15, November, 2017 | Unternehmensführung | Von gastautor
Studentische Mitarbeiter

Studentische Mitarbeiter für dein Startup: steuergünstige Anstellungsmöglichkeiten

Ein Unternehmen aufzubauen ist eine Herausforderung. Zu Beginn stehen meist nur begrenzte finanzielle Möglichkeiten zur Verfügung. Gleichzeitig sind motivierte, begeisterte Mitarbeiter ein Muss. Berufserfahrene Arbeitnehmer zögern oft, sich bei einem Unternehmen zu bewerben, das noch nicht etabliert ist und anfangs keine großen Gehälter stemmen kann.

Umso attraktiver ist es für Startups, Studenten zu beschäftigen. Die bringen zwar in der Regel kaum einschlägige Erfahrung mit, sind dafür aber wesentlich neugieriger und risikofreudiger. Schließlich hat ein cooles neues Unternehmen immer auch das Potenzial, das nächste große Ding zu werden. Studenten bieten Startups aber auch in finanzieller Hinsicht einen wesentlichen Vorteil. Der folgende Artikel erklärt konkret, wie Studenten auf steuergünstige Art und Weise angestellt werden können.

Das erwartet dich:

  1. Kostenfaktor and Hard Facts
  2. Praktikantenanstellung
  3. Mini-Job
  4. Werkvertrag
  5. Fazit: Was sich lohnt und wie du sparst

Kostenfaktor and Hard Facts

Wenn es um Mitarbeiterkosten geht, liegt die Hauptinvestition für den Arbeitgeber bei Versicherungsbeiträgen. Neben dem regulären Gehalt fallen Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung an. Allerdings gibt es einige Ausnahmefälle, mit denen dein Startup entlastet werden kann. Diese Lösungen bieten sich besonders bei studentischen Mitarbeitern an, da sie oft auf der Suche nach kleineren Jobs mit flexiblen Zeiten sind.

Egal, in welchem Umfang ein Student dein Startup unterstützen soll, einige Informationen solltest du auf jeden Fall einholen. Dazu zählen die Steueridentifikationsnummer, das Geburtsdatum und eine schriftliche Auskunft über eventuelle weitere Nebenjobs.

Handelt es sich nämlich um ein festes Dienstverhältnis, wird mit diesen Daten der Lohnsteuerabzug automatisch durchgeführt. Man spricht dabei von elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM).

Praktikantenanstellung

Praxiserfahrung wird entweder freiwillig oder studienbegleitend absolviert, wobei Praktikanten schnell als kostenlose Arbeitskraft abgestempelt werden. Ob und wieviel du für Praktikanten zahlen musst, ist aber von Fall zu Fall unterschiedlich. Der erste wichtige Faktor ist der Status des Studenten: Verwendet er nachweislich einen Großteil seiner Zeit für das Studium, ist er ein sogenannter „ordentlicher Student“ und bringt damit einige Vorteile mit.

Sobald das Praktikum länger als drei Monate dauert, wird ab Dienstantritt ein Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde fällig. Das gilt unabhängig davon, ob das Praktikum freiwillig oder verpflichtend ist. Wenn es sich um einen ordentlichen Studenten handelt, gilt er auch während der Arbeit im Startup weiterhin als solcher. Das heißt konkret: Es besteht Kranken-, Pflege-, Arbeits- und Rentenversicherungsfreiheit.

Mini-Job

Ein Mini-Job auf geringfügiger Basis schließt mit ein, dass der Arbeitslohn 450 Euro nicht übersteigt. Auch die Stundenzahl ist relevant. Arbeitet ein Student nämlich mehr als 20 Stunden pro Woche, wird davon ausgegangen, dass das Studium nicht mehr der „Hauptberuf“ ist. Kurz: Der Student gilt offiziell als Arbeitnehmer und wird damit – theoretisch – voll versicherungspflichtig.

Diese Regelung bezieht sich auf die Summe aller Jobstunden und Gehälter, die der Student leistet bzw. bezieht. Auch wenn er deine Firma nur 10 Stunden pro Woche unterstützt, kann es sein, dass er in einem zweiten Job 15 Wochenstunden macht. Das sollte rechtzeitig abgeklärt werden.

Werden Lohn- und Stundengrenze eingehalten, hat das für dein Startup aber den Vorteil, dass Pflege- und Arbeitsversicherung entfallen. Sofern der Student sich nicht davon befreien lässt, bleibt nur die Rentenversicherung Pflicht. Die kostet dich 15 Prozent des Arbeitsentgeltes, hinzu kommen 2 Prozent Pauschalsteuern und 13 Prozent Krankenversicherung. Letzterer Beitrag fällt weg, wenn der Student privat oder gar nicht versichert ist.

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Werkvertrag

Ähnlich wie bei einem studienbegleitenden Praktikum basiert der Werkvertrag auf der Annahme, dass der Student seine Zeit vor allem ins Studium investiert. Er ist also offiziell nicht Arbeitnehmer, sondern Student und damit von Kranken-, Pflege- und Arbeitsversicherung befreit.

Der springende Punkt ist hier die Grenze von 20 Wochenstunden während der Vorlesungszeit. Wird sie überschritten, bedeutet das versicherungstechnisch für dich Mehrkosten. Wird sie aber eingehalten, fallen lediglich die 15 Prozent Rentenversicherung an. In den Semesterferien bleibt übrigens auch bei mehr als 20 Wochenstunden die Versicherungsfreiheit trotzdem bestehen.

Ob der Student über 450 Euro verdient, ist beim Werkvertrag grundsätzlich nicht der zentrale Faktor. Übersteigt der Lohn die Geringfügigkeitsgrenze, teilst du dir die Kosten für die Rentenversicherung mit dem Werksstudenten. Auch beim Werkvertrag hat der Student immer die Möglichkeit, sich von dieser Versicherung befreien zu lassen.

Im Vergleich zum Mini-Job ist bei einem Werkvertrag der wesentliche Vorteil der Krankenversicherungsbeitrag. Der entfällt nämlich bei Werksstudenten, während er bei Mini-Jobbern in der Regel zu zahlen ist.

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Fazit: Was sich lohnt und wie du sparst

Gerade in der Anfangsphase kann es schwierig sein, den Überblick zu behalten und das neue Business geschickt zu strukturieren. Das gilt auch für die Auswahl der Mitarbeiter. Natürlich kosten Vollzeitmitarbeiter mehr, es macht jedoch durchaus Sinn, zumindest ein bis zwei Teammitglieder zu haben, die dauerhaft involviert und informiert sind.

Sparen kannst du aber, wenn du Personal für kleinere, kurzfristige Jobs brauchst. Falls zum Beispiel wochenweise viele einfache, aber dennoch wichtige Aufgaben anstehen, sind Praktikanten eine günstige Lösung. Diverse Versicherungen fallen weg und theoretisch bist du bei einer Anstellungszeit unter drei Monaten auch nicht verpflichtet, den Mindestlohn zu zahlen. Natürlich ist aber eine kleine Geste der Dankbarkeit trotzdem immer willkommen. Schließlich opfert der Praktikant deinem Unternehmen seine Zeit.

Sobald langfristigere Tasks anstehen, solltest du überlegen, entweder einen Mini-Jobber oder einen Werksstudenten einzustellen. Die entscheidende Grenze ist in beiden Fällen die Zahl der Wochenstunden, die der Student leistet. Bis zu 20 Stunden sind für dich vergleichsweise günstig.

Bei einem Mini-Jobber, also einem Studenten, der nicht mehr als 450 Euro verdient, zahlst du unterhalb der Stundengrenze verpflichtend Renten- und Krankenversicherung. Ein Werksstudent aber, dessen Verdienst und Arbeitszeit über 450 Euro bzw. nicht über 20 Stunden liegen, kostet dich nur die Rentenversicherung.

Du sparst also durchschnittlich am meisten, wenn du langfristig beschäftige Studenten als Werksstudenten einstufst. Ein Verdienst über 450 Euro pro Monat dürfte dem Studenten auch nicht ungelegen kommen. Also: Mit ein bisschen Planung steht einer Win-Win-Situation nichts mehr im Weg!

Wie du deine studentischen Mitarbeiter suchst, findest und von deinem Startup überzeugst? In unserem Beitrag zu deinem ersten Mitarbeiter sind wir im Detail auf den Einstellungsprozess eingegangen und zeigen, welche Pflichten damit einhergehen.

Der Autor:

Fabian Schröder, Jahrgang 1989, studierte Wirtschaftsrecht und Personalmanagement und erkannte bereits früh sein Interesse am Unternehmertum. Im Jahr 2015, unmittelbar nach dem Studium, gründete er mit einem Kommilitonen die studentische Arbeitsvermittlung Studiwork, bei welcher er bis heute als Gesellschafter mit den Aufgaben der Personalvermittlung betraut ist.

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