Altersvorsorge in der Selbstständigkeit – die Zukunft im Blick!

Geben wir jungen Menschen es doch zu – die Altersvorsorge interessiert uns noch nicht wirklich. Dich ebenso wenig wie mich. Wir möchten das Leben genießen und nicht gleich so große Teile unseres noch kleinen Einkommens in irgendwelche Sparpläne stecken. Sparpläne, die uns irgendjemand empfohlen hat und von denen wir vielleicht nicht einmal Ahnung haben.

Insbesondere die Altersvorsorge bleibt in der Selbstständigkeit eher liegen, als dass du sie ambitioniert angehst. Das Einkommen schwankt, du möchtest erst einmal etwas Festes aufbauen und dann irgendwann die Früchte ernten. Aber ist es denn wirklich so schwierig, sich als Selbstständiger von Beginn an zumindest ein bisschen um die Altersvorsorge zu kümmern? Eigentlich nicht.

Es gibt schlaue Herangehensweisen, wie du das Thema langsam und erfolgreich aufbauen kannst. Genau wie dein Business. Und je besser dieses dann läuft, desto mehr Schritte gehst du in der Altersvorsorge weiter. Es ist einfacher, als du vielleicht denkst.

Das erwartet dich:

Du darfst die Altersvorsorge nicht vernachlässigen

Das Thema Rente wäre recht schnell abgehandelt, wenn wir in Deutschland ein verlässlicheres System hätten. Heutzutage sehen wir uns stetig mit Problematiken wie der Altersarmut konfrontiert. Damit einher geht die allgegenwärtigen Warnung, dass wir nur von der gesetzlichen Rente im Alter nicht leben werden können. „Wir“, das sind vor allem jungen Menschen. Und „Wir“, das sind ebenso Selbstständige, die in teilweise nicht pflichtversichert sind und dementsprechend nicht in die gesetzliche Rentenkasse einbezahlen.

Um so einer Armut vorzubeugen, ist die private Altersvorsorge ein Punkt, an den du ein ganzes Leben denken musst. Ob du angestellt bist oder eben selbstständig arbeitest, spielt keine Rolle. Aber gerade in der Selbstständigkeit ist das Ganze ein äußerst wichtiger Punkt. Denn bist du nicht (mehr) angestellt, bezahlst du auch keine Beiträge zur Rentenversicherung. Das ändert sich erst, wenn du dich freiwillig versicherst, in die Künstlersozialkasse (KSK) eintretest oder entsprechend private Versicherungen abschließst.

Beachte an dieser Stelle aber noch einmal explizit die Problematik vom Anfang des Abschnitts. Selbst wenn du dich freiwillig versicherst oder in die KSK gehst, reicht die hiermit angesparte gesetzliche Rente später nicht, um gut leben zu können. Also ist die eben genannte dritte Möglichkeit, nämlich die private Altersvorsorge, in allen Fällen obligatorisch.

Wie viel Geld wirst du im Alter haben?

„Ist das nicht alles ein bisschen drastisch formuliert?“, wirst du vielleicht denken. Leider nein. Den die oben beschriebenen Entwicklungen lassen sich anhand von Zahlen belegen. Einem Bericht aus dem Tagesspiegel nach, soll das gesetzliche Rentenniveau ab dem Jahr 2045 auf gerade einmal 41,6 Prozent des Durchschnittseinkommens aus dem gesamten Arbeitsleben abfallen.

Nimmt man dazu die aktuelle Statistik über das jährliche Durchschnittseinkommen in Deutschland, dann stoßen wir auf einen Betrag von knapp 33.400 Euro im letzten Jahr. Brutto, versteht sich. Angenommen, du nimmst jetzt dein ganzes Arbeitsleben Jahr für Jahr diesen Betrag mit nach Hause, dann hättest du später einmal eine Bruttorente von 1.157 Euro im Monat. Und davon bleiben netto wiederum etwa 920 Euro übrig. Reicht dir das zum Leben?

Natürlich ist davon auszugehen, dass dein Verdienst in der Selbstständigkeit weitaus höher ist als das genannte Durchschnittseinkommen. Aber diese Zahlen geben ein Gefühl dafür, wohindu dich in den kommenden Jahrzehnten bewegen wirst.

Deshalb gilt es vorzusorgen. Und zwar fürs Alter. Und für deine Zukunft.

Wie sieht die Altersvorsorge in der Selbstständigkeit aus?

Nun soll dieser Beitrag aber keine Schimpftirade auf das deutsche Rentensystem werden. Vielmehr möchte ich dir einige Tipps mit auf den Weg geben, was du für deine Altersvorsorge in der Selbstständigkeit tun kannst.

Wenn du mit deiner Selbstständigkeit gerade in den Kinderschuhe steckst oder erst loslegen möchtest, dann könnte es tatsächlich noch ein bisschen viel verlangt sein, sofort an die private Altersvorsorge zu denken. Aber du solltest das Thema schon in den kommenden Monaten angehen. Dazu präsentiere ich dir nun einige Methoden zur Altersvorsorge in der Selbstständigkeit.

Riester-Rente

Bei der Riester-Rente handelt es sich um einen staatlich geförderten und steuerlich anteilig absetzbaren Sparplan mit einer jährlich ausgeschütteten Prämie. Dieser ist allerdings nur für pflichtversicherte Selbstständige geeignet (Ausnahme sind mittelbar begünstigte Personen). Die meisten Selbstständigen sind nicht pflichtversichert, weshalb wir die Riester-Rente an dieser Stelle nicht weiter ausführen.

Rürup-Rente

Die Rürup-Rente ist für Selbstständige schon interessanter, da hier tatsächlich jeder einsteigen kann, der gerne möchte. Auch die Rürup-Rente ist ein staatlich geförderter Sparplan, bei dem Du einen flexibel bestimmten Monatsbeitrag einzahlst. Einen Großteil des Geldes (aktuell 84%, in ein paar Jahren ganze 100%) kannst Du in Deiner Steuererklärung als Sonderausgabe geltend machen.

Es gibt zwar jährliche Höchstgrenzen, aber die liegen weit über 10.000 Euro – und das muss man erst einmal einzahlen. Ausgezahlt wird am Ende eine monatliche Leibrente wie auch bei der gesetzlichen Rentenversicherung.

Private Rentenversicherung

Die private Rentenversicherung ist sozusagen der Klassiker der Altersvorsorge in der Selbstständigkeit. Hier zahlst Du auch wieder einen monatlichen, flexibel bestimmbaren Betrag ein und am Ende gibt es entweder eine einmalige Komplettauszahlung zum Renteneinstieg oder eine monatliche Lebensrente.

Sofern der Versicherer erfolgreich gearbeitet hat, besteht die Chance auf Überschüsse, womit die ausgezahlte Rente über das Angesparte hinaus steigt. Die private Rentenversicherung zeichnet sich vor allem durch ihre Sicherheit aus und aktuell können 84% der Beiträge steuerlich geltend gemacht werden. Die Höchstgrenze liegt wie bei der Rürup ebenfalls sehr hoch.

Fondsgebundene Rentenversicherung

Die fondsgebundene Rentenversicherung wirst Du super finden, wenn Du der gewinnorientierte Geldanlage-Typ bist. Hier werden die gezahlten Beiträge in Investment-Fonds eingezahlt und jährlich verzinst. Das heißt, dass Du am Ende definitiv mehr an Rente bekommst, als Du ursprünglich eingezahlt hast. Allerdings birgt diese Altersvorsorge in der Selbstständigkeit ein gewisses Risiko, weil es anstelle von Zinsgewinnen auch zu Kursschwankungen und damit zu Verlusten kommen kann.

Das Gleiche gilt, wenn Du eigenständig in Aktien, Fonds oder ETF-Produkte investierst und dies langfristig laufen lässt. Aber hast Du ein Auge auf die Qualität der Produkte und lässt Du das Geld wirklich über viele Jahre hinweg unangetastet, eignen sich auch diese beiden Wege für die Altersvorsorge.

Monatliches Sparen ohne Versicherungen

Die letzte Möglichkeit zur Altersvorsorge in der Selbstständigkeit ist so einfach, wie sie sich anhört. Du kannst Dich natürlich auch komplett frei von Verträgen und Versicherungen halten. Richte ein Sparkonto ein und überweise immer zum Monatsanfang einen prozentualen Anteil Deines Einkommens auf dieses Konto.

Das ist eine schöne Herangehensweise, um beispielsweise für den nächsten Urlaub zu sparen. Du musst nur die Disziplin haben, das Konto nicht anzurühren. Wenn du planst damit langfristig für dein Alter vorzusorgen, solltest du den inflationsbedingten Wertverlust deines Geldes berücksichtigen.

Altersvorsorge ist doch ganz einfach

Eigentlich ist es doch eigentlich ganz einfach, den systematischen Problemen der gesetzlichen Rente aus dem Weg zu gehen. Auch Selbstständige können flexibel aus mehreren Anlage- und Vorsorgemethoden wählen, die alle ihre Vorteile und Nachteile haben. Sie können abhängig oder auch unabhängig sein, ganz nach den eigenen Anforderungen.

In diesem Sinne wünschen ich Frohes Sparen und hoffen, dass ich dir bei der Altersvorsorge in deiner Selbstständigkeit helfen konnte.

Über den Autor

Eike Kewitz arbeitet unter seinem freiberuflichen Label Elbcontent als Texter und Redakteur in Hamburg und gehört unter anderem dem Redaktionsteam von Freelance Junior an. Seine große Stärke sind Finanzthemen, die er schon in unzähligen Gastbeiträgen behandelt hat. Qualität, Transparenz und ein freundschaftliches Verhältnis zu seinen Kunden stehen bei ihm an erster Stelle.

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