Der Weg zum erfolgreichen Online Unternehmer – Ein Interview mit Peer Wandiger

Man wird nicht als Online-Unternehmer geboren. Aber jeder Mensch hat die Möglichkeit sein eigenes Online-Business aufzubauen und durchzustarten. Jederzeit. Kaum jemand verkörpert diesen Umstand so wie Peer Wandiger.

Nach seinem BWL-Studium arbeitet er zunächst als Mitarbeiter in einer mittelständischen Firma. Im Jahr 2006 wird er entlassen. Anstatt sich unmittelbar ins nächsten Angestelltenverhältnis zu stürzen, beschließt Peer etwas Neues zu versuchen. Er wagt den Schritt zur Selbstständigkeit und zwar als Webentwickler und Blogbetreiber.

Und das mit Erfolg. Über zehn Jahre ist sein Entschluss zur beruflichen Unabhängigkeit nun her. Zehn Jahre, in denen Peer nicht nur zu einem wahren Experten in Sachen Selbstständigkeit im Netz geworden ist. Auch aus der Riege deutscher Online-Unternehmer kann man ihn sich nicht mehr wegdenken. Über einen so langen Zeitraum, im schnelllebigen Internet erfolgreich zu sein. Das schaffen nicht viele. Er hat es geschafft.

Im Interview durfte ich alle Fragen stellen, die mich zu diesem Thema beschäftigen. Ich habe gefragt, Peer hat geantwortet. Viel Spaß bei einem spannenden Interview!

Dass es mal so groß werden würde, habe ich nicht erwartet, noch nicht mal geträumt.

 

    1. Über 250.000 Leser im Monat und rund 400.000 Visits per Month. Die Zahlen deines Blogs „Selbstständig im Netz“ können sich mehr als nur sehen lassen. Hättest du im Jahr 2007, als du das Projekt gestartet hast, gedacht, dass du eines Tages so viele Nutzer erreichen wirst?
      Nein, natürlich nicht. Als ich damals den Blog erstellt hatte, kannte ich zwar einige erfolgreiche US-Blogger, die damit auch sehr gutes Geld verdient haben, aber das habe ich nicht erwartet. Es sollte zum einen eine „Spielwiese“ werden, auf der ich SEO-Maßnahmen und andere Dinge ausprobieren konnte, um dann später diese Erfahrungen für meine Kundenwebsites zu nutzen. Zum anderen dachte ich damals daran, dass es vielleicht ein kleines zusätzliches Standbein zu meiner Tätigkeit als Webdesigner sein könnte. Aber dass es mal so groß werden würde, habe ich nicht erwartet, noch nicht mal geträumt.

 

    1. Erzähle uns von deinen Anfangstagen als Selbstständiger. Auf deiner Website schreibst du, dass die erste Zeit nach der Existenzgründung sehr hart war. Was hat dich dazu bewogen, deinen sicheren Arbeitsplatz in einem mittelständischen Unternehmen aufzugeben und den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen?
      Leider war der Arbeitsplatz nicht mehr sicher. Ich hatte mir zwar schon vorher Gedanken über eine Selbständigkeit gemacht, aber das war nie so konkret, dass ich dafür meinen Job gekündigt hätte. Ich fühlte mich sehr wohl, hatte tolle Kollegen und gut verdient. Leider wurde die Firma aufgekauft und außer dem Vertrieb vor Ort wurden alle anderen Mitarbeiter entlassen. Das traf auch mich und so stand ich vor der Frage, wie es weitergeht. Ich hatte ein Jobangebot in einer Webdesign-Agentur, aber da haben mich die Arbeitszeiten als junger Vater abgeschreckt. Da es bei der Kündigung zudem eine gute Abfindung gab, habe ich den Sprung in die Selbständigkeit gewagt, auch wenn es zu Beginn sicher kein Zuckerschlecken war.

 

Ich bereue den Schritt auf keinen Fall, auch wenn die ersten Jahre schwer waren.

 

    1. Würdest du das Ganze wieder so tun oder gibt es Dinge, die du rückblickend gerne anders gemacht hättest?
      Ich bereue den Schritt auf keinen Fall, auch wenn die ersten Jahre schwer waren und das Angestelltenleben natürlich auch Vorteile gegenüber der Selbständigkeit hat. So würde ich gern mal zwei Wochen in Urlaub fahren und mich gar nicht um mein Business kümmern, aber das geht nicht. Im Nachhinein würde ich sicher eher anfangen eigene Websites und Blogs aufzubauen und nicht die ersten Jahren primär als Webdesigner arbeiten. Aber auch das hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Das brachte viel Know How und Erfahrungen. Deshalb ist es schwer zu sagen, dass ich große Dinge anders gemacht hätte.

 

    1. Inwiefern unterscheidet sich der Schritt in die Selbständigkeit im Netz im Jahr 2016 vom Vorgehen im Jahr 2007, als du dich zur Existenzgründung entschlossen hast?
      Das ist schwer zu sagen, da mir natürlich die persönliche Erfahrung fehlt, wie es ist heute zu gründen. Ich habe damals als Gründer noch gutes Geld vom Staat bekommen und zusätzlich noch einen IHK-Kurs, für den es auch Geld gab. Das ist ja heute stark zurückgefahren worden. Ansonsten denke ich, dass die Möglichkeiten online Geld zu verdienen heute vielfältiger sind und man auch mehr Informationen und Anleitungen dazu findet. Auf der anderen Seite bedeutet es aber auch, dass mehr Konkurrenz im Web unterwegs ist. Ich denke, dass es also weder leichter noch schwerer als damals ist, nur anders.

 

Man muss eben etwas anbieten, was die Leute wirklich wollen und woanders so nicht bekommen.

 

    1. Beim Internet besteht bei vielen Nutzern nach wie vor eine ausgeprägte „Gratismentalität“. Das heißt, man möchte Inhalte (Texte, Bilder, Filme…) zwar konsumieren, bezahlen möchte man dafür aber in aller Regel nicht. Wie kann man also im Internet Geld verdienen bzw. genauer gefragt, womit verdienst du online dein Geld?
      Das hat sich über die Jahre schon geändert. Vor zehn Jahren war die Gratismentalität viel stärker ausgeprägt. Durch viele Online-Angebote, die es gegen Geld gibt (Amazon Prime, Netflix und Co.), aber auch durch die Normalität, die Online-Shopping heute darstellt, sind viele eher bereit online Geld auszugeben. Das sehe ich z.B. an meinem eBook, welches sehr gut läuft. Man muss eben etwas anbieten, was die Leute wirklich wollen und woanders so nicht bekommen. Dann sind sie auch bereit Geld dafür auszugeben.Ich verdiene den Großteil meiner Einnahmen aber mit Werbung und Affiliate Marketing. Da geben die Leute also nicht mir das Geld, sondern Firmen bezahlen mehr oder weniger klassisch für Werbung.

 

    1. Wie lange hat es gedauert, bis du von deiner Tätigkeit im Netz leben konntest?
      Drei bis vier Jahre waren es schon, bevor ich wirklich sagen konnte, ich bräuchte die Webdesign-Einnahmen nicht mehr zum Leben. Mittlerweile beschäftige ich mich zu 99% meiner Zeit mit meinen Websites und Blogs und kann nicht klagen.

 

Wer keine Leidenschaft mitbringt für das, was er im Internet tut, wird nicht erfolgreich sein.

 

    1. „In kürzester Zeit das große Geld machen“ – diese Erwartungshaltung haben viele Menschen bei ihrer Existenzgründung im Netz. Welchen Erwartungs- und Zeithorizont haltest du zu Beginn als Selbständiger im Netz für realistisch? Oder anders gefragt: Welche Ziele sollte man sich am Anfang als Existenzgründer setzen und wie schnell sollte man versuchen sie zu realisieren?
      Das ist kein einfaches Thema. Natürlich muss man als Gründer ans Geld verdienen denken. Schließlich muss man (irgendwann) davon leben können und deshalb ist es wichtig, kaufmännisch an die Sache heranzugehen. Allerdings habe ich sehr oft festgestellt, dass Geld als alleinige Motivation nicht funktioniert. Wer keine Leidenschaft mitbringt für das, was er im Internet tut, wird nicht erfolgreich sein.
      Hinzu kommen leider die vielen „Internet-Gurus“, die einem viel Geld über Nacht versprechen und das am besten noch ohne Arbeit.Leider gibt es davon viele und für Einsteiger klingt das natürlich sehr interessant. Ich versuche in meinem Blog immer wieder zu zeigen, was realistisch ist und was nicht.

 

Bei Google sollten im Monat schon mehrere tausend Suchanfragen (Minimum) zu dem Thema vorhanden sein.

 

    1. Ausgangspunkt, um im Internet erfolgreich zu sein, ist eine eigene Website zu gestalten. Wie geht man bei der Umsetzung vor? Was sind die ersten Schritte?
      Das ist ein Thema, was ich hier natürlich nicht wirklich umfassend beantworten kann. Eine Website zu planen und umzusetzen ist eine langwierige Sache, die viele Details beinhaltet.
      Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass die meisten zu Beginn schon den größten Fehler machen. Sie gehen allein von ihren eigenen Interessen aus, wenn sie eine Website planen. Natürlich sollte man sich für das Thema der eigenen Website interessieren, gerade wenn man vorhat regelmäßig Artikel zu schreiben. Aber man muss auch vorher abklären, ob es im Internet genug Menschen gibt, die sich ebenfalls dafür interessieren.Bei Google sollten im Monat schon mehrere tausend Suchanfragen (Minimum) zu dem Thema vorhanden sein.

      Zudem sollte man sich anschauen, wie die Top 10 in Google zu dem Thema aussieht. Die Konkurrenz sollte nicht zu stark sein, damit man es auch soweit wie möglich nach oben in die Google-Rankings schafft.

      Und drittens muss man vorher prüfen, ob man mit einem Thema überhaupt Geld verdienen kann. Ich kenne leider Websites, die viele Besucher haben, aber die Betreiber verdienen nur ein Taschengeld.

 

    1. Wie schafft man für potenzielle Websitebesucher einen Mehrwert?
      Indem man ihnen einfach zuhört und herausfindet, was sie beschäftigt. Welche Fragen haben sie zu dem Thema? Welche Probleme plagen sie mit den betreffenden Produkten? Welche Sorgen machen sie sich diesbezüglich? Wenn man Lösungen für die Nutzer anbieten, rennt man damit offene Türen ein und muss sein Produkt oder seine Leistung nicht mit großen Marketing-Aufwand in den Markt drücken. Marketing ist natürlich dennoch notwendig, damit die Zielgruppe überhaupt weißt, dass es einen gibt.Speziell auf der Firmenwebsite kann man Fallbeispiele veröffentlichen, häufige Fragen beantworten, Feedback einholen oder auch Videos mit Tipps veröffentlichen. Die Möglichkeiten sind vielfältig, solange man in erster Linie an die Nutzer und ihre Bedürfnisse denkt.

 

Wer gründet sollte analysieren, wie er seine Zielgruppe erreicht.

 

    1. Bei der Vermarktung der eigenen Website bieten die Sozialen Medien heutzutage vielfältige Möglichkeiten. Welche Kanäle nutzt du bzw. braucht man Soziale Medien für die Existenzgründung überhaupt?
      Ich muss zugeben, dass ich privat gar kein großer Nutzer der sozialen Medien bin. Zumindest Facebook und Co. Nutze ich privat kaum. Für meine Websites und Blogs sind diese Plattformen allerdings schon wichtig. Es ist ein weiterer Kanal, in dem man die eigenen Artikel und Sites bekannt machen kann.
      Zudem nutze ich Twitter zur Recherche und ich bekomme auf diese Weise viele News und interessante Artikel mit.Wer gründet sollte analysieren, wie er seine Zielgruppe erreicht. Gerade lokale Gründer erreichen diese heute häufig besser mit Facebook und Google AdWords, als mit Zeitungsanzeigen.

 

    1. Dem Wortlaut nach muss man gerade als Existenzgründer/Selbstständiger „selbst“ und „ständig“ arbeiten, um erfolgreich zu sein. Wie stehst du diesem Thema gerade in Bezug auf die Selbständigkeit im Netz gegenüber?
      Ich mag den Spruch „selbst und ständig“ nicht, da er das irgendwie glorifiziert. Als ist man nur dann ein guter Selbständiger, wenn man nur noch arbeitet. Gerade zu Beginn mag das auch so sein, aber wer nach ein paar Jahren nicht soweit ist, dass er die Überstunden weglassen kann und einen Teil der Aufgaben vielleicht outsourced, der macht was falsch. Es macht mir persönlich immer noch sehr viel Spaß zu bloggen und Websites zu bauen. Aber ich habe in den letzten Jahren auch viele Hobbies wiederentdeckt und verbringe mehr Zeit mit meinen Kindern. Das ist für mich ein wichtiger Erfolg meiner Selbständigkeit, nicht nur das Geld.

 

    1. Hältst du Outsourcing in diesem Bereich für sinnvoll?
      Gerade als Selbständiger im Netz kann man einiges outsourcen. Das können technische Dinge sein oder auch einzelne Marketing-Aufgaben. Ich habe z.B. den ein oder anderen freien Autor, der für mich Artikel schreibt. Das liegt sicher an jedem/jeder selber, was er/sie am liebsten macht. Manche Bereiche würde ich wohl nie outsourcen. Dagegen gibt es einfach Tätigkeiten und Aufgaben, die gemacht werden müssen, worauf ich aber nicht so große Lust habe und die ein anderer auch viel besser kann. Da bietet sich Outsourcing natürlich an.Aber ich habe mich damit auch lange schwer getan. Geld zu investieren muss man lernen und gerade Gründer brauchen das natürlich erstmal nicht. Schließlich muss man jeden nicht ausgegebenen Euro auch nicht verdienen.

 

Routinen sind dabei einerseits wichtig, da man schneller vorankommt und bessere Qualität liefern kann. Aber ich versuche auch immer wieder was Neues und stelle Dinge um, damit es nicht langweilig wird.

 

    1. Anderes Thema: Produktivität und Alltagsroutinen. Wie muss man sich einen Arbeitstag im Leben des Peer Wandiger vorstellen?
      Recht langweilig. :-)Ich bin Büromensch und sitze gern am PC. Deshalb läuft es bei mir eigentlich recht gleichmäßig ab. Morgens werden in der Regel erstmal die Mails gecheckt und ggf. Fragen auf Facebook oder YouTube beantwortet. Dann mache ich mich an meine Tagesaufgaben, welche meist ein paar neue Artikel umfassen, aber auch viele andere Aufgaben.Bei mir gibt es mittlerweile viel zu tun, nicht nur das Schreiben von Artikeln.
      Routinen sind dabei einerseits wichtig, da man schneller vorankommt und bessere Qualität liefern kann. Aber ich versuche auch immer wieder was Neues und stelle Dinge um, damit es nicht langweilig wird.

 

Die Selbständigkeit ist ein Marathon und kein Sprint. Deshalb sind Ausdauer, Dauerhaltevermögen und Disziplin wichtig.

 

    1. Hast du Ratschläge und Ideen, die Anderen bei der Selbständigkeit im Internet das Leben erleichtern?
      Nicht jedem Hype hinterherlaufen und nicht auf vermeintlich tolle Versprechen einiger „Experten“ hören, die einem das schnelle Geld über Nacht versprechen. Die Selbständigkeit ist ein Marathon und kein Sprint. Deshalb sind Ausdauer, Dauerhaltevermögen und Disziplin wichtig.Zudem sollte man Spaß an der Arbeit haben, aber auch etwas suchen, was sich lohnt. Gute Erfahrungen habe ich zudem damit gemacht klein anzufangen. Lieber eine kleine Website fertig stellen und mit der nächsten weitermachen, als sofort an einem riesigen Portal zu basteln, welches dann nie fertig wird.

      Rücklagen für die ersten 6-12 Monate sind auch sehr zu empfehlen, da es dauert, bis man sich ein Vollzeiteinkommen aufgebaut hat.

      Und nicht zuletzt sollte man viel ausprobieren, immer dazu lernen und sich auch von Fehlern nicht entmutigen lassen.

 

    1. Was sind in deinen Augen die größten Zeitfresser bei der Existenzgründung im Netz und wie kann man diese vermeiden?
      Ich muss sagen, dass ich selber keine großen Zeitfresser habe. Viele andere werden aber vom Social Web bzw. generell dem Internet abgelenkt. Das sollte man vermeiden und möglichst nur an einer Sache arbeiten und die dann auch durchziehen.Dabei hilft es natürlich, wenn man in seinem Büro (oder Heimbüro) möglichst wenig Ablenkung hat. Zudem sollte man Facebook und Co. zumachen und nur zwei- bis dreimal am Tag öffnen. Das ist übrigens auch für das Mailprogramm zu empfehlen.

 

Hypes sind halt leider so schnell wieder vorbei, wie sie gekommen sind.

 

  1. Zum Abschluss noch eine persönliche Einschätzung. Wenn man sich aktuell im Internet selbständig machen möchte – in welchem Bereich siehst du das größte Potenzial? Was wird „the next big thing“?Videos sind immer noch im Kommen, auch wenn der große YouTuber-Hype vorbei ist. Dennoch ist in dem Bereich noch einiges zu erwarten. Aber ich bin auch kein Fan des „next big thing“. Ich baue mir lieber langfristige Projekte auf, die vielleicht nicht gleich durch die Decke gehen, aber dafür langfristig funktionieren. Hypes sind halt leider so schnell wieder vorbei, wie sie gekommen sind.

Vielen Dank für das Interview, Peer!

Peter Sutter

Head of Marketing und bei den neusten Marketingstrends up to date. Peter kennt die Kunden von sevDesk genau und weiß daher um die Bedürfnisse von kleinen Unternehmen. Auf unserem Blog teilt er sein Wissen mit dir!

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