Folgen von Corona für Fotografen: Tipps & Erfahrungsbericht

Das Corona-Virus hat viele Unternehmer in eine tiefe Krise gestürzt. Vor allem Kleinunternehmer, Solo-Selbstständige und Künstler müssen stark um ihre Existenz bangen. Betroffen von dieser Krise sind auch sehr stark Fotografen. Hochzeiten werden abgesagt oder verschoben, Veranstaltungen dürfen nicht mehr stattfinden und schon fast sicher geglaubte oder gebuchte Aufträge gehen verloren. Viele Fotografen haben alle ihre Aufträge verloren und leben von Rücklagen. Kosten müssen an jeder Stelle eingespart werden. Längst ist jedem bewusst geworden, dass sich die Corona-Krise nicht nur zu einer Gesundheitsgefahr entwickelt hat. Aus der Corona-Krise ist eine handfeste und sehr bedrohliche Wirtschaftskrise geworden. Aber was kannst du als freiberuflicher Fotograf dagegen tun?

Diese Infos findest du hier:

Welche Schritte solltest du als Fotograf unternehmen?

Auch für dich als Fotografen gibt es einige Möglichkeiten, wie du deine finanzielle Not minimieren kannst, um diese schwierige Phase zu überstehen. Dafür solltest du jede erdenkliche Hilfe annehmen und deine Existenz absichern. Wir haben deshalb ein paar Tipps für dich zusammengestellt.

  • Sozialversicherungsbeiträge anpassen: Bist du als Fotograf in der Künstlersozialkasse, kurz KSK, versichert, musst du monatlich dafür Beiträge bezahlen. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach dem für das Jahr geschätztem Jahreseinkommen. Für dieses Jahr hast du deine Schätzung spätestens im Dezember 2019 abgeben müssen. Zu dieser Zeit war von Corona noch nichts in Sicht, deine Auftragsbücher für dieses Jahr schon gut gefüllt und damit deine Schätzung wahrscheinlich auch deutlich höher, als was jetzt tatsächlich reinkommt. Deshalb wird dir empfohlen, dich an deine Künstlersozialkasse zu wenden und einen Antrag auf eine Beitragsanpassung oder Stundung deiner Sozialversicherungsbeiträge stellen.
  • Senkung der Vorauszahlungen: Es kommt häufig vor, dass Fotografen auch andere Künstler oder Publizisten beauftragen. Ist dies bei dir der Fall, musst du eine Künstlersozialabgabe entrichten. Das bedeutet, dass du als sogenannter Verwerter monatliche Vorauszahlungen leisten musst. Kannst du nachweisen, dass die für dich geltende Bemessungsgrundlage wegen Corona deutlich unterschritten wird, solltest du in jedem Fall eine Beantragung auf Herabsetzung dieser Vorauszahlungen einreichen.
  • Steuerstundungen beantragen: Der Bund hat in seinen Sofortmaßnahmen für Solo-Selbstständige auch Steuerstundungen beschlossen. Diese Steuerstundungen kannst du für die Zahlung deiner Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Körperschaftssteuer beantragen. Erfahre hierzu mehr in unserem Anleitung Steuerstundungen beantragen wegen Corona. Du musst dafür  keinerlei Versäumniszuschläge zahlen. Setze dich deshalb umgehend mit deinem zuständigen Finanzamt in Verbindung und beantrage eine Steuerstundung. Sollte auch die Gewerbesteuer für dich zur jetzigen Zeit ein massives Problem darstellen, musst du dich wegen einer Stundung an die Gemeinde wenden, in der dein Gewerbe gemeldet ist.
  • Ausgleichszahlung beantragen: Solltest du selbst unmittelbar vom Corona-Virus betroffen sein und beispielsweise unter Quarantäne stehen, kannst du selbstverständlich deinen Job nicht ausüben. Das zuständige Gesundheitsamt stellt dich entweder unter Quarantäne oder erteilt dir ein Tätigkeitsverbot. In diesem Fall kannst du auf Grundlage von § 56. Abs. 1 Infektionsschutzgesetz eine finanzielle Entschädigung beantragen. Diese Regelung ist auch für Selbstständige und Freiberufler gültig. Dein Jahreseinkommen des letzten Jahres stellt hier die Basis für die Ermittlung der Entschädigungsleistung dar.
  • Arbeitslosengeld II beantragen: Arbeitslosengeld II, besser unter dem nicht so beliebten Begriff Hartz IV bekannt, stellt für dich in diesen Zeiten ohne Einnahmen oder dramatischer Umsatzeinbußen die Grundsicherung dar. Auch du als Solo-Selbständiger kannst dies im Moment ohne Vermögensprüfung beantragen. Es steht dir zu und du musst dafür deine Selbstständigkeit auch nicht beenden. Erfahre hierzu mehr in unserem Beitrag Grundsicherung (ALG II) als Selbstständiger beantragen.

Soforthilfen für dich als Fotograf von Bund und Ländern

Die Bundesregierung hat weitere besondere Hilfsmaßnahmen auf den Weg gebracht, die in erster Linie für kleine Unternehmen, für Solo-Selbstständige und Angehörige der freien Berufe gelten. Hier geht es um Sofortmaßnahmen, welche dir helfen, deine Liquidität sicherzustellen. Diese lauten wie folgt:

  • Einmalzahlung für drei Monate in Höhe von bis zu 9.000 Euro für Unternehmen bis zu fünf Vollzeitmitarbeiter
  • Einmalzahlung für drei Monate in Höhe von bis zu 15.000 Euro für Unternehmer mit bis zu zehn Vollzeitmitarbeitern

Diese Einmalzahlungen sollen dabei helfen, dass du akute Engpässe in der Liquidität überbrücken kannst und laufende Betriebskosten gedeckt werden können. Diese Hilfen musst du nicht zurückzahlen.

Hilfspakete und Sofortmaßnahmen werden sowohl von Bund und Ländern angeboten. Wo du was beantragen kannst bzw. musst, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden.

Tipp:

Wir haben für dich in einem Beitrag eine Übersicht über alle Antragsformulare und Corona-Hilfen der einzelnen Bundesländer zusammengestellt.

Auftragskündigung oder Stornierung nicht einfach akzeptieren

Einen ganz wichtigen Punkt solltest du in der derzeitigen Situation auch noch beachten. In dem Moment, wo du als Fotograf gebucht wirst, beispielsweise für eine Hochzeit oder sonstige Aufnahmen, so wird zwischen dir und dem Auftraggeber ein sogenannter Werkvertrag geschlossen. Das bedeutet, dass beide Vertragspartner ihren Pflichten nachkommen müssen.

Tipp:

Es gilt hier also für dich zu prüfen, ob der Auftraggeber diesen Auftrag so einfach stornieren kann. Es ist für dich deshalb wichtig zu prüfen, was in den AGB steht. Es ist zwar nachvollziehbar, dass die Gesundheit im Vordergrund steht, aber es ist durchaus möglich, dass dir für den Auftragsentzug eine Entschädigung zusteht. Also akzeptiere so eine Vertragskündigung nicht einfach, ohne vorher nachzuprüfen, ob dies so einfach möglich ist. Schließlich steht deine Existenz auf dem Spiel.

Eigeninitiative zeigen und neue Wege gehen

Bleiben die Aufträge aus oder werden storniert, kannst du auf die oben genannten Hilfspakete zugreifen. Doch es wäre für dich der falsche Weg, sich jetzt nur darauf zu konzentrieren. Da keiner abschätzen kann, wie lange diese Corona-Krise andauert und wie es danach weitergeht, solltest du selbst auch die Initiative ergreifen und vielleicht neue Wege gehen. Dazu ein paar Tipps.

  • YouTube-Kanal eröffnen: Es gibt sehr viele Hobbyfotografen in unserem Land. Die informieren sich immer öfter online über die neuesten Entwicklungen, Trends und Techniken. Warum also nicht einen YouTube-Kanal starten und dein Wissen an die Hobbyfotografen weitergeben.
  • Online-Schulungen anbieten: Alternativ zu einem YouTube-Kanal kannst du auch Online-Seminare rund um das Fotografieren anbieten. Auch hier bieten sich Hobbyfotografen als ideale Zielgruppe an. Gerade jetzt verbringen die Menschen viel Zeit zu Hause und du kannst dies für deine Online-Kurse perfekt nutzen. Nachfrage besteht auf jeden Fall.
  • Umstellung auf Online-Verkauf: Es gibt immer wieder familiäre Anlässe, bei denen Fotogeschenke, beispielsweise als Fotomappe, hoch im Kurs stehen. In Corona-Zeiten ein idealer Anlass auf den Online-Verkauf umzusteigen. Du kannst dir von Kunden Fotos schicken lassen, diese bei dir bearbeiten und als tolle Fotomappe online an den Kunden zu verkaufen.
  • Bildband erstellen: Als Fotograf bist du auch Künstler. Es müssen aber nicht immer nur Bilder von Hochzeiten, Veranstaltungen oder Passbilder sein. Mache deinen eigenen Bildband. Gerade in dieser Zeit von Corona bieten sich dir möglicherweise Gelegenheiten für einmalige Schnappschüsse. Gehe allein durch die Straßen, schieße Fotos in Corona-Zeiten und kreiere daraus einen Bildband mit vielen verschiedenen Eindrücken.
  • An eigene Weiterbildung denken: Nutze die Zwangspause oder die weniger arbeitsreiche Zeit und bilde dich weiter. Lerne hinzu, verbessere deine Technik und bereite dich damit auf die Zeit nach Corona vor. Desto größer dein Wissen ist und je mehr Qualifikationen du vorweisen kannst, desto besser kann der Start nach der Krise erfolgen.

Interview mit einem Fotografen: Erfahrungen und Tipps

Wir haben den selbstständigen Fotografen Marcel Lehner aus Österreich, Inhaber des Fotostudios Marcel Lehner – Film & Photography ,zur aktuellen Situation und seinen Umgang mit der Corona-Krise befragt.

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Marcel Lehner, Fotograf aus Österreich

1. Was betreibst du für ein Business bzw. in welcher Branche bist du tätig?

Ich bin Berufsfotograf und betreibe das (Foto-) Studio Lehner für professionelle Werbe- und Produktfotografie im Herzen von Wien. Ich bin meinen Kunden aus Wirtschaft, Politik und Kultur sehr verbunden und helfen Ihnen dabei individuell zugeschnittene Werbebotschaft in Bildern oder Bewegtbildern in Form von Imagefilmen zu transportieren. Dabei setze ich bereits seit mehr als 10 Jahren auf ein erstklassiges Services – vom Fotokonzept bis zur digitalen Nachbearbeitung.

2. Bist du Solo-Selbstständig oder Kleinunternehmer und hast du Angestellte?

Ich bin als Ein-Personen-Unternehmen (EPU) tätig. Dennoch habe ich ein großartiges Kernteam aus Fotografen, Kameramännern und Make-Up-Artists, welche als freie Mitarbeiter bei einer Vielzahl meiner Projekte mitwirken.

3. Bist du von der aktuellen Corona Krise betroffen?

Als Betreibers eines Fotostudios mit personenbezogenen Dienstleistungen und Produktfotografie bin ich teilweise von der Corona Krise betroffen. Laut der Verordnung des Sozialministeriums ist das Betreten meiner Betriebsstätte für Kunden vorerst untersagt. Die Produktfotografie kann dennoch weiterhin durchgeführt werden.

4. Wie informierst du dich über Neuigkeiten und den aktuellen Stand?

Meine primäre Anlaufstelle ist das Info-Service der Wirtschaftskammer Wien sowie das des Fachverbands der Berufsfotografen.

5. Was waren deine Reaktionen auf die Corona Krise? Was waren deine ersten Schritte?

Bestehende Kundentermine habe ich, wo möglich, zeitnahe verschoben. Für Aufträge, bei welchen eine Verschiebung nicht möglich war, habe ich meinen Kunden eine kostenfreie Stornierung angeboten.

6. Welche Maßnahmen hast du ergriffen? Wie konntest du Kosten einsparen?

Einen Großteil meiner Fixkosten macht die Miete meines Fotostudios aus. Wegen des behördlich verhängten Betretungsverbots bin ich im Augenblick mit meinem Vermieter in Gesprächen wegen einer Mietzinsminderung. Andere Ausgaben sind tragbar und müssen im Augenblick nicht reduziert werden.

7. Nutzt du bestimmte Tools, die dir momentan die Arbeit erleichtern? (z.B. online-Bestellsoftware integriert, kontaktloses Bezahlen, Konferenz-Tools im Home Office, etc.)

Der Digitalisierungsgrad der Geschäftsprozess bei Marcel Lehner – Film & Photography war bereits vor Corona hoch. Nun habe ich aber die gesamte Kommunikation auf Telefon, Skype und andere Online-Konferenz-Systeme wie z. B. Zoom umgestellt. Abstimmungsprozesse zur Druckfreigabe und zum Proofing der Bilder erfolgen standardmäßig online und die Bestellung via Web-Shop und kontaktloses Zahlen sind bereits seit Jahren in meinem Fotostudio möglich.

8. Machst du aktuell Werbung für dein Business?

Nein, zumindest keine bezahlte Werbung. Nachdem der Social-Media-Konsum aufgrund der derzeitigen Lage stark angestiegen ist, habe ich meine Aktivitäten in diesem Bereich intensiviert und wo möglich automatisiert.

9. Weißt du, dass die Regierung mit Hilfskrediten plant dir zu helfen?

Die unterschiedlichen Hilfspakete der Regierung sind mir, soweit schon verabschiedet, bekannt. Nachdem mein Geschäft aufgrund der Produktfotografie allerdings weiterhin „gut“ läuft, werde ich keine Hilfe in Anspruch nehmen.

10. Hast du irgendwelche Tipps für andere Selbstständige/Kleinunternehmer, die in der gleichen Situation sind wie du?

Wir alle sind in einer Situation, die wir uns bis vor Kurzem nicht vorstellen konnten. Daher sind Lösungen gefragt, welche der aktuellen Situation angemessen sind. Als Fotograf kann man die Zeit für unterschiedlichste Aktivitäten nutzen. Ich zum Beispiel habe folgende Agenda:

  • Austellung für den Herbst planen (Retusche, Druck, Location Recherche, Einladungen verschicken, etc. )
  • Produktshootings
  • Online Kunden-Akquise
  • Bereinigen und verschlagworten meines Bildarchivs
  • Erarbeiten von neuen Geschäftsmodellen / Prozessen
  • Erstellung von digitalen Produkten wie Webinars, Podcasts und Video-Tutorials
  • Weiterbildung in jeglicher Form (Lesen, Online-Kurse, Skype-Coachings, etc.)

11. Wie bewältigst du aktuell die Bürokratie und deine Buchhaltung?

Für meine Buchhaltung setze ich nach wie vor auf sevDesk. Die Software überzeugt mich bereits seit vielen Jahren und hilft mir auch in dieser Zeit – vor allem bei der Neukundenakquise und den aktuell vielen Zahlungserinnerungen.

12. Welche Next Steps hast du für die nächste Zeit geplant?

Ich habe eine Vielzahl an neuen Projekt- und Geschäftsideen – auch fernab der Fotografie. Diese gilt es nun zu Evaluieren, zu Priorisieren und zu Terminieren. Da kommt das Homeoffice genau richtig.

13. Wie denkst du, dass es nach der Krise für dich weitergeht?

Ich bin voller Zuversicht, was die Zukunft bringt. Unternehmen, welche die aktuelle Situation als Chance nehmen und mit der richtigen Portion an Leidenschaft, Arrangement und Durchhaltevermögen an die Sache herangehen, werden aus der Krise gestärkt hervorgehen.

Fazit

Auch wenn Fotografen zu der Branche gehören, welche unter dem Corona-Virus besonders zu leiden hat, sagt dies nicht aus, dass die Welt jetzt verloren ist. Es gibt einige Möglichkeiten, die sich dir bieten, diese Krise zu überstehen. Einiges kannst du selbst machen, einiges wird dir an staatlichen Hilfen zur Seite gestellt. Damit kannst du deine Existenz auf jeden Fall retten, wenn du versuchst die genannten Tipps umzusetzen.

Hinweis!

Wenn du im Moment keine oder nur wenige Aufträge hast, haben wir einige Tipps wie du beispielsweise bei der Einnahmen-Überschuss-Rechnung Geld sparen kannst.

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Fabian Silberer

Mit 22 Jahren eine GmbH zu gründen, erfordert Mut. Fabian hatte vor einigen Jahren zusammen mit seinem damaligen Studienkollegen Marco diesen Mut und ist heute CEO von sevDesk. Er weiß demnach, wovon er spricht, wenn es um Unternehmertum und den steinigen Weg in die Selbstständigkeit geht.

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