Selbstständigkeit im Jahr 2018 – was erwartet dich?

Damit du gut ins neue Jahr starten kannst, solltest du vorab wissen, was dich erwartet. Wir haben die wichtigsten (gesetzlichen) Neuerungen für das Jahr 2018 zusammengefasst.

Viele Änderungen, die im Laufe des kommenden Jahres in Kraft treten werden, bieten Chancen. Einige Änderungen sind mit Risiken verbunden. Wir verschaffen dir einen Überblick und sorgen dafür, dass du und dein Business gut gewappnet in das Jahr 2018 rutschen.

Das erwartet dich im Jahr 2018:

  1. Steuern
  2. Versicherung
  3. Buchhaltung
  4. Personal
  5. Finanzen
  6. Datenschutz

Steuern

Steuern, Steuern, Steuern. Gerade zum Jahresende ist das Steuerthema omnipräsent.

Die Einkommenssteuer für Einzelunternehmer, die Körperschaftssteuer für Kapitalgesellschaften, die Gewerbesteuer für angemeldete Betriebe und nicht zu vergessen die Umsatzsteuer, die du als Unternehmer ohnehin zu entrichten hast (Ausnahme Kleinunternehmerregelung).

Die Kleinunternehmerregelung.

Als selbstständiger Unternehmer ist es nicht immer einfach im Steuerdschungel in Deutschland den Überblick zu bewahren und fristgerecht die korrekte Steuererklärung für das Geschäftsjahr einzureichen.

Zukünftig kommt dir das Finanzamt zu mindestens bei der Abgabefrist etwas entgegen. Du bekommst mehr Zeit.

Abgabefrist für die Steuererklärung

Ab 01. Janaur 2018 gilt als neue Frist für alle Steuererklärungen: 31. Juli des Folgejahres (bisher 31. Mai). Die Steuererklärung für 2018 musst du also bis zum 31. Juli 2019 beim Finanzamt einreichen.

Diese Regelung gilt nur, wenn du die Steuererklärung selbst einreichst. Holst du dir einen Steuerberater zu Hilfe, hast du sogar bis 28./29. Februar des übernächsten Jahres Zeit (bisher 31. Dezember). Bei der Steuererklärung für das Jahr 2018 wäre also der 29. Februar 2020 Fristende.

Beide Regelungen gelten für berufliche UND für private Steuererklärungen.

Ein Hintertürchen hält sich das Finanzamt zukünftig offen. Einzelne Steuererklärungen können beim Hinzuziehen eines Steuerberaters vor der eigentlichen Frist zum 28./29. Februar des übernächsten Jahres eingefordert werden. 4 Monate stehen dir allerdings mindestens zur Erstellung zu. Zusätzlich muss die Erklärung in keinem Fall vor dem 31. Juli des Folgejahres (Frist für Steuererklärungen ohne Steuerberater) erstellt werden.

Beitragsänderungen

Grundfreibetrag, Kindergeld und Kinderfreibetrag steigen im Jahr 2018. Du kannst dich also auf höhere Steuerfreibeträge freuen.

Beitragsänderungen für das Jahr 2018.

Als Grundfreibetrag stehen dir zukünftig 9000 € (+ 2,04 %) zur Verfügung. Soll heißen: du darfst ab 2018 jährlich 9.000 € verdienen (750 € pro Monat), ohne dass die Einkommenssteuer fällig wird.

Der Kinderfreibetrag wird auf 4.788 € (+ 1,52%) angehoben. Zusammen mit dem Freibetrag für Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf in Höhe von 2.640 € stehen dir so als Kleinunternehmer pro Kind maximal weitere 7.428 € steuerfrei zur Verfügung. Auf die Gesamtsumme hast du allerdings nur als alleinerziehende Mutter oder als alleinerziehender Vater Anspruch. Andernfalls halbiert sich die Summe (= 3.714 €), da jedes Elternteil in diesem Fall den Steuerfreibetrag nutzen kann.

Analog zum Kindefreibetrag wurde auch das monatliche Kindergeld geringfügig um 2 € pro Monat angehoben. Eltern können allerdings nur eine Form der Steuererleichterung erhalten. Das heißt in der Regel prüft das Finanzamt automatisch ob Kindergeld oder Kinderfreibetrag für dich lohnenswerter ist.

Versicherung

In Deutschland besteht für alle Bürger eine Krankenversicherungspflicht. Als Selbstständiger hast du innerhalb dieser Versicherungspflicht ein besonders Wahlrecht – private oder gesetzliche Krankenversicherung.

Arbeitnehmer haben dieses Wahlrecht lediglich bei einem Verdienst über 57.600 € im Jahr.

Bist du privat versichert, ist der nachfolgende Änderung nicht von Interesse. Als gesetzlich krankenversicherter Selbstständiger solltest du nun allerdings aufpassen. Es kommt eine Veränderung auf dich zu!

Gesetzliche KV für Selbstständige

Bisher wurde für die Berechnung des Beitrags von gesetzlich versicherten Selbstständigen immer der letzte Einkommenssteuerbescheid als Bemessungsgrundlage verwendet. Solange, bis einer neuer Bescheid vorlag.

Ab 2018 ändert sich das Vorgehen. Die Krankenkassenbeiträge werden nur noch vorläufig festgesetzt und später anhand des Steuerbescheids endgültig berechnet. Dadurch musst du zukünftig Nachzahlungen leisten oder du erhältst zu viel gezahlte Beiträge zurück.

Beispiel:

Marius ist selbstständiger Fotograf und hat vor Jahren entschieden trotz Selbstständigkeit in die gesetzliche Krankenversicherung einzutreten. Für das Jahr 2018 hat Marius Beiträge für sein nachgewiesenes Einkommen in Höhe von 4.500 € zu entrichten. Diese Summe ist dem Einkommensteuerbescheid für das Kalenderjahr 2017 zu entnehmen.

Die monatliche Beitragshöhe beträgt 15,6 % des Einkommens (Regelbeitragssatz 14,6 % + kassenindividueller Zusatzbeitrag für freiwillig versicherte Mitglieder 1 %).

15,6 % * 4.500 € =  702 € pro Monat

702 € pro Monat * 12 Monate = 8.424 € im Jahr

Im Dezember 2019 legt er den aktuellen Einkommenssteuerbescheid für das Kalenderjahr 2018 vor. Darin wird ein monatliches Einkommen von 4.200 € ausgegeben.

15,6 % * 4.200 € = 655,20 € pro Monat

655,20 € * 12 Monate = 7862,40 € im Jahr

In diesem Fall erfolgt bei Marius aufgrund des niedrigeren tatsächlichen Einkommens eine Beitragsneufestsetzung und er erhält zu viel gezahlte Beiträge in Höhe von 561,60 € (8.424 € – 7862,40 €) zurück.

Buchhaltung

In Sachen Buchhaltung sind die Neuerungen für das Jahr 2018 überschaubar.

Deswegen werfen wir zunächst einen Blick zurück.

In einer kürzlich veröffentlichten Studie wurde deutlich, dass bei der Buchhaltung in Deutschland vielerorts auf „veraltete“ Systeme gesetzt wird. Eine empirische Erhebung hat ergeben, dass in über 50 % der Fälle bei der Zusammenarbeit von Steuerbüros und Mandanten nach wie vor der Pendelordner zum Einsatz kommt. Bei lediglich 10 % wird bei der Zusammenarbeit eine Cloud-Plattform wie sevDesk verwendet.

Cloud-Plattformen und Digitalisierung scheinen in der Buchhaltung eher die Ausnahme und nicht die Regel zu sein. Wir empfehlen dir: Nimm eine Vorreiterrolle ein und zeige wie’s richtig geht!

Gerade als Kleinunternehmer solltest du unbedingt auf eine Buchhaltungssoftware setzen, dein Business digitalisieren und den dadurch entstehenden Wettbewerbsvorteil für das Jahr 2018 in vollen Zügen ausnutzen.

Kleinunternehmer müssen EÜR übermitteln

Warum gerade Kleinunternehmer auf digitale Buchhaltung setzen sollten?

Hast du bisher weniger als 17.500 € verdient, reichte für die Steuererklärung zum Jahresende eine formlose Gewinnermittlung mit Einkünften und Ausgaben. Ab der Steuererklärung 2017 muss nun die Anlage EÜR ausgefüllt und elektronisch übermittelt werden. Als Abgabetermine gelten hier noch die alten Fristen (31. Mai 2018 ohne Steuerberater und 31. Dezember 2018 mit Steuerberater).

sevDesk erstellt die nun auch für Kleinunternehmer geforderte Einnahmen-Überschuss-Rechnung kinderleicht. Du hast trotz der Neuregelung dank sevDesk keinen zusätzlichen Aufwand. Im Gegenteil, setzst du auf unsere Buchhaltungssoftware sparst du zukünftig bei Buchhaltungsaufgaben Zeit.

Grenzen für geringwertige Wirtschaftsgüter

Eine zusätzliche Randnotiz gibt es beim Thema Buchhaltung. Die Grenzen für die GWGs werden 2018 angehoben. GWGs? Geringwertige Wirtschaftsgüter! Also alles was beweglich, abnutzbar und selbstständig verwendet werden kann. Konkret werden damit Büromöbel, Büromaterialien (z.B. Drucker) und beruflich genutzte Software gemeint.

Zukünftige kannst du 800 € netto bzw. 852 Euro brutto als Werbungskosten geltend machen und dadurch direkt von deinem zu versteuernden Einkommen absetzen.

Eine Regelung, die dir weiterhelfen kann. Musstest du bisher Wirtschaftsgüter bei Anschaffungskosten über 410 € netto nach dem Erwerb über mehrere Jahre als Betriebsausgabe abschreiben, kannst du ab 2018 GWGs bis zu den besagten 800 € netto sofort abschreiben.

Mehr Cash ist das Resultat. Oder etwas förmlicher: als kleines Unternehmen hast du mehr liquide Mittel und dein kurzfristiger Handlungsspielraum bei kleineren Investitionsentscheidungen steigt.

Personal

Sollte dir im Jahr 2018 die Arbeit über den Kopf wachsen, empfehlen wir dringend: Hole dir Unterstützung! Unterstützung in Form eines Mitarbeiters, der dir Arbeit abnimmt. Denn Selbstständigkeit muss eben nicht zwangsläufig „selbst“ und „ständig“ bedeuten.

Gesetzlicher Mindestlohn gilt nun ohne Ausnahmen

Ganz neu ist die Meldung mit dem gesetzlichen Mindestlohn zugegebenermaßen nicht. Im Jahr 2018 wird diese Regelung nun aber endlich flächendeckend Anwendung finden. Im Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis zum 31. Dezember 2017 galt nämlich eine Übergangsfrist für Betriebe, um diese Regelung umzusetzen.

Ab 1. Januar 2018 ist damit Schluss. Mindestens 8,50 € pro Stunde müssen deine Mitarbeiter zukünftig erhalten.

Gute Arbeit muss entsprechend honoriert werden. Bei den Personalkosten solltest du deshalb nicht knausrig sein.

Wir empfehlen gerne die Anstellung von Studenten (sofern das in deiner Branche möglich ist) – entweder als Praktikant oder auf lange Sicht besser als Werkstudent. Du erhältst junge, motivierte Mitarbeiter. Gleichzeitig sparst du dir je nach Anstellungsart Kranken-, Pflege, Arbeits- und Rentenversicherung.

arbeitgeberkosten-werkstudent

Finanzen

Im Finanzbereich stehen für das Jahr 2018 Veränderungen an. Einige davon können für dich von Interesse sein.

Neue Besteuerung von Fonds ab Januar 2018

Private Altersvorsorge? Gerade in der Selbstständigkeit sind Investmentfonds eine Möglichkeit, um Vermögen fürs Alter aufzubauen und einen gewissen Lebensstandard am Lebensabend zu sichern.

Ab Januar 2018 gibt es allerdings neue Abgaben auf von dir getätigte Invests. Künftig werden heimische Investmentfonds, inländische Dividenden und Immobilienerträge direkt mit 15 Prozent Körperschaftsteuer belegt. Zu verdanken hast du diese neue Abgabeform dem Investmentsteuerreformgesetz und dem Umstand, dass in- und ausländische Fonds bisher steuerlich nicht gleichbehandelt wurden. Das ändert sich mit dem Jahr 2018. Fonds, egal ob aus dem In- oder Ausland werden zukünftig gleichgestellt.

500 € Schein wird abgeschafft

Durch dein Unternehmen bist du viel mit Bargeld in Kontakt? „Ende 2018“ wird der 500 € Schein nicht länger ausgegeben und spätestens im Jahr 2019 nicht länger als Zahlungsmittel akzeptiert.

Breits im Mai 2016 beschlossen, dürfte die Abschaffung im Kalenderjahr 2018 nun final vollzogen werden. Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit sollen dadurch eingedämmt werden.

Hintergrund ist die Neueinführung der überarbeiteten 100- und 200-Euro-Scheine, die ebenfalls 2018 vonstattengehen soll. Verbesserte Sicherheitsmerkmale sollen die neuen Scheine besser vor Fälschern schützen.

Es ist also Zeit Abschied vom lilafarbenen Schein zu nehmen.

Falls dein Business brummt und du etwas „Spielgeld“ übrig ist, hast du im kommenden Jahr noch die Möglichkeit einen 500 € zu sichern und eingerahmt in dein Büro zu hängen. In einigen Jahren ist der Schein als Rarität vielleicht ein Vermögen wert (diesen Tipp bitte nicht allzu ernst nehmen ?).

Unangemeldete Kassenprüfung

Betreibst du in deiner Selbstständigkeit ein Geschäft oder Restaurant? Das Jahr 2018 könnte eine spannende Neuerung für dich bereithalten und verlangt, dass du auch weiterhin mit besonderer Sorgfalt agierst.

Zukünftig können deine Kassen nämlich durch die Finanzämter unangemeldet überprüft werden. Kassennachschau nennt sich das Ganze und erfolgte bisher nach vorheriger Anmeldung durch das Finanzamt. Zukünftig findet die Nachschau nun auch ohne Anmeldung statt. Der Grund? Steuerbetrug soll eingedämmt werden.

Datenschutz

Was passiert eigentlich mit unseren Daten? Eine Frage, mit der wir uns gheutzutage durch die flächendeckende Nutzung des Internet zwingend beschäftigen müssen.

Das Thema Datenschutz ist allgegenwärtig und wird auch im Jahr 2018 wieder weit oben auf der Agenda stehen. Insbesondere wenn du dir als Selbstständiger ein Business im Netz aufgebaut hast oder Online-Marketing-Kanäle nutzst, solltest jetzt die Ohren spitzen.

Datenschutzgrundverordnung

Die sogenannte Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) muss verbindlich ab dem 25. Mai 2018 in Deutschland angewendet werden.

Die EU-Verordnung regelt insbesondere die Verarbeitung personenbezogener Daten durch private Unternehmen. Hast du als Selbstständiger eine Website und dich bisher nicht mit dem Thema befasst, solltest du das nun tun.

Einige wichtige Infos zur DSGVO hat Peer Wandiger von Selbstständig im Netz für dich zusammengefasst.

Felix Zipf

Sportpublizist, Wirtschaftsingenieur und nun im Bereich Inbound Marketing aktiv. Genau so bunt wie sein bisheriger Werdegang sind die Themenfelder, die Felix auf dem Blog von sevDesk beackert – stets auf der Suche nach nützlichen Tipps und interessanten Interviewpartnern im Bereich Unternehmertum.

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