8, September, 2016 | Inspiration | Von Felix Zipf
digitalnomad

Digitale Nomaden – acht Experten, acht Meinungen!

Vom idyllischen Strand sein Business in Deutschland regeln – Mythos oder ganz normaler „Arbeitsalltag“ im Leben eines digitalen Nomaden?

Ich möchte dir ein Lebensmodell vorstellen, dass mit jenem eines klassischen Angestellten in Deutschland wenig gemein hat. Digitale Nomaden reisen um die Welt und arbeiten ortsunabhängig an den schönsten Plätzen dieser Erde.

Wie kann das funktionieren? Genau das habe ich mich gefragt und acht Experten zu diesem Thema interviewt. Die ehrlichen und teils überraschenden Antworten findest du in diesem Beitrag.

Das erwartet dich:

Zunächst sollte man aber die Frage klären: Was sind digitale Nomaden und wie sind sie entstanden?

Wie die Digitalisierung die Arbeitswelt verändert

Das digitale Leben verändert unsere Arbeitswelt. In einer Welt, in der man heutzutage problemlos über Kontinente hinweg miteinander kommunizieren kann, eröffnen sich für Berufstätige (gerade in der Online-Branche) orts- und zeitunabhängige Arbeitsmodelle.

Passend dazu sind jüngst veröffentlichte Studien des Personaldienstleisters Manpower. Die Jobzufriedenheit ist aktuell mit lediglich 51 % auf dem tiefsten Stand seit dem Jahr 2012. Mangelnde Perspektiven und unflexible Arbeitszeitmodelle sind demnach neben einer schlechten Bezahlung Hauptgründe für diese Unzufriedenheit.

Das digitale Nomadentum bietet dafür teilweise einen Ausweg und erfährt derzeit einen starken Zustrom. Das ist mit Blick auf die Studienergebnisse wenig verwunderlich.

Digitale Nomaden begreifen die Digitalisierung als Chance, um das (Berufs-)Leben nach ihren Wünschen und Vorstellungen zu realisieren. Weg von Fremdbestimmung, hin zu einer erfüllten, selbstbestimmten Existenz.

Der Begriff geistert derweil gerade in den letzten Jahren vermehrt durch die deutschsprachigen Medien und wurde durch die großen „Vorzeige-Nomaden“ (Conni Biesalski, Sebastian Canaves, Tim Chimoy und Co.) personalisiert.

Was ist ein digitaler Nomade?

Selbstbestimmtheit und Ortsunabhängigkeit, mit diesen beiden Schlagworten lässt sich das Dasein von digitalen Nomaden wahrscheinlich am treffendsten beschreiben.

Und nach diesem Dasein streben immer mehr Menschen und möchten so der tristen Fremdbestimmung in einer Festanstellung entfliehen.

Eine genaue Definition des Begriffes digitaler Nomade gestaltet sich durch die kontinuierliche Weiterentwicklung der Szene als schwierig, könnte aber in etwa so klingen:

„Digitale Nomaden sind Menschen, die ihrem Beruf in aller Regel im Internet und mit Hilfe digitaler Technologien nachgehen. Zum Verrichten der Arbeit müssen sie nicht sesshaft sein, sondern können unabhängig vom Aufenthaltsort tätig werden. Digitale Nomaden können in Einzelfällen in einem festen Arbeitsverhältnis stehen. Häufiger handelt es sich bei diesen Menschen allerdings um Unternehmer oder Freelancer, die sich eine Selbstständigkeit aufgebaut haben.“

Die digitalen Nomaden melden sich zu Wort…

Ich möchte in diesem Beitrag die digitalen Nomaden selbst zu Wort kommen lassen und eine aufrichtige Einschätzung von Menschen aus der Praxis. Acht digitale Nomaden sind meinem Ruf gefolgt und haben überaus ehrlich auf meine Fragen zu diesem Thema geantwortet.

Existieren klassische Arbeitstage?

Schon bei der ersten Frage haben die digitalen Nomaden getreu dem Motto „Wir sind uns einig, dass wir uns uneinig sind“ geantwortet. Klassische Arbeitstage sind für die Mehrheit der digitalen Nomaden eher ein Fremdwort.

Bastian Barami:

„Einen „klassischen Arbeitsalltag“ gibt es in der Form nicht. Wenn man nicht grade als Freelancer mit festen Kunden zu festen Zeiten arbeitet, gestaltet sich der Tagesablauf sehr frei und flexibel.“

Carina Herrmann:

„Je länger ich an einem Ort bin, desto eher erschaffe ich mir dort natürlich auch eine Art Routine (das Lieblings-Café zum Arbeiten, eine schöne Bibliothek oder ein Coworking Space zum Beispiel) … Aber der Tagesablauf ist schon recht unterschiedlich. Es gibt Phasen in denen ich den Schwerpunkt eher auf das Reisen lege und in denen ich nur 1-2 Stunden am Tag oder gar nicht arbeite. Dann gibt es wieder Phasen, in denen ein neues Projekt ansteht und ich eher 4-6 Stunden darin versinke. Das wechselt sich in einer guten Balance ab.“

Demgegenüber haben andere durchaus versucht Arbeitsroutinen aus ihren früheren Tätigkeiten in Deutschland zu übernehmen.

Raphael Rychetsky:

„Ich versuche, eine gewisse Routine für jeden Tag zu haben. Dazu gehört Sport, ein gutes Frühstück und dann geht es schon an den Rechner. Das unterscheidet sich nicht wirklich von den Arbeitstagen, die ich in Deutschland hatte.“

Jenny Meyer:

„Ohne einen “geregelten” Arbeitstag kann zumindest ich persönlich nicht wirklich produktiv sein und Dinge erledigt bekommen. Und von daher sieht mein klassischer Arbeitstag auch nicht viel anders aus als früher. Ich steh morgens auf und geh zur Arbeit. Entweder daheim im homeoffice, im Coworking Space oder in ein Kaffee. Irgendwann mache ich Mittagspause, vielleicht wechsel ich die Location und arbeite von woanders weiter und irgendwann gegen Abend mach ich Feierabend … Das einzige besondere ist vielleicht, dass der Arbeitstag nicht immer zwischen Montag und Freitag liegt, sondern ab und zu auch mal am Wochenende und dafür gibt’s eben unter der Woche dann mal einen freien Tag.“

Ist Reisen ein Muss?

Ortsunabhängig charakterisiert zusammen mit selbstbestimmt relativ treffend das Leben von digitalen Nomaden.

Gerade in Bezug auf das ortsunabhängige Arbeiten stellt sich die Frage, ob damit zwangsläufig Reisen gemeint ist oder einfach nur die Freiheit an jedem Ort dieser Welt seine Arbeit verrichten zu können.

Unter den digitalen Nomaden besteht im Großen und Ganzen Einigkeit darüber, dass das Reisen ein Teil des Lifestyles als digitaler Nomade ist.

Carina Herrmann:

„Ich würde sagen es ist der Hauptbestandteil meines Lebensstils und der Grund, warum ich zur digitalen Nomadin wurde. Ich liebe das Reisen.“

Carina Hermann reist als digitale Nomadin um die Welt.
Carina Herrmann reist als digitale Nomadin um die Welt.

Einschränkungen machen die digitalen Nomaden allerdings in der Art des Reisens. Es lassen sich deutliche Unterschiede zu Backpackern und normalen Urlaubsreisenden aufzeigen.

Bastian Barami:

„Das Reisen war die Motivation diesen Lifestyle überhaupt anzustreben. Nichts fördert so die Kreativität, wie sich stets neuen Umgebungen und Gegebenheiten auszusetzen. Ich brauche die stetige Veränderung. Allerdings bevorzuge ich es, nicht wie ein Backpacker alle 2-3 Tage von Stadt zu Stadt zu ziehen. So kriegt man arbeitstechnisch nichts gebacken. Viel mehr möchte ich, je nach Gefallen, in manchen Städten mehrere Wochen oder Monate bleiben, um wirklich in die Kultur und das lokale Leben eintauchen zu können. Das was Reisen ausmacht ist ja interkultureller Austausch und nicht Sightseeing.“

Daniel Schöberl:

„Dass sich das Reisen mit meinem beruflichen Hintergrund im Online Marketing wunderbar vereinbaren lässt, ist großer Luxus für mich. Doch anders als beim Backpacking reise ich mittlerweile sehr langsam und halte mich in der Regel über mehrere Wochen an einem Ort auf. Die Arbeit steht bei einem Digitalen Nomaden schließlich im Vordergrund und nicht das Reisen, auch wenn es für viele Außenstehende danach aussieht.“

Nadine Mandrella:

„Ich würde mich nicht als typische Reisende bezeichnen, da ich nicht ständig meinen Ort wechsle und unterwegs bin. Um produktiv arbeiten zu können, ziehe ich es vor, mich lange am selben Ort aufzuhalten … Bei der Wahl meiner Orte lege ich großen Wert auf eine gute, auf digitale Nomaden ausgerichtete Infrastruktur mit Cafés und Co-Working Spaces zum Arbeiten, gutem Essen und bezahlbaren Langzeit-Unterkünften. Ich genieße die Freiheit, mich aufhalten zu können, wo ich möchte – egal ob Südostasien, Südafrika oder Deutschland.“

Marinela Potor:

„Ich bin richtig reisesüchtig und kann es selbst in meinen “sesshaften” Phasen nicht lange an einem Ort aushalten, sodass ich auch dann immer kleine Trips unternehme … Permanent Reisen wäre aber nichts für mich, das sind viel zu viele Eindrücke, die ich verarbeiten muss und es ist natürlich auch körperlich anstrengend, ständig den Ort zu wechseln.“

Wo arbeiten digitale Nomaden am liebsten?

Am Strand? In der Hängematte? Im Bett? Wo arbeiten sie denn nun am liebsten, die digitalen Nomaden?

Daniel Schöberl:

„Um gleich mal mit einem ganz bestimmten Vorurteil aufzuräumen: Am Strand habe ich bisher noch nicht gearbeitet, denn das funktioniert einfach nicht. Wenn ich konzentriert arbeiten muss, bin ich meistens in meiner Unterkunft. Daher achte ich darauf, dass diese stets mit einem Schreibtisch und einer guten Internetverbindung ausgestattet ist. Zum Bloggen und Abarbeiten von E-Mails zieht es mich oftmals in Cafés, während ich es mir bei größeren Projekten gerne auch in Coworking Spaces gemütlich mache. Diese eignen sich außerdem wunderbar zum Netzwerken und Austausch mit Gleichgesinnten.“

Arbeitet auf Reisen am Liebsten in seiner Unterkunft - Daniel Schöberl. Gemütlich darf es deshalb aber trotzdem sein...
Arbeitet auf Reisen am Liebsten in seiner Unterkunft – Daniel Schöberl. Gemütlich darf es deshalb aber trotzdem sein…

Sebastian Canaves:

„Ich arbeite am liebsten zuhause. Wenn das nicht geht, ein einem Café und oder einem Co-Working-Space. Zuhause, bzw. in AirBnB Apartments ist es immer schön ruhig. Mittlerweile kann ich mir auch etwas bessere Apartments leisten, wo man gerne drin wohnt und auch drin arbeitet. In Cafés herrscht hingegen eine konstante Hintergrundbeschallung, die man nach ein paar Minuten sehr gut ausblenden kann, und dann gibt es natürlich noch den guten Kaffee, der einen wach hält. In Co-Working-Spaces kann ich oftmals schlecht arbeiten, da die Geräuschkulisse sehr durchwachsen ist und ich hierdurch leichter von der Arbeit abgelenkt werde. Außerdem ist fast immer jemand dabei, der einen anspricht und fragt, ob man nicht an einer Umfrage teilnehmen kann, eine Frage kurz beantworten kann oder der wissen will, woran du gerade arbeitest.“

Die eigene Unterkunft, vorausgesetzt es ist ein Schreibtisch und eine gute Internetverbindung vorhanden, zählen also zusammen mit Cafés und Co-Working-Spaces zu den beliebtesten Plätze zum Arbeiten.

Ausgefallener darf der Arbeitsplatz aber durchaus auch mal sein, was folgende Aussagen verdeutlichen.

Bastian Barami:

„Mein verrücktester Work Space war ein Taxi auf Bali, auf dem Weg zu einem Surf-Festival. Dank mobilem Hotspot über’s Handy konnte ich ohne Probleme arbeiten, selbst wenn es auf der Straße Hühnerstau gab.“

Marinela Potor:

„Meine verrückteste Arbeitssituation war in einem kleinen Dorf in Kolumbien, Tibasosa (etwa 2 Stunden von Bogotá entfernt). Dieses Dorf war noch nicht ans WLAN angeschlossen und der einzige Ort, an dem man Internet hatte, war in der Stadtbücherei. Es war aber Sonntag und die Bücherei hatte geschlossen, also saß ich draußen auf der Mauer vor der Bücherei, um mich irgendwie ins offene WLAN einzuklinken. Das hat nicht besonders gut funktioniert und ich musste letztendlich 30 Minuten mit dem Bus in den nächsten Ort fahren – und hier von einem Hähnchenrestaurant aus meine Arbeit erledigen.“

Raphael Rychetsky:

„Das BeachHub auf Koh Phangan, Thailand. Ein Co-Working-Space mit Meerblick, quasi direkt am Strand. Daran könnte ich mich gewöhnen.“

Nadine Mandrella:

„Mein ausgefallenster Arbeitsplatz war wohl in einem kleinen versteckten Café/Restaurant, welches sich inmitten der balinesischen Reisfelder befand. Ich saß mit meinem Laptop mitten in der Natur – um mich herum nur saftiges Grün, bunte Blumen und eine schnatternde Entenfamilie. Das sind die Momente, in denen ich auf meinen früheren Arbeitsplatz in einem grauen Büro zurückblicke und unendlich dankbar dafür bin, dass ich meine Arbeit und auch mein Leben nun so gestalten kann, wie ich es möchte.“

Warum wird man digitaler Nomade?

Der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung spielte bei der Mehrheit meiner Interviewpartner die dominierende Rolle beim Schritt in ein digitales Nomadenleben.

Reisefieber oder auch einfach nur der Zufall wurden aber ebenfalls als Beweggründe genannt. Hier ein kurzer Ausschnitt der individuellen Motive.

Bastian Barami:

„Ich denke die Entscheidung traf ich, als der Alltagsfrust überhand genommen hat. Mein Job und die fehlende Perspektive haben mich einfach mürbe gemacht. Das ich null Sinnhaftigkeit in meiner Tätigkeit sah, hat mich stark in dem Streben nach einem selbstbestimmteren Leben bestärkt. Alle beklagen sich, ständig, über alles. Job, Geld, Partnerschaft, einfach alles. Aber davon wird ja nix besser. Wir sind jederzeit nur EINE Entscheidung von einem völlig anderen Leben entfernt. Und das wollte ich haben.“

Nadine Mandrella:

„Mir wurde recht schnell klar, dass es mich nicht glücklich machen wird, mein Leben lang an den Träumen eines anderen zu arbeiten. Ich musste mein eigenes Ding machen. Auch die starren Strukturen und die für mich persönlich bedeutungslosen Tätigkeiten, die ich während meiner Jobs ausführte, konnten irgendwie nicht das sein, womit ich meine wertvolle Lebenszeit verbringen wollte. Hinzu kam die begrenzte Anzahl an Urlaubstagen, die es mir nicht möglich machte, meiner Leidenschaft, dem Reisen, nachzugehen und die Welt zu entdecken. Als ich nach Alternativen zu diesem konventionellen Leben suchte, stieß ich recht schnell auf das ortsunabhängige Arbeiten und die Sache war für mich klar: DAS ist es!“

Marinela Potor:

„Mich hat eigentlich nichts dazu bewogen, es hat sich einfach so ergeben. Ich habe eher zufällig (und aus Geldnot) angefangen, freiberuflich zu arbeiten und gemerkt, wie viel Freiheiten mir das lässt. So habe ich mir dann selbst mehr und mehr Freelancer-Jobs aufgebaut, bis ich komplett davon leben konnte und keinen festen Job mehr brauchte. Da sich das natürlich sehr gut mit dem Reisen kombinieren lässt und ich wirklich reisefanatisch bin, kam das sehr natürlich. Ich habe viele Jahre so gelebt und gearbeitet, ohne zu wissen, dass es so etwas wie digitale Nomaden gibt und dass es viele Menschen gibt, die ein ähnliches Lebensmodell haben.“

Wie viel arbeiten digitale Nomaden wirklich?

Nachdem Daniel bei der Frage nach der Arbeitsroutine bereits dem Mythos des am strandarbeitenden Nomaden widersprochen hat, habe ich mich in einem nächsten Schritt gefragt: Wieviel arbeitet man denn nun als digitaler Nomade? Oder anders gefragt: Kann man ein Arbeitstier sein, während man am schönsten Fleckchen der Erde das Meer rauschen hört?

Die Antwort darauf lautet definitiv JA. Sebastian übersteigt mit seinen 60-70 Stunden wöchentlichen Arbeitsstunden wohl das Volumen jedes Festangestellten in Deutschland.

40 Stunden plus sind aber auch für die anderen Befragten keine Seltenheit.

Daniel Schöberl:

„Wie vorhin schon angedeutet sind meine Arbeitstage sehr unterschiedlich. Wichtig ist mir aber, dass ich Woche für Woche mindestens 40 Stunden gezielt an meinen eigenen Projekten und denen der Kunden arbeite. Das hat bisher auch wunderbar geklappt, wobei die Bruttoarbeitszeit meist weitaus höher ist. Auch freie Wochenenden gibt es nur noch sehr selten.“

Jenny Meyer:

„Das wöchentliche Arbeitspensum ist sehr unterschiedlich… von 20 bis 60 Stunden ist alles möglich.“

Interessanterweise ist unabhängig von den tatsächlichen Arbeitsstunden das Empfinden, wie sich die Arbeit anfühlt, bei digitalen Nomaden anders.

Nadine Mandrella:

„Ich arbeite aktuell ca. 30 Stunden pro Woche für Kunden und 20 weitere Stunden an meinen eigenen Projekten. Ich arbeite damit mehr, als ich es in meinen Angestelltenjobs in Deutschland getan habe, aber es fühlt sich komischerweise viel weniger an. Die meisten Tätigkeiten, die ich erledige, tue ich gern. Daher verfliegt die Zeit beim Arbeiten.“

Carina Herrmann:

„In Zeiten, in denen das Reisen an erster Stelle steht, kann ich das Arbeiten gut ein paar Wochen auf 4-5 Stunden reduzieren. Das funktioniert allerdings nicht als Dauerzustand. Dann würde mein Online-Business irgendwann doch den Geist aufgeben. In Zeiten, in denen ich an neuen Produkten oder Ideen arbeite, sind es etwa 20 Stunden pro Woche. Aber meine Definition von Arbeit ist vermutlich nun auch eine ganz andere als früher. Es fühlt ich eher an, als hätte ich endlich alle Zeit der Welt, mich mit meinen Hobbys zu beschäftigen und damit Geld verdienen zu können.“

Ebenfalls scheint das Thema Outsourcing unter digitalen Nomaden eine nicht ganz unwichtige Rolle zu spielen.

Bastian Barami:

„Ehrlich gesagt schaue ich beim Arbeiten nie auf die Uhr, weil ich nicht wie Freelancer stundenbasiert arbeite. Ich denke ich verbringe im Schnitt aber schon 6-8 Stunden täglich am Laptop, wenn ich nicht grade unterwegs bin. Das ist aber zum Großteil freiwillig, weil mir Spaß macht was ich tue. Das reine Aufrechterhalten meines Kerngeschäfts braucht pro Woche nicht mehr als 5-6 Stunden, da der Großteil der Arbeit ausgelagert ist.“

Nomadentum ein Leben lang?

Auch noch mit Mitte Fünfzig durch die Welt tingeln und arbeiten wann immer und wo immer man möchte? Die große Mehrheit digitaler Nomaden ist aktuell im „besten Alter“ zwischen 20-40 Jahren. Und wer kann heute schon sagen, was die (Arbeits-)Zukunft in 10,20 oder 30 Jahren bringt?

Ich habe meinen Interviewpartner dennoch genau diese Frage gestellt: Möchtest du dein Leben als digitaler Nomade dauerhaft aufrechterhalten?

Die Meinungen waren diesbezüglich zweigeteilt. Auf der einen Seite ist für einige das digitale Nomadentum ein vorübergehender Ist-Zustand.

Jenny Meyer:

„Nein. Das war auch nie meine Absicht. Ich hoffe eher darauf, einen Platz zu finden, an dem ich mich längerfristig aufhalten möchte. Meine Idealvorstellung wäre eine Kombination daraus, den Sommer in Europa und den Winter in Südostasien zu verbringen.“

Sebastian Canaves:

„Ganz klar: NEIN! Ich will mir aber weiterhin die Flexibilität und Freiheit beibehalten zu entscheiden, ob ich nächste Woche lieber nach Spanien fliege oder doch zu Hause arbeite.“

Daniel Schöberl:

„In den kommenden ein bis zwei Jahren möchte ich weiterhin als Digitaler Nomade in der Welt unterwegs sein. Danach könnte ich mir gut vorstellen, meine Zelte wieder komplett in Deutschland aufzustellen und als Selbstständiger von einem festen Wohnsitz aus zu arbeiten. Aber wer weiß jetzt schon, was in zwei Jahren ist.“

Auf der anderen Seite ist das Leben als digitaler Nomade für einige ein Zustand, an dem sich auch auf Dauer nichts ändern soll.

Marinela Potor:

„Das ist eine komische Frage, die – wie viele – annimmt, dass das Leben als digitaler Nomade nur eine “Phase” ist, wie eben ein Backpacking-Trip oder eine Weltreise. Menschen, die im festen Job arbeiten, werden ja auch nicht gefragt, ob sie ihr Leben dauerhaft so leben möchten. Also: Ja, natürlich! Für mich ist das keine “Phase”, sondern ein Lebensentwurf und warum sollte ich Unabhängigkeit, Selbständigkeit, Freiheit und vor allem auch Reisefreiheit aufgeben wollen?!“

Freiheitsliebend. Marinela Potor will digitale Nomadin bleiben.
Freiheitsliebend. Marinela Potor will digitale Nomadin bleiben.

Ein Konsens besteht dagegen dahingehend, ob man sich vorstellen kann wieder ein „normales Angestelltenverhältnis“ in Deutschland aufzunehmen. Nadine hat das mit ihrer Aussage stellvertretend für alle interviewten Nomaden passend beschrieben.

Nadine Mandrella:

„Ein Leben in einer Festanstellung kann ich mir nicht mehr vorstellen. Wer einmal die Freiheit erlebt hat, die ich gerade habe, will darauf nicht mehr verzichten, denke ich. Ob ich dauerhaft reisen bzw. im Ausland leben möchte, weiß ich nicht. Aber das Schöne an der Ortsunabhängigkeit ist ja gerade, dass ich jederzeit frei entscheiden kann, wo ich mich aufhalten möchte. Wenn ich mir morgen überlege, dass es mir auf Bali nicht mehr gefällt und ich zurück nach Deutschland möchte, dann steig ich in den Flieger und kann genauso von Deutschland aus weiterarbeiten. Eins kann ich mit Sicherheit sagen: Ich möchte mein Leben als Selbstständige dauerhaft aufrechterhalten.“

Wie erstellt man Rechnungen als digitaler Nomade?

Es liegt in der Natur der Sache, dass ich, stellvertretend für sevDesk abschließend auch diese eine Frage stellen musste.

Auch hier ist das Lager zweigeteilt. Die eine Hälfte präferiert die Onlinevariante mit Buchhaltungssoftware wie beispielsweise sevDesk. Die zweite Hälfte greift traditionell (und altmodisch) auf Word, Excel oder InDesign zurück.

Ich persönlich habe an dieser Stelle der Aussage von Daniel nichts hinzuzufügen und würde mich freuen, wenn sevDesk zukünftig zahlreiche digitale Nomaden bei ihrer Buchhaltung unterstützen darf.

Daniel Schöberl:

„Ich greife seit knapp zwei Jahren auf eine Buchhaltungssoftware zurück, die mir meinen Arbeitsalltag enorm erleichtert. Nicht nur, weil ich damit schnell und einfach Rechnungen erstellen kann, sondern ich sämtliche Einnahmen und Ausgaben stets im Überblick behalte. Ich kann jedem digitalen Nomaden Tools, wie zum Beispiel sevDesk, wärmstens empfehlen. Nichts ist lästiger als sich unnötig viel Zeit mit Rechnungen zu vertreiben, die mit Excel oder Word erstellt wurden.“

Fazit

Eine Stunde am Tag in der Hängematte liegend am Strand das nötigste abarbeiten. Nein, genau so sieht das Leben eines digitalen Nomaden eben nicht aus.

Ich hoffe, ich konnte mit meinem Beitrag dieses falsch gezeichnete Bild relativieren.

Digitale Nomaden führen ein weitaus arbeitsreicheres Leben als es viele für möglich halten. Mit einem kleinen aber feinen Unterschied: Sie arbeiten an Orten, an denen ich Urlaub mache oder von denen ich nur träumen kann.

Du willst ebenfalls solch ein Leben?

Meine Interviewpartner haben deutlich gezeigt, dass es möglich ist. Was du dazu benötigst? Reiselust, Disziplin und vor allem eines: Mut. Mut dazu, eine möglicherweise sichere, aber dafür unbefriedigende Festanstellung in Deutschland hinter dir zu lassen.

Gelingt dies wartet unter Umständen ein ganz neuer Lebensabschnitt als digitaler Nomade auf dich. Das kann nicht nur Ausgangspunkt für ein großes Abenteuer sein, sondern auch die Eintrittstür in ein glücklicheres Leben.

Die acht digitalen Nomaden im Porträt

Die kompletten Interviews mit den digitalen Nomaden findet du hier.

Sebastian Canaves

[das gesamte Interview mit Sebastian findest du hier]

Sebastian gilt in Deutschland als einer der großen „Vorzeige-Nomaden“, wenngleich er selbst nie ein digitaler Nomade sein wollte. Als Reiseblogger wurde ihm dieser Name nach eigenem Bekunden irgendwann „aufgedrückt“.

Den Zeitgeist als digitaler Nomade durch die Welt zu reisen hat Sebastian dennoch frühzeitig für sich entdeckt. Er hat sich dabei vor allem mit seinem Reiseblog Off the Path ein profitables Geschäft aufgebaut.

Seine Vorreiterrolle in Sachen digitalem Nomadentum machte ihn darüber hinaus in den zurückliegenden drei Veranstaltungen zum Opening Speaker der DNX (Digitale Nomaden Konferenz) in Berlin.

Marinela Potor

[das gesamte Interview mit Marinela findest du hier]

Seit 2013 ist sie ohne festen Wohnsitz. Marinela kann als freiberufliche Journalistin dort arbeiten, wo es ihr am besten gefällt. Für On- und Offlinemedien beschäftigt sie sich vor allem mit Technikthemen und Feminismen.

Darüber hinaus ist sie auch im Online-Marketing als Bloggerin tätig. Seit Januar betreibt sie mit Tobias Gillen von Basic Thinking ein Onlinemagazin speziell für digitale Nomaden. Der thematisch passende Name des Magazins: Mein Leben digital.

Daniel Schöberl

[das gesamte Interview mit Daniel findest du hier]

Daniel gab vor etwa einem Jahr sein Job als Social Media Manager bei einer mittelständischen Online Marketing Agentur auf, um als digitaler Nomade um die Welt zu reisen. Seither hat sich der ausgewiesene Social Media Experte verschiedene berufliche Standbeine aufgebaut.

Mit I Am Digital und Rucksackträger betreibt er zwei erfolgreiche Blogs und bietet darüber hinaus mit plusonelike Dienstleistungen im digitalen Sportmarketing an.

Sein erstes E-Book „Auf die Plätze, fertig, los! Erfolgreich ins digitale Sportmarketing starten“ ist übrigens in großen Teilen während seiner ersten Südostasienreise als digitaler Nomade entstanden.

Nadine Mandrella

[das gesamte Interview mit Nadine findest du hier]

Arbeiten wo und wann sie will, ergo ein selbstbestimmtes Leben. Diesen Traum hat sich Nadine verwirklicht. Als Freelancerin unterstützt sie verschiedene deutsche Kunden.

Virtuelle Assistentin, Texterin und Social Media Consultant wären diesbezüglich passende Berufsbezeichnungen. Langfristig hat sich die ehrgeizige Reisende als Ziel gesetzt mit eigenen Projekten Geld zu verdienen.

Der Blog Office Journey soll ihr bei diesem Vorhaben behilflich sein und ist thematisch auf ortsunabhängige Selbstständigkeit, Minimalismus und Reisen ausgerichtet.

Bastian Barami

[das gesamte Interview mit Bastian findest du hier]

Zweifacher Uni-Abbrecher, digitaler Nomade und leidenschaftlicher Reisender – mit diesen Worten beschreibt sich Bastian von Officeflucht selbst und richtet sein Handeln dabei getreu seinem Motto „work smart. not hard“ aus.

Als Onlinehändler hat er große Teile seines Business outgesourct und kann so seiner großen Leidenschaft, dem Reisen, intensiv nachgehen. Auf seinem Blog teilt er seine Erfahrungen als Online-Unternehmer und möchte anderen Menschen ebenfalls helfen ihren gewünschten Lebensstil zu realisieren.

Jenny Meyer

[das gesamte Interview mit Jenny findest du hier]

Auch Jenny trieben der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung, unternehmerischer Freiheit und ein ortsunabhängiger Lebensstil in die Selbstständigkeit – und das als digitale Nomadin. Mit ihrem Mentoring-Programm fit4consulting hilft sie Freiberuflern ihre Beratungsfähigkeiten auf- und auszubauen.

Darüber hinaus bestreitet sie ihren Lebensunterhalt als Consultant für digitale Transformation und Social Collaboration und versucht aktuell ein weiteres Standbein im Onlinehandel aufzubauen.

Raphael Rychetsky

[das gesamte Interview mit Raphaell findest du hier]

Geld verdienen und dabei die schönsten Flecken dieser Erde erkunden? Raphael hat sich diesen Traum als Freelancer im Bereich Frontend Entwicklung verwirklicht. Einen festen Wohnsitz benötigt er dafür nicht, was ihm erlaubt, die Welt zu bereisen.

Seine Erlebnisse teilt er derweil auf Youtube (Raphael Rychetsky).  Bereits 19 Folgen kann sein sogenannter VLOG (=Videoblog) vorweisen.

Aktuell macht er einen Zwischenstop in Deutschland, ehe seine Welterkundung im Herbst fortgesetzt wird. Dann sicherlich mit neuen Videobeiträgen auf Youtube.

Carina Herrmann

[das gesamte Interview mit Carina findest du hier]

Ein ausgeprägtes Reisefieber hat Carina, bekannt durch die Blogs Pink Compass und Um 180 Grad, dazu bewogen den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und digitale Nomadin zu werden.

Verschiedene Einkommensströme auf Basis ihrer Blogs und Kooperationen mit Unternehmen ermöglichen ihr dieses Dasein.

Drei Jahre lang lebt sie nun schon den außergewöhnlichen Lifestyle und hat mittlerweile die für sie perfekte Work-Life-Balance gefunden. Ein Ende dieses Lebensstils? Für Carina aktuell zumindest kein Thema.

Felix Zipf

Felix Zipf

Nach einem Sportpublizistik-Studium in Tübingen verschlug es Felix wieder zurück in seine Heimat. An der Hochschule in Offenburg studiert der sportaffine Handballer aktuell Wirtschaftsingenieurwesen und konnte durch diverse Praktika interessante Erfahrungen im Bereich Online-Marketing sammeln. Neben sportlichen Aktivitäten tobt sich Felix in den sozialen Medien aus und versucht sich als Hobbyfotograf. Als Teil des sevDesk Teams beackert er verschiedene Themenfelder rund um die Selbstständigkeit und ist ständig auf der Suche nach Interviewpartnern in diesem Bereich.
Felix Zipf
Der Weg zum erfolgreichen Online Unternehmer - Ein Interview mit Peer Wandiger
Der Sparfuchs lässt grüßen - 10 Wege, Bürokosten zu senken