Unternehmensnachfolge – Darauf musst du achten!

Du hast eine Geschäftsidee, welche es schon am Markt gibt, weißt aber nicht so recht, wie du das Ganze angehen sollst? Dann ist es an der Zeit, über eine Unternehmensnachfolge nachzudenken. Denn, es gibt viele Unternehmer, die zum Beispiel aufgrund des Alters über den Ruhestand nachdenken, aber keinen Nachfolger haben. Was du bei einer Unternehmensnachfolge beachten musst und welche Vorteile, wie auch Nachteile sie mit sich bringt, zeigen wir dir ausführlich in diesem Artikel auf.

Das erwartet dich heute:

Was bedeutet Unternehmensnachfolge?

Bei der Unternehmensnachfolge geht es um die Übernahme eines schon bestehenden Unternehmens. Hierfür kann es verschiedene Gründe geben, wie zum Beispiel Alter, Krankheit oder Tod des Unternehmers. Grob kann man auch sagen, dass es sich um einen personellen Wechsel im Kontext eines Wirtschaftsunternehmens handelt.

Was ist zu beachten?

Leider ist es nicht mit einer Unterschrift, welche die Unternehmensnachfolge bestätigt, getan. Auch wenn das Unternehmen schon besteht, musst du dir als angehender Unternehmer folgende Fragen stellen:

  • Hast du einen Businessplan beziehungsweise einen Fortführungsplan?
  • Was ist mit der Finanzierung der Unternehmensnachfolge?
  • Was ist mit der Nachfolgeregelung?
  • Wie sieht es mit einer detaillierten Prüfung des Unternehmens aus?
  • Was musst du bei der Kaufpreisermittlung und dem Kaufvertrag beachten?

Unterstützung findest du bei einem Unternehmensberater, einem Anwalt oder einem Steuerberater. Zudem gibt es Dienstleister- und Beraterbörsen.

Wie bereitest du dich auf die Unternehmensnachfolge vor?

Um die Unternehmensnachfolge angemessen vorzubereiten, ist es wichtig, dass der Übergebende Folgendes festlegt:

  • Unternehmerische Ziele während des Inhaberwechsels
  • persönliche Ziele für die Zeit nach der Übergabe.

Für den Nachfolger gilt, dass er prüfen muss, ob er den Anforderungen des Unternehmens gewachsen ist. Und zwar fachlich und kaufmännisch. Bestehen Wissenslücken, sollten diese vor der vollständigen Übernahme geschlossen werden. Außerdem muss der Nachfolger klare Zukunftsvorstellungen formulieren können. Handelt es sich um mehrere Nachfolger, ist es wichtig, dass sie auf einen Nenner kommen. Das gilt nicht nur für die zukünftige Zusammenarbeit, sondern auch für die Vorstellungen, wie was im Unternehmen laufen soll.

Tipp: Persönlicher Fragenkatalog

Hilfreich ist es, wenn du dir einen persönlichen Fragenkatalog erstellst. Dieser kann beispielsweise so aussehen:

  • Welche Qualifikation (menschlich und fachlich) waren notwendig, um das Unternehmen aufzubauen?
  • Welche Qualifikationen sind für die Fortführung des Unternehmens notwendig?
  • Gibt es jemanden, der diese Qualifikationen besitzt?
  • War der potenzielle Nachfolger in anderen Unternehmen erfolgreich?
  • Welche Zertifikate oder Zeugnisse kann der potenzielle Nachfolger vorweisen?
  • Hast du ausreichend Zeit, um dich selbst um einen neuen Geschäftsführer zu kümmern, oder ist die Unterstützung eines Beraters hilfreich?
  • Hast du das Idealprofil des neuen Geschäftsführers schriftlich fixiert?
  • Welche Wertvorstellungen sind für dich, im Zusammenhang mit der Unternehmensführung, wichtig?
  • Wann soll das Unternehmen übergeben werden?
  • Wie soll die Übergabe ablaufen?
  • Willst du einen bestimmten Zeitraum weiter im Unternehmen tätig sein?
  • Was glaubst du, ist dein Unternehmen wert?

Selbstverständlich gibt es weitaus mehr Fragen, die du in deinen Fragenkatalog aufnehmen kannst. Die vorstehend genannte Auflistung dient nur als Hilfestellung.

Hinweis:

Unabhängig davon, ob du vor einer Unternehmensnachfolge stehst, kommst du heutzutage nicht um eine Unternehmenssoftware herum. Mithilfe dieser kannst du deine Betriebsprozesse einfacher steuern und im Blick behalten.

Welche Formen der Unternehmensnachfolge gibt es?

Bei der Unternehmensnachfolge gibt es zwei verschiedene Formen. Unterschieden wird hier zwischen Führungsnachfolge und Eigentumsnachfolge. Bei der Führungsnachfolge geht es um die Besetzung der Führungsposition. Wogegen bei der Eigentumsnachfolge ein Verkauf oder eine unentgeltliche Übertragung des Unternehmens stattfindet. Nachfolger kann letztendlich jeder werden, der die entsprechenden Qualifikationen hat.

Ausprägung der Unternehmensnachfolge

Es gibt viele Gründe für eine Unternehmensnachfolge. Welche Ausprägungen sich hier ergeben, zeigen wir dir anhand der folgenden Tabelle.

KriteriumAusprägung
Planbarkeitgeplant oder ungeplant
ZugehörigkeitFamiliennachfolger oder externer Nachfolger
Auslösereigenbestimmt oder fremdbestimmt
Akzeptanzfreundlich oder feindlich
betroffene Führungsebeneeine Ebene oder mehrere ebenen
Ausgangssituationsolide Geschäftsbasis oder Krise
StrategiefortsetzungFortführung des bisherigen Geschäfts oder Veränderung des bisherigen Geschäfts

Was musst du zum Nachfolgeprozess wissen?

Es gibt zwei unterschiedliche Dinge, die du bei der Nachfolge planen musst. Punkt eins ist, wer in welchem Umfang das Vermögen des Unternehmens erhält und wer zukünftig die Unternehmensverantwortung übernimmt. Abhängig ist die Nachfolgeplanung von der Bestandsaufnahme. Denn jeder Fall ist individuell und einzigartig und daher entsprechend zu behandeln. Außerdem sind die Bedürfnisse der Mitwirkenden nicht zu unterschätzen. Daher gelten als wesentliche Bestandteile der Planung folgende:

  • Nachfolger auswählen und einarbeiten
  • Planung für das Unternehmen nach der Übernahme aufstellen
  • Rolle des Übergebers festlegen (während und nach der Übergabe)
  • Planung der Anspruchsgruppe (Stakeholder) mitteilen.

Damit die Übergabe reibungslos abläuft, ist es wichtig, dass die Bedingungen für den Übergeber, um das Unternehmen zu verlassen, akzeptabel sind. Ebenso wichtig ist es, dass der Nachfolger zu seiner Anfangszeit entsprechende Unterstützung erhält.

Zudem gilt es, einen Nachfolgefahrplan zu formulieren. Hierbei werden verschiedene Schritte, durch den Übergeber und Nachfolger gemeinsam, in einem Konzept strukturiert. Daraus entsteht dann ein Maßnahmenkatalog.

Bei der Übergangsphase ist zu beachten, dass der Nachfolger angemessen qualifiziert wird. Sofern er das noch nicht ist. Hierbei kann ein Traineeprogramm helfen.

Ist die Führungsverantwortung übertragen, geht es an die Übertragung des Vermögens. Hierzu gibt es drei verschiedene Varianten:

  • unentgeltliche Übertragung, zum Beispiel durch Schenkung oder Erbschaft.
  • Entgeltliche Übertragung durch Verkauf.
  • Trennung von Eigentum und Management, um zum Beispiel eine vollständige Übertragung zu vermeiden.

Was bedeutet Due Diligence?

Die Due Diligence gilt als einer der wichtigsten Schritte in der Unternehmensnachfolge. Hierbei handelt es sich um eine sorgfältige Prüfung aller Eckdaten des Unternehmens. So verschaffst du dir einen umfangreichen Überblick über folgende Punkte bezüglich des Unternehmens:

  • Erfolg in der Vergangenheit
  • Positionierung am Markt
  • strategische Ziele

Was sind die zu analysierenden Bereiche?

Es gibt viele Bereiche, die im Rahmen der Due Diligence zu analysieren sind. In der folgenden Tabelle zeigen wir dir auf, welche Werte hier zu ermitteln sind.

BereichMögliche Daten/Unterlagen
Verhältnisse des UnternehmensDokumentation über Gründung, Handelsregisterauszug, Struktur und Organisations des Unternehmens, Unternehmenskapital, Rechtsform, Organe, etwaige Beteiligungen, Marketingmaßnahmen
FinanzenSteuer- und Handelsbilanz /letzten 3 bis 5 Jahre), Monats- und Quartalszahlen (des laufenden Geschäftsjahres), Finanzplanung, Budgetierung, Steuererklärungen, Steuerbescheide, Bewegungen im Eigenkapital, Anlagenverzeichnis, letzte Inventur, Rückstellungen, Forderungen, Gesellschaftsdarlehen, sonstige Vermögensgegenstände
Kredite und SicherheitenKreditvereinbarungen, Verzeichnis der Verbindlichkeiten (bestehende und ausstehende), Schuldverschreibungen, erteilte Sicherheiten (beispielsweise für Darlehen), Bürgschaften für Dritte, Mitarbeiter- oder Gesellschaftsdarlehen
Immobilienbetrieblich genutzte, unternehmenseigene Betriebsstätten, Grundstücke und Gebäude (inklusive der zugehörigen Verträge), Miet- und Pachtverträge, Grundbuchauszüge
vertragliche Vereinbarungen mit Dritten (zum Beispiel Kunden oder Lieferanten)Prüfung auf Risiken (welche sich aus bestehenden Verträgen ergeben), Austrittsklauseln bei Inhaberwechsel
SachanlagenMiet- und Leasingverträge (für technische Maschinen und Anlagen), Anlagenverzeichnis, Vereinbarungen über geplante Käufe oder Verkäufe
Markt und WettbewerbMarktstudien/ Marktanalysen, Verbandsberichte, Marktvolumen, Marktwachstum, Details zu Wettbewerbern, Marktveränderungen, bevorstehende Innovation in der Branche, Markt- und Wettbewerbsrisiken, Wachstumschancen
Marketing und VertriebVertriebsorganisation, Vertriebspartner, Top 30 Kunden, Provisionsregelungen, Marketing- und Verkaufsunterlagen, Broschüren, Preislisten, Verkaufskalkulation, Service
EDVAusstattung (Hardware und Software), Aktualität, Investitionen (vergangene Jahre
PersonalPersonalstatistiken, Verträge mit Geschäftsführern, betriebliche Altersversorgung, Sonderleistungen, Tarifverträge, Betriebs-/Personalrat
VersicherungenPrüfung der bestehenden Versicherungspolicen
rechtliche Aspektelaufende oder drohende Gerichtsverfahren, gewerbliche Schutzrechte (zum Beispiel eingetragene Marken oder Patente), genutzte Lizenzverträge, Geheimhaltungsvereinbarungen

Was ist hierbei außerdem zu beachten?

Sicher steht das Zahlen- und Datenmaterial hier im Vordergrund. Dennoch gibt es weitere Aspekte, die du beachten musst. Hierbei handelt es sich um Folgendes:

  • Grund für die Unternehmensnachfolge,
  • Ruf des Unternehmens,
  • Standort des Unternehmens und
  • die Zukunft des Unternehmens

Unternehmensnachfolge und Haftung: Was musst du beachten?

Damit du am Ende nicht auf alten Schulden oder Ähnlichem sitzen bleibst, sollte die Firmennachfolgehaftung unbedingt geklärt sein. Die wichtigsten Punkte, die du zu dem Thema Haftung wissen solltest, haben wir dir hier aufgeführt.

Haftung für alte Schulden

Der wichtigste Punkt zum Thema Haftung ist die Haftung für die Schulden des alten Unternehmers. Denn, wenn es zum Beispiel um Schulden gegenüber der Sozialversicherung geht, kann die Haftung auf den neuen Unternehmer übertragen werden. Gleiches gilt bei Schulden gegenüber dem Finanzamt. Um die Haftung zu umgehen, kann der Verkäufer entsprechende Garantien geben. Allerdings sind die Gläubiger über die Haftungsfreistellung des Nachfolgers in Kenntnis zu setzen.

Haftung für Steuern

Das auch die Haftung für Steuern an den Nachfolger weitergegeben werden könne, haben wir vorstehend schon erwähnt. Allerdings ist hier zu beachten, dass, wenn die liquiden Mittel nicht ausreichen, zum Beispiel Löhne zu kürzen sind. Mit dem übrigen Geld sind dann die Lohnsteuern zu zahlen. Bei Umsatzsteuerschulden oder pauschalierten Lohnsteuerschulden erfolgt die Tilgung anteilig. Das heißt, sie werden im gleichen Maß, wie Schulden bei Lieferanten oder anderen Gläubigern gezahlt.

Haftung für Gegenstände im Unternehmen

Hierbei handelt es sich um Gegenstände, welche dem Unternehmen dauerhaft zur Verfügung stehen, ihm aber nicht gehören. Ein Beispiel hierfür sind gepachtete Gegenstände oder Grundstücke. Zu beachten ist, dass diese Gegenstände zum Zeitpunkt der Steuerentstehung dem Unternehmen zur Verfügung standen und sich zu dem Zeitpunkt des Haftungserlasses auch noch im Eigentum des Unternehmens befinden.

Wurden die Gegenstände veräußert, entfällt die Haftung. Außerdem haften diese Gegenstände nur für betriebliche Steuern.

Haftung des Nachfolgers

Prinzipiell haftest du als Nachfolger für alle Schulden, wenn die Übernahme vollständig abgeschlossen ist. Dies gilt besonders für Steuerschulden. Außerdem können Steuerschulden nicht nach der Abgabenordnung von der Haftung ausgeschlossen werden. Dennoch muss es nicht um die kompletten Steuerschulden handeln. Denn die Haftung erstreckt sich nur auf die Schulden, welche in dem Jahr vor der Übernahme entstanden sind. Wurde eine Haftung im Handelsregister eingetragen, kann sie nach dem Handelsrecht für den Übernehmer ausgeschlossen werden.

Haftung der Gesellschafter

Generell haften Gesellschafter von Personengesellschaften mit dem vollen Privatvermögen. Mindestens aber mit der Einlage für Steuerfristen. Bei der OHG und KG gilt die Haftung sogar für ausgeschiedene Gesellschafter. Allerdings gilt die Haftung nur für Altschulden.

Worum geht es bei dem Haftkapital?

Als Haftkapital wird das Eigenkapital einer Firma oder Gesellschaft bezeichnet. Ein weiterer Begriff für Haftkapital ist Haftpotenzial. Das Haftkapital hat die Funktion, die künftigen Verluste aufzufangen. Und zwar ohne, dass Zahlungsansprüche der Gläubiger gefährdet sind. Allerdings stellt sich hierbei die Frage, ob das Vermögen einen ausreichend hohen Erlös erzielt, um die Haftungsansprüche der Gläubiger zu befriedigen.

Denn, die Werte des Vermögens der Bilanz weichen häufig von dem tatsächlich zu erzielenden Erlös der Vermögensgegenstände ab. Um zukünftige Verluste abzudecken, darf der Gewinn eines Unternehmens nämlich einbehalten werden. Daher kann das Haftkapital auch als Verkaufserlös der Vermögensgegenstände, Barvermögen oder Bankvermögen bezeichnet werden.

Was sind die Vorteile und Nachteile der Unternehmensnachfolge?

Wie in allem anderen auch, gibt es bei der Unternehmensnachfolge bestimmte Vorteile, aber auch Nachteile. Diese zeigen wir dir in der nachstehenden Tabelle auf.

VorteileNachteile
Das Unternehmen funktioniert bereitsUnternehmensname sollte nicht geändert werden
Es gibt keine lange AufbauphaseKapitalbedarf ist höher als bei der Neugründung
Vertriebskanäle sind gut aufgebautdu trägst das Wertrisiko bei Betriebsmitteln
Kundenstamm ist schon vorhandenist die Haftung nicht geklärt, kann es später zu größeren Problemen kommen
Aufgrund von Zahlen und Erfahrungen ist eine gewisse Planungssicherheit vorhanden
du übernimmst erfahrenes personal
es gibt bestehende Lieferantenbeziehungen
Unternehmen ist am Markt etabliert

Worin unterscheiden sich Unternehmensnachfolge und Neugründung?

Oftmals wird behauptet, dass eine Unternehmensnachfolge einfach als die Neugründung sei. Allerdings muss dies nicht sein. Denn, wenn du ein neues Unternehmen gründest, bist du von ersten Schritt an dabei. Du hast alles, ab dem ersten Schritt, selbst in der Hand. Jede noch so kleine Entscheidung triffst du allein.

Bei der Unternehmensnachfolge hast du schon einen festen Stamm an Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten. Allerdings musst du dir hier erst einmal das Vertrauen erarbeiten und dich beweisen. Um dir die Fragestellung zu erleichtern, haben wir hier vier Punkte für dich, die du überdenken solltest:

  • Was möchtest du bezüglich der Nachfolge verändern? Möchtest du das Unternehmen weiterentwickeln oder komplett neu strukturieren?
  • Bist du allein der Nachfolger? Oder nimmst du dir einen Partner dazu?
  • Strebst du eine Zeit während der Unternehmensnachfolgen an, in der du das Unternehmen mit dem alten Inhaber zusammen führst?
  • Willst du das Erscheinungsbild des Unternehmens beibehalten oder modernisieren?

Alternative Franchise

Findest du zum Beispiel kein geeignetes Unternehmen, ist Franchise eine gute Alternative. Denn auch hier übernimmst du ein etabliertes Geschäftsmodell. Der einzige Unterschied zur Unternehmensnachfolge ist hierbei, dass du an deinem Standort komplett neu startest. Der Vorteil beim Franchise ist, dass eine gewisse Markenbekanntheit besteht und du von dem Know-How des Franchisegebers profitierst.

Familieninterne Unternehmensnachfolge: Was musst du beachten?

Die familieninterne Unternehmensnachfolge ist in vielen Fällen die schwierigste Form. Denn, der Elternteil, der das Unternehmen abgeben will, muss auch bereit sein, loszulassen. Ebenso ist es wichtig, dass der Sohn oder die Tochter bereit ist, sich voll und ganz dem Unternehmen zu widmen.

Damit diese Form der Unternehmensnachfolge so reibungslos, wie möglich verläuft, haben wir nachstehend die wichtigsten Punkte beschrieben, welche zu beachten sind.

Zusammenarbeit

Es ist äußerst wichtig, dass beide Generationen an einem Strang ziehen. Im Klartext heißt das:

  • Der Ältere muss den Jüngeren an die Hand nehmen und Verantwortung abgeben.
  • Der Jüngere sollte die Werte des Älteren beachten und sich helfen lassen.

Es gibt viel Dinge, die zu regeln sind. Wann und wie viel Verantwortung soll übergeben werden? Wie ist der richtige Umgang mit dem Personal? Wie sollten Verhandlungen mit Banken geführt werden? All diese Fragen sind nicht in einem Satz zu beantworten. Hierzu gehört Teamwork und Fingerspitzengefühl.

Berater zur Unterstützung

Um Konflikte zu vermeiden, ist es hilfreich, wenn du dir einen Berater hinzuziehst. Denn, der Berater hat einen neutralen Blick und kann mit dir einen Fahrplan entwickeln, der für beide Seiten passt.

Wichtige Arbeitsgebiete

Die wichtigsten Arbeitsgebiete bei der Unternehmensnachfolge sind:

  • Kaufmännische Fragen,
  • Bankgespräche und
  • rechtliche Fragen.

Was du hierbei beachten musst und wie du Gespräche richtig führst, kann dir am ehesten ein Berater sagen.

Welche existenziellen Situationen gibt es im Familienunternehmen?

Die erste Situation entsteht, wenn der Unternehmer nicht loslassen kann. Er ist seit vielen Jahren erfolgreich und hat alle Entscheidungen selbst getroffen. Auf einmal soll er sein „Baby“ aus der Hand geben? Hier muss bei der Nachfolgeregelung darauf geachtet werden, dass die Interessen entsprechend zu wahren sind. Darum geht die Übernahme hier nur gemeinsam.

Wenn der Unternehmer plötzlich stirbt, kann der Betrieb in eine existenzielle Schieflage geraten. Denn auf einmal ist der Kopf des Unternehmens nicht mehr da. Im schlimmsten Fall hat kein anderer aus der Familie direkt im Unternehmen mitgewirkt und somit weiß keiner weiter. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, frühzeitig einen Plan zu entwickeln, wie es in so einem Fall mit dem Unternehmen weitergeht.

Als dritte Situation haben wir das ewige Herausschieben der Unternehmensnachfolge vonseiten des Übergebers. Er hat immer wieder Gründe, um die Nachfolge vor sich herzuschieben. Er lässt niemanden an die wichtigen Dinge heran und entscheidet alles weiterhin allein. So hängen alle anderen Familienmitglieder in den Seilen und niemand weiß, wie es genau weiter geht. In den meisten Fällen kann hier nur ein Berater helfen.

Welche Fragen sind beim Einstieg in die Firma zu klären?

Häufig sind die Nachfolger in die Familienbetriebe einbezogen und kennen sich gut aus. Aber das allein reicht nicht für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge. Darum ist es besonders wichtig, dass die Planung für die Nachfolge frühzeitig begonnen wird. Darum sind folgende Fragen schon lange vor der Übernahme zu klären:

  • Wie sollte die Ausbildung des potenziellen Nachfolgers aussehen?
  • Wer kann das Unternehmen übernehmen?
  • Wie ist das Unternehmen auf die Übernahme vorzubereiten?
  • Wie solltest du den Einstieg des Nachfolgers gestalten?
  • Wann übernimmt dein Nachfolger welche Aufgaben?
  • Wann steigt der Übergeber aus?
  • Wie wird dieser Ausstieg gestaltet?
  • Welche Aufgaben übernimmt der Vorgänger weiterhin?

Um diese Fragen zu klären, solltest du die nachstehenden Punkte beachten.

Aufgabenverteilung

Auch wenn sich der potenzielle Nachfolger prinzipiell gut im Unternehmen auskennt, gibt es viele Details, die für ihn noch neu sind. Daher ist eine gute Einarbeitung, in der die Aufgabenverteilung klar definiert ist, so wichtig. Sinnvoll ist es, wenn Übergeber und Übernehmer eine bestimmte Zeit gemeinsam im Unternehmen arbeiten. So hat der Übergeber die Möglichkeit, sich langsam zurückzuziehen und der Nachfolger erhält nach und nach mehr Aufgaben. Die Unternehmensnachfolge geht fließend ineinander über.

Rolle fest definieren

Ganz gleich, wann der Senior das Unternehmen verlässt, sollte der Nachfolger von Anfang an eine feste Rolle im Unternehmen haben. Über diese Rolle sind auch alle Mitarbeiter in Kenntnis zu setzen. Hierzu gehört auch ein klar definiertes Aufgabengebiet, um entsprechend die Vorgesetztenrolle einnehmen zu können.

An einem Strang ziehen

Familieninterne Nachfolger werden häufig nur als Kind vom Chef gesehen. Damit du dies vermeidest, ist es wichtig, dass Junior und Senior an einem Strang ziehen.

Tipp:

Informiert die Belegschaft immer gemeinsam über Neuerungen oder geänderte Zuständigkeiten. Denn anhand der gemeinsamen Kommunikation erkennen die Mitarbeiter schnell, dass ihr euch einig seid.

Was ist, wenn kein Familienmitglied das Unternehmen übernehmen will?

Es kann allerdings vorkommen, dass die Kinder das Unternehmen der Eltern gar nicht übernehmen wollen. Welche Alternativen gibt es dann?

Fremdgeschäftsführer

Ein Fremdgeschäftsführer ist jemand, der nicht gleichzeitig als Gesellschafter des Unternehmens fungiert. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass du nicht nur auf das Wissen des Fremdgeschäftsführers setzt. Auch seine Persönlichkeit spielt eine große Rolle. Wie ist sein Umgang mit Krisensituationen? Wie trifft er Entscheidungen? Passt er generell zum Unternehmen? Diese Fragen solltest du dir stellen, bevor du eine Entscheidung triffst.

Management-Buy-Out

Kauft ein Mitarbeiter das Unternehmen mit seinem eigenen Kapital, spricht man von Management-Buy-Out. Diese Variante hat den Vorteil, dass sich der Mitarbeiter gut in dem Unternehmen auskennt und häufig motivierter ist. Denn durch den Kauf sichert er sich seinen eigenen Arbeitsplatz.

Management-Buy-In

Wenn eine externe Führungskraft das Unternehmen kauft und hierbei Unterstützung von einem Investor erhält, ist die Rede von Management-Buy-In. Auch diese Variante kann Vorteile mit sich bringen. Denn, neue Führungskräfte sind nicht betriebsblind und bringen somit frischen Wind in das Unternehmen. Der Nachteil ist allerdings, dass die Einarbeitung zeitaufwendiger ist. Denn, sie müssen den Betrieb erst kennenlernen.

Unternehmensnachfolger gesucht: Welche Möglichkeiten hast du?

Häufig ergibt sich die Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie. Wenn aber niemand da ist, der dein Unternehmen weiterführen kann, hast du einige Alternativen, um einen Nachfolger zu finden. Diese Alternativen sind:

  • Börsen
  • Berater
  • Regionalpartner
  • eigene Recherche

Welche Unternehmensnachfolgebörsen gibt es?

Regionale BörsenNationale BörsenInternationale BörsenWeltweite Börsen
IHK BerlinNexxt ChangeWKO NachfolgebörseFirmenzuverkaufen
Unternehmensnachfolge BayernFirmenzuverkaufenbiz tradeBusiness und Asset
Unternehmensbörse HessenDeutsche UnternehmensbörseFirmenboerse
Nachfolge Zentrale MVBVMWCompanymarket
ThEx Thüringenbiz tradeOBT
Stabwechsel

Beispiel: Börse Nexxt-Change

Nexxt-Change gilt als die größte deutsche Unternehmensnachfolgebörse. Es bestehen rund 800 Regionalpartner, welche folgende sind.

  • Handwerkskammern des Regionalverbandes des deutschen Handwerks
  • IHK
  • Volksbanken und Raiffeisenbanken des Bundesverbands der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken
  • Sparkassen des deutschen Sparkassen- und Giroverbands
  • RKW-Landesorganisationen
  • Beratungsunternehmen der genossenschaftlichen Bankengruppen, der Sparkassen-Finanzgruppe und der Handwerksorganisation Wirtschaftsförderungsgesellschaft des deutschen Verbands der Wirtschaftsförderungsgesellschaften und Entwicklungsgesellschaften e.V.

Ziel dieser Börse ist, das interessierte Unternehmer und Existenzgründer zusammengebracht werden. Daher ist es hier für beide Seiten möglich, Inserate einzustellen. Die Betreuung erfolgt durch vorstehend genannte Regionalpartner.

Welche Rolle spielt die IHK bei der Unternehmensnachfolge?

Die IHK (Industrie- und Handelskammer) gilt als Regionalpartner in Sachen Unternehmensnachfolge. Sie dient der Vermittlung von Nachfolgern oder unterstützt bei der Suche von Unternehmen. Neben der persönlichen Unterstützung bekommst du durch die IHK auch Informationen, zur Nachfolge zum Beispiel an Nachfolgetagen oder auf Seminaren. Die IHK zählt zu den wichtigsten Partnern für Existenzgründer oder Unternehmensnachfolger.

Unternehmen verkaufen: Wie findest du den richtigen Preis?

Der Kaufpreis spielt am Ende die wichtigste Rolle bei der Unternehmensnachfolge. Hierbei ist viel Fingerspitzengefühl und Verhandlungsfreude notwendig. Denn. der Käufer will selbstverständlich einen niedrigen Preis erzielen und diesen über einen langen Zeitraum abzahlen. Der Verkäufer hingegen möchte natürlich einen möglichst hohen Preis und diesen am besten sofort und komplett.

Wie kannst du den richtigen Kaufpreis ermitteln?

Um den Kaufpreis zu ermitteln, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Daher haben wir hier ein Beispiel für dich: das Ertragswertverfahren. Dieses Verfahren ermittelt den Unternehmenswert aufgrund der Diskontierung der künftig zufließenden finanziellen Überschüsse. Kurz ausgedrückt, geht es um eine Nettokapitalisierung der Zukunftserfolge.

Es werden Ertragsüberschüsse ermittelt, damit bei der Überleitung zu den zu den künftigen Nettoeinnahmen eine Korrekturrechnung nötig ist. Die Vorgehensweise hierbei sieht wie folgt aus:

  • Analyse und Bereinigung der Ergebnisse aus der Vergangenheit.
  • Prognose der finanziellen Überschüsse in der Zukunft
  • Diskontierung der finanziellen Überschüsse

Checkliste für die Unternehmensnachfolge

Um dir einen Überblick zu verschaffen, welche wichtigen Punkte du bei einer Unternehmensnachfolge beachten muss, haben wir eine Checkliste für dich erstellt.

Checkliste fuer die Unternehmensnachfolge
Unternehmensnachfolge Checkliste

Fazit

Ein bestehendes Unternehmen weiter zu führen, ist oft eine gute Alternative zur Neugründung. Allerdings musst du bei einer Unternehmensnachfolge beachten, dass zum Beispiel ein fester Kundenstamm besteht, welcher schwer von alten Gewohnheiten abzubringen ist. Also ist es wenig sinnvoll, ein bestehendes Unternehmen vollkommen umzustrukturieren.

Wichtig ist immer, dass du diesen großen Schritt nicht allein gehst. Such dir Unterstützung zum Beispiel bei der IHK oder einem Berater. Denn, allein kannst du schnell den Überblick über das verlieren, was du alles hinsichtlich der Nachfolge beachten musst. Und nichts ist schlimmer, als ein gerade übernommenes Unternehmen wieder abgeben zu müssen, weil durch Unwissenheit Fehler passiert sind.

Nadine Höpf

Content Marketerin und gleichzeitig als Country Managerin für Frankreich zuständig. Nadine kann nicht nur in deutsch gehaltvolle Inhalte erstellen, sondern mühelos auch in französisch. Eine deutsche Kostprobe von ihrem Können bekommst du auf diesem Blog.

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