Ohne diese 4 Versicherungen lebst du als Selbstständiger gefährlich

Immer mehr Bundesbürger machen sich selbstständig und betreten damit zum Teil ungewohntes Terrain. Vor allem in finanzieller und steuerlicher Hinsicht gibt es einige Punkte zu beachten, die zuvor als Arbeitnehmer nicht von Bedeutung waren. Davon betroffen ist auch der Versicherungsbereich, denn es existiert eine Reihe von Versicherungen, die für dich als Selbstständigen wichtig und interessant sind, die du zuvor nicht benötigt hast. Daher möchten wir im Folgenden am Beispiel eines Fotografen aufzeigen, welche Versicherungsarten für Selbstständige wichtig und sinnvoll sein können.

Das erwartet dich:

1. Basisschutz für alle Selbstständigen: die Krankenversicherung

Falls du dich gerade beispielsweise als Fotograf selbstständig gemacht hast und daher den Status des Freiberuflers besitzt, hast du mit einem Schlag im Bereich der Krankenversicherung ein Wahlrecht. Musstest du dich zuvor per Gesetz in der gesetzlichen Krankenversicherung versichern, weil du als Arbeitnehmer tätig warst, so muss dies ab Eintritt in die Selbstherrlichkeit nicht zwangsläufig weiterhin der Fall sein.

Du hast nun die Möglichkeit, dich zwischen der gesetzlichen und einer privaten Krankenversicherung zu entscheiden. Diese Entscheidung ist deutlich schwerer als du vielleicht auf den ersten Blick meinst. Es gibt nämlich keine pauschale Aussage, ob nun die private oder die gesetzliche Krankenversicherung besser geeignet ist.

Bei der Entscheidung zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung spielen einige wichtige Fragen eine Rolle, die du für dich selbst beantworten können solltest. Zu nennen sind hier insbesondere die folgenden Fragen:

  • Wie wichtig sind möglichst umfangreiche Leistungen?
  • Wie hoch darf der Versicherungsbeitrag sein?
  • Reicht mir ein Basisschutz oder möchte ich den bestmöglichen Versicherungsschutz?

Neben diesen Fragen kommt es natürlich auch auf die individuelle Situation an, ob die gesetzliche oder private Krankversicherung für dich die beste Alternative ist. Bist du beispielsweise verheiratet und hast Kinder, ist es allein aufgrund der in der gesetzlichen Krankenversicherung bestehenden Familienversicherung meistens deutlich günstiger, sich für eine gesetzliche Krankenkasse zu entscheiden. Allgemein sagt man, dass die private Krankenversicherung insbesondere dann günstiger ist, wenn du ein relativ hohes Einkommen erzielst, vergleichsweise gesund bist und alleinstehend oder verheiratet ohne Kinder bist.

Darüber hinaus stellt die private Krankenversicherung ebenfalls die bessere Lösung dar, wenn dir ein möglichst umfangreicher Versicherungsschutz am wichtigsten ist. In nahezu allen anderen Fällen handelt es sich bei der gesetzlichen Krankenversicherung meistens um die bessere Wahl. Zudem solltest du vor der Wahl einer privaten Krankenkasse berücksichtigen, dass die Beiträge zwar in jungen Jahren oftmals noch günstig sind, sich dies im Alter allerdings massiv ändern kann. Teilweise berichten privat Krankenversicherte ab dem 60. Lebensjahr von einer Beitragserhöhung von zum Teil sogar mehr als 100 Prozent.

2. Die Berufsunfähigkeitsversicherung: existentiell wichtige Absicherung

Eine private Versicherung, auf die du auf keinen Fall verzichten solltest, ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Während Arbeitnehmer zumindest über die gesetzliche Erwerbsminderungsrente noch einen gewissen Mindestschutz besitzen, falls sie erwerbsunfähig werden sollten, fällt diese Absicherung für Selbstständige und Freiberufler meistens weg. Vielleicht denkst du an dieser Stelle, dass du eine BU-Versicherung nicht benötigst, weil das Risiko in deinem Beruf als Fotograf vergleichsweise gering ist, berufsunfähig zu werden.

Tatsächlich ist dies allerdings ein Trugschluss, denn aktuelle Daten und Zahlen bestätigen, dass es keineswegs mehr ausschließlich die Berufe mit schweren körperlichen Tätigkeiten sind, in denen eine Berufsunfähigkeit vermehrt auftritt. Stattdessen stehen mittlerweile Erkrankungen des Bewegungsapparates und vor allem psychische Krankheiten an erster Stelle der Gründe für den Eintritt einer Berufsunfähigkeit. Und genau von diesen Erkrankungen kannst du selbstverständlich auch als Fotograf betroffen sein.

Ursachen Berufsunfaehigkeit

Darüber hinaus sind natürlich Erkrankungen nur ein Hauptgrund für die Berufsunfähigkeit, denn in nicht wenigen Fällen resultiert der Verlust der Arbeitskraft auch durch einen Unfall.

Bei der Absicherung mittels einer Berufsunfähigkeitsversicherung solltest du unbedingt auf einen Punkt achten, nämlich auf das sogenannte abstrakte Weisungsrecht. Auf dieses Recht sollte der Versicherer verzichten. Es würde nämlich dazu führen, dass der Leistungsfall nicht eintritt, falls du berufsunfähig wirst. Stattdessen hat der Versicherer das Recht, dich aufzufordern, einen anderen Beruf auszuüben.

Nur dann, wenn du komplett erwerbsunfähig bist, würde die Berufsunfähigkeitsversicherung mit abstraktem Weisungsrecht ebenfalls in die Leistungspflicht geraten. Verzichtet der Versicherer hingegen auf sein Weisungsrecht, handelt es sich bei der BU-Versicherung tatsächlich um eine „echte“ Berufsunfähigkeitsversicherung, die auch schon im Fall der Berufsunfähigkeit mit ihrer Leistung eintritt.

Ein weiterer Punkt, auf den du achten solltest, ist die Wahl der richtigen BU-Rente. Die Berufsunfähigkeitsrente, die im Leistungsfall gezahlt wird, wird mit Vertragsabschluss zwischen dir und dem Versicherungsgeber vereinbart. Ideal ist es, wenn die spätere Berufsunfähigkeitsrente ungefähr der Höhe deines durchschnittlichen monatlichen Verdienstes entsprechen würde. Allerdings soll der Beitrag zur BU-Versicherung natürlich auch tragbar sein, sodass du beachten musst, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung umso teurer wird, desto höher die gewählte Berufsunfähigkeitsrente ist.

3. Berufshaftpflicht-Versicherung: Wichtiger Schutz für alle Selbständigen

Zwei weitere Versicherungen, die ebenfalls für viele Freiberufler und Selbstständige sinnvoll sein können, sind zum einen die Berufshaftpflichtversicherung und zum anderen die Berufsrechtsschutzversicherung. Die Berufshaftpflichtversicherung übernimmt prinzipiell etwa die gleichen Aufgaben wie die Privathaftpflicht-Versicherung, ist jedoch speziell auf die berufliche Tätigkeit ausgerichtet. Auch als Fotograf gibt es zahlreiche mögliche Schadensfälle, die dazu führen können, dass der Versicherungsschutz in Anspruch genommen werden muss.

Fallbeispiel:

Stell dir zum Beispiel vor, du veranstaltest ein aufwändiges Fotoshooting und aufgrund eines technischen Fehlers werden alle Fotos bei der Entwicklung zerstört. Ein anderer, ebenfalls nicht unrealistischer Schadensfall, könnte darin bestehen, dass du einen Termin mit einem zukünftigen Ehepaar zur Herstellung von Hochzeitsphotos hast, diesen Termin jedoch nicht einhalten kannst. Aufgrund dessen muss sich das Hochzeitspaar für einen anderen Fotografen entscheiden, der deutlich teurer ist. Auch in diesem Fall würde die Berufshaftpflicht-Versicherung voraussichtlich den Schaden übernehmen, den du ansonsten selbst tragen müsstest. Es gibt noch eine Reihe weiterer Schadensfälle, die durch die Berufshaftpflichtversicherung abgedeckt sind.

4. Berufsrechtsschutz-Versicherung: Gut abgesichert bei Rechtsstreitigkeiten

Eine weitere sinnvolle Absicherung für Freiberufler und Selbstständige ist die Berufsrechtsschutz-Versicherung. Vielleicht hast du ohnehin bereits eine Rechtsschutzversicherung im privaten Bereich, sodass du diese einfach um den Baustein Berufsrechtsschutz erweitern kannst. Vor allem solche Berufe, in denen du viel mit Kunden zu tun hast, sind von möglichen Risiken betroffen. Als Fotograf ist dies natürlich definitiv der Fall.

Fallbeispiel I:

Ein möglicher Schadensfall wäre, wenn der Kunde mit den von dir gemachten Aufnahmen unzufrieden ist und Nachbesserung fordert. Da dies für dich einen nicht unerheblichen Aufwand von mehreren Hundert Euro bedeuten würde, hast du durch die Inanspruchnahme der Berufsrechtsschutz-Versicherung zumindest die Möglichkeit, dich rechtlich gegen diesen – aus deiner Sicht unberechtigten – Vorwurf zu wehren.

Fallbeispiel II:

Aber auch in steuerlicher Hinsicht kann es sinnvoll sein, eine Berufsrechtsschutz—Versicherung zu besitzen. Angenommen, du befindest dich in deinem ersten Geschäftsjahr und kannst noch keine genauen Angaben zu Einkünften machen. In diesem Fall kann das Finanzamt eine Schätzung vornehmen, die vielleicht deutlich zu hoch angesetzt ist. Auch in dieser Situation kannst du dich mit einer Berufsrechtsschutz-Versicherung wehren, während allein die Anwaltskosten vielleicht ohne Rechtsschutz nicht tragbar wären. Im schlimmsten Fall könnte die dann zu hoch angesetzte Steuerschätzung sogar dazu führen, dass deine berufliche Existenz gefährdet ist.

Welche Anbieter gibt es?

Bei allen zuvor genannten Versicherungsarten findest du in der Praxis mittlerweile zahlreiche Versicherungsgesellschaften, welche die entsprechenden Versicherungen im Angebot haben. Dies trifft sowohl auf die Berufsunfähigkeitsversicherung und die Berufshaftpflichtversicherung als auch auf die Berufsrechtsschutz-Versicherung zu. Als Anbieter von Krankenversicherungen sind natürlich die gesetzlichen bzw. privaten Krankenkassen zu nennen. Besonders wichtig ist es daher, dass du einen Vergleich der vorhandenen Angebote vornimmst. Dabei solltest du sowohl auf einen möglichst günstigen Beitrag als auch auf ausreichende Leistungen und Vertragsbedingungen achten.

Beim Vergleich selbst sind es die folgenden Punkte, auf die du unbedingt achten solltest:

  • günstiger Beitrag
  • im Tarif enthaltene Leistungen
  • Vertragsbedingungen und Klauseln
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • eventuelle Eigenbeteiligung

Die allgemein wichtigen Versicherungen nicht außer Acht lassen

Unabhängig davon, ob du selbstständig bist oder nicht, gibt es natürlich nach wie vor einige Versicherungen, die für jeden Bürger sinnvoll sind. Um diese Absicherung solltest du dich zuerst kümmern bzw. überprüfen, ob bereits ein ausreichender Versicherungsschutz besteht. Es handelt sich dabei insbesondere um die folgenden Versicherungen, die nicht nur Selbstständige, sondern ebenso alle anderen Bürger haben sollten:

  • Privathaftpflichtversicherung
  • Hausratversicherung
  • Private Unfallversicherung
  • Wohngebäudeversicherung (bei vorhandenem Wohneigentum)

Fazit zur Absicherung für Selbstständige

Selbstständige und Freiberufler sollten sich zu Beginn ihrer Geschäftstätigkeit umgehend informieren, welche Versicherungen zusätzlich zu den üblichen Versicherungsarten benötigt werden. Es gibt tatsächlich eine Reihe von Versicherungen, die erst mit Beginn der selbstständigen Tätigkeit von Bedeutung sind. Informiere dich am besten neutral und vergleiche die Angebote genau, um letztendlich die für dich optimale Absicherung zu finden.

Der Autor:

Oliver Schoch ist als gelernter Bankkaufmann über 10 Jahre in verschiedenen Bankbereichen tätig gewesen. Seit 2007 ist er als Fachredakteur freiberuflich tätig und hat sich auf die Themen Wirtschaft, Finanzen, Immobilien, Versicherungen und Steuern spezialisiert.

Alisha Meier

Um seine Zielgruppe im Internet zu begeistern muss man kreativ sein. Alisha besitzt diese Kreativität und weiß als Content Marketerin bei sevDesk, welche Inhalte im Netz funktionieren. Im Blog beschäftigt sie sich mit sämtlichen Kreativthemen und versucht Selbstständige zu inspirieren.

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