Altersvorsorge – So schützen sich Gründer vor der Altersarmut

Finanzielle Freiheit ist für viele Gründer eine der Hauptmotivationen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Ein durchaus verständliches Ziel, das mit ein wenig Durchhaltevermögen und Unternehmergeist oft erreicht werden kann. Doch was ist, wenn man einmal nicht mehr arbeiten gehen und sich zur Ruhe setzen möchte?

Selbstverständlich wollen Sie in der ersten Zeit nach Ihrer Gründung den großen Teil Ihrer Energie ins Unternehmen stecken. Das ist gut und richtig. Dennoch dürfen Sie die Altersvorsorge mittelfristig nicht aus den Augen verlieren. Anders als Arbeitnehmer, sind die meisten Unternehmer oder Selbstständigen in Deutschland nicht dazu verpflichtet, für das Alter vorzusorgen. Allerdings gibt es einige Ausnahmen.

Wer ist in der gesetzlichen Rente pflichtversichert?

  • Handwerker und Hausgewerbetreibende
  • Lehrkräfte, die regelmäßig mehr als 450,00 Euro monatlich verdienen. Zu Lehrern zählen auch beispielsweise Nachhilfekräfte, Sport-Coaches, Trainer oder Moderatoren
  • Erzieher und Tagesmütter
  • Beschäftigte in der Pflege, die vor allem auf ärztliche Anordnung handeln
  • Hebammen und Entbindungspfleger
  • Seelotsen (keine Binnenlotsen), Travelotsen und Lotsen der Flensburger Förde
  • Küstenschiffer und -fischer, die nicht regelmäßig nicht mehr als vier versicherungspflichtige Arbeitnehmer beschäftigen
  • Künstler und Kunstlehrende (Musik, darstellende oder bildende Kunst).
  • Publizisten und publizistisch Lehrende (Schriftsteller, Autoren und Journalisten)
  • Scheinselbstständige (also Selbstständige, die fast ausschließlich bei einem einzigen Arbeitgeber beschäftigt sind)

Auch, wenn Sie nicht zu diesen Berufsgruppen zählen, können Sie freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung verbleiben. Dies ist besonders dann sinnvoll, wenn Sie bereits in die gesetzliche Kasse eingezahlt haben. Denn nur so bleiben Ihre bisher erworbenen Ansprüche erhalten und können weiter ausgebaut werden. Voraussetzung hierfür ist, dass Sie mindestens das 16. Lebensjahr vollendet haben und in Deutschland leben. Die Beiträge berechnen sich nach dem gesetzlichen Beitragssatz. Jedoch können Sie Ihre persönlichen Einzahlungen flexibel anpassen, also auch mehr einzahlen, als mindestens erforderlich ist. Denn: Je höher Ihre Einzahlungen sind, desto höher ist auch die Rente, die Sie später zu erwarten haben. Wichtig: Wer sich freiwillig versichert, muss jeden Monat einzahlen, um den Rentenanspruch aufrecht zu erhalten. Ausnahmslos.

Mehr Infos zur freiwilligen Versicherung in der gesetzlichen Rentenkasse gibt es unter  www.deutsche-rentenversicherung.de

Eine Option für freiberufliche Künstler und Publizisten ist die Künstlersozialkasse. Erfüllen Sie bestimmte Voraussetzungen, sind Sie berechtigt (und verpflichtet), dieser beizutreten und sowohl Beiträge für die Kranken- als auch für die Rentenversicherung einzuzahlen. Der große Vorteil: Sie müssen nur 50 % der Beiträge selbst übernehmen. Ob Sie sich über die KSK versichern können, wird nach einem entsprechenden Antrag entscheiden.

Für Selbstständige selbstverständlich:
die private Vorsorge

In der Regel wird es nicht ausreichen, sich allein auf die gesetzliche Rente zu verlassen. Dies gilt für Arbeitnehmer ebenso wie für Selbstständige, die weiterhin pflichtversichert sind.
Eine (zusätzliche) private Vorsorge ist daher unerlässlich.

Vorsorgen steuerlichen Vorteilen:
Die Rürup-Rente

Um Unternehmern ähnliche steuerliche Vorteile bieten zu können, wie die, von der Arbeitnehmer im Rahmen der Riester-Rente profitieren, wurde 2005 die so genannte Rürup-Rente eingeführt.

Ihre Vorteile:

  • Flexible Beitragshöhe.
  • Im Falle einer Insolvenz ist die Rürup-Rente nicht pfändbar.
  • Es besteht die Möglichkeit, sich vorübergehend von den Beitragszahlungen befreien zu lassen.
  • Die Beiträge, die in die Rürup-Rente eingezahlt werden, können bei Inanspruchnahme von Hartz IV nicht angetastet werden.
  • Pro Jahr können Alleinstehende 20.000 Euro und verheiratete Personen 40.000 Euro der Beiträge steuerlich absetzen. (Im Jahr 2014 bis zu 78 %, 2015 dann bis zu 80 %.)
  • Der Partner kann für den Todesfall mitversichert werden.

Trotz aller Vorteile sollten Sie einige Dinge beachten. So wird die Rürup-Rente beispielsweise nachgelagert versteuert. Das bedeutet, Sie zahlen bei Rentenbezug Steuern auf die erhaltenen Leistungen. In jedem Fall ist es ratsam, sich unabhängig beraten zu lassen und Angebote für unterschiedlichen Versicherern einzuholen, bevor Sie sich für Rürup entscheiden.

Immobilien

Das Eigenheim ist noch immer der Inbegriff für einen sorgen-, weil mietfreien Ruhestand. Allerdings eignet dieses sich nicht als Kapitalanlage und dient eher einer geringeren finanziellen Belastung.
Anders sieht es mit Betriebsimmobilien aus. Diese werden aus steuer- und haftungsrechtlichen Gründen oft privat finanziert – und stellen so bei Übernahme oder Verkauf des Betriebes eine Mieteinnahmequelle dar. Allerdings ist das Prinzip nicht immer ganz so einfach, wie es klingt. Sie müssen sich hier in jedem Fall von einem guten Steuerberater unterstützen lassen.

Vermögensaufbau mit Anleihen und Aktien

Eine bürokratisch unkomplizierte, aber nicht risikofreie Version der Altersvorsorge ist der Aufbau von Vermögen, auf das im Alter zurückgegriffen werden kann.

Wer in Wertpapiere und Anleihen investieren möchte, sollte im Vorfeld eine gute und auf langfristigen Erfolg ausgelegte Strategie erarbeiten (lassen). Grundsätzlich gilt: die Mischung macht’s. Streuen Sie Ihr Geld auf viele unterschiedliche Werte, um das Risiko eines Komplettausfalls gering zu halten. Zudem sollten Sie flexibel bleiben und Ihr Depot mindestens einmal im Jahr überprüfen.

Unternehmensübertragung

Wer ein Unternehmen gründet und aufbaut, schafft damit im Idealfall einen bleibenden Wert – auch dieser kann am Ende des Berufslebens dazu beitragen, sich in finanzieller Sicherheit zur Ruhe setzen zu können.
Es gibt zahlreiche Modelle, wie Sie Ihr Unternehmen übertragen können.  Dazu zählen beispielsweise der Verkauf gegen eine Einmalzahlung, gegen Renten- oder Ratenzahlungen, die Pacht oder die Übertragung gegen Nießbrauchsvorbehalt. Was sich für Sie am meisten lohnt, hängt von zahlreichen Faktoren ab – unter anderen natürlich von den Plänen desjenigen, der Ihre Firma übernimmt.
In jedem Fall sollten Sie sich aber nicht darauf verlassen, Ihren Lebensunterhalt im Alter komplett von den Erlösen aus der Unternehmensübertragung bestreiten zu können. Sichern Sie sich frühzeitig über andere Möglichkeiten ab.

Die goldenen Vorsorge-Regeln

  • Unabhängige Beratung

    Die Altersvorsorge ist ein komplexes Thema. Lassen Sie sich bei der Planung von einem unabhängigen Experten unterstützen. Verlassen Sie sich nicht auf Empfehlungen von Freunden oder Bekannten, sondern informieren Sie sich aktiv selbst zu den unterschiedlichen Möglichkeiten, um entscheiden zu können, welche Lösungen für Sie passend sind.

  • Realistische Bedarfseinschätzung

    Um bestmöglich vorzusorgen, sollten Sie eine Vorstellung davon haben, wie viel Geld Sie monatlich benötigen, nachdem Sie sich zur Ruhe gesetzt haben. Ganz wichtig: Bleiben Sie realistisch. Denken Sie daran, dass Sie im Alter vermutlich nicht gerne auf Ihren bisherigen Lebensstandard verzichten wollen. Berücksichtigen Sie auch, dass 100 Euro in 20, 30 oder 40 Jahren bei weitem nicht mehr so viel wert sein werden, wie heute.

  • Vernünftige Kombination

    Gerade, wenn Sie für einen Teil Ihrer Vorsorge auf Wertpapiere oder andere spekulative Geschäfte setzen, sollten Sie immer einen „Plan B“ in der Tasche haben, der Ihnen im Fall der Fälle zumindest eine gewisse Grundabsicherung bietet.

Peter Sutter

Head of Marketing und bei den neusten Marketingstrends up to date. Peter kennt die Kunden von sevDesk genau und weiß daher um die Bedürfnisse von kleinen Unternehmen. Auf unserem Blog teilt er sein Wissen mit dir!

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