Quellensteuer – Bedrohlich für Kleinunternehmen & Mittelständler

Als „Quellensteuern“ werden all jene Steuern bezeichnet, die direkt abgeführt werden und sicherstellen, dass die Besteuerung in dem Land erfolgt, in dem die Leistung entstanden ist. Inländische Quellensteuern sind alltäglich und fallen uns kaum mehr auf. Die ausländische Quellensteuer war ursprünglich dazu gedacht, um ausländische Bands und Künstler, die in Deutschland auftreten, besteuern zu können. Doch nun hat es der Fiskus auf Werbeausgaben von Unternehmen bei Google & Co abgesehen und trifft damit auch Kleinunternehmen und Start-Ups. Wir zeigen dir in diesem Beitrag, welche Risiken bestehen, warum genau die Quellensteuer derzeit zum heiß diskutierten Problem geworden ist und welche Maßnahmen du jetzt ergreifen solltest.

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Quellensteuer – Definition und Beispiele

Die Funktion der Quellensteuer ist, dass Leistungen dort besteuert werden, wo sie erbracht wurden. Es sollen somit den Staaten, in denen ein Wert geschaffen bzw. eine Leistung erbracht wurde, auch daran partizipieren können. Am besten verständlich gemacht werden kann die Quellensteuer mit einigen einfachen Beispielen:

  • Beispiel 1: Eine Band aus England tritt in Berlin auf. Die Leistung findet in Berlin statt, Deutschland möchte über die Quellensteuer somit 15% einnehmen.
  • Beispiel 2: Als Investor aus Deutschland bist du an einem Unternehmen in den USA beteiligt und erhältst eine Dividende ausbezahlt. Der Wert wurde in den Vereinigten Staaten von Amerika geschaffen, deshalb behalten die USA 15% Quellensteuer ein.

Die Höhe der Quellensteuer legt Staaten selbstständig fest. Sie sind teilweise sehr unterschiedlich, von 0 Prozent auf Kapitalerträge in Brasilien, bis zu 30% in Belgien.
Um die Quellensteuer verständlich zusammenzufassen kann also gesagt werden, dass das Ziel dieser Steuer ist, dass jene Staaten an Erträgen partizipieren, die das Entstehen dieser Einnahmen überhaupt erst ermöglicht haben. Die Steuer wird somit direkt „an der Quelle“ erhoben.

Beispiele für inländische Quellensteuern

Inländische Quellensteuer sind geläufige Steuern, die direkt abgeführt werden. Sie werden direkt von der Quelle weg abgeführt. Das einfachste Beispiel ist somit die Lohnsteuer, die unmittelbar abgezogen wird. Auch die Kapitalertragssteuer muss nicht der Steuerpflichtige erst selbst abführen, sondern wird typischerweise ohne Umweg direkt vom Bankinstitut abgezogen.

Weitere Beispiele für inländische Quellensteuern sind:

  • Aufsichtsratsteuer: Die Aufsichtsratsvergütung schuldet das Unternehmen dem bestellten Aufsichtsrat. Der Aufsichtsrat muss sich nicht selbst um die Abführung der Aufsichtsratsteuer kümmern, sondern es handelt sich um eine Quellensteuer – die Steuer muss also unmittelbar vom Unternehmen beglichen werden.
  • Bauabzugsteuer: Gewerbliche Bauleistungen, die an Unternehmen erbracht werden, unterliegen dieser Steuer. Hier sind jene Unternehmen, die die Leistung erhalten, verpflichtet die entsprechende Quellensteuer, in diesem Fall Bauabzugsteuer genannt, zu bezahlen.
  • Abzugsteuer: Die Quellensteuer für Events wie Konzerte muss direkt vom jeweiligen Veranstalter bezahlt werden. Der Fiskus erspart sich somit von international tätigen Künstlerinnen und Künstlern Geld zu fordern, sondern wendet sich vielmehr direkt an den Veranstalter, der auch deutlich besser greifbar ist.

Die inländischen Quellensteuern sind somit übliche Steuern, die wir alle kennen, gewohnt sind und typischerweise keine Probleme darstellen. Sie alle verbindet, dass sie unmittelbar abgeführt werden und sicherstellen sollen, dass sie da entstehen, wo auch die Leistung erbracht wurde.

Tipp!

Als Selbstständiger musst du jedes Jahr deine Steuererklärung abgeben. Wie du diverse Kosten steuerlich geltend machst, erfährst du in unserem Blogpost zum Thema Steuererklärung für Kleingewerbe.

Aktuelle Situation: Quellensteuer auf Online-Werbung

Jetzt kommen wir zu einem sehr aktuellen Problem, das besonders Kleinunternehmen, Mittelständler und Start-Ups betrifft:

Der deutsche Fiskus ist auf die Idee gekommen, Quellensteuer für Online-Werbung in Höhe von 15 Prozent einzuheben. Das betrifft beispielsweise also auch Werbung, die bei Google geschalten wird – und das nicht nur in Zukunft, sondern gleich rückwirkend für die letzten sieben Jahre.

Warum plötzlich Quellensteuer für Onlinewerbung zahlen?

Die Argumentation der Beamten: Onlinewerbung ist keine Betriebsausgabe, sondern Unternehmen bezahlen Google für die Nutzung der Algorithmen der Suchmaschine. Das klingt kreativ, wird jedoch – ausgehend ursprünglich von Bayern – tatsächlich immer stärker zur Praxis. Eine einheitliche bundesweite Regelung gibt es noch nicht, sie soll aber bereits in Arbeit sein.

Die Argumentationslinie läuft somit darauf hinaus, dass jene Unternehmen, die beispielsweise Werbung bei Google oder Facebook schalten, die Quellensteuer übernehmen sollen. Rein theoretisch wäre es schließlich möglich sich diese auch wieder zurückzuholen – wenn denn die amerikanischen Konzerne mitspielen, was wohl nicht der Fall sein wird.

Konkrete Auswirkungen für Unternehmen

Für Unternehmen, die viel Onlinewerbung schalten, bedeutet das eine massive Bedrohung. Im schlimmsten Fall könnten 15 Prozent aller Werbeausgaben in Form von Quellensteuer für die letzten sieben Jahre (und natürlich auch für alle zukünftigen Ausgaben in diesem Bereich) gefordert werden.

Wenn dein Unternehmen im Onlinemarketing stark ist und zahlreiche Neukunden auf diesem Weg gewinnt, ist das besonders ärgerlich. Viele Start-Ups ermitteln genau wie viel es sie kostet, online einen neuen Kunden zu gewinnen (Customer Acquisition Cost) – hier nachträglich um 15 Prozent schlechtere Resultate zu haben kann ganze Geschäftsmodelle bedrohen.

Kritisch ist es insbesondere für Onlineshops, die ohnehin mit hohen Retourenquoten zu kämpfen haben. Die Margen sind vielfach bereits gering. Zusatzkosten in Höhe von 15 Prozent können gerade noch rentable Verkäufe somit nachträglich ins Negative drehen. Die logische Folge ist, dass somit vielen Unternehmen eine unvorhersehbare Einmalbelastung bevorsteht.

Was du tun solltest

Solange keine Rechtssicherheit herrscht, kann noch wenig unternommen werden. Bescheide können beispielsweise erst beeinsprucht werden, wenn sie wirklich vorliegen und entsprechende Zahlungen vorsehen.

Was du direkt tun kannst ist zu berechnen, wie hoch die Nachforderung für dich im schlimmsten Fall sein kann. Wenn es finanziell irgendwie möglich ist, sollten entsprechende Rückstellungen gebildet werden, auch wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit dieses Worst-Case-Szenarios noch unklar scheint. Bei der Ermittlung der Höhe des Gesamtbetrages ist es wichtig, dass du wirklich alle Online-Werbeformate einbeziehst, die durch diese potentielle Regelung betroffen sein könnten.

Möglicher Ablauf und Kritik

Im schlimmsten Fall könnte es so aussehen, dass dein Unternehmen die Quellensteuer an das Finanzamt abführen muss – auch wie erwähnt für sieben Jahre rückwirkend. Anschließend besteht die theoretische Möglichkeit, dass du dir die Quellensteuer vom jeweiligen Unternehmen, in den meisten Fällen werden es wohl Google und Facebook sein, zurückholen könntest. Wie realistisch es ist, dass kleine und mittlere Unternehmen aus Deutschland internationale Medienkonzerne dazu bringen können entsprechende Zahlungen zu leisten, scheint für die zuständigen Beamten bislang keine Rolle zu spielen.

In der Praxis wäre es wohl nahezu unmöglich von den bezahlten Beträgen etwas zurück zu bekommen. Kritisch zu betrachten ist diese Vorgehensweise durch die Finanzämter vor allem auch deshalb, weil es seit Jahren nicht gelingt die erwähnten Konzerne international fair zu besteuern. Sie steigen meist mit wenigen Prozent Steuerlast aus und verschieben ihre Erträge geschickt, um weiter Steuern zu sparen. Eine Lösung dafür ist ebenso wenig in Sicht wie eine Digitalsteuer, die diesen Vorgängen entgegenwirken würde.

Stattdessen schiebt der Fiskus die Verantwortung gewissermaßen in Richtung der heimischen Unternehmen ab. Abgesehen davon müsste durchaus klar sein, dass selbst größere Unternehmen kaum Chancen haben die Beträge von den genannten Unternehmen mit Sitz im Silicon Valley zurück zu holen.

Was die Fachleute dazu sagen

Ich sehe das sehr kritisch. Nach geltendem Recht ist es fragwürdig, Unternehmen nach Jahren eine zusätzliche Steuerbelastung aufzuerlegen. Leidtragende wären hier definitiv die mittelständischen Unternehmen, die in diesem Fall als Steuereintreiber für Google etc. agieren.

Aus meiner Sicht müsste hier die Bundesregierung schnellstmöglich eine bundeseinheitliche Verwaltungsauffassung erstellen. Nur so kann Klarheit für die Unternehmen geschaffen werden.

Andernfalls bleibt für die Unternehmer bei einer Steuerfestsetzung nur die Möglichkeit, Einspruch zu erheben oder zu klagen. Es empfiehlt sich aber unbedingt, – bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts – über die Bildung von Rückstellungen nachzudenken.

Jonas Monschein
Jonas Monschein, Geschäftsführer Kanzlei Monschein Steuerberater

Die geplante Digitalsteuer ist nicht durch internationale Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung abgedeckt, gilt daher als willkürlich und wird in Expertenkreisen weitestgehend abgelehnt. Ferner besteht auf Staatenebene bisher kein internationaler Konsens für die Einführung einer solchen neuen Steuer.

Vor diesem Hintergrund ist dann die neue Auslegung bestehender Regeln durch die bayerischen Finanzbeamten einzuordnen. Denn lediglich durch die Umdeutung von Werbeaufwand in ein Entgelt für die Nutzung von Algorithmen sollen inländische Unternehmen wirtschaftlich mit zusätzlichen 15% Quellensteuer belastet werden.

Ob dieses Vorgehen innerhalb der Länderfinanzverwaltungen konsensfähig sein wird und ob es dann rechtlich belastbar ist, gilt keinesfalls als sicher. Wenn jedoch Unternehmen mit entsprechenden Forderungen konfrontiert werden, ist eine gezielte steuerliche (Abwehr-) Beratung notwendig und zwar sowohl für bereits veranlagte Perioden als auch für die Zukunft.


Steffen Ziegler von Steuern-Leicht.de

Welche ausländische Quellensteuern gibt es?

Die ausländische Quellensteuer fällt an, wenn ein Steuerinländer im Ausland Einnahmen erzielt, die irgendeiner Art von Quellensteuer unterliegen. Ein Beispiel wäre also, wenn jemand aus Deutschland eine Dividende eines Unternehmens in den USA erhält oder auch, wenn er als Aufsichtsrat eine entsprechende Vergütung in einem anderen Land bekommt.

Deutschland hat mit zahlreichen Ländern sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen. Diese Abkommen regeln, welches Land in welchem Ausmaß das Einkommen besteuert. So können bestimmte Steuern auch auf die Steuerschuld in Deutschland angerechnet werden.

Es wird also definiert, welche Steuer wo fällig wird und wie hoch die Quellensteuer maximal ist. Dieser Vorgang soll die Besteuerung einerseits vereinfachen und andererseits auch sicherstellen, dass es zu keiner Doppelbesteuerung kommt.

Quellensteuersatz in ausgewählten Staaten

Kurz erwähnt wurde bereits Brasilien, wo die Quellensteuer bei null Prozent liegt. Belgien hingegen behält 30 Prozent Quellensteuer ein. Einige weitere Beispiele sind:

  • Frankreich: 30 Prozent
  • Irland: 20 Prozent
  • Japan: 15 Prozent
  • Kanada: 15 Prozent
  • Schweiz: 35 Prozent
  • Vereinigtes Königreich: 0 Prozent

Die Höhe der Quellensteuer ist somit im internationalen Vergleich sehr breit gefächert.

Quellensteuer zurückholen

Teilweise behalten ausländische Staaten mehr Quellensteuer ein, als in Doppelbesteuerungsabkommen als Maximum fixiert wurde. Um diesen Betrag zurückholen zu können, müssen umfangreiche Formalitäten erledigt werden. Bei überschaubaren Beträgen lohnt es sich meist nicht, dies zu versuchen. Ob es Sinn macht ist immer eine Entscheidung, die im Einzelfall getroffen werden muss.

Fallbeispiel

Sehen wir es uns anhand eines konkreten Beispiels genauer an: Wer in der Schweiz eine Dividende erhält, müsste laut der oben angeführten Liste 35 Prozent Quellensteuer zahlen. Durch ein Abkommen werden 15 Prozent der Steuer angerechnet, den Rest musst du dir also noch selbst zurückholen.

Die Quellensteuer in der Schweiz
Ausländische Quellensteuer am Beispiel der Schweiz. Quelle: BZSt

Was du dazu brauchst: Ein Formular des BZSt, das online ausgefüllt werden kann. Um das zu ermöglichen, brauchst du ein Zusatzprogramm, „Snapform Viewer“ genannt, das installiert werden muss und von den Schweizer Behörden kostenlos bereitgestellt wird.

Du wendest dich also zuerst an dein Wohnsitzfinanzamt und lässt dir bestätigen, dass du in Deutschland Steuerschuldner bist. Zusätzlich brauchst du den Dividendenbeleg und den sogenannten „Tax Voucher“ (erhältst du von der depotführenden Bank – teilweise kostenlos, teilweise gegen Gebühren) an die Behörden in der Schweiz. Die Erstattung erfolgt allerdings in Schweizer Franken – und dafür verrechnen manche Banken erneut Spesen.

Grundsätzlich ist es durchaus möglich, sich die Quellensteuer auf eigene Faust zurückzuholen. Du musst dich allerdings in die Vorgänge einarbeiten und mit einiger Bürokratie rechnen. Ob es sich lohnt, hängt primär davon ab, um welchen Betrag es geht.

Fazit

Die Quellensteuer ist grundsätzlich, zumindest wenn wir die ausländische Quellensteuer in den Fokus rücken, eine komplexe Materie. Die verschiedenen Steuersätze und die individuellen Abkommen zwischen diversen Staaten erschweren es, den Durchblick zu behalten. Die teilweise Anrechnung ist zwar hilfreich, erspart aber all jenen, die sich auch die übrigen Beträge zurückholen möchten, großen bürokratischen Aufwand nicht. Wenn es nur um kleinere Summen geht ist zu überlegen, ob es überhaupt Sinn macht, die bürokratischen Hürden zu nehmen oder gleich darauf zu verzichten.

Besonders ärgerlich ist die aktuelle Situation hinsichtlich der Ausgaben für Onlinemarketing auch deshalb, weil die aktuelle Rechtsunsicherheit für Unternehmer blanker Horror ist. Es können zwar Rückstellungen für Steuernachforderungen gebildet werden, doch eine Nachforderung für sieben Jahre kann enorme Summen ausmachen – besonders für all jene Unternehmen, deren Umsätze zu einem relevanten Teil aus Onlinemarketing entstehen. Die Margen werden dadurch rückwirkend enorm verringert und die bevorstehende Einmalbelastung war kaum absehbar. Dementsprechend kann es zu wirklich existenzbedrohenden Situationen kommen. Aktuell lebt die Hoffnung auf eine bundesweit einheitliche Lösung, die gegenüber allen heimischen Unternehmen nicht nur Rechtssicherheit schafft, sondern vor allem auch Fairness herstellt.

Nadine Müller

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