Nutzungsrechte berechnen - Zusammensetzung & Beispiele

Es gibt einige Berufe, in denen du Nutzungsrechte berechnen musst, um diese später deinen Kunden auf ihrer Rechnung ausweisen zu können. Das bedeutet, dass du sowohl in deinen Angeboten als auch später beim Rechnung schreiben für eine klare Transparenz gegenüber dem Kunden sorgst. Für deine Arbeit, beispielsweise als freiberuflicher Webdesigner oder Grafikdesigner ist es aber nicht unüblich, dass du Nutzungsrechte an einem Werk hast, welches von dir angefertigt wird. Sehr oft kommt dies etwa als Nutzungsrechte für Bilder vor. Wichtig ist, dass du Nutzungsrechte nicht mit dem Urheberrecht verwechselst.

Das erwartet dich heute:

Was sind Nutzungsrechte?

Die Nutzungsrecht Definition besagt, dass es sich um das Recht von einem Rechtssubjekt aus einem bestehenden Vertrag handelt und erlaubt, fremde Sachen oder Rechte zu nutzen. Doch was bedeutet dies genau?

Nutzungsrechte berechnen sind in vielen Branchen üblich. So werden vor allem in Berufsgruppen wie Texter, Fotografen oder Designer sehr oft Nutzungsrechte berechnet. Warum dies so ist, lässt sich einfach erklären. Nehmen wir mal an, dass du als freiberuflicher oder selbstständiger Fotograf, Webdesigner, Illustrator oder Texter arbeitest und für deine Kunden eine Dienstleistung verrichtest. Für diese Leistung wendest du eine gewisse Arbeitszeit auf. Diesen Zeitaufwand kannst du in deiner Rechnung pauschal abrechnen oder dich nach Stunden bezahlen lassen. Zusätzlich zur Leistung erbringst du für den Kunden noch eine weitere Leistung. Den Text, das Foto oder das Design, was du für ihn entwickelst, kann er auf vielfältige Weise weiter nutzen. So bekommt er beispielsweise eine zweite Leistung von dir. Für diese weitere Nutzung berechnest du die Nutzungsrechte. Dies können etwa Nutzungsrechte für Bilder sein oder allgemeine Bildrechte als Nutzungsrechte. Mit der Berechnung findet nicht nur eine Übertragung von Nutzungsrechten statt, sondern du wirst die Nutzungsrechte verkaufen, und zwar an deine Kunden.

Der Unterschied zwischen Nutzungsrecht und Urheberrecht

Nutzungsrecht und Urheberrecht darfst du auf keinen Fall verwechseln. Betrachtest du dir das Urheberrecht, dann geht daraus hervor, dass ein Urheber jemand ist, von dem ein bestimmtes Werk geschaffen wird. Das kann beispielsweise in den Bereichen Kunst, Musik, Literatur etc. geschehen. Dieses Werk stellt eine geistige und persönliche Schöpfung dar. Um damit auch etwas im Sinne des Urheberrechts zu schaffen, muss ein gewisses Level an Individualität vorliegen. Aus diesem Grund ist hier auch ganz offiziell von der Gestaltungshöhe oder der Schöpfungshöhe die Rede. Mit der Schaffung von einem solchen Werk entsteht in Folge das Urheberrecht, welches allerdings nicht verkauft werden kann. Selbstverständlich aber ist es möglich, diese Werke oder Schöpfungen zu kaufen.

Es ist aber durchaus möglich, dass du dir für die Nutzung von Werken auch zur ausschließlichen Nutzung ein Recht sicherst. In diesem Fall wird dann vom Nutzungsrecht gesprochen. Sehr häufig verbreitet sind beispielsweise die Nutzungsrechte für Bilder.

Urheberrechte vs. Nutzungsrechte
Urheberrechte und Nutzungsrechte im Vergleich

Beispiel:

Du als Fotograf erstellst beispielsweise für einen Kunden Bilder einer Hochzeit. Damit der Kunde diese Bilder später uneingeschränkt nutzen kann, werden die Nutzungsrechnung auf ihn übertragen.

Wofür gibt es Nutzungsrechte?

Die Übertragung von Nutzungsrechten ist eine wichtige Vereinbarung zwischen dir und deinen Kunden. Du erteilst deinem Kunden die Erlaubnis, deine Werke in einem Umfang zu nutzen, der von dir vorher festgelegt wird. Die Erlaubnis zu erteilen und beispielsweise Bildrechte als Nutzungsrechte zu übertragen, ist immer ein geltendes Recht von dir als Urheber. Dieses Nutzungsrecht und das Urheberrecht sind gemeinsam im Urheberrechtsgesetz in § 31 geregelt.

  • Als Urheber kannst du einer anderen Person die Erlaubnis erteilen, dein Werk auf eine bestimmte oder eine uneingeschränkt zu nutzen. Es steht dir frei, dieses Nutzungsrecht entweder als einfaches als auch als ausschließliches Recht einzuräumen. Dies kann entweder zeitlich, räumlich oder inhaltlich beschränkt werden.
  • Werden von dir bei der Erlaubnis zum Nutzungsrecht nicht alle Arten der Nutzung genau bezeichnet, so gelten die Nutzungsarten, welche du und dein Kunde gemeinsam vereinbart haben.

Nutzungsrechte sind also genauer gesagt für dich als Ersteller bzw. Schöpfer eines Werkes von Vorteil, weil du Nutzungsrechte berechnen kannst und damit Geld verdienst. Aber auch der Kunde profitiert von den Nutzungsrechten, weil er dein Werk weiter verwenden kann. Nachfolgend ein Überblick, wie Nutzungsrechte dir als Leistungserbringer als auch deinem Kunden helfen.

Vorteile Nutzungsrechte Leistungserbringer

  • Du stellst sicher, dass dein Kunde keinen wirtschaftlichen Erfolg mit deinem Werk erzielen kann.
  • Du kannst festlegen, in welchem Umfang und durch wen dein Werk genutzt werden kann.
  • Je nach Art der Nutzung kannst du möglicherweise deine Werke mehrfach nutzen.

Vorteile Nutzungsrechte Kunde

  • Der Kunde erhält die Erlaubnis dein Werk in einem vereinbarten Umfang nutzen zu können.
  • Der Kunde kann die Nutzung deines Werkes durch andere ausschließen.
  • Beim Erwerb der Nutzungsrechnung können die Kosten für den Kunden jederzeit geplant werden.

Wie setzt sich die Vergütung von Nutzungsrechten zusammen?

Bei der Berechnung der Vergütung von Nutzungsrechten musst du ein paar verschiedene Faktoren beachten, die Einfluss auf die Höhe deiner Vergütung haben.

Beim Nutzungsrechte berechnen musst du Folgendes beachten:

  • Um welche Art der Nutzung handelt es sich? Dies kann die beschränkt oder die uneingeschränkte, also die exklusive Nutzung sein.
  • Für welches Gebiet soll die Nutzung gelten? Dies kann ein regionaler Einsatzort sein, aber auch ein nationaler, auf europäischer Ebene oder internationaler Ebene.
  • Wie lange beträgt die Zeit der Nutzungsdauer? Mögliche Nutzungsdauern reichen hier von einem Jahr über 5 Jahre oder 15 Jahre oder ohne jegliche zeitliche Beschränkung.
  • Wie gestaltet sich die Nutzungsart? Darf der Kunde dein Werk nur für die angedachte Verwendung nutzen, also je nach Auftragsart oder erteilst du auch die Erlaubnis für spätere Anwendung und Nutzung in Druck oder Web?

Aus diesen Punkten ergeben sich bestimmte Faktoren gemäß AGD, welche eine große Bedeutung für die Berechnung der Nutzungsrechte haben.

So berechnest du deine Nutzungsrechte

Um die Nutzungsrechte berechnen zu können, gehst du immer von einem von dir festgelegten Preis aus, der sich nach deinem Arbeitsaufwand und deiner Arbeitszeit richtet. Überdies spielen für die Berechnung die oben genannten Nutzungsfaktoren eine wichtige Rolle.

Hier diese Faktoren noch einmal zur Erinnerung:

  • Nutzungsgebiet nach geografischer Einteilung.
  • Vereinbarte Nutzungsdauer.
  • Der Umfang und die Art der Nutzung.

Für jeden dieser Faktoren gibt es die Faktoren gemäß AGD. Die Abkürzung AGD steht dabei für Allianz deutscher Designer. Sie lauten wie folgt:

  • Art der Nutzung: einfach/zweckgebunden 0,2 / ausschließlich/nicht zweckgebunden 1,0
  • Nutzungsgebiet: regionale Nutzung 0,1 / nationale Nutzung 0,3 / europaweite Nutzung 1,0 / weltweite Nutzung 2,0
  • Nutzungsdauer: 1 Jahr 0,1 / Nutzungsdauer 5 Jahre 0,3 / Nutzungsdauer 10 Jahre 0,5 / Nutzungsdauer unbegrenzt 1,5
  • Umfang der Nutzung: gering 0,1 / mittel 0,3 / groß 0,7 / umfangreich 1,0

Hier siehst du nochmal alle Nutzungsrechte Faktoren im Überblick:

Faktoren der Nutzungsrechte

Beispiele wie du deine Nutzungsrechte berechnest

Sicherlich ein bisschen verwirrend mit diesen ganzen Faktoren und deren Werten. Zum besseren Verständnis sollen dir zwei Beispiele helfen zu verstehen, wie du Nutzungsrechte berechnen kannst.

Beispiel 1: Nutzungsrechte Design berechnen

Ein Start-up Unternehmen hat dich mit der Schaffung von einem Corporate Design beauftragt. Dein Stundensatz liegt bei einem Betrag von 75 € und für diesen Auftrag planst du eine Arbeitszeit von 12 Stunden ein. Das bedeutet, dass du auf einen Gesamtpreis für deinen Arbeitsaufwand von 900 € kommst. Nun kommen die aufgeführten Faktoren dazu, welche du mit dem Kunden vereinbart hast.

  • Nutzung national und uneingeschränkte zeitliche Nutzung
  • Für den Nutzungszweck wünscht dein Kunde keine Festlegung der Zweckverwendung

Daraus würdest du für die Nutzungsrechte Design folgendes berechnen:

  • Honorar für deinen Arbeitsaufwand: 900 €
  • Nationales Nutzungsgebiet: Faktor x0,3
  • Zeitlich unbeschränkte Nutzungsdauer: Faktor x1,5
  • Nutzung ohne Zweckbindung: Faktor x1,0
  • Für die Berechnung der Nutzungsrechte ergibt sich ein Gesamtfaktor von 2,8 (0,3 + 1,5 + 1,0) und somit eine Summe von 2.520 €

Das bedeutet, dass der Kunde dir für diesen Auftrag 900 € Honorar plus Nutzungsrechte Design in Höhe von 2.520 € zahlen muss. Du verdienst also an diesem Auftrag 3.420 € (netto).

Beispiel 2: Nutzungsrechte Fotos berechnen

Ein regionales Unternehmen hat dich beauftragt, zu Marketingzwecken etliche Fotos zu bestimmten Motiven zu schießen. Dein Stundensatz liegt auch in diesem Falle bei einem Betrag von 75 € und für diesen Auftrag planst du eine Arbeitszeit von 12 Stunden ein. Das bedeutet, dass du auf einen Gesamtpreis für deinen Arbeitsaufwand von 900 € kommst. Nun kommen die aufgeführten Faktoren dazu, welche du mit dem Kunden vereinbart hast.

  • Honorar für deinen Arbeitsaufwand: 900 €
  • Europaweites Nutzungsgebiet: Faktor x1,0
  • Nutzungsdauer für 10 Jahre: Faktor x0,5
  • Nutzung ohne Zweckbindung: Faktor x1,0
  • Für die Berechnung der Nutzungsrechte ergibt sich ein Gesamtfaktor von 2,5 (1,0 + 0,5 + 1,0) und somit eine Summe von 1.800 €

Das bedeutet, dass der Kunde dir beim Nutzungsrechte für Bilder berechnen 900 € Honorar plus Nutzungsrechte Bilder in Höhe von 1.800 € zahlen muss. Du verdienst also an diesem Auftrag 2.700 Euro (netto).

Achtung:

Gleiche Vorgehensweise kannst du beispielsweise auch beim Nutzungsrechte für Illustrationen berechnen oder Nutzungsrechte für Grafikdesign berechnen anwenden. Wichtig ist immer, dass du die einzelnen Faktoren beachtest und zunächst immer die Kosten für deinen Arbeitsaufwand festlegst.

Warum sind Nutzungsrechte so wichtig?

Du solltest immer darauf achten, dass du Nutzungsrechte auch wirklich korrekt einräumst. Dies muss auf jeden Fall schriftlich festgehalten werden. Geschieht dies nicht, besteht keinerlei Rechtssicherheit. Nehmen wir Beispiel, das du mit deinem Kunden lediglich eine mündliche Vereinbarung, wie er ein Werk von dir verwenden darf. Ich diesem Beispiel handelt es sich um ein Logo, welches du für den Kunden zum Druck von einem Flyer entworfen hast. Einige Zeit später verwendet der Kunde dieses Logo aber auch auf seiner Webseite. Du meldest dich beim Kunden und verlangst für diese Nutzung nachträglich Geld. Allerdings wurden bei Auftragserteilung die Nutzungsrechte gar nicht schriftlich vereinbart. Du kannst also nicht nachweisen, dass hier das Urheberrecht verletzt wurde und welches Nutzungsrecht vereinbart wurde. Allerdings musst du auch aufpassen, wenn du rechtliche Schritte gegen den Kunden einleiten willst. Die Gerichte kommen hier zu ganz unterschiedlichen Urteilen. Hier ein sehr bekanntes Beispiel:

Beispiel: Vorspann Tatort

Eine Grafikerin klagte auf eine nachträgliche Vergütung für einen Vorspann der bekannten Tatort-Reihe. Das Gericht wollte feststellen, ob es sich hier um ein eigenständiges Werk handelt. Nach einiger Zeit aber stellte das Gericht fest, dass es sich beim Vorspann nur um ein untergeordnetes Werk handelt und der Zuschauer den Film nicht wegen dem Vorspann ansieht. Die Klage wurde wegen fehlendem Rechts auf eine Nachvergütung abgewiesen.

Tipp!

Für freiberufliche oder selbstständige Webdesigner, Fotografen, Illustratoren oder Texter ist eine ordnungsgemäße Buchhaltung wichtig. Hört sich nach viel Aufwand und Zeit an? Eine Online Buchhaltungssoftware kann sich hierbei lohnen!

Fazit

Nutzungsrechte berechnen, ist eine wichtige Gepflogenheit in vielen Branchen. Allerdings besteht dafür für dich auch keine Pflicht. Werden deine Werke aber der Öffentlichkeit zugeführt, macht eine Berechnung durchaus Sinn. Die Grundlage für die Berechnung der Nutzungsrechte stellt immer dein Honorar dar. Weitere wichtige Punkte für die Berechnung sind dann die sogenannten Faktoren nach AGD. Wichtig für dich ist, dass du alle Punkte zur Nutzung wie Nutzungsdauer, Nutzungsart, Umfang der Nutzung und Zweck der Nutzung schriftlich festlegst.

Nadine Höpf
Nadine Höpf

Nadine ist spezialisiert auf die Erstellung und Bereitstellung von hilfreichen Inhalten auf Blogs und Lexika im Business- und Finanzbereich. Durch intensive Recherchen und das Konsultieren von Experten stellt sie Fachwissen übersichtlich aufbereitet zur Verfügung.

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