerermäßigung von ebendiesen 5432,50 Euro ergeben. Die effektive Belastung, welche durch die Gewerbesteuer entsteht, liegt damit bei 0,00 Euro. Es kommt in dieser Situation folglich nicht zu einer Erhöhung der Steuerlast, die den Reingewinn des Betriebs schmälern könnte.

Vorauszahlung der Gewerbesteuer

Mit der Abgabe der Gewerbesteuererklärung wird der Gewerbesteuermessbetrag von deinem zuständigen Finanzamt ermittelt. Sobald dein Betrieb gewerbesteuerpflichtig ist, legt das Finanzamt eine Vorauszahlung auf die Gewerbesteuer fest, die du im Voraus für das folgende Wirtschaftsjahr entrichten musst. Regulär wird diese Vorauszahlung quartalsweise fällig. Für Existenzgründer ist es daher besonders wichtig, dass zum Zeitpunkt der Fälligkeit ausreichend Liquidität besteht, um die Vorauszahlung der Gewerbesteuer pünktlich leisten zu können.

Abführen der Gewerbesteuer

Wann ist sie fällig?

Noch immer herrscht in Unternehmen Unklarheit darüber, wann sie die Gewerbesteuer abführen müssen. Dabei wird die Steuer quartalsweise an das Finanzamt abgeführt. Zum Stichtag entwickelte sich der 15. Tag des Folgemonats, weshalb entsprechende Zahlungen in den Monaten Februar, Mai, August und November fällig sind. Einmal pro Jahr ist es zudem notwendig, eine Gewerbesteuererklärung einzureichen.

An wen wird abgeführt?

Die Abführung der Gewerbesteuer erfolgt direkt an das Finanzamt. Der Steuerbescheid, welcher die Fälligkeit ankündigt, stellt allerdings die jeweilige Gemeinde aus. Letztlich kommt die Gewerbesteuer den kommunalen Zwecken zugute und soll besonders dem Erhalt und Ausbau der Infrastruktur dienen, auf welche die Betriebe für die Erwirtschaftung ihres Gewinns wiederum zurückgreifen.

Tipp!

Eine Gewerbeanmeldung ist ein spannender und wichtiger Prozess auf deinem Weg in die Selbständigkeit. Damit alles reibungslos funktioniert, solltest du mit einer Checkliste arbeiten.

Regelung bei Unternehmen mit Filialen in verschiedenen Gemeinden

Ist ein Unternehmen in mehreren Gemeinden ansässig, so wird eine Steuerzerlegung auf die beteiligten Gemeinden vorgenommen. Dabei muss das Unternehmen genau berechnen, welche Anteile auf die einzelnen Gemeinden entfallen. Nach § 29 GewStG werden die in den Gemeinden gezahlten Arbeitslöhne zum Zerlegungsmaßstab. Bei der Vermittlung der Verhältniszahlen ist damit auf volle 1.000 Euro zu runden.

Beispiel für die Zerlegung:

Für eine GmbH wird ein Steuermessbetrag von 4.000 Euro festgesetzt. Diese unterhält in Gemeinde A eine Betriebsstätte, deren Arbeitslöhne 40.000 Euro betragen. Der Hebesatz beträgt 200 Prozent. In der Gemeinde B belaufen sich die Arbeitslöhne der Betriebsstätte auf 160.000 Euro. Der Hebesatz liegt bei 450 Prozent.

Die Zerlegung berechnest du folgendermaßen:

  • 100 / 200.000 (Summe aller Arbeitslöhne) x 40.000 (Arbeitslohn Gemeinde A) = 20 Prozent
  • 100 / 200.000 x 160.000 (Arbeitslohn Gemeinde B) = 80 Prozent

Mithilfe der Prozentsätze kann das Unternehmen nun den anteilige Steuermessbetrag bestimmen. Für Gemeinde A entspricht dieser 20 Prozent des Steuermessbetrags von 4.000 Euro, also 800 Euro. Da nach der obigen Rechnung stolze 80 Prozent auf die Gemeinde B entfallen, liegt der anteilige Steuermessbetrag bei 3.200 Euro. Im nächsten Schritt verrechnet das Unternehmen die Summen dann mit den lokalen Hebesätzen.

Wer ist befreit von der Zahlung?

Freiberufler bestimmter Klassifikationen sind in Deutschland von der Entrichtung der Gewerbesteuer befreit. Nach dem Einkommensteuergesetz trifft diese Beschreibung auf alle Katalogberufe, katalogähnliche Berufe und Tätigkeitsberufe zu. Tätigkeitsberufe umfassen etwa künstlerische, wissenschaftliche oder schriftstellerische Tätigkeiten. Katalogberufen fassen etwa Heilberufe, Rechts-, Steuer- und wirtschaftsberatende Berufe sowie Kulturberufe und technische Berufe zusammen. Schauspieler, Reitlehrer, Masseur oder Ergotherapeut zählen dagegen als katalogähnlich, was ebenfalls den Status des Freiberuflers mit sich bringt.

Seit mehr als 70 Jahren hält sich diese Befreiung der Freiberufler bereits. Zurückzuführen ist sie vor allem auf die geringe Belastung der Infrastruktur durch die Freiberufler. Auch Kleinunternehmen zahlen aus diesem Grund kaum Gewerbesteuer. In der Land- und Forstwirtschaft liegt die Besonderheit der Flächengebundenheit der Betriebe vor. Gewinne sind besonders vom Boden und den Wetterbedingungen abhängig, was in den Augen des Gesetzgebers eine Differenzierung ermöglicht. Gleichsam gibt es andere Steuerbelastungen, untern welchen diese Berufsgruppen liegen. Dazu zählt zum Beispiel die Grundsteuer, die häufig als Ausgleich dieses Vorteils gilt.

Kritk

Die Gewerbesteuer ist ein Thema, das immer wieder in der Kritik steht. Dies geht sogar soweit, dass die Erhebung der Gewerbesteuer als verfassungsrechtlich bedenklich angesehen wird. Grund hierfür ist die Bevorzugung der freien Berufe, die von der Gewerbesteuerpflicht vollständig ausgenommen sind. Allerdings teilt das Bundesverfassungsgericht diese Ansicht nicht, weshalb entsprechende Klagen auch ausnahmslos zurückgewiesen werden.

Fazit

Die Gewerbesteuer ist für die Gemeinden eine wichtige Einnahmequelle, die von allen Gewerbetreibenden entrichtet werden muss – sofern der Freibetrag überschritten wird. Auch wenn Forst- und Landwirtschaftsbetriebe sowie Freiberufler bei der Gewerbesteuer ausgenommen werden, so erhalten Gewerbetreibende dadurch wiederum Vorteile bei der Einkommensteuer.

Alisha Meier

Um seine Zielgruppe im Internet zu begeistern muss man kreativ sein. Alisha besitzt diese Kreativität und weiß als Content Marketerin bei sevDesk, welche Inhalte im Netz funktionieren. Im Blog beschäftigt sie sich mit sämtlichen Kreativthemen und versucht Selbstständige zu inspirieren.

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